Herzberg am Harz (NI) – Mehr als 300 Einsatzkräfte waren beim Großbrand auf dem Gelände der Firma Homapal, Kreis Göttingen, am Dienstag, 28. Juli 2026, gefordert. Neben vier Drehleitern gehörten zwei unabhängig aufgebaute Löschwasserversorgungen zu den zentralen Maßnahmen: Eine davon wurde mit einem HFS-System vom 1,6 Kilometer entfernten Juessee quer durch die Innenstadt aufgebaut. Vier Feuerwehrangehörige und zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes wurden verletzt. Eine jetzt vorgelegte Nachbetrachtung der Feuerwehr Herzberg zeigt, welche Kräfte, Mittel und Unterstützungsleistungen bei dem Einsatz zusammenwirkten.
Während im Hintergrund über eine Drehleiter Löschwasser abgegeben wird, laufen im Bereich der Einsatzleitung die Maßnahmen zusammen. Mehr als 300 Einsatzkräfte waren an der Bekämpfung des Großbrands beteiligt. (Bild: Baumgarten | Kreisfeuerwehr Göttingen)
Gegen 16:40 Uhr alarmierte die Leitstelle zunächst die Feuerwehr Herzberg nach Auslösung einer Brandmeldeanlage zu dem Gewerbebetrieb in der Bahnhofstraße. Noch während die ersten Kräfte ausrückten, informierte die Leitstelle über ein bestätigtes Feuer im Dachbereich. Daraufhin wurde die Alarmstufe auf B3 erhöht. Alle Feuerwehren der Stadt Herzberg wurden zur Einsatzstelle gerufen.
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Die Einsatzkräfte begannen mit der Brandbekämpfung auf dem Dach und in der Industriehalle. Zusätzlich brachten sie eine Drehleiter vor dem Gebäude in Stellung. Im Inneren war die Halle bereits stark verraucht. Der starke Rauch und die ausgelöste Sprinkleranlage schränkten das Vorgehen ein, hinzu kamen herabfallende Teile.
Da sich die Statik des Daches und die weitere Brandausbreitung nur schwer einschätzen ließen, stellten die Kräfte den Löschangriff auf dem Dach ein und verlagerten ihn auf die Drehleiter. Auch die Brandbekämpfung im Halleninneren wurde wegen des heißen Wasserdampfs der Sprinkleranlage und herabfallender Trümmer beendet. Weitere Feuerwehren aus den Herzberger Ortsteilen unterstützten die Maßnahmen.
Abrollbehälter kommt direkt vom vorherigen Einsatz
Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Wechselladerfahrzeug der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Kreises Göttingen mit dem Abrollbehälter „Einsatzunterstützung“ auf der Rückfahrt von einem Wohnhausbrand in Zorge. Es wurde unmittelbar nach Herzberg beordert. Der Abrollbehälter führt unter anderem Atemschutzgeräte, Reserveflaschen und Schlauchmaterial mit.
Mit der zunehmenden Brandausbreitung stieg der Bedarf an Personal und Einsatzmitteln. Im weiteren Verlauf wurden deshalb die Löschzüge einschließlich Drehleitern aus Bad Lauterberg, Osterode und Bad Grund nachgefordert.
Die Feuerwehr Hattorf unterstützte mit Atemschutzgeräteträgern und richtete auf der Bahnhofstraße eine Hygienestelle ein. Kräfte aus der Samtgemeinde Gieboldehausen halfen dabei. Später kamen außerdem 15 Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren aus der Samtgemeinde Radolfshausen hinzu.
In der Anfangsphase wurden vier Mitglieder der Feuerwehr sowie zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes verletzt. Der Rettungsdienst versorgte sie und brachte sie anschließend zur weiteren Untersuchung in die Klinik Herzberg. Alle sechs konnten die Klinik nach Angaben der Feuerwehr noch in derselben Nacht verlassen.
Für ein detaillierteres Lagebild forderte die Einsatzleitung die Drohnenstaffel aus Barbis an. Mit ihrer Wärmebildkamera lieferte die Drohne im weiteren Verlauf Übersichtsbilder und unterstützte damit die Planung weiterer Maßnahmen.
Zur Führungsunterstützung kam außerdem der ELW 2 der Kreisfeuerwehr aus der Feuerwehrtechnischen Zentrale Katzenstein zum Einsatz. Kreisbrandmeister Karsten Krügener und Abschnittsbrandmeister Christian Wille unterstützten ebenfalls die Einsatzleitung.
Die Betreuung der anwesenden Pressevertreter übernahm vor Ort Björn Baumgarten, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Göttingen, in Abstimmung mit der Unternehmensleitung.
Hoher Löschwasserbedarf – zwei unabhängige Förderstrecken
Die zahlreichen eingesetzten Trupps und die Wasserwerfer der vier Drehleitern sorgten für einen hohen Löschwasserbedarf. Um diesen zu decken und zugleich das städtische Trinkwassernetz zu entlasten, entschied sich die Einsatzleitung für zwei voneinander unabhängige Wasserversorgungen vom Mühlengraben und vom Juessee.
Vom Mühlengraben verlegten die Kräfte eine rund 1.100 Meter lange doppelte B-Schlauchleitung. Dafür kamen die Schlauchwagen des Kreises Göttingen aus Walkenried und Seulingen gemeinsam mit der Feuerwehr Bilshausen zum Einsatz.
Die zweite Förderstrecke führte vom Juessee aus quer durch die Innenstadt. Kräfte der Kreisfeuerwehr Northeim setzten dafür das Hytrans-Fire-System (HFS) des Katastrophenschutzes des Landes Niedersachsen ein. Mit einer F-Schlauchleitung kann das System nach Angaben der Feuerwehr bis zu 8.000 Liter Löschwasser pro Minute fördern.
