Interview

DFV-Präsident Banse zu CTIF-Wettkämpfen 2026: „Absage war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens“

Berlin – Im 4-Jahres-Rhythmus messen sich Einsatzkräfte bei den Internationalen Feuerwehrwettkämpfen des Weltfeuerwehrverbandes CTIF. Was 1961 in Bad Godesberg (NW) mit 51 Gruppen aus 11 Nationen begann, ist heute ein Großereignis mit mehreren Tausend Teilnehmenden aus mehr als 30 Ländern. 2026 hätte Deutschland Gastgeber sein sollen – mitten in der Hauptstadt Berlin, im Jubiläumsjahr der ältesten Berufsfeuerwehr des Landes. Doch im Juni 2025 zog der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) die Reißleine: Die 18. Internationalen Feuerwehrwettbewerbe in Berlin wurden abgesagt. Fehlende Finanzierung, ein Regierungswechsel mit unklaren Zuständigkeiten, ausbleibende Sponsorengelder – am Ende fehlte ein Millionenbetrag, der die Durchführung verhinderte.

Symbolbild: DFV | Oestreicher

Die Feuerwehrverbände von Österreich und Tschechien sind daraufhin kurzfristig eingesprungen. Erstmals in der Geschichte der CTIF-Wettbewerbe teilen sich damit zwei Nationen die Ausrichtung: Die Jugendfeuerwehrbegegnung findet vom 13. bis 19. Juli 2026 im tschechischen Šumperk statt. Die traditionellen Internationalen Feuerwehrbewerbe folgen vom 22. bis 26. Juli 2026 in Eisenstadt, wo rund 130 Gruppen aus etwa 20 Nationen erwartet werden. Die Internationalen Feuerwehrsportwettkämpfe vom 17. bis 22. August im tschechischen Ostrava schließen die Veranstaltungsreihe ab. Der vierjährige Rhythmus ist gesichert – aber ohne Deutschland als Gastgeber.

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Dabei bleiben die deutschen Feuerwehrteams nicht einfach zuhause. Mit rund 280 Personen reisen sie als eine der größten Delegationen aller Nationen an: 13 Mannschaften für den traditionellen Wettbewerb in Eisenstadt, 4 Sportteams für Ostrava und 3 Jugendgruppen für Šumperk, dazu 30 Schieds- und Kampfrichter.

DFV-Präsident Karl-Heinz Banse nennt die Absage eine der schwersten Entscheidungen seiner Amtszeit. Im Interview erklärt er, wann ihm klar wurde, dass es nicht funktionieren würde, wie der Weltverband reagiert hat – und warum er die Aufteilung auf zwei Länder für ein sinnvolles Zukunftsmodell hält.

Feuerwehr-Magazin: Herr Banse, die Internationalen Wettbewerbe der CTIF stehen vor der Tür. Zum ersten Mal in der Geschichte finden sie in zwei unterschiedlichen Ländern statt. Wie ist denn der Stand der Vorbereitung? Was macht der DFV, um Sportlerinnen und Sportler zu unterstützen?

Karl-Heinz Banse: Wir freuen uns sehr auf die im Juli und August stattfindenden Meisterschaften in Tschechien und in Österreich. Die Vorbereitungen bei uns laufen auf Hochtouren. Die Mannschaften sind gut trainiert und bereit, ihre Leistungen abzuliefern. Wir freuen uns sehr darauf, dass wir starke Mannschaften haben, die die deutschen Feuerwehren dort vertreten. Der Deutsche Feuerwehrverband stellt für die Teams einheitliche Trikots zur Verfügung. Die Organisation für unsere „Nationalmannschaft“ ist in vollem Gange. Wir sind jetzt schon ganz heiß darauf, nach Österreich und Tschechien zu reisen, um die Sportwettbewerbe mitzuerleben.

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Feuerwehr-Magazin: Wie viele Mannschaften, Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland nehmen daran teil?

