Dienstag, 23. Mai 2017

Feuerwehrstiefel: Schutz und Tragekomfort

An Feuerwehrstiefel werden ganz besondere Anforderungen gestellt: In erster Linie müssen sie vor Gefahren wie Flammen, Säure und Trümmerteilen schützen. Gleichzeitig sollen sie aber auch stundenlange Einsätze ermöglichen. Wir haben uns angeschaut, wie die Hersteller ihre Feuerwehrstiefel ausstatten, um optimalen Tragekomfort zu gewährleisten.

B – wie Baltes

Die Firma Baltes gehört zu den traditionsreichsten deutschen Herstellern von Sicherheitsschuhen. Bereits 1872 begann die Produktion in Heinsberg (NW). Feuerwehrstiefel werden seit über 50 Jahren angeboten. „Es gibt viele einzelne Anforderungen für einen besonders guten Gesamtkomfort an Stiefel“, berichtet Produktmanager Mark Wellner. Als ganz wesentlich bezeichnet er den Pass-, den Temperatur- und den Bewegungskomfort.

Füße sind sehr individuell. Sie unterscheiden sich in Länge und Breite. „Um die Form des Schuhs möglichst optimal an die Fußform anzupassen, setzen wir auf das Mondopoint-Mehrweitensystem“, erklärt Wellner. In jeder Größe werden die Feuerwehrstiefel in bis zu fünf verschiedenen Weiten angeboten: in schmal (9), normal breit (10), extra breit (11), extra breit plus (12) und super breit XXL (13). Erhebungen der Firma haben ergeben, dass 40 Prozent der Baltes-Stiefel in normal breit verkauft werden, 37 Prozent in extra breit. Der Anteil von super breit XXL liegt lediglich bei 3 Prozent, von schmal bei 9 Prozent und von extra breit plus bei 11 Prozent.

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Beim „Hydro Pro“ hat Baltes den Reißverschluss an der Seite angeordnet. Foto: Baltes

„Werden dem Schuhträger keine unterschiedlichen Weiten angeboten, weicht er auf zu große oder zu kleine Schuhe aus“, so Wellner. „Nicht passendes Schuhwerk führt zu Unfällen beim aktiven Einsatz und hat einen beachtlichen Anteil an den Unfallzahlen.“

Ebenfalls eine große Unfallgefährdung geht davon aus, wenn sich Stiefel nicht optimal am Fuß fixieren lassen. Standard ist deshalb heute die Kombination von Schnürung und Reißverschluss. „Wir waren der erste Schuhproduzent, der das System bei Feuerwehrstiefeln eingesetzt hat“, berichtet Wellner stolz. Die Schnürung sorgt für eine optimale Anpassung des Schuhs an den Fuß. Der Reißverschluss ermöglicht ein schnelles Ausund Anziehen. Oberhalb des Knöchels ist ein Klemmelement angebracht, durch das der Schnürsenkel gezogen wird. Auf diese Weise lässt sich der Halt am Fuß und oberhalb des Knöchels separat justieren. Das Patent wird inzwischen von nahezu allen Herstellern so angeboten. Seit März dieses Jahres hat Baltes erstmals auch zwei Modelle mit seitlichem Reißverschluss und Schnürung vorne ins Programm aufgenommen: den „Oxy Pro“ und den „Hydro Pro“.

Großes Augenmerk setzt der Heinsberger Hersteller auf den Temperaturkomfort seiner Feuerwehrstiefel. Wellner: „Wir produzieren deshalb temperaturregulierende Schuhe mit Outlast-HydroActive-Futtermaterial.“ Das Prinzip ist ganz einfach: Das Outlast-Futter absorbiert Körperwärme, wenn zu viel produziert wird, speichert diese und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Dadurch bleiben die Füße auch trockener. „Weil die Geschmäcker verschieden sind und die Wahrnehmung von Komfort subjektiv ist, bieten wir übrigens die unterschiedlichsten Futtervarianten an“, so Wellner. Ergänzend kann das Leder bei zehn Modellen mit spezieller Farbe pigmentiert werden. So werden Sonnenstrahlen absorbiert und die Schuhe heizen sich nicht so stark auf.

