Feuerwehr Ausbildung: Kohlenmonoxid

Achtung – unsichtbare Gefahr

Bremen – Kohlenmonoxid (CO) stellt eine große Gefahr an der Einsatzstelle dar. Das geruchlose Gas entsteht durch eine unvollständige Verbrennung. In erhöhter Konzentration wirkt es tödlich. Doch Einsatzkräfte können sich mit mobilen CO-Warngeräten schützen.

Dieser Melder trägt für die Erkundung einen CO-Warner an seiner Einsatzjacke. Foto: Sven Buchenau

Ein Rettungswagen (RTW) wird in einer Nacht dreimal zu demselben Gebäudekomplex in Hamburg-Harburg alarmiert. Jedes Mal klagen andere Bewohner aus unterschiedlichen Wohnungen des Mehrfamilienhauses über verschiedene Beschwerden. Weil am Morgen dieses 2. Dezember 2014 ein Mieter vermisst wird, bittet die Polizei die Feuerwehr um Unterstützung bei der Türöffnung. Im folgenden Einsatz finden die Kräfte drei Tote im Haus, zehn weitere Personen sind schwer geschädigt – durch Kohlenmonoxid (CO). Auslöser war in diesem Fall eine defekte Heizungsanlage (Einsatzbericht in FM 8/2015).

Die Möglichkeiten, wann und wo das Atemgift CO entsteht, sind vielfältig: grundsätzlich bei jeder Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Materialien wie Holz, Papier, Kohle, Erd- und Flüssiggas sowie vielen Kunststoffen. “Wenn aber beim Verbrennungsvorgang eine Sauerstoffunterversorgung herrscht, können schnell große Mengen des sehr giftigen, farb-, geruchs- und geschmacklosen Gases entstehen”, erklärt Diplom-Biologe Tim Pelzl, Leiter der Geschäftsstelle des Fachbereichs “Feuerwehren, Hilfeleistungen, Brandschutz” der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Baden-Württemberg.

CO hat eine stark giftige Wirkung auf Blut, Nerven und Zellen des menschlichen Körpers. Diese besteht unter anderem darin, dass es den Sauerstoff von den roten Blutkörperchen (genauer: vom Hämoglobin) verdrängt und dadurch die Transportkapazität des Sauerstoffes im Blut drastisch reduziert. CO wird in parts per million (ppm), Teile von einer Million, gemessen. Je nach Schwere der Vergiftung sind die körperlichen Schäden irreparabel.

CO-Vergiftungen werden oft nicht sofort erkannt

Bei leichten CO-Vergiftungen können Symptome wie leichte Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Schwindel dazu führen, dass die eigentliche Ursache übersehen wird. Während Feuerwehrleute in der Vergangenheit beim Stichwort CO an die klassische unvollständige Verbrennung, etwa durch eine defekte Gasheizung wie im Hamburger Beispiel.

Michael Rueffer
Warngeräte sind oft in auffälligen Farben ausgeführt. Foto: Michael Rüffer

Einsatzkräfte können mit Kohlenmonoxid zum Beispiel durch Grillgeräte in geschlossenen Räumen konfrontiert werden. Entweder sind diese in Unwissenheit oder auch mit suizidaler Absicht dort aufgestellt worden. Bei biologischen Abbauprozessen – wie in Holzpelletlagerräumen, nicht richtig funktionierenden Kaminen bis hin zu unsachgemäß betriebenen Shisha-Wasserpfeifen in geschlossenen oder schlecht gelüfteten Räumen – kann eine erhöhte CO-Konzentration entstehen.

8 Praxis-Tipps

  1. CO-Warner auf der Anfahrt zum Einsatzort einschalten.
  2. Bei CO-Alarm müssen Einsatzkräfte ohne Atemschutz den Bereich sofort verlassen.
  3. Einsatzstelle evakuieren und absperren.
  4. Betroffene betreuen, beobachten und an Rettungsdienst übergeben.
  5. Weiteres Erkunden und Entfernen der Ursache nur unter Atemschutz.
  6. Auch benachbarte Objekte prüfen.
  7. Fenster öffnen und Einsatzstelle belüften.
  8. CO-Warner nach dem Gebrauch überprüfen. Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.

“Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst müssen also stets damit rechnen, dass eine Gefährdung durch CO auftreten kann und ihre Einsatzmaßnahmen daraufhin ausrichten”, rät Pelzl. Die CO-Konzentration im Blut kann der Rettungsdienst bereits vor Ort mit einem so genannten Pulsoxymeter feststellen. Aber dann könnte es für die Retter bereits zu spät sein.

