Ahrtal (RP) – Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe blickt das Technische Hilfswerk (THW) auf seinen bislang größten Einsatz zurück. Rund 17.000 THW-Kräfte waren insbesondere im Ahrtal über etwa ein halbes Jahr im Einsatz. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit mit Feuerwehren und weiteren Organisationen.
Starkregen lässt im Juli 2021 die Ahr und ihre Nebenflüsse über die Ufer treten. Im Ahrtal beseitigen Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr die betroffenen Ortschaften gemeinsam von Schutt und Trümmern. (Bild: THW/Rubusch)
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hatte Starkregen durch das Tiefdruckgebiet „Bernd“ vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ganze Landstriche überflutet. Einsatzkräfte von THW, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Polizei und Bundeswehr retteten Menschen, beseitigten Gefahren und arbeiteten daran, zerstörte Infrastruktur zumindest behelfsmäßig wieder nutzbar zu machen.
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Für das THW entwickelte sich die Hochwasserlage zum größten Einsatz in seiner mehr als 75-jährigen Geschichte. Zu Spitzenzeiten waren nach Angaben der Bundesanstalt täglich rund 4.000 haupt- und ehrenamtliche THW-Kräfte eingesetzt. Helferinnen und Helfer aus den damals 668 Ortsverbänden leisteten insgesamt mehr als 2,7 Millionen Arbeitsstunden.
Daniel Gronwald, Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbands Sinzig, bezeichnet die Bewältigung der Katastrophe rückblickend als Gemeinschaftsleistung. Er erlebte den Einsatz selbst und war zeitweise als Fachberater im Koordinierungsstab des Landes Rheinland-Pfalz tätig.
(Bild: Feuerwehr-Magazin /Jung)
THW wird auf Anforderung tätig
Die Zusammenarbeit von THW und Feuerwehr folgt dabei festen Strukturen. Während der Zivilschutz Aufgabe des Bundes ist, liegt der Katastrophenschutz bei den Ländern. Das THW wird bei Naturkatastrophen und besonders schweren Unglücksfällen nicht eigenständig tätig. Seine Einheiten werden von zuständigen Behörden oder Organisationen angefordert, beispielsweise von örtlichen Feuerwehren.
Über diese Amtshilfe lassen sich spezialisierte Kräfte, Fahrzeuge und Geräte gezielt in die jeweilige Führungsstruktur der Gefahrenabwehr einbinden. Gerade bei großflächigen Schadenslagen kommt es dabei auf klar geregelte Zuständigkeiten an.
Welche Bandbreite technischer Fähigkeiten im Sommer 2021 benötigt wurde, zeigte sich im Verlauf des Einsatzes. THW-Kräfte retteten zunächst Menschen aus den Fluten und pumpten Wasser ab. Später gehörten unter anderem Räumarbeiten, die Unterstützung bei Strom- und Trinkwasserversorgung, die Begutachtung beschädigter Gebäude sowie die Überwachung von Wasserständen zu den Aufgaben.
Die THW-Fachgruppe Wassergefahren errichtet eine Ponton-Brücke über die Ahr. (Bild: THW/Walsdorf)
Mehr als 110.000 Liter pro Minute
Ein Beispiel für das gemeinsame Vorgehen von THW und Feuerwehr war die Steinbachtalsperre im nordrhein-westfälischen Euskirchen. Dort drohte aufgrund der Wassermassen ein Dammbruch.
THW-Helferinnen und -Helfer förderten gemeinsam mit Feuerwehreinheiten mit Hochleistungspumpen mehr als 110.000 Liter Wasser pro Minute aus dem Stausee. Dadurch sollte der Druck auf den Staudamm verringert werden.
Auch an zahlreichen weiteren Einsatzstellen ergänzten sich die Fähigkeiten der Organisationen. Das THW übernahm dabei insbesondere technische und logistische Aufgaben, die zugleich die Arbeit anderer Einsatzkräfte unterstützten.
Auf dem BR am Nürburgring waren zeitweise knapp 5.000 Kräfte untergebracht. (Bild: THW/Hannig)
Die während der Katastrophe gewachsene Zusammenarbeit hat nach Angaben des THW in der Region Bestand. Feuerwehr, Hilfsorganisationen und THW arbeiten auch heute bei Einsätzen zusammen. Die Erfahrungen aus dem Sommer 2021 flossen zudem in die interne Nachbereitung des THW ein.
Der vollständige Gastbeitrag von Theresa Hendlmeier (THW-Pressestelle) in Feuerwehr-Magazin 8/2026 zeigt unter anderem, wie THW und Feuerwehr zerstörte Verkehrswege wieder zugänglich machten, welche Rolle die mobile Trinkwasserversorgung und der Bereitstellungsraum am Nürburgring spielten und wie Erkenntnisse aus dem Fluteinsatz in die weitere Ausstattung des THW eingeflossen sind.
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