Eisrettung: Nur nicht einbrechen!

Berlin – Die Temperaturen bleiben im Minusbereich – die Gewässer frieren zu: In den kommenden Tagen müssen Feuerwehren bundesweit vermehrt mit Eisrettungseinsätzen rechnen. Jetzt ist es an der Zeit, das Wissen zum Thema Eisrettung noch einmal aufzufrischen.

Ein entscheidener Faktor bei der Eisrettung ist die Zeit: Das eiskalte Wasser direkt unter der Eisdecke (meist ein bis zwei Grad Celsius) entzieht dem Körper rasant die Wärme – 27-mal schneller als an der Luft. Binnen 15 Minuten kann ein Mensch – je nach Umständen – an den Folgen einer Unterkühlung sterben. Das Einbrechen und in der Folge das Abtreiben unter einer Eisdecke sind somit auch lebensbedrohende Gefahren für die Rettungskräfte. Trotz aller gebotener Eile ist deshalb eine Eigensicherung unerlässlich:

  • Rettungswesten anlegen.
  • Wenn vorhanden: Eisrettungsanzug anlegen.
  • Kräfte nur durch Leinen gesichert auf das Eis.
  • Nur unmittelbar benötigtes Gerät und Personal auf die Eisfläche.
  • Nach Möglichkeit “leichtere” Einsatzkräfte einsetzen (keine stark übergewichtigen Personen). Diese müssen dennoch kräftig und konditionell fit sein.
  • Den gefährdeten Eisflächenabschnitte nie stehend betreten, grundsätzlich auf dem Bauch mit ausgebreiteten Armen robben. Idealerweise mit Hilfsmittel (Eisrettungsschlitten, Steckleiter o.ä – ebenfalls mit Leinen sichern!.) arbeiten, um das Gewicht besser zu verteilen.
Übung einer Eisrettung auf dem Wörthsee (BY) im Januar 2009. Foto: Jürgen Römmler
Übung einer Eisrettung auf dem Wörthsee (BY) im Januar 2009. Foto: Jürgen Römmler

Beim Vorgehen muss der Helfer neben der eigenen Leinensicherung eine zweite Leine mitführen, um den Verunglückten sichern zu können. Sofern kein Eisrettungsgerät vorhanden ist, gilt der Einsatz von zwei Steckleiterteilen allgemein als sinnvoll. Während sich der Helfer mit der einen langsam voran bewegt, kann jeweils die zweite seitlich nach vorne geschoben werden. Dem Verunglückten dürfen nur die Leiter, Leine oder zur Not ein stabiler Ast o. ä.  gereicht werden – nicht direkt die Hand. Das Risiko an der Einbruchstelle selbst einzubrechen oder ins Wasser gezogen zu werden ist groß. Allerdings muss der Helfer hier ggf. spontan entscheiden – ins Eis eingebrochene Personen sind durch die Kälte rasch entkräftet. Daran denken: Auch eine Drehleiter kann – bei entsprechender Aufstellmöglichkeit – eine Rettungsmöglichkeit sein (ggf. Paralleleinsatz einleiten).

Vorsicht gilt beim Umgang mit unterkühlten Opfern:

  • Der Verunglückte darf sich nicht bewegen und muss vorsichtig transportiert werden (kaltes und warmes Blut sollen sich nicht vermischen).
  • Nur flach liegend lagern und transportieren.
  • Nasse Kleidung mit Schere entfernen (Bewegung vermeiden).
  • Opfer niemals alleine lassen (es drohen Bewusstlosigkeit und Atem-/Kreislaufstillstand auch nach der Rettung).

