Brandbekämpfung mit Schaum

Die 11 größten Fehler im Schaumeinsatz

Der Einsatz von Schaum und Netzwasser steigert bei vielen Bränden den Löscherfolg. Damit dies aber auch funktioniert, müssen einige Fehler unbedingt vermieden werden. Wir klären auf.

Zukünftig wird es weniger Einsatzkräfte geben. Durch moderne Löschmittel und -methoden kann der Kräfterückgang zumindest teilweise kompensiert werden. Foto: Hegemann

Fehler 1: Schaum wird zu spät eingesetzt

Löschschaum wird immer noch nicht von allen Feuerwehren eingesetzt. Teilweise wird Schaum nur als Sonderlöschmittel für besondere Lagen angesehen. Und einige kritische Wehrführer halten den Hype um das Thema Schaum für einen von der Industrie gesteuerten Trend, dem sie nicht folgen wollen. Dabei sind die Datenlage und die Ergebnisse der Forschung in Sachen Schaumlöschmittel eindeutig: Der Einsatz von Schaum beziehungsweise Netzwasser führt zu einem schnelleren Löscherfolg und es wird weniger Löschmittel benötigt.

Fehler 2: Abgabemenge und Zumischer stimmen nicht

Das Problem kann entstehen, wenn unabhängig vom Standardlöschangriff mit Schaum und Netzwasser gearbeitet wird. Wenn sich also zum Beispiel der Einsatzleiter entscheidet, mit dem handgeführten Hohlstrahlrohr aus dem Korb der Drehleiter mit Netzwasser löschen zu lassen, dann führt das meist nicht zum gewünschten Ergebnis. Denn der Zumischer Z4 arbeitet nur korrekt, wenn die Abgabemenge auch etwa 400 l/min entspricht. Viele Hohlstrahlrohre mit C-Anschluss erreichen diese Werte aber nicht.

An diesem Prinzip gibt es nichts zu rütteln und da kann auch nicht getrickst werden. Durch die Funktionsweise des Zumischers muss allen Kräften klar sein, dass eine Druckerhöhung oder eine Erhöhung der Zumischrate nichts bringt. Auch der Einsatz einer Dosiereinrichtung beziehungsweise Dosierblende hilft hier nicht – der Zumischer saugt ohne entsprechende Durchflussmenge nicht an.

Das Problem entsteht übrigens auch, wenn Schaumrohre nicht vollständig geöffnet werden. Auch hier wird die notwendige Durchflussmenge nicht erreicht und somit ist eine Schaumproduktion ausgeschlossen.

Fehler 3: Gleichzeitiger Einsatz von Schaum und Wasser

Das Löschmittel Schaum besitzt mehrere Löschwirkungen, die jeder kennen sollte. So geht es nicht nur darum, das Brandgut abzudecken und somit den Luftsauerstoff abzutrennen. Bei den meisten Bränden haben wir es mit glutbildenden Stoffen zu tun, die gekühlt werden müssen. Dies leistet der Wasseranteil im Schaum.

Der Schaumeinsatz wird zukünftig vermutlich spezielle Einheiten bei den Feuerwehren mit speziellen Fahrzeugen (hier ein LUF der Feuerwehr Hannover beim Einsatz in einem Entsorgungsbetrieb) erforderlich machen. Foto: Hegemann

Fehler 4: Schaumqualität stimmt nicht

Bei der Erzeugung von Schwerschaum können kaum Fehler beim Druck gemacht werden. Sobald der Zumischer korrekt ansaugt, tritt am Rohr Schwerschaum aus. Anders bei der Erzeugung von Mittelschaum. Hier sieht man immer wieder, dass wässrige Lösungen oder Schaumsuppen das Rohr verlassen. Ursache für dieses Problem dürfte häufig der falsche Druck sein. Dass der Druck bei der Mittelschaum-Erzeugung offenbar eine besondere Bedeutung hat, belegt schon das Manometer am Mittelschaumrohr. Das Schwerschaumrohr hingegen kommt ohne ein solches aus.

