Helfen statt Gaffen

Coole Aktionen gegen Gaffer, die jeder Feuerwehrmann gesehen haben sollte

Immer wieder behindern Gaffer Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit. Dass die neugierigen Schaulustigen immer rücksichtloser werden hat auch das Beispiel Timmendorfer Strand (SH) im letzten Jahr gezeigt: Dort klauten dreiste Gaffer der Feuerwehr die Einsatzverpflegung. Was kann gegen die neugierigen Schaulustigen getan werden? 5 coole Aktionen gegen Gaffer, die sich Feuerwehrleute, Polizeibeamte und sonstige Akteure ausgedacht haben.

Inhaltsverzeichnis:

1. Wie reagieren Gaffer, wenn man sie ertappt? #HelfiestattSelfie

Die Redakteure von “funk” haben sich am Montag (28.08.2017) eine besondere Aktion gegen Gaffer ausgedacht. Im Video halten sie fest, wie Passanten nach einem vermeintlichen Unfall reagieren. Die Akteure verteilen am Ende des Videos Popcorn an die Schaulustigen, um ihnen ihr absurdes Verhalten vor Augen zu führen.

2. Anti-Gaffer-Plane: “Nicht gaffen, Mitglied werden”

Die Feuerwehren der Stadt Wunstorf (NI) haben im August 2015 den genialen Einfall gehabt: eine Plane mit dem Slogan “Nicht gaffen, Mitglied werden”. Damit begegnen sie dem Thema mit einem Augenzwinkern – ohne die notwendige Ernsthaftigkeit zu verlieren. Für die Kameraden steht mit der Plane nicht nur die offensive und durchaus auch provokative Mitgliederwerbung für die Feuerwehren der Stadt Wunstorf im Vordergrund, sondern auch ein informatives Wachrütteln der Bevölkerung.

Anti-Gaffer-Plane_Wunstorf
Durchaus provokant: Die Anti-Gaffer-Plane der Feuerwehr Wunstorf. Foto: Feuerwehr Wunstorf.

Die Idee ist auf so viel Begeisterung gestoßen, dass andere Wehren – wie die Feuerwehr Bad Hersfeld (HE) – die Plane kopierten.

2. Aufklärungsvideos gegen Gaffer

Die Feuerwehr Echte (NI) setzt auf Aufklärungsvideos gegen Gaffer. “Wenn die Sirene geht oder mehrere Einsatzfahrzeuge mit Martinshorn durch die Straßen fahren, dann erregt das Aufmerksamkeit und gleichzeitig ein erhöhtes Informationsinteresse”, sagte Konstantin Mennecke, Pressesprecher der Feuerwehr Echte am 1. November 2016.

Bei der Verkehrssicherheitskampagne “Helfen statt Gaffen” kooperiert das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der Landesverkehrswacht Niedersachsen, dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, der Johanniter Unfall-Hilfe, dem Landesfeuerwehrverband sowie der Polizei Niedersachsen.

3. Gaffer mit den eigenen Waffen schlagen

Im Kampf gegen Gaffer drehte die Polizei Dortmund im November 2016 den Spieß um: Die Beamten machten ebenfalls Bilder von Unfall-Voyeuren. Auf der A44 erwischten sie 25 Gaffer, die zum Teil bei laufender Fahrt Fotos von der Unfallstelle knipsten.
Bereits am 8. Juli 2016 hatte die Polizei Gaffer auf der A60 gefilmt – das Netz feierte sie dafür.

Symbolfoto_Polizei_Videoaufnahmenjpg

4. Facebook-Appelle der Polizei

Auch die Polizei macht ihren Unmut über das dreiste Verhalten der Gaffer Luft. Jüngstes Beispiel: Die Polizei Ulm forderte am 18. September 2017 Schaulustige über Facebook auf, Erste-Hilfe-Kurse zu belegen. Der Anlass hierfür ist ein trauriger. Ein Radfahrer hatte einen tödlich verunglückten Motorradfahrer gefilmt – statt zu helfen. Mehr dazu hier.

Ein weiteres Beispiel: Der Post der Polizei Aalen (BW) vom 16. Januar 2017. Dort heißt es: “Schämt ihr Euch nicht?”, nachdem zahlreiche Schaulustige es nicht lassen konnten, zwei Unfallopfer zu fotografieren.

Polizei_Aalen_Post

Für Aufsehen sorgte auch der Post “Musste das sein, Ihr Gaffer?” von der Polizei Rheinland-Pfalz am 3. Mai 2016. Nach einem Verkehrsunfall, bei dem ein Radfahrer zu Tode kam, heißt es in dem Polizei-Post auf dem sozialen Medium unter anderem: “Er verstarb, während Ihr weiter mit Euren Geräten draufgehalten habt!” Der emotionale Beitrag wurde über 9.000 Mal geteilt.

