Feuerwehr bei Veranstaltungen zu streng?

Dortmund (NW) – In Dortmund stehen diverse große Traditionsfeste vor der Tür. Die Organisatoren als auch Schausteller und Standbetreiber kämpfen mit den verschärften Auflagen, die die Bezirksregierung nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg gemacht hat. Die Feuerwehr Dortmund setzt die Vorgaben um, wodurch einige Beteiligte die Feste in Gefahr sehen. Die Feuerwehr wird deshalb in einer entbrannten Sicherheitsdebatte zum Sündenbock gemacht.

Dirk Aschenbrenner, Leitender Branddirektor der Feuerwehr Dortmund. Foto: Feuerwehr

Im Dortmunder Stadtteil Hörde wurde jüngst das Erntedankfest gefeiert, der Dortmunder Hansemarkt steht kurz bevor und auch der Weihnachtsmarkt lässt nicht mehr lange auf sich warten. Alles Veranstaltungen mit Tradition, die für ihre besonders gemütlichen Atmosphären bekannt sind. Die Gemütlichkeit entsteht durch die hohe Dichte an Ständen und Karussells.

Gemütlich oder unsicher?

Aber genau dies bemängelt die Feuerwehr. Die großen Einsatzfahrzeuge kommen nicht durch die zugestellten Straßen und für die Drehleiter fehlt es an Aufstellflächen. Den baurechtlich geforderten zweiten Rettungsweg kann die Feuerwehr so nicht sicherstellen. Die Brandschutzbehörde hält sich dabei an bereits lang bestehendes Baurecht und die Vorgaben der Bezirksregierung, die auf die tragischen Erfahrungen der Loveparade beruhen.

Schausteller kritisieren Feuerwehr

Nach der Massenpanik auf der Loveparade im Jahr 2010 in Duisburg, bei der 21 Besucher starben und mehr als 500 verletzt wurden, wurden die Maßstäbe für Großveranstaltungen neu definiert. Dies schmeckt vielen Schaustellern und Budenbetreibern nicht. Sie fürchten eine Reduzierung der Standplätze auf den Festen und den Verlust der allseits beliebten Atmosphären. Auch entstünden Kosten für Sicherheitsmaßnahmen. Die Feuerwehr, besonders der Leiter Dortmunder Wehr, Dirk Aschenbrenner, werden seitens der Kirmesleute für die Umsetzung scharf kritisiert. Die Rede ist von überzogenen Sicherheitsvorkehrungen, gar von Willkür. Dabei ist Dirk Aschenbrenner der Meinung, dass die Feuerwehr alles Mögliche versuche, um die Feste mit dem notwenigen Maße an Sicherheit zu realisieren.

Ähnliche Artikel zum Thema:

Auch die Stadt Dortmund ist nicht besonders erfreut über die neuen Auflagen. Sie ist nämlich in der Verpflichtung für einige Großveranstaltungen in ihren Parkanlagen entsprechende Evakuierungspläne zu erstellen, und die kosten Geld. Dennoch stellt sich die Stadtverwaltung auf die Seite der Feuerwehr und wirbt um Verständnis.

Feuerwehr, Stadtverwaltung und Veranstalter wollen zukünftig eine langfristige Aufstellplanung betreiben, um so allen Bedürfnissen gerecht zu werden. (Foto: Feuerwehr Dortmund)

20 Kommentare zu “Feuerwehr bei Veranstaltungen zu streng?”
  1. NEIN…
    Weiter so !!!
    Wenn es zum Schadenfall kommt wird ja auch gleich die Feuerwehr angegriffen und gleich Schuldige gesucht!
    Ab und an muss auch ein Veranstalter das hin nehmen….
    Es geht um die Sicherheit und nicht darum irgendwelche Feste oder Vereine zu boykottieren….

