AML - Advanced Mobile Location

Leitstelle ortet Notrufe bis auf wenige Meter genau

Aschaffenburg (BY) – “Unter anderem bei verunglückten Wanderern oder Radfahrern im Spessartwald ist eine genaue Ortsangabe für Anrufer am Notruf oft sehr schwierig”, sagt Alexander Herzing, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Bayerischer Untermain. Um trotzdem schnelle Hilfe an den Unglücksort schicken zu können, kann die ILS bei modernen Smartphones über ein sogenanntes AML-System den Standort des Anrufers auf wenige Meter genau orten.

Menschenrettung, Handyortung
Effektive Menschenrettung aus Waldgebieten nach Handyortung. Foto: Ralf Hettler

Erst vor wenigen Tagen war ein Mann nahe des Heimatenhofes bei Heimbuchenthal (Kreis Aschaffenburg) verunfallt. Als der Notruf in der Leitstelle einging, hörte Disponent Jonas Braun lediglich eine auffällige Atmung des Anrufers. Ein Sprechkontakt zum Notrufteilnehmer war jedoch nicht möglich.

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Da von einem ernsten Notfall auszugehen war, entschieden sich die Leitstellenmitarbeiter, das Handy des Anrufers zu orten und die Rettungskette in Gang zu setzen. Über das System AML (Advanced Mobile Location, Deutsch: fortschrittliche mobile Ortung) konnte der Notrufteilnehmer auf den Meter genau geortet werden. Umgehend wurde ein Rettungswagen sowie Feuerwehr und Polizei zu der Einsatzstelle geschickt.

Den anrückenden Einsatzkräften wurde die Position über das what3words-System übermittelt, welches es ermöglicht, eine genaue Ortsangabe mittels einer eindeutigen Kombination von drei Wörtern zu jedem 3×3-Meter großen Quadrat auf der Welt anzugeben. Binnen kürzester Zeit ist der unterkühlte Verletzte im Wald aufgefunden und anschließend durch den Rettungsdienst in eine Klinik verbracht worden.

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Eines der größten Probleme bei der Bearbeitung von Notrufen sei die Ermittlung des Standortes, erklärt Leitstellenleiter Herzing. Gerade wenn der Notruf über Mobilfunk in der Rettungsleitstelle eingeht, sei es dem Disponenten nur über eine genaue Abfrage möglich in Erfahrung zu bringen, wohin die Rettungskräfte entsendet werden sollen. In Extremsituationen könne der Notrufende meist sehr schwer oder ungenau erklären, wo er sich befindet. Noch schwieriger wird dies an Orten ohne feste Adresse, beispielsweise außerhalb von Ortschaften, unter anderem in den Spessartwäldern.

AML sei ein Dienst in modernen Smartphones, welcher bei der Wahl des Notrufs die aktuelle Position übermittelt. Das Mobiltelefon erkennt dabei, wann es sich um einen Notruf handelt (beispielsweise bei der 112), aktiviert die interne Ortungsfunktion per GPS und sendet die Positionsdaten automatisch zur Notrufzentrale. AML ist ohne Installation einer App direkt in das Betriebssystem der meisten Smartphones integriert und wird erst bei der Wahl der Notrufnummer aktiviert.

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“Die Genauigkeit der übermittelten Position hängt von den äußeren Umständen ab”, sagt der Leitstellenleiter. “Bei gutem GPS-Empfang sind Genauigkeiten mit einem Unsicherheitsradius im einstelligen Bereich möglich.” AML sei schneller, einfacher und vor allem genauer als die bisher genutzten Techniken zur Ortung von Notrufen. Ein großer Vorteil sei, dass es im Betriebssystem der Smartphones integriert ist und keiner zusätzlichen App bedarf. Dabei sei der Datenschutz gewährleistet und die Positionsermittlung nur bei der Wahl des Notrufs möglich. Voraussetzung sei allerdings eine Mobilfunkverbindung.

Text & Foto: Ralf Hettler

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