Karl-Heinz Banse: Es gibt klare Quoten, wie viele Mannschaften jedes Land entsenden darf. Das schöpfen wir als deutscher Verband voll aus. 13 Mannschaften nehmen am Internationalen Wettbewerb in Eisenstadt in Österreich teil. Nach Ostrava in Tschechien reisen 4 Teams aus dem Bereich Feuerwehrsport, ins ebenfalls tschechische Šumperk 3 Mannschaften für die Deutsche Jugendfeuerwehr. Zusätzlich entsenden wir 30 Schieds- beziehungsweise Kampfrichter. Deren Erfahrung ist international sehr angesehen. Wenn ich einmal alles zusammenrechne, ist die deutsche Delegation etwa 280 Personen stark. Das ist schon eine Hausnummer.

Feuerwehr-Magazin: Es ist ungewöhnlich, dass die Wettbewerbe in zwei Ländern stattfinden. Aufgrund fehlender Finanzierung konnte der DFV die Wettbewerbe nicht ausrichten und hat die Bewerbung zurückgezogen. Wie sind die anderen Verbände damit umgegangen?

Karl-Heinz Banse: Wir haben das große Glück, dass Österreich sehr viel Erfahrungen im Bereich der traditionellen Wettbewerbe hat. In den österreichischen Feuerwehren wird dieser traditionelle Wettbewerb intensiv betrieben, ja regelrecht zelebriert. Sie kennen sich bestens aus mit Wettbewerben dieser Größenordnung. Der Aufwand für die österreichischen Verantwortlichen ist nicht ganz so hoch, wie er bei uns gewesen wäre. In Berlin hätten wir etwas ganz Neues aufbauen müssen. Das ist in Österreich professionell machbar, es besteht ein hoher Organisationsgrad und dort gibt es auch eine andere Form der Unterstützung. Als sie das letzte Mal die Weltmeisterschaft ausgerichtet haben [Villach, 2017, Anm. d. Red.], hat beispielsweise ein großer Radio- und Fernsehsender die Durchführung unterstützt – medial und finanziell. Das sind alles Dinge, die wir in Deutschland bei Feuerwehrveranstaltungen in dieser Form nicht kennen.

Auch in Tschechien gibt es sehr viel Know-how. Ich vermute, dass sich der Staat stärker beteiligt als bei uns, weil das Feuerwehrwesen in Tschechien anders strukturiert ist. Der Direktor der Feuerwehren ist ein richtiger General. Der Feuerwehrsport hat dort auch eine lange Tradition. Er ist von hohem Stellenwert. In Deutschland sind wir damit einer von vielen Wettbewerben.

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Feuerwehr-Magazin: Wie hat der Weltfeuerwehrverband CTIF auf die Absage reagiert?

Karl-Heinz Banse: Sie waren einerseits froh, dass wir es rechtzeitig gemacht haben. Das hatte ich mit dem Präsidenten des CTIF auch so besprochen. Er wusste schon rund ein halbes Jahr vorher, dass die Veranstaltung bei uns auf der Kippe steht. Insofern gab es in dem Sinne keine große Enttäuschung. Andererseits war der Weltverband natürlich nicht begeistert. Aber er hat die Entscheidung akzeptiert. Wir müssen uns zwar manchmal schon von anderen Verbänden den einen oder anderen Seitenhieb gefallen lassen, aber das ist halt so, wenn man sowas absagt. Da wird auch gern mal gefrotzelt. Damit müssen wir leben. Andere sehen Deutschland oft als den größten und stärksten Verband. Das mag nominell so sein. Aber wir sind eben keine staatlichen Feuerwehren, wir sind kommunale Feuerwehren. Wir leben von unseren Kommunen und unseren Vereinen. Da ist nicht der Staat dahinter und sagt: “Komm, ihr seid unsere wichtigste Einrichtung, wir geben euch auch das Geld und die Organisation, um so eine Veranstaltung durchzuführen.” Das ist bei uns ein bisschen anders. Und die Organisation von Großveranstaltungen ist natürlich auch eine Herausforderung. In vielerlei Hinsicht. Für uns und sicherlich auch für Andere. Wir sind nicht etwa das Internationale Olympische Komitee oder eine professionelle Veranstaltungsagentur.

Feuerwehr-Magazin: Als Begründung für die Absage wurden der Regierungswechsel und damit einhergehend neue Zuständigkeiten und die schwierige finanzielle Situation genannt. Wann haben Sie persönlich gemerkt, dass die Organisation der Wettbewerbe nicht funktioniert?