  2. Lieber sollen die Veranstalter jammern, wie die Hinterbliebenen! Bestes Beispiel Loveparade wurde ja schon genannt. Dort haben dann alle nach strengeren Auflagen geschrien. Jetzt der Umkehrschluß und wieder jammert Deutschland

  3. Die Tragödie von Duisburg wird sich hoffentlich nie mehr wiederholen. Ich denke auf einem Weihnachtsmarkt sind mehr “ungenutze Flächen” zur Verfügung als es in Duisburg der Fall war. Ein Besucherstrom von 2 Seiten welcher in EINEN Tunnel ge
    leitet wurde….. Da ergeben sich selbst bei einer Altstadt Passagen, Seitengassen und Hauseingänge die in Duisburg nicht vorhanden waren. Und es können im Zweifelsfall Tausende in Treppenaufgängen, Seitengassen oder zwischen den Ständen Zuflucht finden. Desweiteren ist die Komponente des “Gefangen seins” durch einen TUNNEL nicht vorhanden. Eine PANIK wird auch gerade deswegen ausgelöst. Kein Fluchtweg zur Seite nach vorne oder nach hinten. Geschweigedenn freier Himmel nach oben. Eine rein psychische Sache.
    MAn darf einen “Weihnachtsmarkt” nicht mit der Loveparade vergleichen….. Sonst vergleiche ich Äpfel mit Kürbisen. Was da in Duisburg “geplant” wurde unterliegt eigentlich gröbster Fahrlässigkeit!.

  4. Jetzt wird gejammert und geschimpft und wenn was passiert dann wird auch gejammert und geschimpft – wie man es macht, macht man es falsch. Aber bitte gehen sie weiter den Weg. Sicherheit geht vor!

  5. Ich bin mir durchaus bewusst das es auch diverse Vorfälle bei “Open Air” Konzerten gab.
    Nur um hier mal diesem Argument zuvor zu kommen.
    Auch bei “Open Airs” sind die Menschen “Eingepfercht”. Meist jedoch nur durch Bauzäune welche nachgeben. Ich denke das Duisburg wirklich nur eine EINMALIGE Katastrophe war in der alle Instanzen versagten.
    Großveranstaltungen bergen IMMER eine unvorhergesehene Eigendynamik in sich.

  6. Matthias

    Falscher Ansatzpunkt für Diskussionen: Die Feuerwehr setzt nur geltendes Recht um. Also bitte nicht die Feuerwehr kritisieren sondern an der richtigen Stelle beschweren.

    Aber abgesehen davon: es ist vollkommen richtig, dass die Vorgaben konsequent umgesetzt werden. Leider kann niemand vorhersagen wann, wo und in welchem Umfang es zu einem Schadenereignis kommt. Daher ist es nicht möglich im Vorfeld einer Veranstaltung zu sagen “die Maßnahmen sind übertrieben und Schikane”. Wir müssen leider immer vom “Worst-Case” ausgehen und entsprechende Vorbereitungen treffen.

    Sonst werden hinterher die gleichen Leute rufen: “Die Feuerwehr hat nicht geholfen und war unvorbereitet”.

    Quintessenz: Wie immer in Deutschland, typisches “Wasch mir den Pelz aber mach micht nicht nass” Geschrei! Sicherheit geht nunmal vor allem anderen und somit müssen entsprechende Einschränkungen hingenommen werden!

  7. Richtig so! Wenn z.B. ein paar Stände abbrennen und die Feuerwehr nicht schnell genug da ist, weil alles mit Besuchern und Ständen vollgepflastert ist, ist die Feuerwehr ja auch wieder der Sündenbock!

  8. Die Verantwortlichen können ja mal bei der FW Fürth nachfragen, wie knapp man an einer Katastrophe auf Grund eines einfachen Brandes in einem Wohnwagen auf einem innerstädtischen Gelände vorbeischrammen kann….

  9. Ich denke mal das WIR (also ALLE Helfer einer HiOrg) uns da einig sind das die Hilfsorganisationen doch eh immer der Sündenbock sind wenn es um vergleichbare Veranstaltungen geht. Siehe LoPa damals, als nach dem Unglück alle geschriehen haben warum musste das passieren? Warum war das so? Aber wenn dann die Auflagen für solche Veranstaltungen verschärft UND eingehalten werden, dann jammern auch alle rum… Ich für meine person kann das nicht verstehen, das gejammert wird. sollen die doch froh sein das wenn was passiert die Hilfe schnell da ist. und genau für diesen fall sollte man vorbereitet sein…..

