Grenzgebiet Hessen/Bayern

550.000 Quadratmeter Waldbrand: Feuerwehren kämpfen an Landesgrenze

Rodenbach (HE)/Alzenau (BY) – Ein ausgedehnter Waldbrand an der hessisch-bayerischen Landesgrenze bindet seit Montag Hunderte Einsatzkräfte, davon rund 130 aus dem Kreis Aschaffenburg. Die betroffene Fläche wird inzwischen mit etwa 550.000 Quadratmetern angegeben. Die Nachlöscharbeiten dauerten am Dienstagmittag an, ein Ende war nicht absehbar.
Aufwendige Suche nach Glutnestern: In dem betroffenen Waldgebiet mussten die Einsatzkräfte tief im Boden sitzende Glutnester gezielt suchen und ablöschen. Umsturzgefährdete Bäume und Totholz stellten dabei eine zusätzliche Gefahr dar. (Bild: Hettler)

Kurz vor 12 Uhr gingen am Montag mehrere Notrufe ein: Zeugen hatten Rauch aus dem Wald nahe der Wochenendhaussiedlung „Wingerte“ bei Rodenbach bemerkt, der schon aus größerer Entfernung zu sehen war. Während der Löscharbeiten entdeckten die Kräfte rund um Oberrodenbach weitere Brandstellen. Kräftiger Wind erschwerte das Vorgehen und ließ das Feuer in bereits abgelöschten Bereichen wieder aufflammen.

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Einer der Brandherde lag nach Angaben der Polizei am Ortsrand von Oberrodenbach bei den Tennisplätzen. Kritisch wurde die Lage an der Wochenendhaussiedlung: Dort breitete sich ein Feuer in Richtung der Gebäude aus. Einsatzkräfte der Feuerwehr wendeten laut Polizei durch schnelles und gezieltes Vorgehen eine Gefahr für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie für die Häuser ab. Personen in einem Teil der Siedlung forderte die Polizei vorsorglich auf, den Bereich vorübergehend zu verlassen. Zusätzlich legten die Kräfte Schneisen an, und einen Zufahrtsweg in den Wald sperrten sie zeitweise, um die Rettungswege freizuhalten. Über Katwarn warnte die Integrierte Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises die Bevölkerung: Das Gebiet sei möglichst zu meiden, Fenster und Türen zu schließen, Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten und die Zugangswege zur Brandstelle freizuhalten.

Feuer erreicht Grenzbereich zu Bayern

Ausgebrochen war das Feuer auf hessischer Seite, im Laufe des Montags erreichte es den Grenzbereich zu Bayern. Um 14:21 Uhr wurde die Feuerwehr Alzenau alarmiert. In der Folge entwickelte sich ein länderübergreifender Einsatz mit Hunderten Kräften, unter anderem waren die Wehren aus Alzenau, Kahl und Laufach beteiligt. Auch die Feuerwehr Aschaffenburg wurde alarmiert.

Im Wald richteten die Feuerwehren mehrere Löschwasserbehälter als Reserve ein und füllten sie fortlaufend mit Tanklöschfahrzeugen (TLF) nach. Von dort aus gingen die Trupps mit mehreren Löschrohren gegen das Feuer vor. Vor allem tief im Boden liegende Glutnester erschwerten die Arbeiten, sie mussten aufwendig gesucht und gezielt abgelöscht werden. Eine zusätzliche Gefahr für die Einsatzkräfte stellten durch den Brand geschädigte, umsturzgefährdete Bäume und vorhandenes Totholz dar.

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Unterstützung kam aus der Luft. Auf hessischer Seite setzte die Polizei einen Hubschrauber mit einem als „Bambi Bucket“ bezeichneten Löschwasserbehälter ein und warf das Wasser über dem Waldgebiet ab. Auch ein bayerischer Polizeihubschrauber beteiligte sich an der Brandbekämpfung: Die Feuerwehr Kälberau und Flughelfer der Feuerwehr Aschaffenburg sicherten dafür zunächst die Landung am Spessart-Gymnasium Alzenau und brachten anschließend den Löschwasserbehälter an. Das Löschwasser nahm die Besatzung aus dem Meerhofsee auf. Im Verlauf des Einsatzes waren insgesamt zwei hessische Polizeihubschrauber, ein bayerischer Hubschrauber sowie ein Waldbrand-Beobachtungsflugzeug aus Würzburg im Einsatz, dazu Drohnen der Polizei zur Lageerkundung.

Für die Koordination richteten die Verantwortlichen im Feuerwehrhaus Alzenau einen Krisenstab ein. Dort stimmten unter anderem Kreisbrandrat Frank Wissel und Kommandant Timo Elsesser die weiteren Maßnahmen ab, auch Landrat Dr. Alexander Legler war vor Ort und in die Lage eingebunden. Die Verpflegung der zahlreichen Kräfte stellte die Feuerwehr Mömbris-Hutzelgrund im Feuerwehrhaus bereit.

Ausmaß wird im Einsatzverlauf deutlicher

Wie groß die betroffene Fläche war, ließ sich zunächst nicht bestimmen. Am Montag sprach die Polizei von mehreren tausend Quadratmetern, später ging die Kreisbrandinspektion von mehreren zehntausend Quadratmetern aus und verwies auf die dynamische Einsatzlage, die eine genaue Angabe noch nicht zuließ. Am Dienstag wurde die betroffene Fläche nach Rücksprache mit den hessischen Führungskräften schließlich mit rund 550.000 Quadratmetern angegeben.

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Nachlöscharbeiten dauern am Dienstag an

Für die bayerischen Kräfte endete der Einsatz am Montagabend zunächst, nachdem es gelungen war, die in Richtung des bayerischen Grenzgebiets laufende Brandfront zu halten und abzulöschen. Auf hessischer Seite arbeiteten Einsatzkräfte dagegen die gesamte Nacht an den Brandstellen weiter. Die Forstverwaltung der Stadt Alzenau kontrollierte das Waldgebiet mehrfach auf mögliche neue Brandentwicklungen.

Am Dienstagvormittag löste das Drohnenteam der Feuerwehr Karlstein das Drohnenteam der Feuerwehr Hanau ab, das bereits über Nacht zur Lageerkundung im Einsatz gewesen war.

Rauch und Brandgeruch führten über das eigentliche Brandgebiet hinaus zu weiterem Aufwand. Um 23:28 Uhr rückte die Feuerwehr Kahl wegen wahrnehmbaren Brandgeruchs aus, bei der Erkundung zeigte sich, dass er vom Waldbrand herrührte. Gegen 9:30 Uhr stellte eine auf hessischer Seite eingesetzte Drohne eine Rauchentwicklung im Forstgebiet Alzenau fest, was zu einer Alarmierung der Feuerwehr Alzenau führte. Auch hier stammte der Rauch aus dem bereits bekannten Brandgebiet, in dem hessische Kräfte nachlöschten. Bei der Integrierten Leitstelle Bayerischer Untermain gingen seit Montagmittag wiederholt Notrufe wegen Rauch und Brandgeruch ein, weshalb die Leitstelle personell verstärkt wurde.

Offen ist weiterhin die Brandursache. Ob die einzelnen Brandstellen miteinander in Zusammenhang stehen, ist nach Angaben der Polizei bislang unklar. Eine Brandstiftung schließen die Ermittler derzeit nicht aus.

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