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Wichtig: Zur Erkundung vorgehende Kräfte ohne Atemschutz wie Gruppen- und Zugführer sind besonders gefährdet. Bei einer hohen CO-Konzentration genügen wenige Atemzüge, um das Bewusstsein zu verlieren.

Sicherheit im Einsatz bieten CO-Warngeräte. “Es ist sinnvoll, anhand einer Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, in welchem Umfang CO-Warngeräte mitgeführt werden sollen”, erklärt Pelz. “Jeder in nicht erkundete Bereiche vorgehende Trupp sollte mindestens einen CO-Warner dabei haben”, empfiehlt Marco Pfeuffer von der Berufsfeuerwehr Mannheim. Pfeuffer hat an der MMH-Studie “Gefährdung durch Kohlenmonoxid an der Einsatzstelle” der Berufsfeuerwehr Wiesbaden mitgewirkt, die der Beantwortung folgender Frage dient: “Wie stark sind Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie des Rettungsdienstes bei alltäglichen oder auch bei besonderen Einsätzen durch das Atemgift Kohlenmonoxid gefährdet?”

Kohlenmonoxid-Warngeräte werden zum Beispiel an Ösen und Laschen von Überjacken, an Funktionswesten oder am Atemschutzgerät getragen. CO-Warner können mit akustischen Signalen sowie Vibrationsalarm ausgerüstet sein.

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Darauf müsst Ihr achten

“Werden CO-Warngeräte mitgeführt, sollten diese noch außerhalb eines potenziellen Gefahrenbereiches eingeschaltet werden”, sagt Pelzl. “Zum Beispiel zu Dienstbeginn oder auf der Fahrt zum Einsatzort, damit die Sensoren im Frischluftbereich in Betrieb gehen können. Wichtig ist auch, dass die Messgeräte von den Einsatzkräften ständig personennah getragen werden und ein ausreichender Luftzutritt zum CO-Warngerät gewährleistet ist.”

“Einsatzkräfte müssen nicht wissen, wie CO-Warngeräte funktionieren, sondern sollen bei einer Information über eine zu hohe Konzentration die richtigen Maßnahmen einleiten können”, meint Pfeuffer. Ist eine erhöhte Konzentration festgestellt worden, muss der Bereich sofort evakuiert werden. Betroffene Personen – auch Einsatzkräfte – müssen betreut, beobachtet und so schnell wie möglich an den Rettungsdienst übergeben werden. Anschließend: Lage beurteilen.

Ein weiteres Vorgehen zum Feststellen und Beseitigen der Ursache ist nur unter umluftunabhängigem Atemschutz möglich. Um ein Gebäude ohne Pressluftatmer wieder betreten zu können, müssen die Fenster geöffnet und das Haus ausreichend lange belüftet werden. Erst wenn die Ursache des CO-Austritts beseitigt ist und die Messgeräte der Atemschutzgeräteträger im Innern wieder normale Werte anzeigen, kann der Bereich gefahrlos betreten werden.

Symbolfoto: Michael Rüffer

“Wie bei allen Gaswarngeräten im Feuerwehreinsatz gilt auch bei CO-Warngeräten: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz”, meint Pelzl. “Wurde das Warngerät bei einem Einsatz benutzt, ist danach eine Funktionskontrolle notwendig. Dabei wird das Gerät unter anderem mit Prüfgas beaufschlagt, um zu testen, ob der Sensor weiterhin einwandfrei funktioniert. Die Wartung und regelmäßige Prüfung der Geräte muss festgelegt und organisiert sein.”

Vor der Beschaffung richtig informieren

Vor der Beschaffung von CO-Warnern sollte die Feuerwehr entscheiden, ob die Wartung und gegebenenfalls Reparaturen selbst vorgenommen werden sollen. Bei den Herstellern sollte vor der Beschaffung nachgefragt werden, welche Folgekosten zum Beispiel Prüfgase und Teststationen verursachen. Bedienkomfort, die Beleuchtung des Displays, Befestigungsmöglichkeiten, Robustheit und die freie Wählbarkeit der Alarmschwellen sind weitere Auswahlkriterien.

2 Kommentare zu “Achtung – unsichtbare Gefahr”
  1. Achtung bei Verwendung von PulsOxymetern, diese können keine Vergiftung durch CO nachweisen, da sie nicht zwischen Sauerstoff und CO im Blut unterscheiden können. Auch bei akkuter CO Vergiftung zeigen diese Gerät immer noch eine Sauerstoffsättigung von > 90 an.

  2. Unbekannt

    Welch fantastisches deutsch in dem Artikel.

    “…hatte das Feuerwehr bereits auf das Gebäude übergegriffen…”

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