DFV prüft Kandidatur bei UNESCO

System Freiwillige Feuerwehr als Weltkulturerbe?

Berlin – Das deutsche System “Freiwillige Feuerwehr” soll als UNESCO Kulturerbe aufgenommen werden. Dies forderte Dr. Angela Lißner, Leiterin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz bei der Polizeidirektion Osnabrück, unlängst während der Eröffnung der 9. Norddeicher Feuerwehrtage. Nun greift der Deutsche Feuerwehrverband dieses Thema auf. “Diese Idee gibt es bereits seit einiger Zeit. Wir prüfen zurzeit, ob das Feuerwehrwesen und seine Geschichte die Bedingungen für eine Kandidatur bei der UNESCO erfüllen”, berichtet DFV-Präsident Hartmut Ziebs. 

Gruppenbild der Freiwilligen Feuerwehr Köln-Urbach. Auch in den Metropolen sind Ehrenamtliche für die Gefahrenabwehr unverzichtbar. Foto: Patzelt

Ein entsprechender Antrag könne – wenn er die nötige Unterstützung durch die Mitgliedsverbände in den Bundesländern finden sollte – sofort vorgelegt werden.

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“Die Anerkennung und Aufnahme in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes würde einen wichtigen Aspekt des Feuerwehrwesens im deutschen Sprachraum unterstreichen, der oft übersehen wird”, betont DFV-Vizepräsident Frank Hachemer: “Die Feuerwehren sind hier nicht einfach eine Sicherheitseinrichtung. Sie sind vielmehr eine Säule unserer Gesellschaft und ein wichtiger Bestandteil der Kultur in diesem Raum.” Er rechnet daher mit besten Chancen, in die UNESCO-Liste aufgenommen werden zu können. “Dass das aktuell auch von vielen anderen Stellen ebenso geäußert wird, bestärkt uns in dieser Ansicht.”

“Freiwillige Feuerwehr bedeutet unermüdliches Engagement”

Für die meisten Bürger sei es selbstverständlich, dass die Feuerwehr binnen weniger Minuten ausrückt, wenn man den Notruf 112 wählt, sagt Dr. Lißner. Dieses Selbstverständnis sei so groß, dass die Bürger mancherorts davon ausgehen, dass es sich bei den Feuerwehrleuten immer um Berufsfeuerwehrleute handelt.

Gerade in ländlichen Gebieten seien es jedoch Ehrenamtliche, die den abwehrenden Brandschutz und die Hilfeleistung im Unglücksfall alleine übernehmen. Ohne die Unterstützung von Berufsfeuerwehren.

Der schwer verletzte Fahrer des Kleinwagens ist fast befreit. Auch in der Unfallrettung kommen überwiegend Ehrenamtliche zum Einsatz. Symbolfoto: Hegemann

“Damit das System 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr reibungslos und zuverlässig funktioniert, bedarf es eines unermüdlichen Engagements der Freiwilligen Feuerwehr”, so Lißner. An vielen Stellen fehlten jedoch Verständnis, Respekt und Anerkennung. Obendrein bringe der Dienst Widrigkeiten, wie nächtliche Einsätze sowie physische und psychische Gefahren mit sich. Und durch das Überangebot an Freizeitmöglichkeiten gehe vielen Feuerwehren der Nachwuchs aus.

Wenn die Feuerwehr als „immaterielles Kulturerbe“ geschätzt würde, könne auf die Probleme aufmerksam gemacht werden und der Nachwuchsmangel bekämpft werden. Gleichzeitig würdige es das Engagement der Ehrenamtlichen.  

Die Kriterien könnten passen

Und die Aufnahme als Kulturerbe ist gar nicht so weit gegriffen: Als Kriterien gelten unter anderem:

  • eine offene, inklusive und durch Mitwirkung bestehende Traditionspflege,
  • eine differenzierte historische Reflexion,
  • die Darstellung der Weitergabe von Wissen und Können.

Wie es von der deutschen UNESCO-Kommission weiter heißt, zeichne sich das immaterielle Kulturerbe außerdem durch seine Praxis und Anwendung aus und fördere die Achtung vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität. Gleichzeitig werde das Kulturerbe von Gemeinschaften und Gruppen in Interaktion mit ihrer Umgebung, mit der Natur und mit ihrer Geschichte kreativ und fortwährend weiterentwickelt.

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