Eine gute Dämpfung wird durch eine im Fersenbereich eingearbeitete Luftkammer in der Sohle erreicht. Die Dämpfungseigenschaften der Schuhe werden durch spezielle Gesundheitseinlegesohlen noch erhöht. So wird die Auftrittfläche der Füße vergrößert und eine bessere Lastverteilung erreicht. Seit Herbst 2012 werden alternativ Einlegesohlen mit dem Wellfoot-System angeboten. Über vier so genannte Pads lässt sich die Dämpfung an das Körpergewicht anpassen.

C – wie C/E/R

Mit „Schonen Sie Ihr Budget ohne auf Tragekomfort und Sicherheit zu verzichten“ bewirbt C/E/R seine Feuerwehrstiefel-Kollektion „Sevenangels“. Im Gegensatz zu fast allen anderen Anbietern verzichtet die Firma aus Blieskastel bei den drei Modellen „Lightning“ (Schnürstiefel), „Nimbus“ und „Nimbus light“ (beides Schaftstiefel) auf eine Membrane. „Das Waterproof-Oberleder ist auch so sechs Stunden wasserabweisend“, erklärt Geschäftsführer Steffen Rastetter. Ein textiles, atmungsaktives Futter sorgt für leichte Schweißaufnahme und gewährleistet ein schnelles Rücktrocknen.

Ein besonderes Augenmerk hat C/E/R auf die Polsterung der Feuerwehrstiefel gelegt. Die Knöchelpolsterung soll den Fuß zusätzlich stabilisieren und vor Schlägen schützen. Auch der Zungenbereich beim „Lightning“ ist gepolstert. Rastetter: „Das hautfreundliche Material im Innenbereich und das sehr weiche Leder im Außenbereich des Schaftrandes in Kombination mit einem wadenfreundlichen Schnitt erhöhen den Tragekomfort weiter.“ Eine Bewegungsfalte am Schaft ermöglicht ein komfortables Knien.

Weitere Maßnahmen zur Steigerung des Tragekomforts:

  • Trittelastische Sohle mit sehr flexiblem Durchtrittschutz und gutem Abrollverhalten (verklebte Gummischalensohle mit Luftpolster und Treckingprofil).
  • Brandsohle mit Gelenkverstärkung zur Stabilisierung des Fußes auch in unebenem Gelände.
  • Anatomisch geformtes Fußbett mit herausnehmbarer waschbarer Sohle.
  • Anatomische Fersenfixierung. „Nur damit bleibt der Fuß wirklich im Fußbett“, so Rastetter.

E – wie EWS

EWS „Die Schuhfabrik“ aus der Lutherstadt Eisleben bietet die Stiefelgruppe „Profi Premium“ nach dem Baukastenprinzip an. So können die Träger ihren persönlichen Wunschstiefel zusammenstellen. Zur Auswahl stehen zwei Schafthöhen, Nappaleder mit oder ohne Membrane und verschiedene Schnittschutzausführungen. „Alle Modelle sind im gesamten Schaftbereich komfortabel gepolstert“, erklärt Firmenchef Jörg Schlichting. „Unsere speziell konzipierte Fersenbeuge verhindert Gehfalten und Druckstellen im Fersenbereich.“

Am „Profi Premium Modell 9860K“ von EWS lassen sich gut verschiedene Ausstattungsdetails zeigen: Anziehschlaufe am oberen Schaftrand, komfortable Polsterung des Schaftes, Metallreißverschluss, Klemmvorrichtung für die Schnürsenkel im Knöchelbereich, das Schnürelement mit integriertem Reißverschluss und die Überkappe. Foto: EWS

Das „Profi Premium Modell 9860K“ von EWS. Foto: EWS

Das kombinierte Schnür- und Reißverschlusssystem ist mit einem Metallreißverschluss ausgestattet. Im Knöchelbereich befindet sich eine Klemmvorrichtung für die Schnürsenkel. Eine große Schlaufe erleichtert das Anziehen der Feuerwehrstiefel. Die geformte Einlegesohle kann nach Firmenangaben viel Schweiß aufnehmen, ist austauschund waschbar.