Karl-Heinz Banse: Das war etwa ein Vierteljahr vorher, bevor wir abgesagt haben. Da wurde immer deutlicher, dass es nicht klappen wird. Es kamen zögerliche oder keine Antworten aus dem Bundesinnenministerium. Zuständigkeiten wurden verschoben.

Es gab dann Vorschläge seitens der Berliner Feuerwehr, die Wettbewerbe etwas zu kürzen, also die Veranstaltungsdauer von einer Woche auf drei Tage runterzufahren. Das hätte eventuell zu Einsparungen geführt. Letztlich aber nicht in dem Maße, dass wir das trotzdem hätten finanzieren können. Abgesehen davon, wäre das für die Sportlerinnen und Sportler aufgrund eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten auch nicht gut gewesen.

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Feuerwehr-Magazin: Die Kosten für die Veranstaltung wurden auf rund 3 Millionen Euro beziffert. War die Finanzierung das Problem oder das fehlende politische Bekenntnis dahinter?

Karl-Heinz Banse: Das ist natürlich eine schwere Frage. Im Endeffekt hat das Geld gefehlt. Sowohl von der Wirtschaft, wo wir uns viel mehr versprochen haben, als auch von den staatlichen Organisationen, also von Land und Bund. Da hätte mehr kommen müssen. Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation, die wir hatten, war die Wirtschaft nicht in der Lage, mehr zu tun. Einer unserer Partner wollte einen hohen Betrag beisteuern, der hätte uns sehr geholfen. Aber von den weiteren potentiellen Unterstützern haben wir verhaltene beziehungsweise keine Unterstützung erfahren. Wir waren zuversichtlich, dass wir die Summe gemeinsam und mit den Sponsoren auftreiben. Aber wenn die Sponsoren abwinken und sagen „Es geht uns selbst nicht gut“, da wusste man, dass es schwierig wird.

Es sind viele Faktoren zusammengekommen bei dieser Weltmeisterschaft, die uns letztendlich dazu gebracht haben, abzusagen. Es hat uns sehr leidgetan. Das war für mich eine der schwersten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Das muss ich klar sagen. Aber im Endeffekt muss ich zum Wohle des Verbandes entscheiden. Das hätte den Verband finanziell ruiniert. An dieser Stelle muss ich auch eine negative Entscheidung treffen, das gehört auch zum Führen. Man kann nicht immer nur positive Entscheidungen treffen.

Feuerwehr-Magazin: Wenn wir nach vorne blicken: Ist es realistisch, dass Deutschland zukünftig wieder als Ausrichter der Feuerwehrwettbewerbe in Frage kommt? Unter welchen Bedingungen könnte das stattfinden?

Karl-Heinz Banse: Also in Frage kommen wir natürlich immer und sind auch bereit. Aber die Rahmenbedingungen müssen passen. Wenn ich sagen würde: „Wir richten die Wettbewerbe aus“, bestünden sicherlich große Chancen. Der Weltverband sucht dringend Ausrichter. Im Augenblick sind wir aber zurückhaltend, das können Sie sicherlich nachvollziehen. Und ich habe auch das Gefühl, dass sich das Konzept ändern wird. Bisher fanden alle drei Teil-Wettbewerbe zum gleichen Zeitpunkt an einem Ort statt, eine Riesenveranstaltung. Es wird offensichtlich immer schwieriger einen Veranstalter beziehungsweise Veranstaltungsort zu finden, der das allein leisten kann. Jetzt wurde die Veranstaltung auf zwei Länder aufgeteilt. Es kann sein, dass noch mal ein Ausrichter kommt, der alles macht. Aber ich denke, es ist sinnvoller, die Wettbewerbe aufzuteilen. Das ergibt Sinn und macht das Ganze auch lösbar. So ähnlich wie bei den Olympischen Spielen. Dort sieht man auch Bewerbungen, bei denen nicht länger eine einzige Stadt auftritt, sondern sich ganze Regionen bewerben.

Symbolbild: DFV | Oestreicher

Feuerwehr-Magazin: Natürlich hätte so eine Veranstaltung auch eine große Signalwirkung, insbesondere für die Nachwuchsgewinnung und den Stellenwert des Ehrenamtes. Wie sehr schmerzt es, dass Deutschland nicht Gastgeber sein kann?