Fehler 5: Nachbeschäumen wird vergessen

Insbesondere bei Flüssigkeitsbränden ist es wichtig, dass zirka alle 10 bis 15 Minuten nachbeschäumt wird. Diese Maßnahme muss so lange durchgeführt werden,  bis alle vom Brand betroffenen Teile ausreichend abgekühlt sind.

Fehler 6: Zu geringe Schaumreserven

Wer nicht frühzeitig Reserven angelegt hat, der gefährdet insbesondere bei brennenden Flüssigkeiten den gesamten Einsatzerfolg. Hier muss unbedingt gewährleistet werden, dass unterbrechungsfrei Schaum abgegeben werden kann.

Fehler 7: Falsches Schaummittel

Die Zeiten, in denen bedenkenlos jedes greifbare Schaummittel genutzt werden konnte, sind vorbei. Aus Gründen des Umweltschutzes (Stichwort Fluorproblematik) dürfen filmbildende Schaummittel nur noch zur Bekämpfung von großen Flüssigkeitsbränden eingesetzt werden.  Im Alltagsgeschäft, egal ob ein Pkw oder eine Lagerhalle brennt, darf AFFF (auch A3F genannt, aqueous film forming foam = wasserfilmbildender Schaum) nicht eingesetzt werden. Insofern ist es wichtig, dass Schaummittel gekennzeichnet werden. Auch, um den versehentlichen Einsatz zu vermeiden.

Fehler 8: Falsche Löschtaktik

Im Rahmen eines Feuerwehr Einsatzes muss jeder Kraft, die vorne an Schaumrohren eingesetzt ist, klar sein, welche Lösch­taktik verlangt wird. Wenn ein Trupp an einem Kombischaumrohr anstatt Mittelschaum nur Schwerschaum abgibt (der Gruppenführer hat möglicherweise keinen Blickkontakt), dann kann das anvisierte Ziel einer Behälterflutung nicht erreicht werden. Somit wird auch kein Löscherfolg erzielt.

Fehler 9: Schaumlogistik wird unterschätzt

Bei größeren Einsatzstellen treten insbesondere dann Probleme auf, wenn die auf dem Fahrzeug mitgeführten Schaummittelkanister leer sind. Wer erst jetzt an den Nachschub denkt, der erzeugt eine zeitliche Lücke, in der eben kein Schaum oder Netzwasser abgegeben werden kann. Aber auch wer frühzeitig plant, muss sich einige Fragen stellen. Wie wird das angelieferte Reserveschaummittel an die einzelnen Zumischstellen verteilt? Wenn man klassisch beim 20-Liter-Kanister bleibt, dann ist der Transport sehr personalintensiv und anstrengend.

Fehler 10: Ausflockungen durch Vermischung

“Wenn unterschiedliche Schaumlöschmittel miteinander gemischt werden, dann kann es zu Ausflockungen, Ausfällungen oder Verdickungen kommen, die dazu führen, dass die Zumischer oder Schaummittelpumpen verstopfen und eine Fortsetzung der Schaumabgabe nicht mehr möglich ist”, so Martin Gorski von der Firma Dr. Sthamer. Um solche Pannen im Einsatz zu vermeiden, müssen die Zumischer und Ansaugschläuche streng ge­nommen im Einsatz gründlich gespült wer­den, bevor das neue Schaumlöschmittel genutzt wird.

Fehler 11: Fehlende Ausbildung

Allen bisher genannten Fehlern gemeinsam ist, dass sie durch eine gute und angemessene Ausbildung beseitigt werden können.

In der Ausgabe 1/2018 des Feuerwehr-Magazins gibt es den vollständigen Beitrag.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Diese Thesen könnten ja bereits 20 Jahre alt sein. Ich möchte daher einige Antithesen aufstellen.