5. Polizeihund vertreibt Gaffer

Als sich in Hagen (NW) bei einem schweren Unfall am 5. Mai 2016 ein Pkw überschlug und der Fahrer schwer verletzt aus dem Fahrzeug befreit werden musste, ließen es sich rund 150 Gaffer nicht nehmen, bei den Rettungsarbeiten im Weg zu stehen. Auf die Platzverweise der Polizei reagierten sie nicht. Ein angeforderter Polizeihund schaffte es schließlich, dass die Gaffer zumindest einige Meter zurücktraten.
Leider keine Ausnahme: Auch in Duisburg behinderten 300 Gaffer die Einsatzkräfte nach einem Unfall am 22. Mai 2017. Nur mit Hilfe eines Polizeihundes konnte die Menge zurückgedrängt werden.

Symbolfoto_Polizeihund
Ein Polizeihund schaffte es, die Gaffer zurückschrecken. Symbolfoto: Polizei Soest

Gaffer-Box soll Schaulustige sensibilisieren

20160910_TdoTuer2016_604Mainz – Eine weitere spannende Möglichkeit, die Bevölkerung für das “Gaffer-Problem” zu sensibilisieren, präsentierte die Feuerwehr Mainz bei ihrem “Tag der offenen Tür” im Jahr 2016. Durch die sogenannte Gaffer-Box konnten sich Interessierte in die Rolle von “Tätern” und Opfern versetzen. Die Box ist rund 3 mal 3 Meter groß. Innen ist die Box mit lebensgroßen Bildern von Schaulustigen versehen. Wer also hineingeht, wird selbst begafft oder gafft mit. Darüber hinaus war im Inneren eine Säule mit Schockfotos von Unfallopfern angebracht. Um diese zu betrachten, musste allerdings eine Abdeckung angehoben werden. Einige der „Schaulustigen“ taten dies, wenn auch nur kurz. Insgesamt fällten die Verantwortlichen ein positives Fazit. Viele Besucher hätten ihnen mitgeteilt, dass ihnen die Box eine andere Sicht auf das Gaffer-Problem eröffnet habe.

Feuerwehr Einsätze: Gaffer behindern Einsatzkräfte

Hier werden Feuerwehr Einsätze vorgestellt, auf denen Einsatzkräfte extrem durch Gaffer behindert wurden.

Sonderrechte für Feuerwehr Drohnen und klare Verbote für Gaffer

Hier geht es zum Beitrag! 

Dreiste Gaffer klauen Feuerwehr die Brötchen

Timmendorfer Strand (SH) – Während Feuerwehrleute am 26.10.2016 damit beschäftigt waren, den Brand im „Nautic Club“ in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) zu löschen, bedienten sich Gaffer an ihren Brötchen. Immer wieder behindern Schaulustige Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit. Das Verhalten der dreisten „Zuschauer“ in Timmendorfer Strand zeigt jedoch, dass der Grad der Rücksichtlosigkeit weiter steigt. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Gemeindewehrführer Stephan Muuss gegenüber dem NDR. Wie der Norddeutsche Rundfunk berichtet, hatte eine Bäckerei belegte Brötchen und Kaffee für die Kameraden bereitgestellt. Doch bevor sich die Einsatzkräfte überhaupt stärken konnten, hatten sich Gaffer schon eifrig am Proviant bedient. Mit einem ironisch angehauchten Facebook-Post machte Feuerwehrmann Jan Rühmling seinem Ärger Luft. In diesem heißt es unter anderem: „Ach ja, an die beiden Spinner, einer in blauer Camp David Jacke, der andere in der braunen Bugatti, entschuldigt bitte, dass ich Euch leider vom Essen meiner Kameraden verscheuchen musste und wir leider keinen Tee hatten, aber ich hatte einfach Angst, dass die Brötchen eventuell etwas zu trocken sind und sich einer noch daran verschluckt. Ich werde natürlich gern dafür Sorge, dass das Catering das nächste Mal besser ausfällt.“ Mit seinen deutlichen Worten hat er ins Schwarze getroffen.

Hier geht’s zum Originalbeitrag: “Gierige Gaffer klauen Feuerwehr die Brötchen” (27. Oktober 2016, NDR)

Gaffer und fehlende Rettungsgasse: Feuerwehr bei Einsatz nach Lkw-Unfall massiv behindert

Nürnberg (BY) – Am 8. Mai kam es auf der Autobahn 6 südlich von Nürnberg zu einem schweren Lkw-Unfall. In der Folge krachten weitere Fahrzeuge zusammen. Eine Person wurde leicht, eine schwer verletzt. Der Feuerwehreinsatz wurde erheblich behindert: Zunächst kamen die Kräfte nicht schnell genug durch, weil die Rettungsgasse nicht durchgängig gebildet war. An der Unfallstelle irritierten immer wieder Gaffer die Feuerwehrleute.

