Empörte Feuerwehrkameraden in Rheinland-Pfalz

Koblenz (RP) – Eine Aussage von RWE-Chef Peter Terium ließ bei vielen Feuerwehrangehörigen in Rheinland-Pfalz den Kragen platzen. In den Medien wurde RWE-Chef Terium zum Geschäftsbericht des Energiekonzerns zitiert. Es ging um seine Forderungen zu Zahlungen an die Energieversorger für das Vorhalten von Kohle- und Gasstrom. Terium erklärte dazu: “Die Feuerwehr wird ja auch nicht nur dann bezahlt, wenn sie den Brand löscht.” Doch es gibt noch mehr unzufriedene Stimmen zu anderen Themen.

Rheinland-PfalzDer LFV erhielt aus dem ganzen Bundesland empörte Meldungen von Feuerwehrkameraden. “Solch eine Aussage offenbart eigentlich enttäuschende Defizite sogar bei führenden Persönlichkeiten, was das Wissen über die Feuerwehren angeht”, betont der LFV-Präsident. Er fügt hinzu, dass er sicher sei, dass nicht allen bewusst sei, dass der Großteil des Brandschutzes von Ehrenamtlichen gestellt würde. “Da wird schließlich niemand bezahlt!”, so Hachemer.

Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes nahm dazu Stellung. “Die jüngsten Ereignisse und Äußerungen bezüglich der Feuerwehr, auch von öffentlichen Persönlichkeiten, zeigen genau das gesellschaftliche Problem auf, welches das Feuerwehrwesen in unserem Land hat: Wir genießen zwar laut Umfragen höchstes Ansehen, aber eine Vorstellung davon, was zum Betrieb und Erhalt unseres Feuerwehrwesens wirklich notwendig ist, haben viele Menschen leider nicht”, sagte Hachemer gegenüber feuerwehrmagazin.de. “Das ist gerade jetzt fatal, wo wir die breite Unterstützung für das Ehrenamt in allen Ebenen der Gesellschaft dringend brauchen.”

Urteil nach tödlichem Unfall sorgt für Enttäuschung

Zur enttäuschten Grundstimmung der Feuerwehrkameraden habe auch das kürzlich erwirkte Gerichtsurteil zum tödlichen Unfall in Worms 2008 gesorgt. Bei einer Silo-Explosion war ein Feuerwehrmann getötet worden. Aufgrund einer falschen Anordnung wurde der Einsatzleiter vom Amtsgericht Mainz für den Unfall verantwortlich gemacht. “Die Botschaft einer solchen Entscheidung ist verheerend”, betont der LFV-Präsident.

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Hachemer fasst die Rückmeldungen seiner Kameraden zusammen: “Wenn nicht mehr derjenige die Hauptverantwortung für schlimme Folgen trägt, der eine Gefahr überhaupt erst schafft, etwa durch Betreiben von Anlagen oder durch Lagerung von Stoffen und Waren, sondern allein diejenigen, die zum Beispiel daraus entstandene Brände bekämpfen – wer wird sich da künftig noch engagieren wollen? Ein Einsatzleiter kann immer auch Fehler machen. Aber er wird immer nach bestem Wissen und auf Basis aller Informationen Einsatz-Entscheidungen treffen. Wenn er dann den Kopf hinhalten soll, falls dies aus ihm gar nicht erkennbaren Gründen schiefgeht, wird sich künftig jeder Verantwortliche überlegen, ob er überhaupt tätig werden kann. Ein Schlag ins Kontor fürs Ehrenamt.”

Freistellungen als Aufreger

Ein weiterer Aufreger seien unter den Feuerwehrangehörigen die Einstellungen mancher Arbeitgeber zu Freistellungen ihrer Mitarbeiter für Feuerwehr-Einsätze. “Solche Arbeitgeber haben nicht erkannt, dass die ehrenamtliche Feuerwehr auch ihren eigenen Betrieb schützt”, macht Hachemer deutlich. “Viele Menschen denken leider: Die Feuerwehr kommt ja sowieso – wieso sollte ich da einen Beitrag leisten?”

Der rheinland-pfälzische LFV-Präsident fordert: “Es muss sich grundsätzlich an der Wahrnehmung etwas ändern. Das Wissen um die Bedeutung des Feuerwehrdienstes für jeden Bürger im Land und die Wertschätzung dürfen nicht nur in Sonntagsreden eine Rolle spielen!”

