Sprachbot statt Warteschleife

Münchner Feuerwehr setzt KI-Sprachbot für Krankentransporte ein

München (BY) – Die Branddirektion München lässt geplante, nicht-kritische Krankentransporte künftig von einem KI-Sprachbot aufnehmen. Notrufe über die 112 bleiben beim Menschen. In der Leitstelle sollen dadurch Kapazitäten für zeitkritische Anrufe frei werden.

Teilnehmer der Microsoft AI Tour, bei der der KI-Sprachbot für die Aufnahme geplanter, nicht-kritischer Krankentransporte der Branddirektion München vorgestellt wurde. (Bild: Microsoft Deutschland GmbH)

In der Integrierten Leitstelle der Branddirektion München laufen nach Angaben der Beteiligten täglich rund 2.500 Anrufe zusammen, darunter etwa 400 Anfragen für Krankentransporte. Weil Notrufe immer Vorrang haben, kann die Abstimmung zu planbaren Transporten zwischen Leitstelle und Kliniken derzeit zu Wartezeiten von mehreren Minuten führen.

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Genau an dieser Stelle setzt das Projekt an: Gemeinsam mit Microsoft Deutschland hat die Branddirektion einen KI-Sprachbot entwickelt, der ausschließlich geplante, nicht-kritische Krankentransporte entgegennimmt, etwa Verlegungen in ein anderes Krankenhaus. Laut Branddirektion habe die Pilotphase gezeigt, dass der Bot die relevanten Informationen in der Erstannahme strukturiert erfasst. Für die Leitstelle entfällt damit pro Anruf eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 3,5 Minuten, die sonst durch Mitarbeitende abgedeckt werden müsste.

Wichtig ist die klare Aufgabenverteilung: Notrufe über die 112 werden weiterhin von geschultem Personal in der ILS angenommen. Der Bot arbeitet mit einer mehrstufigen Absicherung: Er fragt Pflichtangaben ab, anschließend werden Angaben und Ort per Abgleich mit Datenbanken geprüft. Abschließend kontrollieren ausgebildete Dispatcher die Plausibilität und disponieren geeignete Rettungsmittel – Entscheidungen bleiben damit beim Fachpersonal. Erkennt die KI Unsicherheiten oder einen möglichen Notfall, wird der Anruf sofort an menschliche Calltaker übergeben; das gilt auch bei Unstimmigkeiten in der Krankentransportbestellung.

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Kurz erklärt: Das kann der Bot – und das nicht

  • nimmt nur geplante, nicht-kritische Krankentransporte an
  • hat keinen Einfluss auf die Zuweisung von Fahrzeugen und nennt keine Wartezeit
  • kann Transporte nicht stornieren oder ändern
  • Rückfall ist jederzeit möglich: Umleitung zum Disponent

Technisch basiert die Lösung nach Angaben der Projektpartner auf Microsoft Azure. Dies umfasst unter anderem eine Ortsverifikation über Azure AI Search sowie eine HD-Voice-Technologie. Für den Einsatz waren Datenschutz und IT-Sicherheit von Beginn an Voraussetzung: Anrufannahme und Datenspeicherung erfolgen in der Umgebung der Branddirektion München. Die Lösung erfülle relevante regulatorische Anforderungen, darunter Vorgaben des europäischen AI Act und BSI-Richtlinien.

Getestet wurde der Sprachbot unter anderem am LMU Klinikum Großhadern. Dessen Notaufnahme behandelt laut Prof. Dr. Matthias Klein bis zu 150 Patient pro Tag, 40 bis 50 davon werden stationär aufgenommen. Verzögerte Transportanmeldungen könnten dazu führen, dass Patient zwar behandelt sind, die Notaufnahme aber nicht verlassen können. In seinem Fazit zur Testphase beschreibt Klein, dass Transporte sofort angemeldet werden konnten, fehlende Informationen gezielt nachgefragt wurden und es keine Warteschleife gab.

Der KI-Sprachbot soll die Integrierte Leitstelle der Branddirektion München bei Krankentransporten entlasten. In der ILS gehen täglich rund 2.500 Anrufe ein, darunter etwa 400 Transportanfragen. (Bild: Microsoft Deutschland GmbH)

Nach einem Testbetrieb im Februar ist ein mehrstufiger Roll-out am LMU Klinikum Großhadern im Frühjahr geplant. Ziel ist es laut Projektbeschreibung, die Lösung schrittweise auf weitere Kliniken in München und anschließend in ganz Bayern auszuweiten. Während der Einführung steht der Sprachbot laut FAQ zunächst Krankenhäusern und Arztpraxen über eine Sondernummer zur Verfügung; die Transportnummer 19222 bleibt unangetastet. Branddirektor Wolfgang Schäuble begründet den Schritt mit steigenden Zahlen und Grenzen bei Personal und Raum: „Die Automatisierung war für uns eine Notwendigkeit. Man kann sagen: Die KI hilft – der Mensch rettet.“

Schon Thema im Feuerwehr-Magazin: In der Februar-Ausgabe haben wir das Feld „KI in der Leitstelle“ mit Blick auf Live-Übersetzung bei Sprachbarrieren in der ILS Bayreuth/Kulmbach bereits beleuchtet. Der Münchner Ansatz setzt nun an anderer Stelle an: Nicht die Übersetzung im Notruf, sondern die strukturierte Annahme planbarer Krankentransporte soll die Leitstelle entlasten.

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