„Die Mondopoint-Nitrillaufsohle (Typ New York) bietet mehr Volumen im Vorfußbereich, eine größere Auftrittfläche und dadurch einen sicheren Stand“, erklärt Schlichting. Alle Feuerwehrstiefel sind in fünf Weiten (8 bis 12) nach dem Mondopoint-Maßsystem lieferbar. Zur Ermittlung der richtigen Weite bietet EWS eigens einen speziellen Fußmessbogen an.

Auch orthopädische Einlagen können in den EWS-Modellen getragen werden. Die Stiefel sind für Einlagen der Firma Seidl zertifiziert nach der BGR 191 (Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, Benutzung von Fuß- und Beinschutz). „Die sensomotorische Einlage Sensoped von Seidl bringt als aktiv korrigierende Einlage die Körperstatik ins Lot, beeinflusst Disbalancen positiv und beugt Haltungsschäden vor“, so Schlichting. „Dadurch werden die Gleitflächen der Gelenke gleichmäßig belastet. Der Körper insgesamt ist entspannter im Gegensatz zu standardisierten Passiveinlagen.“

H – wie Haix

Der bayerische Schuhhersteller Haix definiert Tragekomfort als Zusammenspiel von Passform, Funktionalität und Sicherheit. Nur wenn alle drei Komponenten gemeinsam passen, sei optimaler Tragekomfort möglich. „Alles beginnt bei den Leisten“, sagt Haix-Chefentwickler Andreas Himmelreich. Die Rohformen, über die jeder Schuh gebaut wird, markieren das „orthopädische“ Fundament der Schuhentwicklung. Ob ein Schuh passt oder nicht, dafür wird hier die Basis gelegt. Eine echte Herausforderung. Denn mit seinen 49 einzelnen Knochen und kleinen Gelenken ist der menschliche Fuß außerordentlich komplex.

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Bei vielen Einsätzen müssen Feuerwehrleute für längere Zeit knien. Für diese Haltung müssen die Stiefel eine gewisse Flexibilität aufweisen und dürfen nicht drücken. Fotos: Haix

Von allen Teilen unseres Körpers sind die Füße am stärksten der Umwelt ausgesetzt. Jede Reaktion des Menschen auf seine Umwelt tragen sie mit der gesamten Last. Wenn zusätzliche Ausrüstung oder eigene Beschleunigung ins Spiel kommen, sogar ein Vielfaches mehr. Aus diesem Grund spielt die Schuhdämpfung eine entscheidende Rolle für den Tragekomfort. Das Haix-Micro-Soft-Light-System, kurz MSL, ist ein Dämpfungssystem, das gleichzeitig Kälte- und Hitzeisolation bietet. Der Zwischenbereich zwischen Sohle und Feuerwehrstiefel wird mit einem schockabsorbierenden Schaum ausgespritzt. Umschlossen von der Gummischale bringt er einen doppelten Effekt: Zusammen mit der Gummisohle schützt er von außen vor Feuer und Hitze. Innen gewährleistet die Ausschäumung sehr gute Auftrittswerte. Im Einsatz trägt ein Feuerwehrmann nämlich durchschnittlich rund 18 Kilogramm an Ausrüstung mit sich.

Flexible Elemente in der Fersenbeuge und im Knöchelbereich passen sich beim Gehen an die natürliche Fußbewegung an. Besonders zum Tragen kommen die Elemente am Steuer eines Fahrzeuges, wo der Fuß flexibel bleibt. Das Haix-Climate-System nutzt die natürliche Pumpbewegung, die beim Gehen im Feuerwehrstiefel entsteht und transportiert Feuchtigkeit zu den Ventilationsöffnungen an Schaft und Zunge.