LFV diskutiert mit einer Kampagne

Er erläutert die Stimmung unter den Kameraden: “Die Feuerwehrleute spüren: In ihrem Bereich wird stets über Knappheit von Geldern gesprochen – andere Bereiche der Gesellschaft werden aber ungleich stärker mit höheren Geldbeträgen gefördert. Das nehmen die Ehrenamtlichen natürlich deutlich wahr. Und sie sehen einen Unterschied: Unsere Gesellschaft wird im schlimmsten Falle zwar immer ohne bestimmte Freizeitaktivitäten funktionieren – jedoch kaum ohne die Feuerwehr.” Der LFV diskutiert in seiner Kampagne “Deine Heimat – Deine Feuerwehr” über Ehrenamt, Nachwuchs und Identifikation mit der Feuerwehr.

10 Kommentare zu “Empörte Feuerwehrkameraden in Rheinland-Pfalz”
  1. Erst wenn das letzte Feuerwehrhaus wegen Renovierungsstau vergammelt, das letzte Einsatzfahrzeug wegen knapper Haushaltsmittel eingespart, der letzte Ehrenamtler wegen des beruflichen Drucks ausgetreten ist, werden sie erkennen, dass man mit warmen Worten keine Feuer löschen kann.

  2. vieleicht sollten mal alle freiwilligen feuerwehrkameraden einfach mal zuhause bleiben wenns brennt dann merken die abgehobenen bonzenköppe was die nicht bezahlten kräfte leisten….. aber das sind ja die ersten die brüllen wenn mal was länger dauert

  3. Max Dickes

    Endlich ich habe nur auf solch einen Bericht gewartet….

  4. Hierzu kann ich nur folgendes sagen und das sollten sich Politiker wie auch Firmenchefs hinter die Ohren schreiben:
    “Wütet das Feuer in deinen Haus (Firma) rufst du nach Gott und Feuerwehr aus, ist gelöscht das Flammenmeer, dann vergisst du Gott und die Feuerwehr”

  5. Mathias Fischer

    Kenne einen Kreishandwerksmeister , der sinngemäß sagt: “Ich bezahle Steuern, dann soll auch eine Berufsfeuerwehr kommen. Also brauchen wir keine freiwilligen Feuerwehren” und ” Wenn Feuerwehrleute am Gerätehaus bauen, so ist das Schwarzarbeit”

  6. Lieber Präsident Frank Hachemer . Auch Ihre Worte werden verhallen wie das Hornberger Schießen . Geben Sie doch mal konkrete Hinweise wie man(n) auf dieses Problem hinweisen könnte . Mein Vorschlag : für jeden Einsatz die Sirene Laufen lassen (Ölspur , Tierrettung , und und und ) . Das wird ein Spass unter der Bevölkerung

  7. Lieber Bernd Swoboda,danke für die Meinung, unsere Initiative werde verhallen.
    Natürlich gibt es diese Erfahrung, dass man gegen Windmühlen angeht. Aber unser Landesfeuerwehrverband macht gleich dutzende Angebote, was man so alles tun kann! Wir sind außerdem dabei, unsere Aktiven überall einzubeziehen und mit dieser gemeinsamen Power hier Verbesserungen zu erreichen – denn das ist in meinen Augen als Präsident eines LFV der Sinn der Verbände.
    Und dann werden unsere Wort auch Gehör finden. Entschuldigung, dass ich da noch Zuversicht habe, aber ich sehe eben das gewaltige Potenzial, das wir haben.
    Feuerwehr betrifft jede(n) und ist eine bisher leider unerkannte (Wähler-) Macht!

  8. Die Entwicklungen sind echt erschreckend. Und das nicht nur im Ehrenamt, sondern auch im Berufssektor. Gekürzt und gestrichen wird bundesweit.
    Wo soll die Entwicklung hin führen ???
    Und zum Thema Sirenen bei jedem Einsatz: Von mir aus gern!!!
    Aber heute klagt doch täglich irgendwer gegen den Einsatz von Sondersignalanlagen bei Einsatzfahrten. Solange diese Möglichkeiten bestehen, wird sich in diesem Land nichts ändern!

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