Dienstag, 24. Januar 2017

Die 11 größten Irrtümer zu Löschschaum

13. Dezember 2016 von  

Bremen – Viele Feuerwehren schwören auf Schaummittel. Wann immer es geht, mischen sie dem Löschwasser Schaummittel in unterschiedlichen Konzentrationen bei. Doch es gibt nach wie vor auch Skeptiker. In manchen Feuerwehren wird bis heute kein Schaummittel zur Brandbekämpfung eingesetzt. Einige Irrtümer über Löschschaum halten sich bei den Feuerwehren hartnäckig. Wir klären auf. 

viele Brände lassen sich durch die Zugabe von Schaummittel schneller und effektiver löschen. Manchmal reicht dafür schon eine sogenannte Löschpistole mit 5-Liter-Behälter. Foto: Hegemann

Viele Brände lassen sich durch die Zugabe von Schaummittel schneller und effektiver löschen. Manchmal reicht dafür schon eine sogenannte Löschpistole mit 5-Liter-Behälter. Foto: Hegemann

Irrtum 1: Schaum ist gleich Schaum!

Falsch. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Schaumlöschmittel mit verschiedenen Einsatz-Schwerpunkten und unterschiedlichen umwelttechnischen Eigenschaften. Mehrbereich- und Class-A-Schaumlöschmittel bieten sehr breite Einsatzspektren, was der Einsatzvielfalt von kommunalen Feuerwehren sehr entgegenkommt. In der Regel sind diese Schaumlöschmittel fluorfrei und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Mehrbereich-Schaumlöschmittel sind in der Regel zum Erzeugen von Netzwasser, Schwerschaum, Mittelschaum und Leichtschaum geeignet (hierbei unbedingt die mitgelieferten Angaben auf den Datenblättern beachten).

Schaum ist nicht gleich Schaum. Für verschiedene Einsatzzwecke werden verschiedene Schaummittel angeboten. Foto: Hegemann

Schaum ist nicht gleich Schaum. Für verschiedene Einsatzzwecke werden verschiedene Schaummittel angeboten. Foto: Hegemann

Irrtum 2: Schaumlöschmittel verpesten die Umwelt!

Nein. Richtig eingesetzt, sind Löschschäume hocheffizient und helfen, die eigentliche Umweltkatastrophe – das Brandereignis – schnell und mit weniger Löschmitteleinsatz zu bekämpfen. Das minimiert die Rauchgasemissionen, senkt die Menge an (durch das Brandereignis) kontaminierten Löschwasser und minimiert Wasserschäden.

Irrtum 3: Bisher haben wir noch alles mit Wasser gelöscht!

Das mag stimmen. Aber war der Löscheinsatz auch effizient? Für viele Brandereignisse ist Schaum das wesentlich effizientere Löschmittel. Selbst wenn sich das jeweilige Schadenereignis auch mit Wasser bekämpfen ließe, kann mit Schaum die Menge an kontaminierten Löschwasser erheblich reduziert werden, die ansonsten ungehindert in die Umwelt oder die Kanalisation gelangen würde. Die Zugabe von Schaummittel reduziert also in vielen Fällen die Einsatzzeit und den Löschmittelverbrauch.

Irrtum 4: Druckzumischsysteme sind teurer technischer Schnickschnack!

Nicht wirklich. Die weit verbreiteten Z-Zumischer sind in der modernen Feuerwehrlandschaft nicht mehr zeitgemäß. Diese Geräte arbeiten nur bei einem Arbeitspunkt – haben keinen Arbeitsbereich. In der Praxis entscheiden die Tücken der Physik oft über den Einsatzerfolg. Nur wenn der Löschwasser-Eingangsdruck, der Gegendruck, der Löschwasser-Volumenstrom und die Viskosität des Schaumlöschmittels innerhalb der zulässigen Toleranzen liegen, funktioniert auch die Schaumerzeugung korrekt und es wird ein löschfähiger Schaum generiert.

Schaum kann nicht nur mit speziellen Rohren ausgebracht werden. Auch Hohlstrahlrohre lassen sich dafür einsetzen. Foto: Hegemann

Schaum kann nicht nur mit speziellen Rohren ausgebracht werden. Auch Hohlstrahlrohre lassen sich dafür einsetzen. Foto: Hegemann

Irrtum 5: Zum Löschen mit Schaum werden Schaumrohre benötigt!

Falsch. Zum Löschen mit Schaum sind die mittlerweile üblichen Hohlstrahlrohre ebenfalls bestens geeignet. Bereits ohne die zusätzlichen Schaumadapter erreichen diese Rohre Verschäumungszahlen (VZ) zwischen 3 und 7 und arbeiten damit im Schwerschaumbereich. Werden höhere Verschäumungen benötigt, kann mit optional erhältlichen Schaumadaptern für Schwer- oder Mittelschaum gearbeitet werden. Ein weiterer Vorteil: Je nach Konstruktion der Rohre und Adapter können damit wesentlich bessere Wurfweiten erreicht werden, als mit den konventionellen Schaumrohren. Wie bei allen Armaturen gilt auch hier: Nach dem Einsatz gründlich spülen.

Seit fast 100 Jahren löschen Feuerwehren Brände mit Schaum. Insofern verwundert es eigentlich, wie viele Irrtümer es zum Schaumeinsatz noch gibt. Wir klären auf. Foto: Hegemann

Seit fast 100 Jahren löschen Feuerwehren Brände mit Schaum. Insofern verwundert es eigentlich, wie viele Irrtümer es zum Schaumeinsatz noch gibt. Wir klären auf. Foto: Hegemann

Irrtum 6: Die Konzentration/Zumischrate spielt eh keine Rolle!

Die mitgeführten Schaummittelmengen entscheiden im Zusammenhang mit den Einsatzkonzentrationen über den taktischen Einsatzwert der Schaummittelmenge. In Bezug auf einen 20 Liter Kanister Schaummittel bedeutet dies, dass mit einem 3-prozentigen Schaummittel 667 Liter Wasser-Schaummittel-Gemisch (Premix) erzeugt werden können. Danach ist der Kanister leer. Wird stattdessen ein Schaumlöschmittel eingesetzt, das nur mit 0,5 Prozent zugemischt werden muss, ist der taktische Einsatzwert der 20 Liter Konzentrat sechsmal höher. Es können demnach 4.000 Liter Premix erzeugt werden. Da es für eine Feuerwehr erhebliche Vorteile hat, wenn der Einsatzwert so hoch wie möglich ist, geht der Trend zu Schaumlöschmitteln mit geringen Zumischraten. Das erfordert allerdings Zumischer, die diese kleinen Mengen dem Löschwasser exakt zudosieren können. Fällt die tatsächliche Zumischrate aufgrund von Ungenauigkeiten geringer aus, hat das einen negativen Einfluss auf die Löscheffizienz und die Rückbrandbeständigkeit des Löschschaumes. Fällt die Zumischrate zu hoch aus, ergeben sich negative Tendenzen für die Rückbrandbeständigkeit, die Abbrandstabilität und das Fließverhalten des Löschschaumes. Je nach Einsatzszenario und verwendetem Schaummittel können diese Effekte über den Einsatzerfolg eines Löscheinsatzes entscheiden. Daher gilt: Die angegebene Zumischrate muss eingehalten werden!

Im Internet werden inzwischen einige Schaummittelrechner angeboten, die sehr einfach zu bedienen sind. Mit diesen Schaummittelrechnern lässt sich mit einer gegebenen Schaummittelmenge der erzeugbare Schaum berechnen oder die erforderliche Schaummittelmenge zur Erzeugung einer bestimmten Menge Löschschaum bestimmen.

