Samstag, 30. Juli 2016

Kaminbrand: Einsatztaktik der Feuerwehr

27. Mai 2016 von  

Kaminöfen sind derzeit voll angesagt. Die Öfen gelten als schick, ihre Wärme als behaglich. So gibt es kaum noch Neubauten ohne eine entsprechende Ausstattung. Und damit steigt auch das Risiko eines Kaminbrandes. Wir erklären, worauf bei solchen Einsätzen geachtet werden muss.

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Ein seltenes Bild. Der an der Kaminwandung abgelagerte Ruß brennt. In dieser Phase ist der Brand noch gut zu beherrschen. Foto: Kollinger

Seit einigen Jahren nimmt die Anzahl der Kaminbrände wieder zu. Grund hierfür ist die verstärkte Nutzung von Holz als Brennstoff. Dies wird unter anderem mit den stetig steigenden Preisen für fossile Brennstoffe begründet. Während Kaminbrände in der Vergangenheit meist im ländlichen Bereich auftraten, finden sich mittlerweile auch im städtischen Bereich Kaminöfen oder sonstige Holzfeuerungen. Gerade bei Neubauten gehören solche Geräte im Prinzip schon zur Grundausstattung und dürfen nicht fehlen.

Kamin- oder Schornsteinbrände müssten eigentlich „Rußbrände“ heißen. Ein Kamin ist aus feuerfestem Material (Stein, Stahl, Keramik oder Edelstahl) ausgeführt und kann somit nicht brennen. Bei einem Brand in einem Kamin hat sich abgelagerter Ruß, insbesondere Glanzruß, an der Innenseite des Kamins entzündet.

Ruß besteht zum größten Teil aus Kohlenstoff und entsteht bei unvollständiger Verbrennung in Heizungsanlagen. Es wird unterschieden zwischen Glanz- und Schmierruß, der bei Verbrennung fester Brennstoffe entstehen kann, sowie Flockenruß, der bei der Verbrennung von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen entsteht. Glanzruß kann bei Hitzeeinwirkung auf das siebenfache Volumen aufquellen und somit den Kaminquerschnitt stark verengen oder komplett verstopfen.

Ruß entsteht nur dann, wenn die Verbrennung nicht vollständig stattfinden kann. Der Verbrennungsprozess von festen Brennstoffen wie Holz läuft beispielsweise unvollständig ab, wenn nicht richtig abgelagertes Material mit einer zu hohen Feuchte („nasses Holz“) verbrannt wird. Empfehlung: Kaminholz sollte vor der Verbrennung wenigstens zwei Jahre gelagert werden. Dadurch erhöht sich nicht nur der Heizwert des Holzes, die Verbrennung läuft auch sauberer ab.

Grund hierfür ist, dass bei feuchtem Holz ein großer Teil der Energie der Verbrennung aufgewendet werden muss, um die Feuchtigkeit aus dem Holz auszutreiben. Geräte zur Bestimmung der Restfeuchte im Holz gibt es bereits ab 25 Euro im Handel. Eine Restfeuchte im Holz von 20 Prozent und weniger gilt als optimal. Holz mit einer Feuchte von mehr als 25 Prozent gilt als „nasses Holz“ und sollte nicht verbrannt werden. Durch Trocknung lässt sich der Heizwert von Holz folgendermaßen erhöhen:

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Quelle: Holzforschung Austria

Ein weiterer Grund für die Bildung von Ruß ist die Verbrennung unter Sauerstoffmangel. Ist eine automatisch geregelte Anlage für die Verbrennung von festen Brennstoffen zu groß ausgelegt und kann die erzeugte Wärme nicht abgeführt werden, so fährt die Anlage automatisch in einen Teillastbereich. Dabei wird die Luftzufuhr gedrosselt und die Verbrennung kann nicht mehr vollständig erfolgen. Dieses Problem besteht in der Regel nur bei Zentralheizkesseln zur Gebäudebeheizung. Bei Kaminöfen wird ein Großteil der Wärme direkt an den Raum abgegeben, Zentralheizkessel hingegen sollen ihre Wärme an das Heizungswasser abgeben. Wenn dieses keine Wärme mehr aufnehmen kann, kommt es zu den beschriebenen Problemen.