    Dr. Patzelt und ich leisten ja in dem gleichen Bundesland Dienst. In diesem Bundesland hält man an dem Grundsatz fest, dass jede noch so kleine Ansammlung von Wohnbebauung als eigener Ausrückebereich, mit möglichst eigener „Feuerwehr“ zu gelten hat. Diesem Grundsatz verdankt man Fahrzeugkreationen à la GW-TS. Wie sollen solche „Feuerwehren“ denn Schaum einsetzen? Bzw. wie lange sollen diese Einheiten denn auf das SEK „Schaum“ warten? In Rheinland-Pfalz existieren Landstriche, in denen noch heute eine simple Mittelschaumpistole kaum anzutreffen ist. Man trifft auf einem Gruppenführerlehrgang auf Feuerwehrangehörige, die nach 20 Dienstjahren nicht wissen, dass ein Z4 eine vorgeschriebene Einbaurichtung hat, weil sie in Ihren TSA-Einheiten seit dem Grundausbildungslehrgang nie wieder mit solch technischen Wunderwerken konfrontiert wurden. So lange in der Fläche möglichst viele (demographisch ausgedünnte) Einheiten mit möglichst wenig Technik vorgehalten werden und ganz wenige „Stützpunkte“ mit Wunderwuzzilöschfahrzeugen zu jedem PKW-Brand in die Fläche ausrücken müssen, wird auch die Einsatzrelevanz von Schaummittel nicht steigen.

    Auch eine (teilweise) Entlastung in Hinblick auf den demographischen Wandel vermag ich nicht zu erkennen. Sicher entlasten automatische Zumischanlagen einzelne Einsatzkräfte und ein routinierter Einsatz von Schaummittel z.B. als Netzmittel führt zu einem schnelleren Einsatzerfolg bei gleichzeitig geringerem Löschwasserverbrauch, wo ist aber die Kompensation fehlender Einsatzkräfte zu erblicken? Auch der längst überfällige, routinemäßige Einsatz von Schaummitteln zur Brandbekämpfung wird nicht dazu beitragen, den zu erwartenden Rückgang an Einsatzkräften im v.a. ländlichen Bereich nur ansatzweise zu kompensieren, v.a. wenn sich die angedachten Spezialeinheiten etablieren sollten und deshalb verstärkt alarmiert werden.

    Bevor wir anfangen, nach Spezialeinheiten für den Schaumeinsatz zu verlangen, sollten wir dazu kommen, dass der Einsatz von Schaummittel zum „state of the art“ wird. Immer noch werden PKW-Brände ohne Schaum gelöscht, immer noch gilt der Einsatz von Netzmitteln als „neumodisch“ und es ist nicht bekannt, dass man auch mit einem Z4 mit geringem Aufwand („Scheibe mit Loch“) Netzmittel erzeugen kann. So lange sich das Wissen über Schaummittel auf die Halbwahrheit „Schaum ist giftig“ beschränkt, sehe ich auch keine Spezialeinheit für den Schaumeinsatz an der Einsatzstelle. Wenn wir geschafft haben, dass der Großteil der Führungskräfte vom Vorteil dieser „banalen“ Technik überzeugt ist, können wir uns Gedanken über eine weitere Spezialisierung machen und z.B. den zunächst als Allheilmittel gefeierten, aber dann in Verruf geratenen Druckluftschaum „wiederbeleben“.

    Müssen wir uns nicht bereits jetzt Gedanken um die Löschwasserrückhaltung und Entsorgung machen? Wenn wir wissen, wo und wie wir kontaminiertes Löschwasser zurückhalten und entsorgen, wissen wir auch, wie wir mit Schaum zu verfahren haben. Selbstverständlich müssen wir bedenken, dass das Volumen des Löschschaums ja entsprechend vervielfacht wurde.

    M.E. müssen in der Fläche erst all diese Punkte erledigt sein, bevor sich eine von Dr. Patzelts Thesen bewahrheiten wird.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Zumischer nicht in Flussrichtung eingesetzt ist auch ganz vorne mit dabei würde ich behaupten.

    Grüße aus Böhlen

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: