Ainring (BY) – Wohnungsöffnungen gehören für viele Feuerwehren zum Alltag. Trotzdem spielt die gewaltsame Türöffnung in der Ausbildung oft nur eine Nebenrolle. Brandinspektor Marc Ufertinger erklärt, warum eine strukturierte Erkundung und die richtige Technik häufig wichtiger sind als rohe Gewalt.
Ist Gefahr im Verzug und eine verschlossene Tür versperrt den Weg, darf sich die Feuerwehr gewaltsam Zugang verschaffen. (Bild: Inzinger)
Wer zu einer hilflosen Person hinter verschlossener Tür, einer ausgelösten Brandmeldeanlage oder einem abgebrochenen Notruf alarmiert wird, steht oft vor derselben Herausforderung: Die Feuerwehr muss möglichst schnell in ein Gebäude gelangen. Für Marc Ufertinger, Brandinspektor und Mitgründer von Switchboombang, beginnt eine erfolgreiche Türöffnung dabei nicht mit Werkzeugen, sondern mit einer sorgfältigen Lageerkundung. Sein Grundsatz lautet: „Breach smart, not hard“ – also clever aufbrechen statt mit Gewalt.
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Bevor Einsatzkräfte eine Tür gewaltsam öffnen, sollten zunächst alle Alternativen geprüft werden. Gibt es einen Schlüssel bei Nachbarn oder Angehörigen? Ist ein Fenster zugänglich? Reagiert jemand auf Klingeln oder Klopfen? Dabei zeigt sich häufig, dass Türen lediglich zugezogen und nicht abgeschlossen sind. In solchen Fällen ermöglichen spezielle Werkzeuge eine schnelle und beschädigungsfreie Öffnung.
Erst wenn zerstörungsfreie Methoden ausscheiden, folgen beschädigungsarme Verfahren wie das Ziehen oder Auffräsen des Schließzylinders. Besteht akute Gefahr für Menschen oder Sachwerte, kommt schließlich die gewaltsame Türöffnung zum Einsatz.
Halligan-Tool, Axt und Keile
Für diese Einsätze setzt Ufertinger auf eine Kombination aus Halligan-Tool, Forcible-Entry-Axt und Keilen. Dieses „Dreigestirn der Türöffnung“ ermöglicht ein kontrolliertes Vorgehen an der Tür. Besonders wichtig sind dabei Keile, um geschaffene Spalte offen zu halten und den Arbeitsfortschritt zu sichern.
Auch das Türmanagement spielt eine Rolle. Wird eine Tür nicht vollständig zerstört, sondern kontrolliert geöffnet, kann sie beispielsweise bei Brandeinsätzen weiterhin genutzt werden, um Luftströme und Rauchausbreitung zu beeinflussen.
Bild: Inzinger
Zuerst schlagen wir die Schneide zwischen Türblatt und Rahmen ein...
Bild: Inzinger
... – egal ob sich die Tür nach innen oder außen öffnen lässt.
Bild: Inzinger
Ein Keil hält den geschaffenen Spalt an der Tür offen.
Bild: Inzinger
Den Kuhfuß („Claw“) schlagen wir in den Spalt zwischen Türblatt und Rahmen ein und hebeln mit ihm zum Türblatt. Die Hände bleiben offen, um Quetschungen zu vermeiden.
Bild: Inzinger
Dorn in den Bügel des Vorhängeschlosses einhängen und mit der Axt auf den Kopf des Halligan-Tools schlagen.
Bild: Inzinger
Sobald der Spalt an der Tür groß genug ist, setzen wir die Schneide hinter den Türrahmen an und können damit die Tür aufhebeln. Das funktioniert bei nach außen und innen öffnenden Türen gleichermaßen.
Bild: Inzinger
Wir können auch die Forcible-Entry-Axt als Keil nutzen. Den Stiel sichern wir mit dem Fuß gegen Wegrutschen.
Rechtliche Grenzen beachten
Türöffnungen sind nicht nur technisch, sondern auch rechtlich relevant. Da Artikel 13 des Grundgesetzes die Unverletzlichkeit der Wohnung schützt, benötigen Einsatzkräfte eine rechtliche Grundlage für ihr Handeln. Zulässig kann eine Türöffnung etwa zur Gefahrenabwehr oder zur Rettung hilfebedürftiger Personen sein. Maßgeblich ist dabei, dass die Einsatzkräfte zum Zeitpunkt ihres Handelns von einer Gefahr für Menschen oder bedeutende Sachwerte ausgehen dürfen.
Wie die Öffnungstechniken funktionieren, welche Rolle das Halligan-Tool spielt und welche Fehler man vermeiden sollte, beschreibt Matthias Hendrich ausführlich in Ausgabe 6/2026 des Feuerwehr-Magazins.