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Ein heißes Ofenrohr hat die Wandverkleidung entzündet. Foto: Konjer

Eine weitere Ursache für die Ablagerung von Ruß in Kaminen ist ein falsch dimensionierter Schornstein. Bei zu kleinen Kaminquerschnitten wird der Abgasaustritt verlangsamt und Rußpartikel können sich ablagern. Zu große Kamine erwärmen sich nicht schnell genug und das Abgas kann an den Schornsteininnenwänden kondensieren. Das bedeutet, dass sich im Abgas enthaltene Feuchtigkeit und Rußpartikel an der Schornsteinwand niederschlagen.

Damit es zu einem Brand im Schornstein kommt, muss der abgelagerte Ruß durch eine Zündquelle in Brand gesetzt werden. Solche Zündquellen entstehen in der Heizungsanlage selbst. Funken, die durch den Abgasanschluss in den Kamin gelangen, können die Rußablagerungen genauso schnell entzünden wie Flammen, die aus dem Brennraum in den Kamin schlagen. Gerade beim Verbrennen von sogenannten „langflammigen“ Hölzern – meist Nadelhölzer – kann es zu Funkenflug oder Flammenschlag in das Abgassystem kommen. Wird Brennstoff (dazu kann zum Beispiel extrem lange gelagertes und trockenes Holz gehören) verbrannt, der für eine hohe Feuerraumtemperatur sorgt, so kann dies ebenfalls den Ruß entzünden.

Kaminbrand-Einsatz: Worauf bei der Erkundung geachtet werden muss

Je nach Meldebild muss vor Ort erkundet werden, ob es sich tatsächlich um einen unkontrollierten Kaminbrand handelt. In manchen Gebieten ist es beispielsweise üblich, dass der Schornsteinfeger Kamine kontrolliert ausbrennen lässt, um einem ungewollten Kaminbrand vorzubeugen.

Schlagen bei Eintreffen der Feuerwehr Flammen aus dem Kamin, so ist das zu- nächst ein gutes Zeichen. Das bedeutet nämlich, dass der Kamin noch offen ist. Die eigentliche Kaminwirkung ist also noch vorhanden. Bei diesem Brand entsteht kaum Rauch.

Wie eine Fontäne schleudern brennende Rußteilchen aus diesem Schornstein. Foto: Kollinger

Wie eine Fontäne schleudern brennende Rußteilchen aus diesem Schornstein. Foto: Kollinger

Wenn allerdings aus dem Kaminkopf pulsierend dunkle Rauchwolken austreten, ist dies ein Anzeichen dafür, dass der Ruß im Kamin stark aufgequollen ist und die Luft nicht mehr ungehindert durch den Kamin strömen kann. Mit einem Spiegel an einem Teleskoparm kann der Kamin durch die Reinigungsöffnungen erkundet werden.

Der genaue Verlauf des Kamins durch das Gebäude muss durch die Feuerwehr immer erkundet werden. Kamine können durchaus einen Versatz beziehungsweise einen Sprung haben und sind nicht immer senkrecht verbaut (gezogene Kamine). Gerade bei älteren Gebäuden sind Sprünge häufiger anzutreffen. Solche Versätze sind Gefahrenstellen, da an diesen Stellen die Stabilität eines brennenden Kamins am schnellsten nachlässt. Durch die Ausdehnung des Kamins bei Brandeinwirkung können sich Risse bilden, wodurch Brandgase aus dem Kamin austreten können.

Neben dem Austreten dieser Brandgase und der damit verbundenen Gefahr einer Rauchgasvergiftung bei Bewohnern und Einsatzkräften bestehen weitere Gefahren, die in der Gefahrenmatrix aufgeführt sind.

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  • Absturz: Müssen Einsatzkräfte am Kaminkopf oder auf dem Dach arbeiten, so besteht die Gefahr eines Absturzes. Am einfachsten lässt sich ein Kaminbrand von einer Drehleiter aus bekämpfen. Sollte dies nicht möglich sein, so sind Kamine in der Regel mit einem Zugang für den Schornsteinfeger ausgestattet. Dieser Zugang besteht meist aus Metall- Gitterrosten, die als Trittbretter dienen. Sie führen von einem Dachfenster bis zu Kamin. Die Benutzung von Absturzsicherungen ist obligatorisch.
  • Atemgifte: Aufgrund von Rissbildungen können Atemgifte in das Gebäude eindringen. Besonders dann, wenn der Kaminquerschnitt verschlossen ist und der Rauch nicht mehr nach oben abziehen kann. Auch die Einsatzkräfte, die am Kaminkopf arbeiten, können Atemgiften ausgesetzt sein. Je nach Intensität müssen diese Einsatzkräfte mit umluftunabhängigem Atemschutz arbeiten.
  • Ausbreitung: Bei einem Kaminbrand können sehr hohe Temperaturen entstehen (bis zu 1.000 Grad Celsius). Der Kamin kann sich so stark aufheizen, dass sich zum Beispiel Möbel, die an der Kaminaußenwand stehen, entzünden. Der gesamte Verlauf des Kamins durch das Gebäude sollte im Einsatzverlauf stets überwacht werden. Möglicherweise müssen Möbel, die am Kamin stehen, von der Wand abgerückt werden. Auch können Risse im Kamin entstehen, die so groß sind, dass Funken oder Flammen austreten können. Die Einsatzkräfte, die den Kamin im Gebäude kontrollieren, sollten Kleinlöschgerät greifbar haben, um Entstehungsbrände zeitnah bekämpfen zu können.
  • Einsturz: Durch die hohen Temperaturen kann die Standfestigkeit des Schornsteins gefährdet sein. Insbesondere freistehende Bauteile sind davon betroffen. Hier ist besonders auf gezogene Kamine zu achten. Steht der Kamin hoch über dem Dach, so muss der Trümmerschatten beachtet werden.

Diese Maßnahmen muss die Feuerwehr bei einem Kaminbrand ergreifen

  • Den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger benachrichtigen. In den meisten Fällen wird dies gleich bei der Alarmierung von der Leitstelle veranlasst.
  • Nach der Erkundung sollte ein Trupp – hier empfiehlt es sich, dass der Trupp Atemschutz trägt – an die Reinigungsöffnung des Schornsteins in der Nähe der Heizungsanlage positioniert werden. Dessen Aufgabe sollte sein, den Kamin im unteren Bereich zu reinigen und herunterfallende, brennende Rußteile in eine Schuttmulde zu räumen und dann entweder darin gleich mit Wasser abzulöschen oder nach draußen zu transportieren. Ein Strahlrohr oder eine Kübelspritze sollten im Keller in Bereitschaft gehalten werden.
  • Kaminbrand_Einsatz_Feuerwehr_Gefahren_III

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    Ein weiterer Trupp sollte am Kaminkopf tätig werden und mit Hilfe des Kaminkehrwerkzeuges versuchen, den Schornsteinzug offen zu halten. Dies kann entweder direkt vom Dach aus oder aus dem Korb einer Drehleiter heraus geschehen. Hierbei muss beachtet werden, dass sich das Kaminkehrwerkzeug stark erhitzt. Das Tragen von speziellen Hitzeschutzhandschuhen (gehört zur Ausstattung des Schornstein- Werkzeugkastens nach DIN 14800-4) ist unabdingbar. Eine Kugel oder ein sonstiger schwerer Gegenstand wird an einer Metallkette in den Kamin abgelassen und wieder nach oben gezogen. Dadurch wird der aufgequollene Ruß an der Kaminwandung abgeschlagen und fällt nach unten, wo er vom Trupp an der Reinigungsöffnung ausgeräumt werden kann.