  10. Entweder ganz so wie die Bestimmungen es verlangen oder gar nicht. So einfch wäre das für mich. Kann doch nicht sein das man sich als Stadt über genormte Richtlinien hinwegsetzt. duisburg hätte doch eigentlich warnung genug sein müssen!

  11. Meister für Veranstaltungstechnik

    1. Am geltenden Recht hat sich nichts geändert. Nach der Loveparade gab es keine Verschärfung der Vorschriften – das war auch nicht notwendig.
    2. Wenn jetzt Behörden “schärfer” kontrollieren, dann haben sie vorher nicht rechtskonform gearbeitet.
    3. Aus meiner Berufspraxis erlebe ich gerade die Leiter der Abteilungen für vorbeugenden Brandschutzes wie auch die Brandsicherheitswachen als oft inkompetent und fast jederzeit bereit, geltendes Recht zu brechen und zu ignorieren – dies zu Lasten der Sicherheit der Besucher, der Mitwirkenden und der eventuell anrückenden Wehren. Hiermit fallen sie regelmäßig denen in den Rücken, die versuchen, die Sicherheit von Veranstaltungen tatsächlich zu gewährleisten.

    Die Rolle der verantwortlichen Brandsicherheitswachen bei der Durchführung wie auch der Abteilung vorbeugender Brandschutz bei der Planung der Loveparade wird noch aufgeklärt werden müssen.

  12. Bei mir in der Nähe sind letztes Jahr mehrere Stände abgebrannt, weil einer zu blöd war, seinen Gasgrill anzuschließen / anzubauen. Zum Glück kurz nach offiziellem Ende an dem Tag – keine ernsthaft Verletzte. Wenn ich mir das in Nürnberg, Stuttgart… vorstelle, während der Öffnungszeiten, dann Gute Nacht. Da braucht man teilweise für 20m 15 Minuten, wie soll man da raus kommen?

  13. Meister für Veranstaltungstechnik

    Wenn man für 20 Meter 15 Minuten braucht, ist die Veranstaltung überfüllt. Das ist rechtswidrig gemäß allen SBauVOs und VStättVOs und zwar seit Jahrzehnten. Und die Verwendung von Gasflaschen ist ein klarer Hinweis darauf, dass es keine Gefährdungsanalyse gegeben hat. Wenn es nur brennt, hat man Glück gehabt. Und wenn gleich mehrere Stände abbrennen, dann stimmt der Brandschutz auf der ganzen Veranstaltung nicht.

  14. Es geht hier ja nicht nur um Unglücksfälle, die sich auf dem Weihnachtsmarkt ereignen können. Es geht doch, so steht es auch im Artikel, um die Anwohner des Weihnachtsmarktes. Wenn es bei denen zu Hause brennt, kommt die Feuerwehr dort schlecht hin, bzw. kann dann ihre Leitern nicht in Stellung bringen.

    Man muss wissen, dass baurechtlich in Deutschland immer ein zweiter Rettungsweg vorhanden sein muss. Bei Bauten bis ca. 23 Metern Höhe ist der zweite Rettungsweg zum Beispiel die Drehleiter. Kann ich diese nicht aufbauen, gibt es ein Problem. Mit den ganzen Buden an diversen Stellen wird das nicht machbar sein. Und ich hätte schon ein blödes Gefühl, wenn ich wüßte: wenn es bei mir zu Hause brennt, kann mir die Feuerwehr nicht helfen.

    Dass dies früher vielleicht eher toleriert wurde, heißt ja nicht, dass dies so weiter gehen kann. Vielleicht hat die Feuerwehr erst jetzt – nach Duisburg – die notwendige Rückendeckung, dies auch durchzuziehen. Sonst ist es doch, wie so oft: Geld regiert die Welt.

  15. Und wwer sich nur etwas für die Hintergründe von Duisburg interessiert, der wird wissen, dass es gerade die HiOrgen waren, denen man keine Schuldzuweisung geben konnte.

    Eine ganz schlechte Situation: Es wird schon nichts passieren gilt nicht mehr! Da gibt es kein Wenn und Aber.

    Und wenn etwas passiert, dass gibt es ebenfalls kein Wenn und Aber. Sondern dann heißt es sofort: Warum haben die denn nicht…

    Also richtige Verfahrensweisen aller Verantwortlichen. So hart es für Veranstalter auch ist.

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: