Breitingen (BW) – Löschroboter, Indoor-Drohne, Löschlanze: Mit modernen Spezialgeräten möchte die Feuerwehr Breitingen im Alb-Donau-Kreis auch umliegenden Wehren helfen. Hinter dem Projekt Zeus steckt ein überregionales Konzept, zu dem noch offene Fragen bei Organisation, Haftung und Bedarf bestehen.
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Symbolfoto: Michael Rüffer
Zeus steht für „Zug für Einsatz und Unterstützung mit Systemen“. Als überregional angelegter Spezialeinsatzzug der Feuerwehr Breitingen ist die Einheit für Industriebrände, Gefahrgutlagen, schwer zugängliche Gebäude und Einsätze unter extremer Hitze vorgesehen. Neben Kräften aus Breitingen gehören auch Feuerwehrleute umliegender Gemeinden zum Zug, die an den Spezialgeräten ausgebildet werden.
Zur Ausstattung gehören ein Löschroboter, eine Indoor-Drohne und eine Löschlanze. Der Roboter ist vor allem für gefährliche oder körperlich extrem belastende Arbeiten vorgesehen. Fernbedienbar gesteuert und mit Wärmebildtechnik ausgestattet, soll er tief in Brandabschnitte vordringen, während die Mannschaft außerhalb der Gefahrenzone bleibt. Nach Angaben des Projekts beträgt die Akku-Laufzeit mehr als acht Stunden. Als Beispiel führt das Projekt an, dass der Roboter bei einer Riegelstellung in stark verrauchten Bereichen Atemschutztrupps über längere Zeit entlasten könne. Die Indoor-Drohne ist nach Angaben des Projekts für die Lageerkundung in engen, verwinkelten oder verrauchten Räumen vorgesehen. Die Löschlanze soll verborgene Brandherde durch Wände und Decken erreichbar machen, ohne dass Einsatzkräfte unsichere Bereiche betreten müssen.
Gesamtkommandant Michael Kilgus beschreibt den Antrieb hinter dem Projekt gegenüber dem SWR so: Man wolle „die große Lücke zwischen feuerwehrtechnischer Innovation und Realeinsatz schließen“. Finanzieren soll sich Zeus über Spenden, Industriesponsoring, Förderprogramme und den gemeinnützigen Verein Zeus ADK Breitingen e.V. Anfragende Kommunen sollen dabei keine Kosten tragen.
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Rechtlich und organisatorisch sind jedoch noch Fragen offen. Da in Baden‑Württemberg nur Gemeindefeuerwehren und anerkannte Werkfeuerwehren als ‚Feuerwehr‘ auftreten dürfen, ist Zeus organisatorisch an die Freiwillige Feuerwehr Breitingen angegliedert, die Technik aber gehört dem Verein. Das Landratsamt Alb-Donau-Kreis sieht darin einen Graubereich zwischen kommunaler Feuerwehr und privatrechtlicher Organisation. Vor einem regulären Einsatz müssten Fragen zu Haftung, Versicherung und Kostentragung geklärt werden, etwa bei Schäden am Gerät, Folgekosten oder durch den Einsatz verursachten Schäden – das teilte eine Sprecherin des Landratsamts mit.
Auch beim Bedarf zeigt die Behörde Vorbehalte. Sie verweist auf die seit 2020 bestehende kreisweite Drohnenstaffel sowie auf Löschroboter, die bei Werksfeuerwehren in benachbarten Stadt- und Landkreisen bereits zur Verfügung stehen. Reale Einsatzszenarien für solche Technik seien bislang selten. Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg bewertet das Projekt ebenfalls zurückhaltend. Verbandspräsident Michael Wegel erklärte gegenüber dem SWR: „Grundsätzlich bleiben wir bei unseren bisherigen Techniken und Taktiken.“ Für einzelne Einsätze werde man die Geräte in Zukunft brauchen, einen breiten Durchbruch erwarte er aber nicht.
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Offener fällt die Reaktion aus dem bayerischen Nachbarlandkreis Günzburg aus. Christian Schröder, Fachkreisbrandmeister für Atemschutz, beobachtete eine Übung der Zeus-Gruppe und sieht Vorteile darin, dass die Technik Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung unterstützen könne. Eine Zusammenarbeit werde erwogen, Verträge gibt es bislang aber nicht. Schröder sagte gegenüber dem SWR, man schaue gerne über den Tellerrand und nehme neue Technik in den Blick.
Kilgus selbst räumt ein, dass bei Finanzen und rechtlichen Aspekten noch Arbeit vor dem Projekt liegt. Dennoch hält er an dem Vorhaben fest und sieht in Zeus ein Pilotprojekt, das anderen als Blaupause dienen könnte.