  • In allen Geschossen des Gebäudes muss der Verlauf des Schornsteins während des gesamten Einsatzes kontrolliert werden. Es empfiehlt sich, Möbel vom Kamin abzurücken. Eine Wärmebildkamera oder ein Infrarotthermometer sind nützliche Hilfsmittel bei der Kontrolle. Die Zündtemperatur von Holz liegt bei zirka 300 Grad Celsius, dies gilt auch für Möbel, die am Kamin stehen. Ein besonderes Augenmerk sollte auf Geschossdurchdringungen und eventuell vorhandene Schornsteinöffnungen gerichtet werden. Bei Geschossdurchdringungen sind – gerade bei älteren Gebäuden mit gemauerten Kaminen – häufig Deckenbalken oder ähnliche Bauteile nah am Kamin eingebaut oder eine Dämmung ist in der Geschossdecke verbaut. Diese Teile können sich unbemerkt in der Decke entzünden. Nicht mehr benötigte Kaminöffnungen wurden häufig mit einfachen Metalldeckeln verschlossen und dann überputzt oder nur tapeziert. Hier kann sich die Temperatur des Kaminbrandes schneller ausbreiten als durch das reine Mauerwerk.
  • Kann der Schornstein trotz eingeleiteter Maßnahmen nicht offen gehalten werden, muss der Kamin gelöscht werden. Dazu muss von unten Löschpulver (Feuerlöscher ABC-Pulver) eingesetzt werden. In der Regel reicht der Inhalt eines 12-Kilogramm- Feuerlöschers aus, um das Feuer zu ersticken. Dadurch wird der Kamin aber sehr stark verschmutzt, daher sollte dies die letzte Maßnahme sein und nur in Abstimmung mit dem Schornsteinfeger erfolgen. Alternativ kann auch Kohlendioxid als Löschmittel eingesetzt werden.

Achtung: Niemals einen Kaminbrand mit Wasser löschen. Durch die hohen Temperaturen verdampft das eingebrachte Wasser schlagartig. Aus einem Liter Wasser entstehen 1.700 Liter Wasserdampf, die im Kamin keinen Platz zum Entweichen haben. Der Kamin kann dem hohen Druck durch das plötzliche Verdampfen selten standhalten und wird einstürzen oder regelrecht explodieren.

Einige Stunden nach einem Kaminbrand sollte der Kamin kontrolliert werden, da sich aufgrund der vorherigen Temperaturentwicklung an den Kamin angrenzende Bauteile entzünden können. Dachbalken, Dämmstoffe oder Verkleidungen können in Brand gesetzt werden. Text: Dipl.-Ingenieur Christian Lewalter, Gruppenführer bei der FF Waldsolms, Leiter eines Heizungs- und Sanitärbetriebs

Kommentare

2 Kommentare zu “Kaminbrand: Einsatztaktik der Feuerwehr”
  1. Josef Helpenstein sagt:

    Sorry, aber mit der Gefahrenmatrix habe ich so meine Problemchen. Abgesehen davon, dass man hier das übliche Spektrum der Gefahren verändert bzw. um Gefahren erweitert hat, sind die Kreuze unschlüssig. Bei einer Explosion ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass sie auch auf anwesende Menschen und Mannschaft wirkt und nicht nur auf Sachwerte. Das hat dann auch eine Verlagerung der Hauptgefahr/Gefahrenschwerpunkt zur Folge. Wenn dies nicht gemeint ist – und davon gehe ich aus, dann ist die Matrix wohl doch nicht so passend.

  2. Daniel sagt:

    Die „Explosion“ denke ich ist ein „Verreißen“ des Kamins gemeint, beispielsweise bei Anwendung eines falschen Löschmittels. Sicher kann das dann auch gefährlich für Mannschaft und Menschen sein, sehe es aber auch so wie in dem Bericht. Wenn der Kamin reißt geht es auch für mich in erster Linie um Sachwerte. Wenn zu so einem Zeitpunkt noch Menschen im Sinne der Gefahrenmatrix (also normale Bewohner)im Haus sind hat der Einsatzleiter gewaltig geschlafen da das Haus nicht geräumt wurde. Heißt: Also sind diese Menschen schon mal nicht mehr im Gefahrenbereich und damit aus der Matrix raus. Und die Mannschaft sollte gegen die zu erwartenden Gefahren durch PSA und Atemschutz geschützt sein. Kein Kamin fliegt augenblicklich in tausend Stückchen oder fällt komplett in sich zusammen. Und wenn doch dann hat man die Kreuzchen schon beim Einsturz gesetzt.
    Wird nicht allen gefallen was ich hier schreibe aber auch die Gefahrenmatrix kann der eine so und der andere so interpretieren. Nicht mal auf dem Gruppenführer oder Zugführerlehrgang waren immer alle einer Meinung. Ach ja… Thema Erfahrung: Ich komme aus einer ländlichen Gemeinde. Haben jeden Winter 5 – 10 Kaminbrände, von daher behaupte ich mitreden zu können 🙂
    Viele Grüße

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