Controlling: Feuerwehr erreicht Hilfsfrist nicht

Kürten (NW) – Ein Controllingbericht für das Jahr 2012 hat offenbart, dass die Feuerwehr Kürten (Rhein-Bergischer-Kreis) nicht schnell genug am Einsatzort erscheint. Wie die “Bergische Landeszeitung” schreibt, schafft es die Wehr nicht binnen acht Minuten mit neun Feuerwehrleuten am Einsatzort zu sein. Die auf Landesebene definierte Hilfsfrist wird in nicht einem einzigen Fall eingehalten. Manchmal fehlen nur ein paar Sekunden, manchmal nur ein einziger Feuerwehrmann, so die Zeitung weiter. Die Wehr selber bezeichnet sich aber trotz der hohen Verfehlungsrate als einsatzbereit. Die Kommune will nun ein umfassendes Programm zu Mitgliederwerbung und zur Steigerung der Attraktivität der Feuerwehr umsetzen und so die Schlagkraft erhöhen.

Artikel: “Kürtener Feuerwehr ist zu langsam” (Bergische Landeszeitung, 3. April 2014)

21 Kommentare zu “Controlling: Feuerwehr erreicht Hilfsfrist nicht”
  1. Trotz allem ist der Träger der Feuerwehr in der Pflicht, diese Zeiten sicher zu stellen-und das schnellstens. Bisher scheint ja Gott sei Dank dadurch nichts schlimmeres passiert zu sein.

  2. Leider brennen Feuer in ländlichen Bereichen ohne BF nicht anders, als in Städten mit BF. Auch die Zeiten der Erträglichkeits- und Reanimationsgrenzen richten sich nicht danach, ob eine Freiwillige Feuerwehr oder eine BF im Anmarsch ist.

    Die Hilfsfrist ist nicht an den Möglichkeiten und Fähigkeiten der Berufsfeuer-wehren ausgerichtet, sondern an den medizinischen Bedürfnissen der von einem Brand betroffenen Personen. Ein Erreichungsgrad von 100% wird auch nicht gefordert. Man muss den Einwohner der Gebiete, in denen die Hilfsfrist nicht eingehalten werden kann, nur mitteilen, dass dies der Fall ist.

    Zu beachten ist außerdem, an wen sich die Forderung aus der Hilfsfrist richtet. Sie richtet sich an die Kommune als Träger des Brandschutzes. Es ist Aufgabe der Kommune zu entscheiden, wie und mit welchem Erreichungsgrad sie die Hilfsfrist einhält. Die Freiwilligen Feuerwehrleute sind entsprechend ihrer beruflichen und sonstigen Tätigkeiten verfügbar. Wenn diese Verfügbarkeit zur Einhaltung der Hilfsfrist nicht ausreicht, muss sich die Kommune überlegen, wie sie damit umgeht.

    Falsch ist die Schlussfolgerung, die Feuerwehr oder die Feuerwehrleute seien zu langsam. In dem Zeitungsbericht kommt es letztlich auch heraus: die Anfahrtwege sind zu lang. Daraus kann und darf man keinem Feuerwehrangehörigen einen Vorwurf machen!

  3. Sehr gut erklärt Ludolf Klencke! Diese kurzen gleichgültigen Kommentar geh’n mir echt auf den sack… Na klar müssen wir uns mit der BF Messen lassen… Denn die Kunden interessiert es einen scheiß, wenn das Haus brennt, warum man zu spät kommt… Es sind organisatorische Defizite, die abgestellt werden müssen, oder zumindest offenkundig zugegeben werden müssen!

  4. WODRAN LAG ODER LIEGT SO ETWAS? DAß SICH DIE KOMMUNE DARUM BEMÜHT!- EINE 1. REAKTION! GELD ALLEIN LÖSCHT KEIN FEUER! MEHR ANERKENNUNG FÜR DIE FEUERWEHR & MEHR MITGLIEDER!!

  5. Wow: 9 Minuten. Als ich damals noch bei uns in der FFw war, war ich vor Ort aber die meisten Kammeraden brauchen mind. 20 Minuten aus der Nachbarstadt. Heute hätte ich eine Anreisezeit von 2 Stunden …

    Normalerweise Rückt man bei uns in der Region aus und hofft am Einsatzort genug Leute zusammenzubekommen.

