Plan auf der Insel Sylt

Pflichtfeuerwehr List soll wieder freiwillig werden

List/Sylt (SH) – Neue Leute, neue Wache, neue Fahrzeuge und vor allem neue Wege in Form einer neu gewonnenen Freiwilligkeit: Die Feuerwehr in List auf Sylt will am 1. April 2023, und das ist kein Scherz, die Weichen zur Rückkehr in die Organisation einer Freiwilligen Feuerwehr stellen. Seit 2005 waren die Retter in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands zwangsverpflichtet – damals war es die erste Pflichtfeuerwehr nach dem Zweiten Weltkrieg.

„Auf diesen Moment haben wir lange hingearbeitet“, sagt Felix Reder, von der Gemeinde eingesetzter Wehrführer der Feuerwehr List. Im Laufe der mittlerweile 18 Jahre hatte er vier Vorgänger, erst Ulrich Mumm, dann Andreas Fließ, dem Matthias Stahl folgte. Die Gemeinde hatte die vier Männer jeweils an die Spitze der Wehr gesetzt – einen Vorstand gab es nicht, auch keine Wahlen. Die Einheit nennt sich schon seit Jahren nur noch „Feuerwehr“, freiwillig ist sie eben nicht, auf den Zusatz „Pflicht“ wurde verzichtet.

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1997 war der gut 70 Jahre zuvor gegründeten Freiwilligen Feuerwehr List wegen fehlenden Personals erstmals von Amts wegen mit dem Entzug der Anerkennung gedroht worden. Im Frühjahr 2005 konnte die Entscheidung des Kreises nicht mehr abgewendet werden. Eine verbliebene Rumpftruppe von nur noch 18 Mann reichte nicht aus, um noch auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel für die geforderte Sicherheit zu sorgen. 43 Aktive waren damals nach der „Gliederung und Ausrüstung der Feuerwehren“ (Amtsblatt Schleswig-Holstein von 1998) für die Gemeinde nötig. Doch die fanden sich nicht freiwillig ein, um zu löschen und zu retten.

Nachdem vor einigen Jahren ein Feuerwehrbedarfsplan für die Gemeinde aufgestellt und das Fahrzeugkonzept angepasst worden war, möchten die Verantwortlichen jetzt den nächsten Schritt zur Rückkehr in die für Feuerwehrleute sonst übliche Normalität wagen: Beim Kreis Nordfriesland als Aufsichtsbehörde ging der Antrag zur Anerkennung als Freiwillige Feuerwehr eint. Zur Mitgliederversammlung am 1. April heißt es unter Top 8 „Wiederanerkennung der Freiwilligen Feuerwehr List auf Sylt“. Auch sämtliche Vorstandsposten sollen besetzt werden. Reder, der als Chef kandidieren möchte: „Wir setzen auf zwei stellvertretende Wehrführer, um die Führung möglichst breit aufzustellen.“

Die Feuerwehr List verfügt über ein HLF und ein TLF, beide Baujahr 2019.

Theoretisch gibt es in List unter den rund 1.700 Einwohnern etwa 800 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren, die für den Dienst bei der Feuerwehr eingezogen werden könnten. Problem nur, wie Fließ einst geschildert hatte: „Manchmal denke ich, List ist ein Ort der Kranken und Verhinderten.“ Denn Bürger, die den Einberufungsbescheid erhalten hatten, wehrten sich oftmals mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Zwangsdienst am Strahlrohr. So war es selbst als Pflichtfeuerwehr schwierig, die geforderte Sollstärke zu erreichen. Eine Verpflichtung konnte maximal zwölf Jahre eingefordert werden.

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Nordfrieslands früherer Kreiswehrführer Christian Albertsen unterstützte die Wehrführer, so gut er konnte. „Die Versuchswerkstatt für Pflichtfeuerwehr in List hat in den vergangenen Jahren Interesse in vielen anderen Kommunen geweckt“, so Albertsen. Denn Personalmangel bei den Feuerwehren war und bleibt vielerorts ein Thema. Sowohl der Kreiswehrführer wie auch die Gemeindeverwaltung hatten zahlreiche Anfragen aus der ganzen Republik bekommen. Alle wollten wissen, wie das funktioniert. Zwischenzeitlich gab es in Grömitz, Burg (Dithmarschen) und Friedrichstadt ebenfalls Pflichtfeuerwehren.

Verläuft die Versammlung wie geplant, muss die Gemeindevertretung später formell noch die Auflösung der Pflichtfeuerwehr beschließen. Bürgermeister Ronald Benck hatte schon vor Jahren die Notwendigkeit zur Umstrukturierung erkannt. „In Gesprächen kam das ein oder andere Mal durch, dass sich Menschen, die nach List ziehen wollten, wegen der Sorgen, in die Feuerwehr einberufen zu werden, anders entschieden haben“ so Benck. „Schlimmer ist in unseren Augen aber noch, dass wir junge Menschen aus der Einwohnerschaft verlieren, weil sie befürchten, sie könnten zum Dienst verpflichtet werden. Das ist mittlerweile wirklich ein großes Problem geworden“, sagte der Bürgermeister 2019. Ein Trend, der sich mit dem Ende der Pflichtfeuerwehr erledigen sollte. Und in List entsteht viel neuer Wohnraum für Insulaner, so dass Gemeinde und Feuerwehr hoffen, weitere Mitglieder gewinnen zu können.

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Auf Zusätze wie freiwillig oder Pflicht haben die Lister Feuerwehrleute bei der Beschriftung ihrer Fahrzeuge längst verzichtet. Sie sind einfach die Feuerwehr.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Junge Leute ziehen weg, weil sie befürchten in die Feuerwehr eingezogen zu werden. Mir fehlen die Worte. Aber Hilfe im Ernstfall wollen sie alle haben, oder wie? Was ist nur mit unserer Gesellschaft los???

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  2. Es stimmt mich traurig, daß es als Strafe angesehen wird, seinen Mitmenschen zu helfen. – Mir macht soetwas Freude und ich empfinde das Ehrenamt als Ehre.

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