Ein Konzept: Berufsfeuerwehrtag bei der Jugendfeuerwehr

24-Stunden-Dienste – auch Berufsfeuerwehrtage genannt – sind bei den Jugendfeuerwehren noch immer total beliebt. Die Planung ist jedoch aufwändig. Und seitens der Jugendfeuerwehrwarte gibt es einiges zu beachten. Wir geben wichtige Tipps für die optimale Vorbereitung.

Morgens Antreten, Fahrzeugbesatzungen einteilen und 24 Stunden Dienst auf der Feuerwache leisten, das ist ein Berufsfeuerwehrtag. Jugendfeuerwehrmitglieder spielen den Dienstablauf einer Berufsfeuerwehr nach. Nachspielen deshalb, weil der Spaß bei einer solchen Aktion im Vordergrund stehen soll. Der Tagesablauf nach Dienstplan wird dabei immer wieder durch Übungen in Form von unangekündigten “Einsätzen” unterbrochen.

Mit einem BF-Tag sollen aber auch mehrere pädagogische und soziale Ziele verfolgt werden. So trägt ein BF-Tag zum Kennenlernen untereinander bei, vertieft erlerntes Feuerwehrwissen, präsentiert die JF in der Öffentlichkeit und bringt Action, Spaß und das Gefühl “echter Feuerwehrmann” zu sein.

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Für die Jugendlichen sind die Feuerwehr-Übungen das Salz in der Suppe. Sie sollten möglichst realitätsnah ablaufen. Dafür hat die JF Kirtorf (HE) den Kids Atemschutzgerät-Attrappen gebastelt. Foto: Philipp Weitzel

Langfristige Planung – zirka 6 Monate vorher

Bereits mehrere Monate vorher sollte mit der Planung des Hauptgerüstes begonnen werden. So sind folgende Fragen zu klären:

  • Wann und wo kann die Veranstaltung stattfinden? Dabei an Termine in der Feuerwehr und an die Schulferien denken.
  • Wie viele Teilnehmer sollen teilnehmen? Anzahl und Alter der Jugendfeuerwehrmitglieder berücksichtigen. Eventuell kann eine Veranstaltung mit mehreren Jugendfeuerwehren stattfinden.
  • Welche Ausrüstung ist vorhanden? Eigene Fahrzeuge und Geräte einplanen. Womöglich kann eine Funkzentrale errichtet werden.
  • Welchen Ausbildungsstand sollten die Mädchen und Jungen haben? Darauf die Jugendfeuerwehr-Ausbildung abstimmen.
  • Welche Personen (Anzahl der Betreuer, aktive Feuerwehrmitglieder, Maschinisten) sollen in den BF-Tag eingebunden werden?

Schon bei der Vorplanung müssen die Informationen über die Aktion an alle beteiligten Personen und Dienststellen weitergeleitet werden. So können etwaige Probleme schon im Vorfeld beseitigt werden. Folgende Institutionen sind in jedem Fall zu informieren:

  • Erziehungsberechtigte der Jugendlichen (Zustimmung);
  • Leiter der Feuerwehr (Nutzung von Gebäuden, Fahrzeugen, Geräten und Bereitstellung von Personal);
  • Aktive Feuerwehrmitglieder / Gerätewart (Info, Unterstützung der Aktion, Nutzung der Fahrzeuge);
  • Verantwortliche von gewünschten Übungsobjekten (Genehmigung von Eigentümer, Ämtern oder Hausmeistern, etc.);
  • Leitstelle (Funkkanal beantragen, mögliche Notrufe auf Grund der Übungen);
  • Ordnungsamt (Genehmigungen für das Sperren von Straßen, Brenngenehmigung, etc.).