  6. plauzi28

    Also wir haben bei uns 10 min
    Zeit,und das wird für uns auch schon schwer über Tag,bis jetzt schaffen wir das schon noch!!
    Sind eine mittelständige Wehr
    7000 Einwohner und knapp 79 aktive Mitglieder

  7. Welche Einheit kann sich heute denn davon freisprechen die Hilfsfrist immer einzuhalten. Wir alle sind bemüht, aber wer weiß es denn? Doch nur der Statistiker. und dann leider der Betroffene, der hoffentlich trotzdem noch am Leben ist.

  8. Naja das man nicht bei allen Einsätzen die Frist halten kann ist ja klar. Aber bei 0% – also keinem einzelnen Einsatz ist das sehr bedenklich. Mit den Hilfsfristen müssen wir alle leben und die 70% der Einsätzen inder Frist abzuwickeln sollte schon ein Ziel sein.
    Hier ist der Träger der Feuerwehr gefragt zu prüfen woran das liegt.

  9. @ Oliver Hankofer: Diese Zeiten neigen sich aber auch in Niedersachsen dem Ende zu.
    Zwar gibt es keine gesetzlichen Hilfsfristen, aber es gibt bereits Empfehlungen. Diese werden dann spätesten bei einer Feuerwehrbedarfsplanung verankert.

  10. Letzten Freitag, Alarm Vu eingeklemmte Person.

    Konnten nicht ausrücken , da kein Fahrer vorhaben. . .

    Unsere Vg interessiert das wenig, wir sind schon sehr lange dran um mehr Personal von der Vg zu integrieren die einen dementsprechenden Führerschein besitzen.

    Bis dato stoßen wir auf taube Ohren.

  11. Controlling soll sich dann mal schön mit auf den Bock setzen. Gibt ja tatsächlich Ämter da wird gesagt das es nicht gerne gesehen wird das ihre Mitarbeiter zu Feuerwehr gehen.

  12. G-Wart

    Wegen sekunden….
    Wir haben ein 12 km und ein 13 km Teilstück der BAB. selbst wenn das erste Fahrzeug nach 2 min mit 9 Leuten ausrückt ist es nicht Möglich bis an die grenzen des Einsatzgebietes in 8 min zu fahren….. Bis zur BAB Auffahrt sind auch gute 4-5 km …

    Leider steht nicht im Artikel was für Ausrückezeiten die Wehr hat. Das ist meines erachtens der anzunehmnde Wert.

  13. Lädar

    Ich würde da gerne mal auf einen Artikel von Christan Fischer hinweisen:
    http://www.christian-fischer.info/2013/08/der-selbstbetrug-mit-der-hilfsfrist/

    “Auf Basis einer 35 Jahre alten und durchaus fragwürdigen Datenlage werden also Investitions- und Personalentscheidungen im je nach Größe der Kommune bis zu zweistelligen Millionenbereich getroffen.”

    “Was wäre, wenn eine neue Untersuchung ergeben würde, dass die Reanimationsgrenze nicht bei 17 Minuten liegt, sondern bei (sagen wir fachmännisch gewürfelt) nur 9 Minuten. Wir erzählen im Rahmen der Rauchmelderkampagnen ja gerne: 3 Atemzüge Brandrauch und man ist bewusstlos, weitere 3 Atemzüge Brandrauch und man ist tot.”

    Anhand des Artikels weitergedacht:
    Die ganze Studie stützt sich auf die CO-Konzentration seit Brandausbruch, 17 Min -> Reanimationsgrenze; 13 Minuten -> “Erträglichkeitsgrenze”. Die 8 Minuten kommen sind die Zeit die die Feuerwehr brauchen darf, wenn man Entdeckung, Erkundung und Rettung der Person wegrechnet.
    Entdecken dauert 3,5min
    Disponieren 1,5min
    8 Minuten Anfahrt.
    Ach ja Lage ist der kritische Wohnungsbrand:
    Brand im Obergeschoss eines Wohnhauses mit verrauchtem (unpassierbarem) Treppenraum und Menschenleben in Gefahr.
    Bleiben 5 Minuten für Erkundung, Aufbau Löschangriff, Auffinden und Rettung der Person.
    Leider habe ich keine Ahnung, ob bekannt ist wo sich die Person aufhält.
    Auf volles Risiko am Feuer vorbei, Treppe hoch, zum vermutlichen Aufenthaltsort, Person schnappen, Bandschlinge rum und raus. Treppenhaus runter, Brand nicht weiter ausgedehnt. Glück gehabt.
    Pech gehabt:
    Rückweg blockiert.
    Bewusstlose Person muss raus.
    Drehleiter passt nicht in den Garten des Einfamilienhauses.
    Leiterhebel? Mit welchen Leuten? Mit welcher Zeit?
    Also einfach hoffen das die Person nicht aus der Schlinge fällt und dann irgendwie mit der Feuerwehrleine ablassen.
    Achja in Minute 18 ist eine erhöhte Flash-Over Gefahr, da bisher vollständig auf Menschrettung gearbeitet wurde ist der Angriffstrupp im Ersten Stockwerk in großer Gefahr, also schnell Leiter dran und raus.

