Kaum noch zu finden: Hochleistungssirenen

Bremen – Im Jahr 1957 beauftrage das Bundesamt für Zivilschutz die Pinsch Bamag AG (Butzbach/HE) mit der Entwicklung einer neuen Supersirene zur Warnung der Bevölkerung. Ab dem Jahr 1960 wurden in Deutschland dann die ersten Hochleistungssirenen aufgestellt. Knapp 300 Hochleistungsirenen (HLS) gab es einst in der alten Bundesrepublik. Heute sind nur noch ganz wenige Exemplare erhalten.

Am Sockel zu erkennen: Diese Hochleistungssirene (HLS) von Pinsch Bamag in der Gemeinde Nußdorf stammt aus der zweiten Generation. Dank der IG-WaSi kann sie seit August 2017 wieder zur Warnung der Bevölkerung eingesetzt werden.

Sirenenkopf der Hochleistungssirene

Der Sirenenkopf der Anlagen der ersten Generation HLS hatte stattliche Ausmaße und war vollverkleidet. Er beherbergte die für Hochleistungssirenen üblichen vier Exponentialtrichter, Schallgeber und den Sirenenmotor. Zur Wartung des Motors konnte eine Revisionsklappe im unteren Bereich des Kopfes geöffnet werden.

Sirenenkopf einer HLS vom Typ F71 von Hörmann. Der Kopf sitzt auf einem Gittermast.

“Die Reichweite einer HLS betrug rund 5 Kilometer. Bei der klassischen E57 sind es hingegen nur etwa 500 Meter”, erklärt Sirenenexperte Florian Mikschy von der Interessengemeinschaft Sirenenfreunde. Der Schalldruck am Fuß der Sirene betrug etwa 130 dB.

Eingang in das unterirdische Maschinenhaus einer Hochleistungssirene bei Darmstadt.

Maschinenanlage im Betonbunker

Die Maschinenanlage der Hochleistungssirene war in einem rechteckigen Betonbunker untergebracht, der gleichzeitig als Fundament für den Rohrmast diente. Über Schachtdeckel konnte der Bunker bestiegen werden. So ließen sich bei Bedarf auch Komponenten austauschen.

Zur Maschinenanlage zählten bei allen Hochleistungssirenen das Diesel-/Kompressoraggregat, die Akkumulatoren (24V 55Ah beziehungsweise 60 Ah), der Dieseltank sowie die komplette Steuerung in einem Schaltschrank. Der Drucklufttank fasste 4.800 Liter und war an der Stirnseite des Betonbunkers befestigt und vollkommen von Erdreich überdeckt. Er war nur über den Bunker durch ein Mannloch zu erreichen.

Im Gegensatz zu späteren HLS-Modellen waren Sirenenkopf, Mast und Mastfuß eine untrennbare Einheit. Der Mast wurde als Rohrmast ausgeführt und führte sowohl Druckluft- und Steuerleitungen zum Sirenenkopf, als auch Auspuff und Belüftungsöffnungen aus dem Bunker heraus. Die Höhe betrug einschließlich Kopf 20 Meter.

Ein von einem Dieselmotor angetriebener Kompressor erzeugte die Druckluft für die pneumatische Sirene. Kompressor, Motor und Drucklufttank befanden sich im unterirdischen Maschinenhaus der HLS.

Kaum noch Anlagen vorhanden

Bis Mitte der 1980er Jahre wurden rund 300 Hochleistungssirenen in Westdeutschland errichtet. Neben Pintsch Bamag baute auch Firma Hörmann HLS.  Extrem gut war beispielsweise die Region Hannover einst versorgt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt gab es zeitweise bis zu 30 Hochleistungssirenen. Heute ist davon keine mehr erhalten.

Deutschlandweit sind noch etwa 10 Prozent der Anlagen erhalten (Schätzwert). Die Interessengemeinschaft WaSi (eine Partnerorganisation der Sirenenfreunde) betreibt die Seite www.hochleistungssirene.de/. Dort sind alle Standorte und ihr aktueller Zustand gelistet, so weit bekannt.    

Weitere Informationen und viele technische Details zum Comeback der Sirene gibt es in der August-Ausgabe 2018 des Feuerwehr-Magazins. Hier kann das Heft ganz einfach bestellt werden: als gedruckte Ausgabe oder zum Download. 

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