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DFeuG Hamburg legt sich mit der BF der Hansestadt an

Dicke Luft in Hamburg: Disziplinarverfahren drohen

Von Timo Jann

Hamburg – Der Landesvorsitzende der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft (DFeuG) in Hamburg, Daniel Dahlke, wirft der Feuerwehrführung der Hansestadt vor, Feuerwehrbeamte mit Disziplinarverfahren zu überziehen. Grund: Sie absolvieren ihre Ausbildung zu Notfallsanitätern (NotSan) nicht. In einem Schreiben äußert er sich klar und spricht von einer „Hexenjagd“ der Amtsleitung auf die eigenen Mitarbeiter.

Die DFeuG Hamburg kritisiert die Feuerwehr der Hansestadt für das Einleiten von Disziplinarmaßnahmen. Diese sollen in Zusammenhang mit der Weigerung einiger Feuerwehrleute stehen, die Qualifizierung zum Notfallsanitäter zu absolvieren. (Bild: TIMO JANN)

Torsten Wesselly, Pressesprecher der Feuerwehr Hamburg, wies die Vorwürfe seines Kollegen im Gespräch mit feuerwehrmagazin.de dagegen zurück: “In wenigen Einzelfällen”, so Wesselly, “werden disziplinarische Maßnahmen erwogen oder eingeleitet. Von einer Hexenjagd kann keine Rede sein.”

Nach inoffiziellen Informationen von feuerwehrmagazin.de haben die disziplinarischen Maßnahmen nicht oder zumindest nicht ausschließlich mit der NotSan-Ausbildung zu tun. Wesselly: “Das Schreiben von Herrn Dahlke ist bei uns eingegangen. Wir tragen jetzt intern die Fakten zusammen und werden dann entscheiden, ob, und wenn ja, wie wir uns dazu öffentlich äußern.”

Zusätzliche Kompetenzen für Notfallsanitäter der Feuerwehr Hamburg

Bis Ende 2020 sollen die meisten Rettungsassistenten (RA) in Reihen der Feuerwehr Hamburg ihre NotSan-Qualifikation erwerben. Das Ziel: Der Gesetzesänderung nachkommen und jeden Rettungswagen (RTW) mit mindestens einem Notfallsanitäter besetzen. Der Vorteil: Notfallsanitäter haben erweiterte Kompetenzen und dürfen Patienten beispielsweise auch Medikamente verabreichen. Somit ist bei weniger Einsätzen ein Notarzt erforderlich.

Hexenjagd gegen ältere Feuerwehrbeamte?

Nach Informationen von feuerwehrmmagazin.de fühlen sich vor allem ältere Feuerwehrbeamte nicht imstande, das Berufsbild „Notfallsanitäter“ den Anforderungen entsprechend auszufüllen. Auf diese Bedenken hat die Amtsleitung laut DFeuG mit den Disziplinarverfahren reagiert. “Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft Hamburg sieht es als sehr kritisch an, diesen Konfrontationskurs einzuschlagen”, so Dahlke. Er wirft der Führung der zweitgrößten deutschen Feuerwehr vor, gegen Gesetze zu verstoßen. “Das Grundgesetz und die freie Berufswahl gelten auch für Feuerwehrleute”, so Dahlke. Dass mit dem Aufstieg zum NotSan keine finanziellen Verbesserungen einhergehen, bemängelt die Gewerkschaft ebenfalls.

Die Fortbildung der eigenen Mitarbeiter läuft, ungeachtet der Kritik der DFeuG, weiter. Der Plan sieht vor, 1.200 der insgesamt 2.500 Mitarbeiter zu Notfallsanitätern zu qualifizieren. Aktueller Stand: Etwa 600 Angestellte haben die Ausbildung absolviert oder die Ergänzungsprüfung abgelegt.