Irrtum 7: Class-A-Schaumlöschmittel sind das Gleiche wie die Mehrbereichsschaummittel!

Mehrbereich-Schaumlöschmittel sind optimiert für ein sehr breites Anwendungsspektrum. Mit diesen Schaummitteln ist es möglich, sowohl Netzwasser, als auch Schwer-, Mittel- oder Leichtschaum zu erzeugen. Damit wird in der Regel die gesamte Bandbreite im Einsatzspektrum einer kommunalen Feuerwehr abgedeckt.

Class-A-Schaumlöschmittel sind optimiert für die Brandbekämpfung in der Brandklasse A. In der Regel erzeugen diese Löschmittel den (optisch) schlechteren Schaum, da dieser zum Beispiel schneller zerfällt als Mehrbereichsschaum. Dieser Effekt ist gewünscht, damit der Schaum die in den Schaumblasen gebundene Flüssigkeit gleichmäßig an das Brandgut abgibt. Trotzdem sind Class-A-Schaummittel in der Regel auch zum Erzeugen von Mittelschaum und für die Brandbekämpfung kleinerer Brände der Klasse B (unpolar) geeignet.

Irrtum 8: Filmbildende (fluorhaltige) Schaummittel werden verboten!

Die AFFF (aqueous film forming foam, auch A3F genannt) und die alkoholbeständigen AFFF-AR-Schaummittel beinhalten Fluortenside, die durch ihre filmbildenden Eigenschaften für hervorragende Löscheigenschaften bei der Bekämpfung großflächiger Flüssigkeitsbrände sorgen. Allerdings sind die Fluortenside persistent in der Umwelt und stehen deshalb in der Kritik. Seit dem 27. Juni 2011 ist ein Stoff aus der Stoffgruppe der C8-Tenside (das PFOS) verboten. Über eine Reglementierung eines weiteren C8-Tensids (das PFOA) wird aktuell diskutiert. Die meisten Schaumhersteller verwenden deshalb in ihren Rezepturen kürzerkettige Fluorverbindungen (wie zum Beispiel C6). Da es momentan noch keinen gleichwertigen Ersatz für die Fluortenside in filmbildenden Schaumlöschmitteln gibt, können die filmbildenden Schaummittel nicht vollständig verboten werden. Dies ist momentan auch nicht Bestandteil der Diskussionen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Stoffen ist jedoch wichtig und daher gilt es die Fachempfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), des Werkfeuerwehrverbandes Deutschland (WFV) sowie des Umweltbundesamtes (UBA) zu beachten.

Irrtum 9: Ohne fluorhaltige Schaummittel geht es nicht!

In kommunalen Feuerwehren ist es in der Regel leicht möglich, auf fluorhaltige Schaumlöschmittel zu verzichten. Wie das bewerkstelligt werden kann, ohne die Sicherheit für die Brandbekämpfung in der Brandklasse B zu gefährden, kann in dem Leitfaden „Schaumkonzepte für kommunale Feuerwehren“ nachgelesen werden. Baut ein Schaumkonzept im kommunalen Feuerwehrbereich bewusst auf AFFF- oder AFFF-AR-Schaumlöschmittel, ist zu beachten, dass mit diesen Schaumlöschmitteln in der Regel nur Schwerschaum erzeugt werden kann. Je nach Produkt kann möglicherweise auch eine Mittelschaumeignung gegeben sein.

Leichtschaum eignet sich hervorragend, um große Lagerhallen zu fluten. Die Feuerwehr Hannover beispielsweise setzt zur Leichtschaumerzeugung ein LUF ein. Foto: Hegemann

Leichtschaum eignet sich hervorragend, um große Lagerhallen zu fluten. Die Feuerwehr Hannover beispielsweise setzt zur Leichtschaumerzeugung ein LUF ein. Foto: Hegemann

Irrtum 10: Leichtschaum ist nur etwas für stationäre Löschanlagen!

