Kommunale Krisenvorsorge

Von Notstrom bis Richtfunk: KOMPASS Resilienz läuft an

Wiesbaden (HE) – Mit dem Landesprogramm „KOMPASS Resilienz“ will Hessen Städte, Gemeinden und Kreise bei der Vorbereitung auf Krisenlagen unterstützen. Nachdem Innen- und Heimatschutzminister Roman Poseck die Initiative Mitte März bei einem Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Anspach vorgestellt hatte, erfolgte Anfang Juni der offizielle Start. Bereits vor Programmstart lagen nach Angaben des Innenministeriums mehr als zehn Interessenbekundungen aus hessischen Kommunen vor.

Innenminister Roman Poseck verkündete Anfang Juni den offiziellen Start des Landesprogramms „KOMPASS Resilienz“. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Hilfsorganisationen und Verbänden nahmen an der Auftaktveranstaltung teil. (Bild: HMdI | Zinn)

KOMPASS Resilienz richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Kommunen. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stromausfällen, Extremwetterlagen, Cyberangriffen und weiteren Krisenszenarien zu stärken. Dafür stellt das Land Leitfäden, Checklisten, Referenzszenarien sowie digitale Informations- und Fortbildungsangebote zur Verfügung.

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Im Mittelpunkt stehen vier Handlungsfelder: die Aufrechterhaltung der kommunalen Handlungsfähigkeit, die Stärkung des Bevölkerungsschutzes, die Förderung der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung sowie der Schutz Kritischer Infrastrukturen. Kommunen, die entsprechende Maßnahmen umsetzen, können ein Resilienz-Siegel erhalten.

Neu-Anspach als frühes Praxisbeispiel

Bereits bei der Vorstellung des Programms diente Neu-Anspach im Hochtaunuskreis als Beispiel für kommunale Krisenvorsorge. Dort informierte sich Poseck im März über bestehende Maßnahmen der Stadt und der Feuerwehr.

Nach Angaben der Stadt wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Notstromlösungen für Feuerwehrstützpunkte, Notfallinfopunkte, Rathaus und Bürgerhäuser geschaffen. Zusätzlich hält die Kommune ein Katastrophenschutzlager mit Feldbetten, Sitzgelegenheiten, Hygieneartikeln und Material für die Verpflegung Betroffener vor. Für die Bevölkerung stehen mobile Anlagen zur Warnung und Information bereit. Parallel wird das Sirenennetz weiter ausgebaut.

Für besondere Lagen hat die Stadt außerdem einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) eingerichtet. In diesem Krisenstab arbeiten Vertreter von Verwaltung, Feuerwehr, Polizei und weiteren Stellen zusammen, um Maßnahmen der Gefahrenabwehr zu koordinieren.

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Auch die Feuerwehr hat ihre Vorbereitungen ausgebaut. Neben externen Notstromaggregaten für alle Standorte verfügt sie über ein Satellitentelefon, das bei Ausfällen öffentlicher Kommunikationsnetze den Kontakt zur Leitstelle ermöglichen soll. Ergänzend entstand ein eigenes Richtfunk-Netzwerk zwischen den Feuerwehrhäusern. Dieses funktioniert unabhängig vom Internet und kann unter anderem für Telefonie, Chatfunktionen, Einsatzleitsoftware und Datenaustausch genutzt werden.

Die Feuerwehr Anspach hat für sämtliche Standorte externe Notstromaggregate beschafft, wie das Innenministerium mitteilt. An den Gerätehäusern wurden dafür genormte Einspeisemöglichkeiten geschaffen. Darüber hinaus stellt die Stadt einen Katastrophenschutz-Löschzug. Zudem sind ein Sonderanhänger Strom sowie zwei vom Land geförderte Katastrophenschutzfahrzeuge in Neu-Anspach stationiert.

Erste Kommunen steigen ein

Zu den Kommunen, die bereits vor dem offiziellen Start des Programms Resilienzbeauftragte benannt hatten, gehören nach Angaben des Innenministeriums Bickenbach, Brombachtal, Friedberg und Hattersheim am Main.

Hattersheim setzt ebenfalls auf Vorsorgemaßnahmen für längere Stromausfälle. Wie Bürgermeister Klaus Schindling gegenüber Hit Radio FFH erklärte, können dort Rathaus, Feuerwehrhäuser und größere Hallen über mobile Dieselaggregate weiter betrieben werden. Zusätzlich bestehe eine Vereinbarung über eine stromlose Tankstelle, damit Feuerwehr- und andere Einsatzfahrzeuge auch bei einem Ausfall der Stromversorgung betankt werden können. Für mögliche Evakuierungen halte die Stadt ein Katastrophenschutzlager vor.


Weiterführende Links:

>> Checklist: Kommunales Resilienz-Siegel im Rahmen des hessischen KOMPASS Resilienz-Programms

>> Leitfaden: KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel Resilienz

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