Auch ein jederzeit sicherer Stand zählt unabdingbar zum Tragekomfort. Die ausgeschäumte, hoch abriebfeste und nicht kreidende Gummischalensohle verbindet hohe Dämpfungseigenschaften mit hervorragendem Abrollkomfort. Die ergonomische Anpassung der Schutzkappe an den Vorderfuß trägt zum höheren Tragekomfort bei.

Für die individuelle Anpassung stehen beim Haix-Spitzenmodell, dem „Fire Hero“, drei orthopädisch geformte Einlegesohlen verschiedener Stärke zur Verfügung. Eine dickere Einlegesohle unterstützt die Passform für schmalere, schlankere Füße. Umgekehrt hilft eine schmalere für Stiefelträger mit stärker ausgeprägtem Rist. Grundsätzlich ist der „Fire Hero“ mit der Standard-Einlegesohle ausgestattet.

„Ein Feuerwehrstiefel muss wasserdicht sein und gleichzeitig atmen, aber den Fuß auch vor anderen flüssigen Gefahren schützen“, sagt Himmelreich. Wenn der Feuerwehrmann im Einsatz in einem Bodensatz aus undefinierbarem Abwasser- und Schlammgemisch steht, muss er sich auf seinen Schuh verlassen können. Die integrierten Gore-Tex-Membranen halten die Feuerwehrstiefel wasserdicht, sind atmungsaktiv und chemikaliendicht. Beim „Fire Hero“ sind Cross-Tech-Membranen verbaut, die darüber hinaus sogar weder Viren noch Bakterien durchlassen. Die Membranen werden zwischen Oberleder und Futter in den Schuh eingearbeitet. Ein spezielles Schweißverfahren sorgt dabei für absolut sichere „Nähte“.

In Zusammenarbeit mit einem deutschen Lederhersteller entwickelte Haix das Sun-Reflect-System. Durch die direkte Einarbeitung spezieller Farbpigmente in das Leder nehmen die Feuerwehrstiefel bis zu 40 Prozent weniger Sonneneinstrahlung auf als herkömmliche Stiefel. Versuche belegen nach Firmenangaben, dass die Temperatur in Stiefeln mit dem Sun-Reflect-System nach einer 30-minütigen Wärmebestrahlung um 21 Grad weniger ansteigt als bei herkömmlichen Stiefeln.

J – wie Jolly

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Der wechselbare Bootie ermöglicht ein „Frischmachen“ des Klimasystems, heißt Verschmutzung von außen durch lange Einsätze in Wasser oder durch Fußschweiß von innen können beseitigt werden. Auch ist das Innenfutter so bei Bedarf regenerierbar. Foto: Jolly

„Dauerbelastungen der Füße von bis zu 16 Stunden sind bei Feuerwehrleuten keine Seltenheit“, weiß Alexander Lohf, Vertriebsleiter Deutschland der Firma Jolly. „Und darauf haben wir uns eingestellt.“ Zum Beispiel durch einen stahlfreien Aufbau der Stiefel. Ergebnis: ein deutlich geringes Gewicht. Aktuell testen Feuerwehren gerade Jolly-Stiefel, die in Größe 42 pro Schuh unter 900 Gramm wiegen. Die offizielle Markteinführung ist für die nächste Interschutz im Jahr 2015 in Hannover geplant.

Eine optimale Passform wird bei Jolly nach Auskunft von Lohf über den Aufbau des Leistens erreicht. Außerdem kann über wechselbare Einlagen ein Mehrweitensystem realisiert werden, das Schaftdesign lässt sich individuell anpassen.