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    Bei der Auswahl der Übungen sollte ein Kompromiss aus beherrschbaren Aufgaben, die von allen Jugendlichen absolviert werden können, und Aufgaben mit neuen Herausforderungen gewählt werden. Einsatzübungen unter Pressluftatmern, mit hydraulischen Rettungsgeräten oder mit der Motorkettensäge sind aufgrund der Unfallverhütungsvorschriften tabu. Um eine Abwechslung zu normalen Jugendfeuerwehr Übungen zu erzielen, heißt es: weg von der Routine. Mögliche Einsatzübungen könnten sein:

    • Ölspur (mit einem Gemisch aus Kakao und Wasser simulieren);
    • Verkehrsunfall (Einbinden von Kenntnissen der Verkehrssicherung);
    • Fehlalarm BMA-Eingang (Erläuterung von Brandschutzeinrichtungen);
    • Vermisste Person (Suchaktion im Wald, Nachtwanderung);
    • Tierrettung (Stofftier auf Baum, Vornahme von tragbaren Leitern);
    • Müllcontainerbrand (eventuell kontrolliertes Realfeuer mit Holzpaletten);
    • Großbrand (Einbinden aller Jugendfeuerwehrmitglieder mit verschiedenen Aufgaben).

    Mittelfristige Planung – 6 Wochen vorher

    Auf welche Fahrzeuge zurückgegriffen werden kann, hängt von den lokalen Gegebenheiten ab. Wenn möglich sollten Fahrzeuge verwendet werden, die den Jugendlichen gut bekannt sind. Sonderfahrzeuge wie eine Drehleiter oder ein Rüstwagen sind für die Nachwuchskräfte in der Regel zu anspruchsvoll, können aber als Ergänzung des Löschzuges eingesetzt werden. Mit ein wenig Phantasie lassen sich die gewöhnlichen Fahrzeuge “aufpeppen”. So wird aus einem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) ein Einsatzleitwagen (ELW) oder ein Rettungswagen (RTW) und aus einem Löschgruppenfahrzeug (LF) 10 ein Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug (HLF). Für die Vorbereitung vom BF-Tag ist es angebracht, mehrere MTF zur Verfügung zu haben, um Versorgungsfahrten zu unternehmen.

    Materialien für den Berufsfeuerwehrtag

    Um einen reibungslosen Ablauf sicher zu stellen, müssen vor der Veranstaltung Materialien an geeigneter Stelle gelagert werden. Dafür bietet sich die Garage eines Betreuers an, damit die Jugendlichen nichts von den Vorbereitungen mitbekommen. Als Mindestausrüstung werden benötigt:

    • DVD- oder Videoplayer, Unterrichtsmaterial für die Theorie;
    • Computer und Stereoanlage (Funkmelder-Alarm / Alarmgong);
    • Funkgeräte (eigener Kanal oder zivile Funkgeräte);
    • Material für den Dienstsport (Bälle, Tore, etc.);
    • Übungspuppen, Nebelmaschine, Brennmaterial, Schlüssel für Objekte, Tore und Schranken;
    • Foto- oder Videokamera, vorbereitete Presseberichte (Öffentlichkeitsarbeit).

    Jede Jugendfeuerwehrfreizeit steht und fällt mit der Verpflegung. Daher ist es wichtig, frühzeitig mit den Jugendlichen Essenswünsche zu besprechen. Geeignet sind vor allem Speisen, die sich nach einem Einsatz wieder aufwärmen lassen. Der Tag sollte mit einem ausgiebigen Frühstück starten, damit genügend Kraft getankt wird. Während des gesamten BF-Tages müssen ausreichend gesunde Getränke wie Wasser und Fruchtsaft bereitstehen.

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    Übung mit Personenrettung der Jugendfeuerwehr Stuttgart. Foto: JF Stuttgart

    Einteilung der JF-Betreuer

    Die Vergabe der einzelnen Betreuerfunktionen muss ebenfalls im Vorfeld geplant sein. Der Jugendwart als Chef der Aktion sollte sich nicht zu tief in den Dienstalltag einbinden, um abrufbar zu sein. Eventuelle Planänderungen, Öffentlichkeitsarbeit oder Verletzungen eines Teilnehmers fordern ganze Aufmerksamkeit. Für die Organisation der Verpflegung lassen sich meistens aktive Kameraden oder Partner der Betreuer gewinnen. Die theoretische Ausbildung sollten ebenfalls Aktive, zum Beispiel Gruppenführer übernehmen. Den “fremden” Ausbildern hören die Kids meist besser zu. Für die Durchführung der Einsatzübungen ist es ratsam, Personal einzusetzen, welches nicht für den Dienstablauf eingeteilt ist. Bei der Erstellung von Erinnerungsfotos und dem Einladen von Pressevertretern hilft oft der Pressewart der Feuerwehr.

