Chlorgas-Großeinsatz

Feuerwehr transportiert brennenden Pressmüll zum Ablöschen

Aumühle (SH) – Brisanter Großeinsatz am Seniorenstift Augustinum in Aumühle: Mitarbeiter haben dort am Freitagvormittag offenbar unachtsam Behälter mit verschiedenen Reinigungsmitteln in einen Pressmüllcontainer neben der Tiefgarageneinfahrt am Mühlenweg geworfen. Durch den Betrieb des Containers wurden die für eine Entsorgung vorgesehenen Behälter zerstört, enthaltene Rückstände aus den Behältern mischten sich und eine deutlich sichtbare und zu riechende Chlorgaswolke stieg auf.

Im Abfallwirtschaftszentrum Wiershop wurde der Inhalt des Pressmüllcontainers entleert und von Feuerwehrleuten unter Atemschutz abgelöscht. (Bild: Jann)

„Das Einatmen von Chlorgas ist hochgiftig“, sagte Joachim Miro, stellvertretender Feuerwehrchef von Aumühle. Er leitete den Großeinsatz, den die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS-Süd) nach einem Notruf ausgelöst hatte. In Verbindung mit Feuchtigkeit könnten die Dämpfe Gewebe in Atemwegen zerstören.

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Nach dem Alarm gegen 11:30 Uhr rückten zahlreiche Feuerwehrleute aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und dem Kreis Stormarn aus, außerdem der Rettungsdienst und die Polizei. Der Mühlenweg wurde für den stundenlangen Einsatz voll gesperrt. Auch Fußgänger und Radfahrer durften nicht passieren. Der leichte Wind trieb die Chlorgaswolke vom Seniorenstift aus über die Bille hinweg in Richtung der Mineralwasserquelle „Fürst Bismarck“. Hier ergaben Messungen keine gefährlichen Werte.

„Eine Kontrolle im Seniorenstift hat ergeben, dass wir auch dort Chlorgeruch wahrnehmbar hatten“, sagte Miro. Deshalb wurden die Etagen der Einrichtung mit rund 120 Bewohnern evakuiert, die älteren Herrschaften in einem sicheren Bereich betreut. „Der Betreuungsaufwand ist schon erhöht, aber ansonsten ist das für uns aus rettungsdienstlicher Sicht glücklicherweise eine ruhige Lage“, sagte Jan Meins, Leitender Notarzt.

Ganz anders für die Feuerwehrleute. Aus rund 300 Metern Entfernung, so groß war der festgelegte Absperrradius um den Müllcontainer am Mühlenweg, mussten sie mit luftdichten Chemikalienschutzanzügen, unter denen Atemschutzgeräte getragen werden, agieren. Um Kräfte aufgrund der Entfernung zu sparen, wurden die ausgerüsteten Trupps mit einem Mannschaftsbus bis kurz vor die eigentliche Einsatzstelle gefahren. Maximale Arbeitszeit in den Schutzanzügen: 20 Minuten.

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An einer Dekontaminationsstelle wurden die Schutzanzüge nach der Rückkehr vom Container abgespült, bevor sich die Retter ihrer wieder entledigen durften. Bei 30 Grad Außentemperatur eine extrem anstrengende Arbeit.

Weil die zerstörten Behälter in dem Pressmüllcontainer nicht erreichbar waren, wurde die Reaktion der Chemikalien abgewartet. Gut fünf Stunden nach dem Beginn des Gefahrgut-Einsatzes am Seniorenstift Augustinum in Aumühle hat die Feuerwehr mit dem betroffenen Pressmüllcontainer kurzen Prozess gemacht: Der Container wurde von einem Wechselladerfahrzeug der Feuerwehr Reinbek aufgeladen – im Lauenburgischen hatte sich die Politik gegen ein Konzept mit solchen Fahrzeugen ausgesprochen – und dann von der Feuerwehr und dem Löschzug Gefahrgut begleitet ins Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) nach Wiershop gefahren.

Dort wurde der mittlerweile in Brand geratene Inhalt entleert und abgelöscht. Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen des AWZ, das von der Buhck-Gruppe betrieben wird, konnte die brisante Ladung dorthin gebracht werden. „Gefährlich ist weder der Transport noch das, was hier bei uns im AWZ passiert“, sagte Thomas Buhck.

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Feuerwehrleute aus Wiershop und Hamwarde hatten bereits zur Ankunft der Kolonne den Ablöschplatz vorbereitet, die Buhck-Gruppe einen Bagger mit Überdruckkabine bereitgestellt, damit der Fahrer die Feuerwehr beim Löschen unabhängig von der Außenluft unterstützen konnte.

Die Reinbeker setzten in einem abseits gelegenen Bereich den Müllcontainer schließlich ab. In voller Montur und unter Atemschutz öffneten Feuerwehrleute den Behälter schließlich und ließen die sich stauende Hitze des Feuers entweichen. Um den Brand des Mülls ablöschen zu können, musste der Behälter entleert werden. Erst gegen 19 Uhr konnte der Einsatz im AWZ beendet werden. Nun muss die kontaminierte Ausrüstung noch gereinigt und für neue Einsätze vorbereitet werden.

Wer genau für das Einfüllen der Reinigungsmittel in den Presscontainer verantwortlich ist, versucht jetzt die Polizei zu klären. Durch die chemische Reaktion der unterschiedlichen Stoffe war es deutlich wahrnehmbar zur Chlorgasbildung gekommen. Die Substanz ist giftig. So wurde der Großeinsatz ausgelöst. Möglicherweise muss, sollte ein Tatverdächtiger ermittelt werden, dieser für die Einsatzkosten in Höhe von mehreren Zehntausend Euro aufkommen. Zwar engagieren sich die Einsatzkräfte allesamt ehrenamtlich, doch Kommunen können Hilfeleistungen bei einer fahrlässigen Verursachung über Gebührenrechnungen einfordern.

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