Spielzeug für Tüftler

Feuerwehr Modelle aus Lego

Martin Kern und Georg Hubert sorgen für Lego-Modelle abseits jeder Massenproduktion: mit bis ins Detail ausgetüftelten Modellen echter Vorbilder. Im Shop bietet das Feuerwehr-Magazin die Bauanleitungen für diese Modelle an. Wir haben hinter die Kulissen geschaut, wie die Idee entstanden ist und wie an Details getüftelt wird.

Georg Hubert (39) aus Weißwasser in Brandenburg tüftelt an einem neuen Fahrzeug. Vor ihm auf dem Tisch sind das Heck eines Tragkraftspritzenfahrzeugs und ein Mannschaftstransporter zu sehen.

“Spiel gut” heißt das aus dem dänischen”leg godt” abgeleitete Lego – weltweit kennen Menschen diesen Begriff für die der Kreativität keine Grenzen setzenden Kunststoff-Bausteine. Dass man sich tatsächlich keine Grenzen setzen muss, stellen Martin Kern (40) aus Stockstadt in Hessen und Georg Hubert (39) aus Weißwasser in Brandenburg unter Beweis. Kern entwickelt Baupläne für vorbildgetreue Einsatzfahrzeuge. Hubert baut sie, um zu prüfen, was technisch möglich ist. Zufällig hat sich das Duo zusammengefunden und mischt die Szene der Lego-Bastler mit eindrucksvollen Fahrzeugen auf.

“Es gibt direkt von Lego eigentlich nur so typische Klassiker wie Bagger oder Flugzeug. Da ist doch klar, dass noch etwas fehlt”, sagt Hubert. Schon seit Jahren bastelt der Familienvater und Feuerwehrmann deshalb seine Wunschmodelle aus der Feuerwehr-Welt aus Lego-Steinen selbst. “Rote Steine sind relativ selten und daher sehr teuer, oft muss man sich die benötigten Teile für ein Feuerwehr-Fahrzeug mühsam zusammen suchen”, weiß Hubert. Mittlerweile hat er die Sache perfektioniert und kann auf einen Fundus von fast 150.000 Teilen zurückgreifen. Überall in seiner Wohnung stapeln sich Boxen mit den verschiedensten Lego-Teilen. Rot ist dabei natürlich die dominierende Farbe.

Auch Kern baut mit Vorliebe Fahrzeuge abseits der Fertig-Packungen von Lego. “Vor allem die unterschiedlichen Kräne haben mich schon immer begeistert”, sagt der 40-Jährige. Den serienmäßigen 5-Achser erweiterte er als Eigenbau zum 8-Achser. Kern: “Daraufhin habe ich Kontakt zu Lego aufgenommen und versucht, ihnen so ein Kranmodell für die Serienproduktion schmackhaft zu machen, aber das hat leider nicht geklappt.” Zu teuer, habe es geheißen, so Kern, der mittlerweile aus mehr als 8.000 Einzelteilen sogar einen 10-achsigen Gittermast-Kran gebaut hat.

Als er versucht, sein erstes Einzelstück aus der Kran-Serie zu verkaufen, bekommt er im Internet wieder Anfragen, ob er Baupläne dafür habe. Hat er aber nicht. Da die Anfragen aber nicht abreißen, wagt Kern den Schritt, einen Plan zu entwickeln und zu vermarkten. Darüber kommt er in Kontakt mit Steine-Händlern wie Hubert. Der bringt die Idee ein, doch gemeinsam Feuerwehrfahrzeuge zu entwickeln.

Feuerwehr Modelle: Nur reale Vorbilder

Hubert legt großen Wert darauf, dass seine Modelle realen Vorbildern entsprechen. So wie dieses TLF 24/50 der FF Weißwasser auf MAN-Fahrgestell.

“Die Ideen hole ich mir auf der Straße, denn alle Fahrzeuge, die ich entwerfe, rollen als echtes Vorbild durch die Gegend“, berichtet Kern. Etwa das Wechselladerfahrzeug (WLF) der Feuerwehr Dortmund oder das Tanklöschfahrzeug (TLF) der Wehr in Weißwasser. Kern: „Die Umsetzung zum Bau beginnt meistens damit, Fahrgestell und Räder zu kombinieren. Dann muss ich sehen, wie ich die Kabine befestige, so dass sie auch gekippt werden kann. Und das Platz für einen Motor samt Akku bleibt.”