Gerade in jüngerer Zeit besinnen sich viele Feuerwehren auf die Vorteile von Leichtschaum für die Brandbekämpfung – insbesondere in der Brandklasse A. Mit Leichtschaum ist es möglich, selbst verwinkelte Räume vollkommen mit Schaum zu fluten. Auf diese Weise wird das Feuer erstickt und dabei der Wasserschaden minimiert.

Leichtschaum ermöglicht außerdem, mit dem Löschmittel in Bereiche vorzudringen, die mit Wasser zum Beispiel gar nicht erreichbar wären. Schließlich kann Schaum auch „um die Ecke fließen“. Ein Wasserstrahl geht nur gerade aus. Leichtschaum bis zu einer Verschäumungszahl 400 weist eine ausgesprochen gute Fließfähigkeit auf.

Irrtum 11: Druckluftschaum-Systeme (CAFS) sind reine Spielerei!

Compressed-Air-Foam-Systeme (Druckluftschaum) bedeuten einen gewissen finanziellen und technischen Aufwand. Sie haben jedoch Vorteile, die das Löschmittel Schaum noch effizienter machen. Durch die sehr homogene Struktur von CAFS-Schaum sind in der Regel dünne Schaumschichten ausreichend, um eine brennbare Flüssigkeit gasdicht und rückzündungssicher abzudecken.

Für eine Brandbekämpfung in der Brandklasse A kann mit CAFS ein sehr nasser, aber dennoch haftfähiger Schaum erzeugt werden. Dieser Schaum bleibt selbst bei senkrechten Flächen am Brandgut „kleben“. Die in den Schaumblasen gebundene Flüssigkeit wird gleichmäßig an das Brandgut abgegeben.

Ein ebenfalls sehr haftfähiger, trockener Schaum kann vorbeugend aufgetragen werden. Die sehr guten Dämmeigenschaften schützen so Materialien oder Bauteile vor Hitzeschäden oder Entzündung.

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Kommentare

5 Kommentare zu “Die 11 größten Irrtümer zu Löschschaum”
  1. Gerd sagt:

    Ist das euer Ernst…?!? Die aussagen sind so doof wie “ warum ist es tagsüber hell“…?!?

  2. Björn Barz sagt:

    Die Schaumberechnungen unter „Irrtum 6“ bedürfen einer kritischen Überprüfung…

  3. Hans Sauer sagt:

    Liebe Fachleute, bei Punkt 6 seit ihr zu kurz gesprungen. Es gibt doch frei verfügbare Schummittelrechner. Einfach mal probieren, nachdenken und dann die Zahlen im Artikel korrigiern. Und am besten erklären wie sich das Ganze rechnet. Und btw Einsatzrelevant ist nicht die Menge an Schummittel/Wassergemisch, sondern die erzeugte Menge Schaum in cbm. Und um die zu berechnen, und damit letzendlich auch den „Nutzen“ meines 20l Kanisters benötige ich die Verschäumungszahl. Ganz so einfach ist die Welt beim sChaum nicht. Abgesehen vom Badeschaum in der wanne.

  4. Martin Schwabe sagt:

    Irrtum 12: Das Feuerwehrmagazin ist in der Lage interessante Artikel über den Schaumeinsatz zu schreiben

  5. Hans Sauer sagt:

    Liebe Edaktion, erstmal danke für die Ergänzung und Korrektur des Artikels. Trotzdem heisst es nochmal Dreisatz üben! Frage: Wenn 20 l Schaummittel 3% der
    Gesamtmenge sind, wieviel sind dann 100%? Lösung: 20 / 3 = 6,67 l (gerundet). 100 % sind dann 667 l und nicht 750l Schaum-Wassergemisch. Und bei 0,5 % sind es dann eben 4.000l und nciht 4.500l. Im Einsatz ein kleiner aber entscheidender Unterschied. Bitte die Zahlen korrigieren ode erklären wie sie gerechnet haben.