Karl-Heinz Banse: Im Moment boomen unsere Jugend- und Kinderfeuerwehren. Wir haben ganz oft Aufnahmestopps und Wartelisten. Man hat uns prognostiziert, der demografische Wandel werde uns in dieser Zeit ganz massiv treffen. Bisher hat er es nicht getan. Gott sei Dank. Natürlich wäre diese Meisterschaft noch mal ein Push gewesen, hätte Pluspunkte gebracht. Im Augenblick haben wir aber keine Probleme, junge Menschen für uns zu gewinnen, ganz im Gegenteil. Hinzu kommt ein ganz anderes Thema, das auch eine Rolle spielt: Die Diskussionen über die Wehrpflicht. Wer ein bisschen überlegt, der kommt schnell zu dem Schluss: Wenn es eine Wehrpflicht gibt, dann gibt es doch wieder einen Ersatzdienst. Und wenn ich bei der Feuerwehr bin und mich für einige Jahre verpflichte, dann muss ich nicht zur Bundeswehr gehen. Insofern gibt es in diesem Punkt keine negativen Auswirkungen.

Feuerwehr-Magazin: Gibt es etwas, das Sie den Sportlerinnen und Sportlern mit auf den Weg geben wollen?

Karl-Heinz Banse: Ich wünsche ihnen allen viel Erfolg, viel Spaß und tolle Veranstaltungen. Besonders freue ich mich, wenn unsere Mannschaften – wie bei den letzten Wettbewerben – wieder oben auf dem Treppchen stehen. Wir werden sie unterstützen. Ich selbst werde unsere Sportler an den Wettkampfstätten besuchen und wünsche ihnen eine schöne Zeit und viele Gespräche mit netten Menschen. Bei diesen Veranstaltungen können Netzwerke gebildet und gepflegt werden, viele ausländische Feuerwehren sind dort. Deswegen ist es schade, dass wir die Wettbewerbe nicht selbst ausrichten konnten. Aber ich weiß ganz genau: In Österreich und in Tschechien werden sich viele Freundschaften und Partnerschaften bilden. Das ist eine hervorragende Sache.

Interviewer: Matthias Hendrich

Chefredakteur

matthias.hendrich@ebnermedia.de


Die Disziplinen im Überblick

Traditionelle Internationale Feuerwehrwettbewerbe (Eisenstadt, 22. – 26. Juli 2026)

Gruppen aus Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren und Frauenmannschaften treten in zwei Kerndisziplinen an: beim Löschangriff simuliert die neunköpfige Mannschaft einen realen Einsatz „auf dem Trockenen“ – Wasserentnahme offenes Gewässer, Schlauchleitung aufbauen, 2 C-Rohre vornehmen. Beim Staffellauf absolvieren die Teilnehmer eine Hindernisbahn auf Zeit. Gewertet wird in Klasse A (ohne Alterszuschläge) und Klasse B (mit Alterszuschlägen für ältere Mannschaften). Erwartet werden rund 130 Gruppen aus etwa 20 Nationen.

Internationale Feuerwehrsportwettkämpfe (Ostrava, 17. – 22. August 2026))

Der athletisch anspruchsvollste Teil der Feuerwehrwettbewerbe. Einzeldisziplinen sind der 100-Meter-Hindernislauf (mit Eskaladierwand) und das Hakenleitersteigen, bei dem die Sportler einen 10,85 Meter hohen Turm mit einer Hakenleiter erklimmen – und das in unter 15 Sekunden. Als Mannschaftsdisziplinen stehen die 4×100-Meter-Hindernisstaffel und der Löschangriff Nass auf dem Programm. Die kombinierten Zeiten aus Hakenleitersteigen und 100-Meter-Lauf ergeben die begehrte Zweikampfwertung.

Internationale Jugendfeuerwehrwettbewerbe (Šumperk, 13. – 19. Juli 2026)

Für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren. Der Wettbewerb findet im Zweijahresrhythmus statt. Die Gruppe (Stärke 1:8 und 1 Reserveperson) tritt in zwei Disziplinen an: der Feuerwehrhindernisübung, bei der mehrere Aufgaben auf Zeit und Regelkonformität bewertet werden, und dem 400-Meter-Staffellauf mit Hindernissen, bei dem die Jugendlichen mit einem C-Strahlrohr als Staffelstab starten. Sechs der neun Bahnabschnitte enthalten Hindernisse.

 

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