    Wie man das alles halbwegs nach UVV und FwDV nachts um 3 Uhr mit einer zufälligen Besatzung hin bekommen soll, würde mich interessieren. Vielleicht sollte der Leistungsnachweis mal so aussehen.

    Wenn ein Einfamilienhaus brennt schläft nachts dummerweise die ganze Familie also vielleicht 3 Personen an 2 Orten. Wird ein Brand wirklich 3,5 min nach Ausbruch entdeckt?
    Wenn ein Rauchmelder nach 1 Minute den Brand erkennt hat die Familie nach der Studie 12 Minuten Zeit, bevor die “Erträglichkeitsgrenze” erreicht ist. Das eine Familie innerhalb von 5 Min das Haus verlässt halte ich für deutlich wahrscheinlicher als eine Rettung nach 17 Minuten.
    Die Quote für erfolgreiche Widerbelebung ist auch nicht wirklich hoch.

  14. Jens Cürten

    Guten tag also ich bin in dieser Gemeinde in einer Lg und muss sagen
    Bis jetzt haben wir es immer hin bekommen das erste Fahrzeug fährt unterbesetzt
    Raus kurze Zeit später fährt das zweite Fahrzeug raus dazu muss man noch sagen
    Das die autos noch immer hintereinander stehen aber ein neues gh ist in planung
    Und die andern kommen mit ihren privat pkws hinterher . Also ich zb
    Brauche alleine mindestens 3min nach alamierung bis zum gh das
    Problem ist in Kürten einfach das die leute der wehr nich unbedingt direkt am gh wohnen
    Sondern fast alle so weite anfahrwege hat wie ich dann spielt ja die verkehrslage auch noch
    Ne rolle und die leute arbeiten meistens nicht in Kürten sondern weitläufig verteilt und dann überlegt
    Man sich schon mal ob man zum Einsatz fährt dann muss der Arbeitgeber da auch noch mit spielen
    Immerhin verdiene ich mein Geld bei der Arbeit und nicht bei der Feuerwehr ….. aber vielleicht könnte man sich ja auch mal Gedanken machen ob man sich nicht auf dem Weg zum gh besser kenntlich machen kann aber nein es ist ja verboten naja das nur mal kurz eine Stellungnahme von einem aktiven Mitglied der betroffenen Wehr

  15. Mitgliederwerbung ist ja gut und schön.
    Allerdings hat sich der Arbeitsmarkt sehr stark geändert.
    Die Zeiten, in denen die Mitglieder im Dorf als Bäcker, Schlosser etc. gearbeitet haben, sind schon lange vorbei. Denn meistens ist die Tagesbereitschaft schlecht oder gar nicht zu gewährleisten und somit das größte Problem. Kameraden verteilen sich immer weiter ins Land und haben eine lange Anfahrt. Oft werden Sie auch nicht zum Einsatz entlassen. Rechtswidrig aber irgendwo verständlich. Schließlich wird die Sache nicht genug entschädigt und Zuständigkeiten auf Feuerwehren verlagert (Ölspuren, etc.) Andererseits machen es sich Unternehmer teilweise auch zu einfach und müssten da anders in die Pflicht genommen werden.
    Hier haben meiner Meinung nach Feuerwehrverbände und vor allem Kommunen viel zu lange zugeschaut. Jetzt ist unser System kurz vor dem Kollaps.
    Dazu gibt es ja schon reichlich Stoff.
    Zu Lädar: Und das ist ein weiterer Grund. Diese Hilfsfristen bestehen schon lange und basieren eigentlich auf Erfahrungen.
    Um jeden Notfall schnellstmöglich entgegenzuwirken müsste man die Ressourcen extrem erweitern, was wiederum in keinem Verhältnis steht.

    Fazit: Dieses Problem ist die Folge aus viel tiefgründigeren und weitreichenden Ursachen, über welche man sogar mehr als eine Doktorarbeit verfassen könnte.

  16. Bei uns in Potsdam wäre jeder froh wenn die 8 Minuten erreicht werden könnten. Hier gehen teilweise bis zu 15 zur Einsatzstelle ins Land. Und das bei einer BF

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