    Unfallschutz: Sicher üben mit der Jugendfeuerwehr

    Kurzfristige Planung – wenige Tage vorher

    Die Einteilung der Jugendlichen zu Arbeitsaufgaben für Verpflegung, Sport und die Unterrichte kann spontan erfolgen. Bereits morgens beim Antreten sollten aber die Truppfunktionen und Fahrzeugbesatzungen eingeteilt werden. Ein Rotieren der Besatzungen verhindert Frust und Langeweile der Kids. Für die Funktion des Fahrzeugführers kann ein Betreuer eingesetzt werden. Zum Kenntlichmachen der Funktionen können Überwurfwesten, Helmkennzeichen oder farbige Abzeichen verwendet werden. Neben dem Spaß darf die Sicherheit auf keinen Fall vernachlässigt werden. So sind folgende Hinweise unbedingt zu beachten:

    • Bei Übungen im oder in der Nähe des Straßenverkehrs ist von allen Teilnehmern Warnkleidung zu tragen. Eventuell müssen Straßenzüge für kurze Zeit gesperrt werden. Verkehrsarme Gebiete sollten bei der Objektauswahl immer bevorzugt werden.
    • Die Jugendlichen sollen zügig aber sicher arbeiten. Dies gilt vor allem in der Dunkelheit.
    • Bei Verletzungen ist unverzüglich der Jugendwart zu verständigen
    • Sonderrechtsfahrten mit der Jugendfeuerwehr im Straßenverkehr sind unzulässig. Da Blaulicht und Martinhorn den Spaßwert der Aktion erhöhen, ist eine Benutzung der Sonderrechte auf Privatgelände vorher abzuklären.
    • Zur Absicherung der Übungsstellen werden Blaulicht, Warnblinker und Verkehrssicherungsgeräte emp-fohlen. Auf jeden Fall sollte ein “Passantenbetreuer” für Auskünfte anwesend sein.

    Ein Artikel von Patrick Hündgen, ehemaliger stellvertretender Kreis-Jugendfeuerwehrwart Rhein-Erft-Kreis

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    4 Kommentare zu “Ein Konzept: Berufsfeuerwehrtag bei der Jugendfeuerwehr”
    1. Man kann auch noch befreundete Wehren und Jugenden der Rettungsdienste/THW fragen. Für größere Übungen oder zur Absprache, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

    2. Sascha Smid

      Ein sehr informativer und umfangreicher Textbeitrag; großes Lob an den Redakteur bzw. die Redaktion. Der Inhalt zeigt, wie es um das Verhältnis des Wollens und des Könnens bestellt ist. Gut, dass die Nachwuchskräfte der Wehren wenigstens in ein paar Landkreisen gut versorgt und ausgebildet werden. Für die Bundesländer oder Kommunen mit Defiziten dahingehend kann dieser Artikel vielleicht Augen öffnen.

    3. Danke für den Informativen Beitrag! Ich möchte die Chance hier auch nutzen um Euch auf mein Projekt aufmerksam zu machen.
      Ich habe für den BF-Tag in unserer Jugendfeuerwehr eine kleine Webseite gebaut, über die Einsätze eingegeben werden können und ein Alarmgong mit Textansage ausgegebn werden. Ich stelle dies kostenlos für jedermann zur Verfügung, erreichbar über die og. Adresse. 🙂

      Mit kameradschaftlichen Grüßen
      Tim

    4. Dennis E

      Ein informativer Artikel, es sollte aber noch erwähnt werden dass z.B. in Niedersachsen diese Art der Übungen nicht zulässig ist.
      Laut Runderlass des MI haben bei der JF keine Übungen mit ernstfallmäßigen Charakter statt zu finden. Näheres dazu im INFO-Blatt der FUK vom Januar 2012:
      http://www.fuk.de/fileadmin/user_upload/fuk/service/info-blaetter/ki-und-ju-fw/JF_Berufsfeuerwehrtag_01-12.pdf
      Es ist gut möglich, dass dies in anderen Ländern ebenso gehandhabt wird. Grade für unerfahrene Jugendwarte ist dieser rechtliche Aspekt besonders wichtig. Denn als dieser muss er oder sie sich rechtfertigen, wenn etwas schief läuft. Und hinterher ist bekanntlich sehr viel Zeit alle möglichen “hätte”, “könnte”, “müsste” und “wäre” auszudiskutieren.

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