Denn die Fahrzeuge lassen sich per Fernbedienung fahren und verfügen über Beleuchtung und blinkende Blaulichter. Am aus 1.738 Teilen bestehenden WLF funktioniert selbst das Auf- und Absetzen der verschiedenen Abrollbehälter auf Knopfdruck. “Im ersten Schritt der Entwicklung kann kein Computer helfen. Der kommt erst später zum Einsatz, wenn es darum geht, die Teile zu erfassen und die Baupläne zu erstellen”, berichtet Kern. Damit alles passt, tauscht er sich regelmäßig mit Hubert aus.

“Die Ideen werden uns sicher nicht so schnell ausgehen”, ist Hubert überzeugt. Neben einem Hilfeleistungs-Löschgrup­penfahrzeug auf Scania-Basis rollen ein Rettungswagen als Sprinter und ein Tanklöschfahrzeug auf MAN-Fahrgestell durch seine Wohnung. Das WLF sieht aus wie ein Mercedes. Kern: “Die Bauteile von Lego geben unglaublich viel her, aber man muss halt immer sehen, was wie zusammengesteckt werden kann und wie es dann wirkt.”

Alle richtigen Teile zu bekommen, ist oftmals ein aufwändiger Prozess. Kern rät, sich möglichst nur mit einem großen Fundus an Bausteinen und Zubehör an eines seiner Modelle zu wagen. Für ein Modell der Sprinter-Klasse – gibt es nicht nur als Rettungswagen, sondern auch als Tragkraftspritzenfahrzeug und als Einsatzleitwagen – ist die Bauanleitung etwa 120 bis 150 Seiten lang. Für einen Kran können es schnell 400 Seiten werden. Jede Steckverbindung wird einzeln aufgeführt. „Bauen können das somit nicht nur Lego-Profis, sondern auch Anfänger oder Bastler, die lange kein Lego mehr in den Händen hatten”, sagt Kern. Direkt von Lego findet sich online übrigens nur eine Bauanleitung, mit der sich eine Feuerwehrstation bauen lässt.

Geplant und gebaut wird von Kern und Hubert grundsätzlich im Maßstab 1:16. Zum Einsatz kommen größtenteils gebrauchte Steine, die man bei Händlern findet. Hubert hat sich mit deren Handel selbstständig gemacht. Leuchtstreifen für die Fahrzeuge lässt er sich von einem Freund auf klebender Spezialfolie ausdrucken, die Bauteile für die Beleuchtung liefert ein anderer Händler.

Ein richtig schwerer Brocken ist der Feuerwehr-Kran auf vierachsigem Fahrgestell.

“Lego ist längst nicht mehr nur Kinderspielzeug. Die teuren Originalpackungen können sich ohnehin meistens nur Erwachsene leisten”, sagt Hubert. Und wer ein fertiges Exklusiv-Modell kaufen möchte, muss dafür ebenfalls richtig tief in die Tasche greifen. Teilweise stecken mehrere Tage Arbeit in der Entwicklung eines Bauplans und dem anschließenden Bau eines Einsatzfahrzeugs. Technisch sind den Möglichkeiten unterdessen kaum Grenzen gesetzt: Es gibt gerade und schräge Steine, Platten und Rundsteine, Achsen, Kugelgelenke, Liftarme und Zahnräder. “Die große Herausforderung ist es, die Teile so zu kombinieren, dass es tatsächlich wie ein typisches Fahrzeug der Feuerwehr aussieht”, berichtet Hubert.

Das gelingt dem Duo, wie die ersten Modelle zeigen. “Wir haben ganz oft Anfragen, ob wir die Modelle nicht beim Tag der offenen Tür oder so ausstellen können, da überlegen wir gerade noch, ob und wie wir das realisieren können”, sagt Kern.

Text und Fotos: Timo Jann

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