Bochum: Berufsfeuerwehr ist unzufrieden mit Bewerbern

Bochum (NW) – Die Berufsfeuerwehr Bochum stellt immer häufiger fest, dass die Bewerber für die Arbeit als Berufsfeuerwehrmann nicht geeignet sind. Vor allem sportliche Mängel, aber auch eine schlechte Rechtschreibung machen es schwierig geeignete Kandidaten zu finden, berichtet die “Westfälische Allgemeine Zeitung”. So schaffen es viele Bewerber nicht die geforderten 3.000 Meter in unter 15 Minuten zu laufen. Andere müssten während der Aufnahmeprüfung schon mal aus dem Schwimmbecken gerettet werden. Eine korrekte Rechtschreibung ist wichtig, da später die Einsatzprotokolle, immerhin amtliche Dokumente, von den Feuerwehrmännern selbst angefertigt werden müssen. In der letzten Bewerbungsrunde der BF Bochum blieben von 385 Bewerben am Ende nur 78 übrig.

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Artikel: “Feuerwehr beklagt Fitnessmangel bei vielen Bewerbern” (21. Oktober 2015, Westfälische Allgemeine Zeitung)

Symbolbild Feuerwehr. Foto: Timo Jann
Wie fit sind die Bewerber für den Beruf des Feuerwehrmannes? Symbolfoto: Timo Jann
4 Kommentare zu “Bochum: Berufsfeuerwehr ist unzufrieden mit Bewerbern”
  1. Ein Umstand der wenig verwundert und in der heutigen (Wohlfühl-)Gesellschaft leider langsam zur Normalität wird. Ich bin Gruppenführer bei einer freiwilligen Feuerwehr mit ca. 50 Mitgliedern, Jugendfeuerwehr und arbeite als Vorarbeiter im Handwerk. Bin 33 Jahre alt und schon ich in meinem Alter muss feststellen dass in der heutigen Zeit andere Prioritäten gesetzt werden als noch zu meiner Schulzeit. Wir haben uns nach den Hausaufgaben draußen getroffen und gekickt oder sonst was gemacht, waren selten drinnen gehockt. Heute sieht das anders aus: Facebook, Playstation, Handy, usw bestimmen das Leben von Kindheit an. Dort stört sich auch niemand an Rechtschreibfehlern, zum Lernen oder Üben nach der Schule hat keiner mehr Zeit, da ja beide Elternteile Vollzeit arbeiten oder einfach keine Lust mehr haben sich um diese Sachen zu kümmern da das je der Auftrag der Schule ist.
    Es ist gefühlte 10 Jahre her seit wir im Handwerk mal einen Bewerber hatten der auch nur etwas handwerkliches Geschick mitbrachte, von Interesse für den Beruf den er sich ja immerhin selbst ausgesucht hat ganz zu schweigen. Nein es wird sich so durch den Tag “gewurstelt” in jeder freien Sekunde aufs Handy geschaut und getippt und will man mal ein Gespräch führen wird man nur schief angeschaut.
    In unserer Feuerwehr ist zumindest ein Interesse da, da wir eher ländlich strukturiert sind kommen meist ganze Gruppen Jugendlicher zu unserer JF die dann (zum Glück) bis zur Übernahme in die Einsatzabteilung zusammenbleiben, da ist dann zumindest die Motivation da, den mangelnden Fitnesszustand merkt man aber bei uns auch, oft auch schon von Klein an.
    Dass dieses Problem in den Städten, wo keiner den Nachbarn kennt, noch viel größer ist kann ich mir sehr gut vorstellen.

  2. Vielleicht wird es Zeit umzudenken. Immerhin klagt Bochum nicht als einzige Stadt über ungeeignete Bewerber. Ich bin aktuell Teilzeit im Beruf, studiere in einem sehr praxisbezogenen Studiengang und engagiere mich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Mannheim. Ab und an bleibt noch etwas Zeit für die Kids und eventuell mal ein oder zwei Stündchen für mich. In meinen Tagesablauf auch noch ausreichend Sport zu integrieren fällt mir schwer. Zugegeben, es liegt auch an der Motivation. Vielleicht wird es, da es anderen wohl ähnlich geht, Zeit Bewerber an anderen Kriterien zu messen und die körperliche Fitness verstärkt in die Ausbildung zu integrieren bzw. zur Auflage zu machen. Da entsprechende Angebote zu schaffen dürfte auf Grund der bereits vorhandenen Geräte in aller Regal nur einen kleinen Mehraufwand bedeuten.