Eine Membrane als Nässesperre ist nach Ansicht der Firma Jolly zwingend erforderlich. „Durch unser Oberleder übertreffen wir den geforderten Wert der Norm DIN EN 15090 (Schuhe für die Feuerwehr) um 400 Prozent“, so Lohf stolz. Die Wasserdichtheit ließ die Firma beim TÜV Leipzig testen. Demnach waren die Feuerwehrstiefel auch nach 500 000 Flexungen im Gehsimulator noch absolut dicht. Lohf: „Das entspricht einer Strecke von 250 Kilometern unter Wasser.“ Bei der Energieaufnahme im Fersenbereich wird die Normforderung um 100 Prozent übertroffen, beim Durchtrittsschutz um 80 Prozent und bei der Haltbarkeit der Laufsohle um 40 Prozent.

Zwei interessante Detaillösungen von Jolly: der Schlupfstiefel „Fireprofi EVO 9008GA“ besitzt einen automatischem Verschluss (Gummiband im Rist) sowie auswechselbare Gore-Tex-Futter. So lässt sich der Stiefel leichter trocknen und reinigen. Der Schnürstiefel „Fire Guard 9081GA“ ist mit einem leicht zu reinigendem Schnürteil und auswechselbarem Schlitten sowie einer einfach einzustellenden Ristfixierung der Senkel ausgestattet.

R – wie Rosenbauer

„Gerade bei Langzeiteinsätzen merkt man jedes zusätzliche Gramm am Schuh, welches schnell zu Ermüdungserscheinungen führen kann“, sagt Dipl.-Ing. Bianca Fürtbauer, Produktmanagerin für den Bereich Feuerwehrstiefel bei Rosenbauer. „Deshalb verfolgen wir bei allen Stiefeln das Prinzip der möglichst leichten Bauweise – ohne Abstriche am Sicherheitsstandard zu machen.“ Tests belegten, dass die Rosenbauer-Modelle bis zu ein Kilogramm pro Paar leichter seien als viele Mitbewerber. Fast alle Feuerwehrstiefel-Modelle werden wahlweise mit oder ohne Sympatex-Membrane angeboten. So kann der Kunde entscheiden, welche Lösung für ihn sinnvoller ist.

Alle Rosenbauer-Modell werden in jeweils zwei Weiten angeboten: in 10 und 12. Die beiden Weiten werden jeweils über eigene Leisten dargestellt. „So haben die Stiefel einen angepassten Schnitt an Füße mit hohem Rist“, erklärt Fürtbauer. Werden keine unterschiedlichen Weiten angeboten, müssen Personen mit einem hohen Rist zu große Schuhe kaufen.

Bei der Laufsohle werden ausnahmslos Sohlen aus Nitril-Kautschuk mit eingearbeitetem Luftkissen verbaut. Fürtbauer: „Luft ist einer der besten Isolatoren und sorgt dafür, dass im Winter keine Kälte und bei einem Brand oder im Sommer keine Hitze über die Laufsohle an den Fuß kommt.“ Eine zusätzlich eingebaute aluminisierte Folie erhöht die Isolationswerte der Feuerwehrstiefel weiter. Die Gummimischung soll einen festen Halt auf allen Untergründen garantieren.

Der Halt des Fußes wird durch die Einlagesohle (wechsel- und bei 30 Grad Celsius waschbar) unterstützt. Sie ist anatomisch geformt und thermisch behandelt, damit sie auch nach längerem Tragen in Form bleibt. Die Konstruktion der Einlegesohle beugt nach Firmenangaben Ermüdungserscheinungen vor.

Anziehen Twister

Der Rosenbauer-Stiefel ist mit einem neuartigen Verschlusssystem ausgestattet. 1. Druck-Drehknopf anziehen. 2. Einsteigen. 3. Druck-Drehknopf andrücken. 4. Mit der Handkante zudrehen, bis der Stiefel optimal sitzt. Grafik: Rosenbauer

Bei der Entwicklung des neuen „Twister“ und des „Twister Cross“ (mit niedrigerer Schafthöhe) stand die Optimierung des Tragekomforts im Mittelpunkt. So weisen die Modelle zwei Anziehschlaufen und vier Flexzonen auf. Der Knöchelbereich wird innen und außen gesondert geschützt, Schaft und Schaftrand sind gepolstert.