Stadt erhöht Wasserangebot für die Feuerwehr
Auch Mitarbeiter der Herzberger Stadtentwässerung waren in die Löschwasserversorgung eingebunden. Sie erhöhten die Abgabemenge aus dem Juessee, um den Wasserstand am Mühlengraben anzuheben und dort ausreichend Löschwasser zur Verfügung zu stellen.
Bereits zu Beginn des Einsatzes hatte das Wasserwerk der Stadt Herzberg die Förderleistung seiner Brunnen erhöht. Dadurch konnten laut Feuerwehr zusätzlich rund 1.000 Kubikmeter Wasser über das Trinkwassernetz für die Brandbekämpfung bereitgestellt werden.
Während des Betriebs der Förderstrecken mussten die Bundesstraßen B 27 und B 243 in der Ortsdurchfahrt Herzberg im betroffenen Bereich bis in die frühen Morgenstunden voll gesperrt werden. Polizei, Bauhof und Straßenmeisterei Herzberg unterstützten die Feuerwehr bei den Sperrmaßnahmen.
Auch die Bahnhofstraße war teilweise gesperrt. Dort befanden sich weitere Kräfte in Bereitstellung. Zudem waren dort der Rettungsdienst, die Verpflegungsstelle und der Bereich für die Dekontamination der Atemschutzgeräteträger eingerichtet.
Über eine Drehleiter bekämpfen Einsatzkräfte den Brand im Bereich der Industriehalle. Wegen der unklaren Dachstatik war der Löschangriff vom Dach im Einsatzverlauf eingestellt worden. (Bild: Baumgarten | Kreisfeuerwehr Göttingen)
Versorgung für mehr als 300 Kräfte
Der Fachzug Logistik/Versorgung der Kreisfeuerwehr Göttingen aus Lasfelde übernahm die Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und warmen Getränken. Ursprünglich war von 120 zu versorgenden Kräften ausgegangen worden. Wegen der deutlich höheren Zahl mussten zusätzliche Lebensmittel beschafft werden.
Nach Ladenschluss stellte der Leiter des Herzberger REWE-Marktes, Jonas Brand, gemeinsam mit einem Mitarbeiter die benötigten Waren bereit.
Auch Kraftstoff musste an die Einsatzstelle gebracht werden. Das THW Göttingen versorgte Fahrzeuge, Pumpen und Stromerzeuger mit Diesel und Benzin. Dazu nutzten die Kräfte Kanister und einen mobilen Kraftstofftank auf einem Lkw. Benötigtes AdBlue stellte Olivier Kutscher vom Thomas-Phillips-Markt kurzfristig zur Verfügung.
Riegelstellungen halten die Brandwände
Mit Riegelstellungen hielten die Einsatzkräfte nach Angaben der Feuerwehr die Brandwände zu den benachbarten Hallen. Damit verhinderten sie eine weitere Brandausbreitung auf andere Unternehmensteile.
Noch in der Nacht nahm ein Baufachberater des THW Northeim das Gebäude in Augenschein, um die Statik der betroffenen Gebäudeteile einzuschätzen.
Gegen Mitternacht konnte die Feuerwehr „Feuer unter Kontrolle“ melden. Ab 3 Uhr richteten die Feuerwehren Hörden und Elbingerode gemeinsam mit der Herzberger Drehleiter eine Brandwache ein. Die Kräfte löschten verbliebene Glutnester und bauten Ausrüstung schrittweise zurück.
Der primäre Einsatz dauerte bis 8 Uhr am Mittwochmorgen – rund 15 Stunden nach der Alarmierung.
Rückbau dauert bis zum folgenden Nachmittag
Beim Rückbau der HFS-Förderstrecke unterstützte die Feuerwehr Freiheit die Kräfte aus dem Kreis Northeim. Um die zweite Schlauchleitung vom Mühlengraben kümmerte sich am folgenden Tag die Feuerwehr Herzberg gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofs der Stadt.
Auf dem Betriebsgelände beteiligten sich außerdem Mitarbeiter des Unternehmens an den Aufräumarbeiten der Feuerwehr. Diese dauerten bis in den Nachmittag des 29. Juli.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren mehr als 300 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus acht Stadt- beziehungsweise Gemeindegebieten sowie weitere Organisationen und Stellen beteiligt. Neben den Feuerwehren gehörten dazu unter anderem THW, Rettungsdienst, Polizei, Kreisfeuerwehren und städtische Betriebe.
Nach dem Großbrand übergab die Homapal-Geschäftsleitung eine Spende über 1.500 Euro an den Förderverein der Kreis-Jugendfeuerwehr Osterode e.V. Von links: Florian Adam, Olivier Kutscher, Lars Steinmetzer und Markus Herzberg. (Bild: Baumgarten | Kreisfeuerwehr Göttingen)
Homapal bedankt sich bei den Einsatzkräften
Am Freitag, 7. August, besuchten Lars Steinmetzer und Florian Adam aus der Geschäftsleitung von Homapal die Feuerwehr Herzberg. Sie überbrachten den Dank der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bedankten sich stellvertretend bei den beteiligten Einsatzkräften.
Nach Angaben der Geschäftsleitung konnte das Feuer durch den Einsatz auf die betroffene Halle begrenzt und damit der Fortbestand des Unternehmens gesichert werden.
Steinmetzer und Adam übergaben zudem eine Spende in Höhe von 1.500 Euro an den Förderverein der Kreis-Jugendfeuerwehr Osterode e.V. Der stellvertretende Vorsitzende Olivier Kutscher nahm sie gemeinsam mit Markus Herzberg, dem 1. Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode am Harz e.V., entgegen.