Hörselberg-Hainich (TH) – 215 Aktive, zehn Standorte und ein Gemeindegebiet von 142 Quadratkilometern: Die Feuerwehr Hörselberg-Hainich aus dem Wartburgkreis muss unterschiedliche Gefahrenlagen und örtliche Voraussetzungen unter einen Hut bringen. Vieles, was dabei hilft, haben die Freiwilligen selbst aufgebaut, umgebaut oder weiterentwickelt.
Für das Mannschaftsfoto hat sich die FF Hörselberg-Hainich auf dem Flugplatz auf dem Kindel versammelt. Die Gemeindefeuerwehr umfasst 215 Aktive, 120 Mitglieder der JF und 21 Fahrzeuge. (Bild: Feuerwehr)
Montagabend in Behringen. Im Schulungsraum des Feuerwehrhauses läuft das Zirkeltraining, draußen warten die Einsatzfahrzeuge auf ihren monatlichen Check. Zehn Übungen gehören zum Sportprogramm, danach geht es für die Aktiven weiter zum Technischen Dienst. Aus Fitness wird Fahrzeugpflege, aus Sportkleidung Einsatzalltag.
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An diesem Abend zeigt sich im Kleinen, was die Gemeindefeuerwehr prägt. Die Mitglieder kümmern sich nicht nur um Ausbildung und Einsätze. Sie prüfen Geräte, erledigen kleinere Reparaturen, halten ihre Feuerwehrhäuser in Schuss und passen Ausrüstung an die eigenen Anforderungen an.
In Behringen kontrollieren die Einsatzkräfte unter anderem das LF 10/6. Pumpe und Beleuchtung werden geprüft, Tragkraftspritze und Motorkettensäge gestartet, Füllstände und weitere Einsatzmittel kontrolliert. Für jedes Fahrzeug gibt es dafür eine eigene Checkliste. Parallel arbeiten Kameraden am TLF 16/24, dessen Beladung längst über die ursprüngliche Ausstattung hinausgeht. Unter anderem führt das Fahrzeug vier Pressluftatmer und zusätzliche Ausrüstung für Vegetationsbrände mit.
Die Einsatzfahrzeuge der FF Behringen im Innenhof des Schlosshotels: VRW, LF 10/6, TLF 16/24 und MZF. (Bild: Hendrich)
Zehn Feuerwehren in einer Flächengemeinde
Die heutige Gemeinde Hörselberg-Hainich entstand am 1. Dezember 2007 aus Behringen und Hörselberg. Ihre 17 Ortsteile verteilen sich auf 142 Quadratkilometer. Zehn Ortsfeuerwehren teilen sich seitdem Ressourcen und Verantwortung.
Nach der Gemeindefusion blieben größere Investitionen zunächst vielfach aus. Einen Wendepunkt brachte nach Angaben der Verantwortlichen ein Brandschutzbedarfsplan aus dem Jahr 2022. Seitdem wurden die Mittel erhöht und mehrere Vorhaben angestoßen.
Zu den geplanten Beschaffungen gehören ein TLF 4000 St für Behringen, ein TSF-W für Craula sowie drei HLF 10 für die Kernfeuerwehren Behringen, Sättelstädt und Großenlupnitz. Auch an den Standorten selbst wird gearbeitet. Die Sanierung des Gerätehauses in Wenigenlupnitz gehört ebenfalls zu den geplanten Vorhaben. Zwei Löschwasserzisternen in Hütscheroda und Beuernfeld hat die Gemeinde bereits realisiert.
Die Einsatzabteilung der FF Großenlupnitz freut sich sichtlich, dass sie der Besucher des FM auch beim Einsatz an einem Logistikzentrum ablichtet. (Bild: Hendrich)
Was vorhanden ist, wird passend gemacht
Nicht jede Verbesserung beginnt allerdings mit einer Neubeschaffung. In mehreren Ortsfeuerwehren gehören Eigenbauten und Umbauten seit Jahren zum Alltag.
Ein auffälliges Beispiel steht in Sättelstädt. Dort versieht ein ehemaliger Wasserwerfer 4000 des Bundesgrenzschutzes weiterhin Dienst. Metz baute das Fahrzeug 1975 auf einem Mercedes-Benz LA 1113 B auf. Die Feuerwehr lackierte es feuerrot und passte es für ihre Zwecke an. Heute dient der Oldtimer mit seinen 4.000 Litern Wasser vor allem als Wasserträger. Perspektivisch soll er durch das TLF 16/24 aus Behringen ersetzt werden, sobald dort das neue TLF 4000 St in Dienst geht.