Dank des BOA-Schnürsystems lassen sich die „Twister“ besonders schnell anziehen. Dafür muss der Druck-Drehknopf nur gezogen und die Lederzunge nach vorne geklappt werden. Einsteigen, Druck-Drehknopf andrücken und mit der Handkante zudrehen, bis der Feuerwehrstiefel optimal sitzt. „Das System ermöglicht eine optimale Passgenauigkeit in wenigen Sekunden, kann jederzeit nachjustiert werden und lässt sich leicht reinigen“, berichtet Fürtbauer.

S – wie Steitz Secura

Fünf verschiedene Modelle umfasst derzeit die Feuerwehrstiefel-Kollektion der Firma Steitz Secura aus Kirchheimbolanden. Alle Modelle werden in vier Weiten (S, NB, XB, XXB) pro Schuhlänge angeboten. „Das Mehrweitensystem sorgt für einen sicheren Halt und spürbar mehr Komfort“, erklärt Tim Leidinger, zuständig für die Produktkommunikation bei Steitz Secura. Im Unterschied zu vielen anderen Herstellern vermisst Steitz Secura die Füße nicht rein metrisch, sondern über ein Schalen-Mess-System. Die dreidimensionalen Schalen in Fußform bilden den exakten Innenraum der Schuhe ab. So kann schnell und einfach die richtige Größe und Weite bestimmt werden.

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Steitz Secura bot als erster Hersteller auf das Körpergewicht abgestimmte Dämpfungsmodule für Feuerwehrstiefel an (bis 57 kg, bis 79 kg, bis 91 kg und über 91 kg). Foto: Steiz Secura

Alle Steitz Secura-Modelle sind mit der Multizonendämpfung „Vario Vitality“ ausgestattet. Dahinter verbirgt sich ein in die Laufsohle integriertes Dämpfungselement im Ballen- und Zehenbereich. Diese Dämpfung wirkt nach Firmenangaben vor allem Vorfußproblemen entgegen.

Bei der Fersendämpfung bietet Steitz Secura zwei Varianten an: die Basismodelle „Fire Commander“ (Schlupfstiefel) und „Fire Walker“ (Schnürstiefel) sind mit Einlegesohlen ausgestattet, die im Fersenbereich ein zusätzliches Dämpfungselement enthalten. Sie unterstützen die Dämpfung, die durch die weich geschäumte Zwischensohle vollflächig erzielt wird. „So werden Rücken und Gelenke spürbar entlastet“, so Leidinger.

Die Modelle „München Gore II“ (Schlupfstiefel), „Fire Master“ und „Fire Fighter Gore II“ (beides Schnürstiefel) sind mit dem so genannten Secura Vario-System ausgestattet. Durch im Fersenbereich einsetzbare Gewichtsmodule wird nach Auskunft von Leidinger das für den Träger optimale, auf das Körpergewicht abgestimmte Dämpfungsmaß erreicht. Vier Module stehen zur Auswahl: bis 57 kg, bis 79 kg, bis 91 kg und über 91 kg. „So werden die Druckbelastung im Schuh auf ein natürliches Maß reduziert und der Rücken entlastet“, erklärt der Steitz Secura- Mitarbeiter. „Und das über Jahre.“ Die entsprechend ausgestatteten Feuerwehrstiefel sind geprüft und empfohlen vom Forum Gesunder Rücken – besser leben e.V. und dem Bundesverband der deutschen Rückenschulen (BdR) e.V.

Die drei Spitzenmodelle sind mit einer Gore-Tex-Membrane ausgestattet. So sind die Stiefel 100 Prozent wasserdicht und atmungsaktiv.

