Einsatzleiter schuld an tödlichem Unglück

Worms (RP) – Nach einem tödlichen Eigenunfall während der Bekämpfung eines Silobrandes im Jahr 2008 in Rheindürkheim hat das Amtsgericht Mainz den damaligen Einsatzleiter für das Unglück verantwortlich gemacht. Das berichtete die “Allgemeine Zeitung”. Demnach habe der Mann eine gravierend fehlerhafte Löschmethode angeordnet, die letztlich der Auslöser für eine Explosion gewesen sei. Bei dem Einsatz war ein Feuerwehrmann getötet worden, mehrere Kameraden erlitten schwere Verletzungen. Auch der Einsatzleiter wurde schwer verletzt. Er saß nach dem Unglück im Rollstuhl und nahm sich später das Leben.

Artikel: “Gravierend fehlerhafte Methode” (Allgemeine Zeitung, 5. Februar 2014)

9 Kommentare zu “Einsatzleiter schuld an tödlichem Unglück”
  1. Jan Steffen

    Ein historischer Ausspruch lautet: de mortuis nil nisi bene.
    Über einen verunglückten Feuerwehrmann zu urteilen, der sich aus Verzweiflung das Leben genommen hat, ist pietätlos. Gegenüber dem Verunfallten, aber auch gegenüber dem Einsatzleiter, der sich das Leben genommen hat ebenso wie gegenüber den Hinterbliebenen. Wer über ihn urteilt, muß in so einer Situation erst einmal beweisen, daß er es richtig gemacht hätte. Jetzt, im nachhinein, weis es sowieso jeder besser. Vor allem Sachbearbeiter, Gutachter und Versicherungsangestellte. Wenn Wasser hier das schlechteste Löschmittel war, wo wurde denn dann das bessere bereit gehalten? Wieso wird das vom Betreiber einer solchen Anlage nicht direkt bereit gestellt? Ich wünsche niemandem, eine geliebten Menschen auf eine solche Art und Weise verlieren zu müssen. Und hoffentlich waren die unzähligen FeuerwehrkameradInnen nicht vergebens auf der Beerdigung.
    Rückblickend ist es einfach, die Fehler aus dem Einsatz anzukreiden. Hoffentlich war es kein moralischer Fehler, einen “Schuldigen” zu benennen. Aber Sachbearbeitern und Gutachtern ist das ja offenbar gleichgültig. Sie machen ja “nur ihre Arbeit”. Die Verunglückten Feuerwehrkameraden etwa nicht????? Es ist aber wohl ein Unterschied, ob ich einen Fehler als Sachbearbeiter oder Gutachter mache oder als Feuerwehrfrau/mann. Einen Fehler im Büro kann ich “Tipp-exen”. Einen Einsatzfehler vielleicht nicht……

  2. Sven Böhne

    Das einzige was ich hier pietätlos finde, ist die Art und Weise wie der Sachverhalt hier dargestellt wird.

    In dem Verfahren ging es nicht um Schuld oder Unschuld des Einsatzleiters, sondern darum, ob die FUK beim betroffenen Unternehmen Regress nehmen kann, da dieses den Brand fahrlässig herbeigeführt hat, welcher schließlich zur Explosion führte. Dies wurde durch das Gericht verneint, da nach Auffassung des Gerichts, welches wiederum einen Gutachter beauftragt hat, seitens der Feuerwehr gravierende Fehler gemacht wurden, die die Explosion verursacht haben.

    Ich finde dies sollte in einem solchen Magazin auch deutlich so dargestellt werden.

  3. @Sven Böhne: Darauf kann man hier lange warten. Das Feuerwehr Magazin hat schon oft gezeigt, dass es die Bild Zeitung des Feuerwehr-/ Rettungswesens ist. Zumindest was die Berichterstattung angeht. Siehe der Artikel ” Unfall mit Polizeiwagen” der vor wenigen Monaten hier veröffentlicht wurde!

  4. Redaktion Feuerwehr-Magazin

    Eine grundsätzliche Anmerkung: Der Kurzbeitrag oben stammt aus der Rubrik “Presseblog”. In diesem werden interessante Themen lediglich kurz angerissen und auf die berichtende Quelle verlinkt, die in aller Regel einen größeren Artikel mit mehr Informationen bereitstellt. In einer solchen Kurz-Zusammenfassung können nur die wesentlichen Fakten ohne weitführende Details zusammengefasst werden.