Der ersten Unfall ereignete sich auf der A6 zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und der Ausfahrt Roth. Ein Lkw fuhr auf einen anderen Sattelzug auf. Und im nächsten Augenblick krachte ein weiterer Lkw in die Unfallstelle. Auch ein Kleinbus war an dieser Karambolage beteiligt.

Technische Hilfeleistung nach Lkw-Unfällen

>>Das Sonderheft hier bestellen!<<

“Der Unfall passierte zirka 200 Meter vor mir”, beschreibt Udo Fertig, Stadtbrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehr Nürnberg, in einem Facebook-Posting. “Erste Lageerkundung und -meldung an die nachrückenden Kräfte, drei Verletzte betreut, beziehungsweise aus dem zerstörten Führerhaus ohne technische Hilfsmittel befreit. Aufgrund der Lagemeldung konnte ein Teil der anrückenden Kräfte zurückgehalten werden. Eine Schicksalsfügung, wie sich herausstellte. Im Stau hinter diesem Unfall ereignete sich ein weiterer schwerer Unfall, bei dem eine Person schwer eingeklemmt wurde. Die noch zur Verfügung stehenden Einheiten standen damit dort zur Verfügung.”

(c) Copyright NEWS5 Syndication UG
Für die Feuerwehr folgten nach der Personenrettung umfangreiche Bergungsmaßnahmen. Foto: NEWS5 / Grundmann

Fertig schreibt weiter: “Dank der nicht vorhandenen Rettungsgasse konnte ich zwar die anrückenden Einheiten hören, bis die sich aber durchgekämpft hatten, war ich Einzelkämpfer.” Als die Einsatzkräfte die erste Unfallstelle erreichten, musste sie eine Person mit leichten Verletzungen versorgen. Dann begannen sie mit den Bergungsmaßnahmen. Denn die Ladung eines Lkw – Getränkeflaschen und -dosen hatte sich auf die Fahrbahn verteilt. Anstregende Arbeit, aber leider Routine.

Mit der Rettungsgasse Leben retten

 Gesetzliche Vorgaben zur Rettungsgasse und wie wird sie gebildet?  Hier geht es zum Beitrag!

Doch die eigentliche Herausforderung für die Feuerwehr werden die Gaffer am Seitenrand. Zwischenzeitlich stapfen die Schaulustigen auch in der Einsatzstelle herum. Und auf der Gegenfahrbahn filmen und fotografieren Autofahrer die Lage. Dadurch kommt es in dem stockenden Verkehr immer wieder fast zu weiteren Unfällen.

Bei dem zweiten Lkw-Unfall wurde, wie von Stadtbrandinspektor Fertig beschrieben, ein Fahrer in seinem Fahrerhaus eingeklemmt und schwer verletzt. Nach der Rettung durch die Feuerwehr wurde der Mann mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen.

(c) Copyright NEWS5 Syndication UG
Während die Einsatzkräfte an der Einsatzstelle arbeiten, kommen immer mehr Schaulustige, die seelenruhig die Tätigkeiten der Feuerwehr beobachteten.  Foto: NEWS5 / Grundmann
4 Kommentare zu “Coole Aktionen gegen Gaffer, die jeder Feuerwehrmann gesehen haben sollte”
  1. Hans Sauer

    Also am Besten gefällt mir Methode 5 gefolgt von Methode 3 wenn denn dann die Videos ausgewertet und zu saftigen Strafen führen. Einfallen würde mir hier noch Methode 6 Wasserabgabe mittels Strahlrohrs unter Beigabe eines Farbzusatzes zu besseren Weidererkennung im Rahmen der Strafverfolgung. aber leider …. alles nur geträumt.

  2. Stefan Zapf

    Solange Menschen in gebührendem Abstand zuschauen, ohne unsere Arbeit zu behindern habe ich damit kein Problem. Ich glaube auch wir Helfer haben ein gewisses Maß an menschlicher Neugier für außergewöhnliche Situationen. Wir setzen es nur um indem wir sinnvoll und koordiniert helfen.

    Jeden Zuschauer gleich als Gaffer zu verurteilen halte ich für falsch. Es sei denn, er stört die Arbeiten oder missachtet die Rechte der Betroffenen.

  3. Ute Wilke

    Die Aktion der Feuerwehr ist stark!! Welche Gemütslage muss man haben, dass jemand Tote oder Sterbende filmt??!Allerdings wäre es mir noch lieber wenn diese Gaffer oder Leute die die Rettungskräfte behindern bzw. angreifen strafrechtlich belangt werden.

  4. Hallo, bin früher selber aktiver Fw-Mann gewesen. Schade daß die Fw noch nicht früher auf diese Idee gekommen ist. Leider werden heute überall die Hilfs- und Rettungsdieste bei Ihren Einsätzen behindert !!!

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte dich auch interessieren: