Hochtaunuskreis setzt auf neuartiges Verfahren

Akkubrände wirksam bekämpfen

Bad Homburg (HE) – Fahrzeuge in Mulden stellen und mit Wasser auffüllen oder Löschlanzen in die Stromzelle schlagen, dies sind die derzeit gängigsten Verfahren zur Bekämpfung von brennenden Akkus bei Elektrofahrzeugen. Die Verantwortlichen im Hochtaunuskreis (HE) überzeugte beides nicht. Sie setzen auf einen Bag aus Gewebeplane, der unter das Elektrofahrzeug gezogen und geflutet wird. 

Der Bag wird unter dem Fahrzeug platziert. Kann der Pkw, das SUV oder der Kleintransporter nicht mehr gerollt werden, kann er beispielsweise mit einem Spreizer leicht angehoben werden. Foto: Hegemann

Ein Zugführer aus Bad Homburg hatte die Idee zum “Kfz Hochvolt Bergesystem”, wie das neue System im Hochtaunuskreis genannt wird. Wobei der Impuls auf seine damals vierjährige Tochter zurückgeht, wie der Erfinder berichtet: „Sie hatte 2017 ihr Bobby Car in einen der großen blauen Ikea-Beutel gesteckt und mich damit auf die Idee gebracht.“

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AGB

Zusammen mit einem Verpackungsmittel-Lieferanten und tatkräftiger Unterstützung seiner Feuerwehr entwickelte Harald Samoiski einen 5,20 Meter langes, 2,30 Meter breites und 90 Zentimeter hohen Bag. Er besteht aus einer extrem robusten Gewebeplane, in die mehrere Haltegurte in aufgeschweißten Taschen eingebracht sind. Offiziell heißt das Produkt Recover-E-Bag.

Der Bag wird mit Wasser geflutet. Erfahrungen belegen: In der Regel werden dafür nur 1.000 bis 2.000 Liter benötigt. Foto: Hegemann

„Das Prinzip ist denkbar einfach“, erklärt sein Erfinder. „Der Bag wird vor oder hinter dem abgelöschten Fahrzeug ausgelegt. Dann kann der beschädigte Pkw, SUV oder Kleintransporter im besten Fall einfach draufgeschoben werden.“ Ist dies nicht möglich, kann der Bag auch unter dem Wrack durchgezogen werden. So wird das Unfallfahrzeug – beispielsweise mit einem Spreizer – auf einer Seite leicht angehoben und die Plane unter den Rädern durchgezogen. Markierungen auf der Innenseite zeigen den Feuerwehrleuten, wie der Bag optimal platziert wird.

So sieht das komplett verschnürte Fahrzeug aus. Es ist bereit für den Abtransport. Foto: Hegemann

Anschließend muss der Bag verschnürt werden. „Zuerst über das Fahrzeug von vorne nach hinten – oder umgekehrt – mit dem orangenen Gurt, dann diagonal von Ecke zu Ecke mit einem gelben beziehungsweise einem roten Gurt“, erklärt Samoiski. „Uns war es wichtig, dass beim Verpacken niemand unter das Fahrzeug greifen muss“, so der Erfinder. „Da­durch sind Verletzungen durch austropfende Flüssigkeiten nahezu ausgeschlossen. Und der Farbcode verhindert eine Fehlbedienung.“ Im letzten Schritt füllen die Feuerwehrleute das Bag dann mit Wasser aus dem Tank des Löschfahrzeugs. Benötigt werden dafür zwischen 1.000 Liter und 2.000 Liter. Geschulte Kräfte benötigen für den kompletten Aufbau rund 10 Minuten.

In der Februar-Ausgabe 2022 des Feuerwehr-Magazins stellen wir das System mit seinen Vor- und Nachteilen ausführlich vor. Wir erklären, warum der Hochtaunuskreis die Beschaffung bezuschusst, was ein Paket kostet und warum die Abschleppunternehmen davon begeistert sind. Wir präsentieren euch auch die derzeitigen Alternativen zur Bekämpfung von Akkubränden in Elektrofahrzeugen. Aktuell ist die Ausgabe im Handel erhältlich. Ihr könnt sie aber auch ganz bequem bei uns im Online-Shop bestellen: als gedruckte Ausgabe portofrei nach Hause oder zum sofortigen Download. >>>Hier findet ihr die Februar-Ausgabe 2022 des Feuerwehr-Magazins.<<<   

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Und immer wieder Denglisch 🙂 Warum kann man nicht Tasche sagen? Der Bag? Englisches Wort mit deutschem Artikel – Klingt echt bescheuert! Oder solls intelligent klingen? 🙂

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