Den Kräften, die sich derzeit weigern, die Ergänzungsprüfung abzulegen, droht durch das Disziplinarverfahren ein Beförderungsstopp oder eine Zurückstufung.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kennt man ja, wenn die BD auf uns herumhakt! Aber die gleichen Leute schauen weg, wenn Feuerwehrleute von irgend welchen Leuten draußen geschlagen werden. Also immer schön politisch korrekt bleiben! Und dann kann man auch noch darum kämpfen, einen qualifizierten Dienstunfall anerkannt zu bekommen, wenn einem was im Einsatz zustößt. Mittlerweile rate ich jeden ab zu einer Berufsfeuerwehr zu gehen. Und wenn dann nur im gehobenen Dienst. Alles andere darunter ist eine Tätigkeit als “Hilfsarbeiter mit Beamtenstatus”. so sehe ich die Dinge mittlerweile. Auch kann ich nicht bestätigen das Feuerwehrleute in der Bevölkerung sonderlich beliebt sind. Bin ich doch insbesonderer als junger Mann oft bei Frauen abgeblitzt wenn diese erfuhren das ich bei einer Berufsfeuerwehr beschäftigt bin. “Ach da sieht man ja immer so schlimme Dinge usw.” Und ich sah gut aus als junger Mann! Ne ne, noch mal zur Feuerwehr würde ich nicht gehen, dieser scheiß intrigen Haufen.

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  2. moin moin aus dem schönen Hamburg!
    ich bin auch “dran”, diesen neuen beruf in 2020 erlernen zu DÜRFEN… das ganze natürlich für NULL euro extra und on top noch mit Drohungen seitens unseres Elfenbeinturms.. schön, dass wir so ein tolles miteinander haben… nicht falsch verstehen, ich bin sehr gerne feuerwehrmann, gehe sehr gerne zum dienst und das auch in Hamburg. vieles läuft nämlich gar nicht so schlecht in unserer Firma, aber man darf nicht vergessen, dass die Führung sich diesen druck selbst gemacht hat. besetzung der rettungsmittel ist ländersache und NIRGENDS steht geschrieben, dass ab 2021 unsere RTW mit mind einem NOTSAN besetzt sein müssen. diesen stress hat Hamburg sich selbst eingebrockt und dabei leider vergessen, diejenigen mit ins boot zu holen, die den schei… ausbaden müssen… und das wie gesagt für NULL euro.
    jeder, der sich mit dem Thema befasst weiss, dass das nicht “mal eben so” erledigt ist.
    der NOTSAN ist eine hoch anspruchsvolle Ausbildung, die wir mal eben so in 5 Wochen erlernen sollen… und wir machen ja nicht nur das… wir ahren ja auch noch so ganz nebenbei drehleiter oder sind angriffstrupp… meiner Meinung nach ist der NOTSAN der Tod der so hoch gepriesenen multifunktionalität…. diverse Medikamente geben müssen anwendungssicher natürlich und invasive massnahmen… und das alles “so nebenbei”….
    der NOTSAN ist sicherlich ein toller beruf… hoch qualifizierte nicht ärztliche notfallmedizin…. das geht nur mit vollem Focus auf denselben und nicht mal so eben nebenbei…das wissen auch die herren im Elfenbeinturm… bin ich mir sicher… nur einsehen wollen sie es nicht… und nun lgene sie sich mit uns älteren kollegen an… finde ich mutig, denn das könnte ganz ganz vielleicht nach hinten losgehen… könnte doch sein oder??

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  3. Frechheit! Ich bin selbst Notfallsanitäter, allerdings in Kreisen des DRK in Rheinland-Pfalz und kann gerade die älteren Kollegen der Feuerwehr verstehen, die das Berufsbild des Notfallsanitäters nicht mehr ausüben möchten. Selbst die Ergänzungsprüfung hat für mich (35) einen ganz großen Stresslevel hervorgerufen. Prüfung bleibt Prüfung, liebe Amtsleitung!

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