Besonderheit: Alle Feuerwehrstiefel von Steitz sind mit dem Bauerfeind-Einlagensystem und für orthopädische Zurichtungen (Einarbeitung von orthopädischen Elementen in die Stiefel wie Absatz-, Sohlen- oder Sohlenranderhöhung) baumustergeprüft. Sie können daher mit Bauerfeind-Einlagen uneingeschränkt im Feuerwehreinsatz getragen werden.

V – wie Völkl Professional

Nach Ansicht der Firma Völkl Professional gehört zum Tragekomfort auch die einfache Handhabung (schneller Einstieg, einfache Pflege und lange Haltbarkeit) der Stiefel. Als Fundament bezeichnet Juniorchef Julien Stumpp die Sohle: „Als einziger Hersteller spritzen wir unsere Sohlen direkt an die Schaftkonstruktion. Der Trick dabei ist, dass unsere Sohlen zu zirka 90 Prozent aus isolierendem und dämpfendem Polyurethan bestehen.“ Durch dieses Verfahren ist die PV-Schicht unter der gesamten Auftrittfläche verteilt, was die Isolation und Dämpfung maßgeblich verbessern soll.

Immer wieder müssen Feuerwehrleute im Einsatz knien. Dabei drückt oft das Reißverschlusselement auf den Spann, weil sich die Lasche staucht. „Bei fixierten Reißverschlusslaschen kann das Material nirgendwo entweichen“, so Stumpp. Völkl Professional setzt deshalb auf frei schwingende Reißverschlusslaschen. „So gleitet die Lasche beim Beugen mit nach vornund vermeidet unnötige Druckstellen“, sagt der Juniorchef.

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Das Reißverschlusselement bei den Völkl-Stiefeln kann unten ausgehängt werden, was die Reinigung erleichtert. Foto: Völkl

Im Gegensatz zu den anderen Herstellern (außer Jolly) ist das Reißverschlusselement bei Völkl nicht am Schaft befestigt. Somit kann es im unteren Bereich (wie bei Winterjacken) ausgehängt werden. Dies erleichtert das Säubern und Pflegen der Stiefel.

Das in Feuerwehrstiefeln verwendete Leder gibt mit der Zeit etwas nach. Das Leder staucht sich wie eine zu lange Hose zusammen und verändert die Form der Stiefel. „Dadurch geht der anfangs gegebene Halt mit verloren“, erklärt Stumpp. „Wir verbauen zusätzlich Verstärkungsmaterialien, um dauerhaft eine ansprechende Form der Stiefel und einen exzellenten Halt zu gewährleisten.“

Alle Völkl-Stiefel werden in der Weite 12 geliefert (der größten Weite). Ausgeprägte Polsterungen in Höhe der Achillessehne fixieren die Ferse und verhindern ein Herausrutschen beim Gehen. Der Halt wird zudem durch eine anatomisch geformte Hinterkappe unterstützt. Den Spannbereich fixiert jeder Träger individuell über die Schnürung. Klemmringe auf halber Höhe ermöglichen es, den Druck der Schnürsenkel im Ristbereich fester zu stellen als im Bereich des Schienbeins.

Ein grundsätzliches Problem beim Tragen von Feuerwehrstiefeln: die Füße schwitzen. Allerdings schwitzen nicht alle Bereiche der Füße im gleichen Maß. „Deswegen ist die Wahl des Futtermaterials von entscheidender Bedeutung für das Fußklima“, meint Stumpp. „Alle Polster sind offenporig gestaltet und ermöglichen eine Luftzirkulation und den damit verbundenen Abtransport von Wasserdampf.“ Über die Sympatex High- 2-Out-Membrane (zu 100 Prozent recycelbar) wird der Wasserdampf an die Umwelt abgegeben.

Die Abgabe des Wasserdampfs wird auch durch das verwendete Leder unterstützt. Nach Norm DIN EN 15090 muss ein Paar Schuhe in einem achtstündigen Einsatz rund 25,6 ml Flüssigkeit abgeben. „Unsere Stiefel erreichen 525 Prozent des geforderten Wertes“, berichtet Stumpp.

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