Feuerwehr-Magazin-Abonnenten haben kostenlos Zugang zu unserem Online-Archiv. Dort finden Sie mehrere Artikel zum Thema “Eisrettung” zum downloaden:

  • Ausgabe 3/2003: “Hydrocopter: Der Schwimmschlitten für die Eisrettung”.
  • Ausgabe 1/2008: “Geräte für die Eisrettung”.
  • Ausgabe 1/2008: “Kleine Übung: Eisrettung trainieren”.
  • außerdem (nicht im Online-Archiv enthalten): Ausgabe 1/2003: “Auf dünnem Eis – Richtiges Verhalten bei der Eisrettung”.
Ein Kommentar zu “Eisrettung: Nur nicht einbrechen!”
  1. Michael Klöpper

    Pressemitteilung des Deutschen Feuerwehrverbandes zum Thema:

    Feuerwehrverband warnt vor trügerischem Eis

    Nur freigegebene Eisflächen betreten / Notruf 112 bringt schnelle Hilfe
    Berlin – Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) warnt vor dem Betreten nicht freigegebener Eisflächen: „Trotz der Minusgrade sind viele Eisflächen noch zu dünn; es droht Einbruchgefahr“, erklärt DFV-Vizepräsident Dr. h. c. Ralf Ackermann. Auch der Frost der letzten Nächte garantiert nicht, dass die Eisdecke auf Seen oder Flüssen tragfähig ist. „Betreten Sie nur Flächen, die freigegeben wurden!“, appelliert Ackermann. Besonders Kinder lassen sich von den glitzernden Eisflächen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten.
    Für den sicheren Ausflug sollten einige Tipps der Feuerwehren beachtet werden:

    Nehmen Sie örtliche Warnhinweise ernst. Kindern müssen die Gefahren erklärt werden.

    Vermeiden Sie einsame Ausflüge auf dem Eis – bei einem Unfall kann es sonst sein, dass niemand Hilfe holen kann.

    Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: nicht betreten. Wenn Sie bereits auf dem Eis sind: Flach hinlegen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen, zum Ufer robben (möglichst wenig ruckartige Bewegungen).

    Rufen Sie im Unglücksfall sofort über den Notruf 112 Hilfe bzw. organisieren Sie, dass jemand einen Notruf absetzt! Vor allem bei unübersichtlichem Gelände kann ein Einweiser an einer markanten Wegkreuzung die Anfahrt der Rettungskräfte erleichtern.

    Vorsicht ist nicht nur bei fließendem Gewässer, verschneiter Oberfläche und bewachsenem Ufer geboten; auch an Ein- und Ausflüssen kann die Eisdicke plötzlich abnehmen. Vor allem an dunklen Stellen kann das Eis zu dünn sein – hier droht Einbruchgefahr!
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    „Innerhalb weniger Minuten in rund drei bis vier Grad kaltem Wasser erschlaffen die Muskeln, der Körper erlahmt, die eingebrochene Person geht unter“, erklärt Ackermann. Der Feuerwehrverband gibt folgende Tipps zum Verhalten im Unglücksfall:

    Wer einbricht, sollte versuchen, sich vorsichtig am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen. Wenn das Eis weiter bricht, kann man sich mit Fäusten oder Ellenbogen einen Weg zum Ufer frei schlagen.

    Helfer sollten sich nicht selbst in Gefahr bringen: Eigensicherung beachten (Leinen/Schwimmweste/Rettungsring), nicht zu weit hinaus wagen.

    Wer sich zum Helfen auf die Eisfläche begibt, sollte dafür eine Unterlage (Leiter, Bretter, Zaun, Hockeyschläger) verwenden, um das Gewicht zu verteilen. Die Hilfsmittel kann man der eingebrochenen Person zuschieben. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage oder Äste machen die Rettung leichter. Hilfreich können auch an Gewässern aufgehängte Rettungsringe sein.

    Gerettete in warme Decken (Rettungsdecke) oder Jacken hüllen, vorsichtig erwärmen, nicht als „Hausmittel“ mit Schnee abreiben.

    Unterkühlten Personen keinen Alkohol geben, stattdessen möglichst warmen Tee reichen.

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