Auch bei der Ausbildung setzt Sättelstädt auf einen eigenen Ansatz. Bei Improvisationsübungen erhalten die Einsatzkräfte Aufgaben, für die es keine vorgefertigte Standardlösung gibt. Gelöst werden müssen sie mit dem Material, das auf den Fahrzeugen vorhanden ist. Bei gemeinsamen Übungen mit der FF Kälberfeld werden zusätzlich die Mannschaften gemischt. So sollen die Aktiven auch Fahrzeuge und Ausrüstung der jeweils anderen Einheit kennenlernen.
Die „Wasserkuh“ der FF Sättelstädt: Der ehemalige Wasserwerfer 4000 der Polizei ist seit mehr als 50 Jahren im Einsatz. (Bild: Hendrich)
Vom gefährdeten Standort zur wachsenden Wehr
Wie stark sich eine Ortsfeuerwehr verändern kann, zeigt Craula. Noch vor sechs Jahren wurde nach Angaben von Wehrleiter Marko Schwabe wegen der geringen Mitgliederzahl über eine Schließung gesprochen. Heute zählt die Einsatzabteilung 33 Mitglieder. In den vergangenen zwei Jahren verdoppelte sie sich, zuletzt trat eine Gruppe von acht Kameraden gemeinsam ein.
Auch dort ist Eigenleistung sichtbar. Die Feuerwehr baute einen ehemaligen Düngerschuppen zur Fahrzeughalle um. Noch 2024 fehlte ein Wasseranschluss. Später kamen neue Sanitäranlagen hinzu, 2026 entstand aus einem Abstellraum eine Umkleide. Estrich- und Malerarbeiten übernahmen die Aktiven selbst.
Noch steht in Craula ein Robur LO 2002 A aus dem Jahr 1990 im Einsatzdienst. Für den hoch gelegenen Ort hat der Allrad-Oldtimer besonders im Winter Bedeutung. Ein TSF-W von Rosenbauer soll das Gespann im Mai 2027 ablösen.
Ungewöhnliche Sitzordnung: Im Heck des LF 8/TS8 auf Robur LO 2002 A nimmt die Mannschaft der FF Craula zwischen verlasteten Einsatzmitteln Platz. (Bild: Hendrich)
Gemeinsame Ausbildung verbindet die Standorte
Bei aller Eigenständigkeit der zehn Ortsfeuerwehren wächst zugleich die Zusammenarbeit. Atemschutzgeräteträger fahren gemeinsam zu einem Ausbildungswochenende ins Brandhaus Fassberg. 2026 standen außerdem die Einweisung eines Rettungshubschraubers und ein Reanimationstraining mit dem DRK Eisenach auf dem Programm.
Auf Gemeindeebene arbeiten zudem standortübergreifende Gruppen. Eine Arbeitsgruppe Technik übernimmt unter anderem DGUV- und Leiterprüfungen sowie die Inventarisierung. Die Führungsunterstützungsgruppe zählt 20 Mitglieder aus der gesamten Feuerwehr. Auch die digitale Ausstattung wird schrittweise vereinheitlicht: Alle Ortsteile verfügen bereits über Einsatztabletts und die Frieda-App des Thüringer Innenministeriums, an mehreren Standorten wird Fireboard genutzt.
Die Voraussetzungen bleiben anspruchsvoll. Zum Gemeindegebiet gehören unter anderem die Autobahn 4, die Bundesstraßen 7 und 84, die ICE-Strecke Erfurt–Frankfurt, Gewerbe- und Industrieflächen, der Nationalpark Hainich und die Hörselberge. Hinzu kommen Schulen, Pflegeheime, Kindertagesstätten, Hotels und historische Gebäude.
Zwischen diesen Gefahrenpunkten stehen zehn Feuerwehren, die ihre Eigenheiten behalten. Gleichzeitig entsteht immer mehr Gemeinsames – durch Ausbildung, Technik, Organisation und die Bereitschaft, selbst anzupacken.
Mehr im Heft: Matthias Hendrich stellt in der vollständigen Reportage im Heft weitere Standorte, Fahrzeuge, Eigenbauten und Menschen der Gemeindefeuerwehr Hörselberg-Hainich vor.
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