    Eine fehlerhafte oder pietätlose Darstellung können wir dabei nicht erkennen. Auch wenn das Verfahren eine andere Ausgangslage hatte, das Gericht ist letztlich zu dieser Erkenntnis gekommen. Aus Sicht der Feuerwehr dürfte die getroffene Aussage zur kausalen Schuldfrage von entscheidendem Interesse sein.

  5. Sven Böhne

    Ich denke, dass ein Magazin, welches ich unter der Rubrik “Fachpresse” führen würde, in besonderem Maße an der Meinungsbildung der Leser beteiligt ist. Vor diesem Hintergrund erachte ich es als eine moralische Verpflichtung, dass die tatsächlichen Zusammenhänge aus einem Artikel klar hervorgehen, egal wie kurz oder lang dieser gehalten ist. Dass dies im obigen Artikel nicht der Fall ist, zeigen zahlreiche Kommentare z.B. bei Facebook.

  6. Der Einsatzleiter hat oft nur wenige Minuten Zeit, sich ein Bild über das Chaos zu verschaffen und darauf zu reagieren. Der Richter hat nachher Monate oder Jahre Zeit, alle Details zusammenzutragen und die beste Methode -natürlich in Zusammenarbeit mit vielen anderen Fachleuten- herauszufinden

    Feuerwehrmann ist ein verdammt undankbarer Beruf geworden. Machte man früher Feuer aus und war der Held, so wird man heute verurteilt, weil man nen Wasserschaden angerichtet hat.
    Fährt man mit Blaulicht und Presshorn über eine GRÜNE Ampel und rammt einen Pkw, der über rot gefahren ist, so hat man mindestens 50% Teilschuld.

    Egal was man tut, mit einem Bein steht man immer schon im Knast, egal wie vorsichtig man ist und wie überlegt man handelt.

    Der Einsatzleiter hat das angeordnet, was er IN DIESEM MOMENT und MIT DEN ZU DEM ZEITPUNKT VORLIEGENDEN INFORMATIONEN für das richtige hielt.
    Macht das erstmal besser, bevor ihr mit Steinen werft!

  7. Sandro Wendt

    Darf man denn als “Unwissender” mal erfahren was sich bei diesem Einsatz tatsächlich abgespielt hat und worin der “gravierende” Fehler des zuständigen Einsatzleiters gelegen haben soll?

  8. Wird das Feuerwehrmagazin von Experten nicht auch Feuerwehr-Bravo genannt?

    Bei den Einsatzberichten sind auch teilweise Dinge dabei…
    “Lebensgefahr: Jungen von Roller geschleudert”
    Wo ist da die Relevanz für eine ortsfremde Feuerwehr? Also etwas interessantes?
    Für mich liest sich das wie ein 0815 Einsatz, “Ausleuchten und Aufräumen nach VU”. 2 schwer und 1 leicht Verletzt nicht eingeklemmt. Die eingesetzte FF kennt Autobahn-VUs und ist mit LF20/16, LF8 und MTW für die Aufgabe gerüstet.

    Und das ist nur das erstbeste Beispiel das ich gefunden habe.
    Die Kommentare sind da auch mal wieder spitze.

    Vielleicht bin ich auch nicht die Teil der Zielgruppe, ich versuche interessante Einsätze und Übungen zu finden, so dass meine Übungen in meiner Feuerwehr einen Mehrwert haben. Last uns heute mal X machen und da hab ich eine neue Methode Y gefunden, mal sehen ob sie besser als Methode Z ist. Und am Ende werden Vor- und Nachteile besprochen.

    Was man aber mal Hervorheben muss:
    Die braune Soße zur “EURO6 und Untergang der deutschen Feuerwehr” wurde nicht verbreitet. Alle Webseiten die das weitergeleitet haben, sind aus meiner Suchliste verschwunden.

  9. Karl-Josef N.

    Richtig übersetzt bedeutet der Satz „de mortuis nil nisi bene…“ in Wahrheit nämlich folgendes: „von den Toten nichts außer auf gute Weise“, das lateinische bene ist ein Adverb und kennzeichnet die Art des Sprechens als gut im Sinne von moralisch richtig, was philologisch zunächst folgende Interpretationen zuläßt:

    Wenn man über einen Toten nichts Gutes zu berichten weiß, sollte man schweigen, oder
    man darf zwar auch Verstorbene kritisieren, doch dies auf eine faire, gerechte Weise (da sie sich nicht mehr verteidigen können).

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