Leverkusen (NW) – Vom 13. bis 15. März 2026 brachte die Fachkonferenz der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) engagierte Ehrenamtliche aus ganz Deutschland im Forum Leverkusen zusammen. Das Feuerwehr-Magazin war am Samstag mit dabei und erlebte, woran die DJF aktuell arbeitet und was sie beschäftigt.
Auf der Fachkonferenz der Deutschen Jugendfeuerwehr in Leverkusen standen Austausch, Diskussion und gemeinsame Arbeit an Zukunftsthemen im Mittelpunkt. (Bild: DJF | Hepner)
Praxisnah und auf Austausch angelegt: Schon am Vormittag wurde deutlich, dass die Fachkonferenz nicht auf Frontalvorträge setzt, sondern auf Beteiligung und Diskussion. Im Open-Space-Format drehte sich der Vormittag ganz um Demokratieförderung. Die Energie in den Workshopräumen des Forum Leverkusen am Nachmittag machte deutlich, dass die Themen die Teilnehmenden wirklich bewegen.
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Alle drei Panels wurden von Mitgliedern des Bundesjugendforums gestaltet und geleitet. Beim Panel „Brandherd Desinformation“ etwa wurde es schnell konkret. Gemeinsam schauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Beispiele aus dem Netz: Ist das echt oder gefälscht? Wie erkennt man KI-generierte Bilder? Und was ist mit politischen Fake-News? Die Diskussion zeigte, dass solche Inhalte keine abstrakte Bedrohung sind – die Frage, ob Jugendliche in der eigenen Wehr schon einmal unbewusst Fake News verbreitet haben, löste Wiedererkennung aus. Eingebettet war das Panel in das Projekt „Brandherd Desinformation“, eine Kooperation der DJF mit der Reporterfabrik von Correctiv, das Medienkompetenz gezielt in die Jugendarbeit bringen soll. Mit auf den Weg gab es schließlich einen zweiseitigen Leitfaden: „Faktenchecken in vier Brandalarm-Stufen“ – vom schnellen Blick auf Absender und Kommentare bis hin zur Bilderrückwärtssuche.
Im Themenfeld Desinformation ging es auch um Reaktionsstrategien auf Falschinformationen. (Bild: DJF | Hepner)
Nicht weniger lebhaft verlief das Panel „Hot oder Schrott: Die Demokratietester“, bei dem bestehende Projekte auf den Prüfstand kamen. Was wirkt wirklich, wo muss nachgebessert werden? Beim dritten Panel wurde es grundsätzlicher: Wie macht man Demokratie für Jugendliche überhaupt greifbar? Dabei wurde nochmals klargestellt: Feuerwehr darf politisch sein. Sie darf nur nicht parteipolitisch sein.
Im Panel „Hot oder Schrott: Die Demokratietester“ wurden bestehende Projekte kritisch auf ihren Nutzen hin betrachtet. (Bild: DJF | Hepner)
Nach dem Mittagessen – es gab Kartoffelsuppe in den Räumlichkeiten der Berufsfeuerwehr Leverkusen – vertiefte sich die Arbeit in drei Workshops.
Im Workshop „Eine für alle – Jugendfeuerwehr und Inklusion“, geleitet von Uwe Danker (Bildungsreferent der Deutschen Jugendfeuerwehr), startete die Gruppe zunächst ganz bei sich: In Kleingruppen sammelten die Teilnehmenden, was sie vom Workshop erwarteten. Dann folgte eine Sensibilisierungsrunde – welche Persönlichkeiten oder Medienbeispiele fallen einem zum Thema Inklusion ein? Gewitter im Kopf, Ziemlich beste Freunde, die Vorstadtkrokodile – die Liste wurde lang. Erst später näherten sich die Kleingruppen den Begriffen selbst in Form kleiner Recherchen: Was bedeuten eigentlich Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit? Wie lassen sich diese Begriffe definieren? Um die verschiedenen Grade von Beteiligung zu veranschaulichen, half ein eingängiges sowie charmantes Beispiel: Zur Party eingeladen werden und hingehen ist Teilnahme, zum Mittanzen aufgefordert werden und dieser Bitte nachzukommen ist Teilhabe, die Party mit organisieren ist Teilgabe.
Doch richtig greifbar wurde es bei einem Gruppenspiel. Alle standen gemeinsam auf einer Decke, eine Person saß auf einem Stuhl – stellvertretend für jemanden im Rollstuhl. Die Aufgabe: die Decke umdrehen, ohne dass jemand die Fläche verlässt. Die Gruppe schaffte es – aber wie? Schnell übernahm eine Person das Ruder, Entscheidungen fielen über den Kopf des „Rollstuhlfahrers“ hinweg. Lediglich eine Teilnehmerin fragte ihn, bevor sie seinen Stuhl kippte, ob das für ihn in Ordnung sei. Fragen wie „Wie gehen wir mit deinem Rollstuhl um?“ oder „Wie würdest du die Aufgabe lösen?“ blieben ansonsten aus. Inklusion bedeutet nicht, Lösungen für jemanden zu finden, sondern gemeinsam mit ihm.
In Panels und Arbeitsphasen stand der Austausch zwischen Engagierten und Verantwortlichen im Mittelpunkt. (Bild: DJF | Hepner)
Nicht der Mensch mit der Einschränkung muss sich anpassen – Barrieren müssen beseitigt werden. Das erfordert Kultur- und Strukturwandel, im Verband genauso wie unter Kameradinnen und Kameraden. Als konkretes Werkzeug gab es einen Inklusionscheck für die Jugendfeuerwehren mit auf den Weg – ein Selbstreflexionswerkzeug, das in acht Bereichen fragt, wie offen eine Gruppe für Menschen mit Einschränkungen wirklich ist.
Im JuLeiCa-Workshop sammelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Aspekte, Erwartungen und Diskussionspunkte rund um die Jugendleiter-Card. (Bild: DJF | Hepner)
Im Workshop zur JuLeiCa (Jugendleiter-Card), geleitet von Matthias Düsterwald (Vorsitzender des Fachausschusses Bildung), zeigte sich schnell, wie unterschiedlich die JuLeiCa-Regelungen je nach Bundesland ausfallen. Während die Qualifikation in manchen Ländern breit verpflichtend ist, gilt sie andernorts nur für bestimmte Funktionen, beispielsweise für Führungskräfte. Diese Unterschiede prägten den Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden und warfen die grundsätzliche Frage auf, ob und wie bundesweit einheitlichere Regelungen sinnvoll wären. Auch der Zusammenhang zur Qualitätssicherung in der Jugendarbeit – und damit zum Thema Kinderschutz – spielte dabei eine Rolle. Der Kinderschutz selbst war zudem Gegenstand eines eigenen Workshops.
Auch wie Jugendpolitik und Integration in der Jugendfeuerwehr zusammengedacht werden können, war Teil der Fachkonferenz in Leverkusen. (Bild: DJF | Hepner)
Am Sonntag setzten die Fachausschüsse die Arbeit fort, unter anderem zu Wettbewerben, zum Bildungsprogramm und zum zunehmend drängenden Themenfeld Politisierung, Populismus und Polarisierung.