  3. stefan_67

    @Peter, ihre Gedanken gehen in die falsche Richtung. Ohne körperliche Fitness, also ohne regelmäßigen Sport zu machen, wird ein(e) Bewerber(in) für eine Stelle als Berufsfeuerwehrmann/frau kaum die G26.3 Untersuchung (Tauglichkeit für Atemschutz) schaffen, denn das Belastungs-EKG würde da eine eindeutige Sprache sprechen. Ohne diese Tauglichkeit wird niemand für den Feuerwehrdienst eingestellt. Jeder, der Feuerwehrmann/frau werden möchte, kann sich vorher über die Einstellungsvoraussetzungen informieren und hat zwischen Bewerbungsschluss und Eignungstest genügend Zeit, sich körperlich soweit “vorzubereiten”, dass der sportliche Teil zu schaffen ist. Wer dieses nicht macht, ist entweder dumm oder naiv und beides disqualifiziert ihn für den (beruflichen) Feuerwehrdienst. Im Feuerwehrmagazin gab es einen Bericht über einen Wohnungsbrand in einem Hochhaus in Sindelfingen, wo eine Wohnung im 16. Geschoß. Selbst wenn das Feuer nur im 7 Geschoß wäre, mit PA auf dem Rücken und weiterer Ausrüstung wäre der Angriffstrupp ohne körperliche Fitness beim Erreichen der Etage „am Ende“ und kaum noch in der Lage in der Wohnung eine Vermisstensuche vorzunehmen oder das Feuer zu bekämpfen. Sport sollte jeder machen, unabhängig davon, ob er in der Feuerwehr – freiwillige oder Berufsfeuerwehr – ist, oder nicht. Immerhin haben wir nur einen Körper und der sollte möglichst lange fit gehalten werden. Ob dieses die „Generation Y“ schon erkannt hat, da habe ich aber große Zweifel. Auch der Rechtschreibtest ist, sofern jemand nicht unter „LRS“ (Lese-Rechtschreib-Schwäche) leidet, zu schaffen. Das Problem ist doch nur, das viele heutzutage nicht mehr in der Lage sind, in vernünftigen – deutschen – Sätzen zu sprechen und schreiben. Je mehr das Smartphone an Wichtigkeit gewinnt, umso mehr nimmt dieses ab. Kurznachrichten mit zig Abkürzungen bestimmt da das Leben. Wer aber etwas schaffen will – z. B. den Rechtschreibtest beim Eignungstest – der findet auch Wege. Niemand hindert Bewerber daran, ihre Rechtschreibfähigkeiten zu trainieren und zu verbessern. Im Internet lässt sich z. B. „OpenOffice“ (als kostenlose Alternative zu Word von Microsoft) herunter laden. Man öffnet das Schreibprogramm und schreibt z. B. jeden Abend eine kleine Zusammenfassung des Tages, also eine Art Tagebuch. Falsch geschriebene Wörter werden dann „rot unterstrichen“ dargestellt. Statt mit der „rechten Maustaste“ nach der Lösung zu suchen, kann ja zuerst selber überlegt werden, wo der Schreibfehler ist. Findet man ihn nicht, kann ein Wörterbuch zu Hilfe genommen werden. Alternativ geht dieses auch mit der „rechten Maustaste“, ist aber nicht ganz so lehrreich. Stück für Stück lässt sich somit die Rechtschreibung verbessern. Man muss es nur wollen und den Willen sehe ich bei der „Generation Y“ leider nicht so oft, wie ich es mir wünschen würde. Zusammenfassend bin ich der Meinung, die Bewerber müssen sich verbessern. Die Einstellungskriterien für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst „aufzuweichen“ halte ich für den falschen Weg, denn immerhin werden diese Personen in der Regel verbeamtet, was nicht nur aber durchaus Vorteile hat. Dafür lohnt es sich schon, im Vorfeld fleißig zu sein.

  4. Hallo,

    ich denke die Feuerwehren sind teilweise auch selbst schuld, oder besser das Dienstrecht.
    Viele mögliche Bewerbe werden ja schon im Vorfeld ausgeschlossen, wenn sie eine Brille haben die Stärker ist als die Vorderung. Mein Gedanke ist da doch, wer sonst die Tauglichkeit hat, der sollte doch nicht wegen z.B. +0,5 Dioptrin über der Forderung rausfliegen, gerade in Zeiten der Maskenbrillen ist das auch nicht mehr zeitgemäß, ich denke nur z.B. an München, wo ich selbst dank der Brille nicht zur BF kann aber bei der FF doch, für mich mehr als wiedersinnig, gerade da ich den Rest des Testes gut absolviert habe.
    Mit dem vorrednern gehe ich konform, dass am Sport- Rechtschrieb und Höhentauglichkeitstest nicht gerüttelt werden sollte, das sind wichtige Bereiche und äußerst sinnvoll.
    Achja der BMI ist auch mehr als fraglich, da schon allein der BMI in der Wissenschaft umstritten…

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