Großbrand in Düben

20.000 Schweine gestorben und fünf Feuerwehrleute verletzt

Coswig (Anhalt) (ST) – Ein Großbrand hat im Ortsteil Düben im Kreis Wittenberg sechs Stallanlagen einer Schweinemastanlage erfasst. Rund 20.000 Tiere wurden getötet, fünf Feuerwehrleute leicht verletzt. Zwei von ihnen kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus. Zudem wurde die Drehleiter der Feuerwehr Coswig (Anhalt) beschädigt.

Mehrere Stallgebäude der Schweinemastanlage stehen in Vollbrand. Einsatzkräfte gehen mit Löschleitungen gegen die Flammen vor. (Bild: FF Jeber-Bergfrieden)

Die Feuerwehren Coswig (Anhalt), Cobbelsdorf und Klieken wurden nach Angaben der Stadt am Mittwoch, 15. Juli 2026, um 1:17 Uhr mit dem Stichwort „Feuer 4“ alarmiert. Schon während der Anfahrt war das Ausmaß des Brandes erkennbar. Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, standen vier Ställe in Flammen. Später griff das Feuer auf zwei weitere Stallanlagen über.

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Starker Wind und Funkenflug erschwerten die Brandbekämpfung. Landrat Christian Tylsch erklärte, das Feuer sei zeitweise kaum zu beherrschen gewesen. Um weitere Gebäude zu schützen, kühlten die Einsatzkräfte Dächer und schlugen Scheiben ein, um die Ställe zu belüften. Umherfliegende Asche löste außerdem kleinere Brände auf einem angrenzenden Feld aus, die von der Feuerwehr gelöscht wurden.

Etwa die Hälfte des Betriebs wurde zerstört. Ein Wohnhaus auf dem Gelände konnten die Einsatzkräfte vor den Flammen schützen.

Neue Zisterne unterstützt Löschwasserversorgung

Wegen des hohen Löschwasserbedarfs ließ die Einsatzleitung weitere Feuerwehren und Einsatzmittel aus dem Kreis Wittenberg nachalarmieren. Beteiligt waren unter anderem Kräfte aus Coswig (Anhalt), Cobbelsdorf, Klieken-Buro, Buko, Düben, Weiden, Serno, Jeber-Bergfrieden, Apollensdorf, Reinsdorf/Dobien und Wittenberg-West.

Flammen schlagen aus dem Dach eines Stallgebäudes. (Bild: Johanniter | SEG Behandlung und Transport LK Wittenberg)

Kräfte der Feuerwehr Lutherstadt Wittenberg unterstützten die Wasserversorgung im Pendelverkehr, leuchteten Einsatzabschnitte aus und halfen bei der Rettung sowie beim Einfangen einzelner Tiere. In einem Einsatzabschnitt stellten sie außerdem einen Sicherheitstrupp.

Die Feuerwehrtechnische Zentrale unterstützte die Brandbekämpfung mit dem Abrollbehälter AB-Wasser. Auch eine neu errichtete Zisterne in Düben wurde nach Angaben der Stadt während des Einsatzes intensiv genutzt. Sie trug dazu bei, die Löschwasserversorgung an der Einsatzstelle sicherzustellen.

Zeitweise waren bis zu 100 Feuerwehrleute vor Ort. Hinzu kamen die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) Behandlung und Transport des Regionalverbandes Sachsen-Anhalt/Südost der Johanniter, der Rettungsdienst, der 1. Fachdienst Betreuung der DRK-Bereitschaft Jessen/Elster, ein Kriseninterventionsteam und die Polizei.

Die SEG versorgte nach eigenen Angaben fünf Feuerwehrleute medizinisch. Zwei von ihnen kamen laut Mitteldeutschem Rundfunk zur Beobachtung in ein Krankenhaus. Die beschädigte Drehleiter der Feuerwehr Coswig (Anhalt) wurde aus dem Einsatz genommen.

Feuerwehr rettet 1.300 Sauen

Nach Angaben des Kreises Wittenberg überlebten rund 20.000 Schweine den Brand nicht. Etwa 1.300 Sauen konnten die Einsatzkräfte retten. Sie wurden anschließend in einen anderen Betrieb gebracht.

Gerettete Schweine halten sich nach dem Brand auf einer Grünfläche auf. Rund 1.300 Sauen konnten in Sicherheit gebracht werden. (Bild: FF Jeber-Bergfrieden)

Amtstierarzt Thomas Müller erklärte gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk, unter den verendeten Tieren seien vor allem Ferkel und Läufer gewesen. Außerdem seien 1.700 Sauen ums Leben gekommen.

Das Veterinäramt stimmt das weitere Vorgehen mit dem Betreiber ab. Spezialfirmen sollen die Kadaver bergen und fachgerecht entsorgen. Ein Teil der verendeten Tiere befindet sich unter eingestürzten Gebäudeteilen und muss zunächst freigelegt werden. Zu dem weiteren Verbleib der geretteten Sauen liegen keine Angaben vor.

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Drohne sucht nach Glutnestern

Die Freiwillige Feuerwehr Jeber-Bergfrieden war am Donnerstag von 0 bis 7 Uhr an der Brandwache beteiligt. Mit einer Drohne des Fachdienstes Führungsunterstützung suchten die Kräfte nach Glutnestern. Die Ortsfeuerwehr Klieken-Buro unterstützte außerdem bei der Versorgung der überlebenden Tiere mit Trinkwasser.

Auf einem Monitor am Einsatzleitwagen ist das Drohnenbild der zerstörten Stallanlage zu sehen. Die Drohne unterstützte die Suche nach Glutnestern. (Bild: Johanniter | SEG Behandlung und Transport LK Wittenberg)

Die wegen der Geruchsbelästigung ausgesprochene Warnung für Düben hatte der Kreis bereits am Mittwochmorgen aufgehoben. Nach Einschätzung der Einsatzkräfte bestand keine Gefahr für die Bevölkerung.

Die Ursache des Brandes ist weiterhin unklar. Landrat Christian Tylsch bezifferte den voraussichtlichen Vermögensschaden auf 8 bis 9 Millionen Euro.

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Debatte über Brandschutz in Tierhaltungsbetrieben

In den sozialen Medien wurde neben der Berichterstattung über die Einsatzkräfte auch der Umgang mit dem Tod der Tiere diskutiert. Mehrere Nutzer kritisierten, ihr Leid werde nicht ausreichend berücksichtigt. Andere forderten automatische Löschanlagen und weitergehende Brandschutzvorkehrungen in Ställen oder stellten Tierhaltung und Fleischkonsum grundsätzlich infrage.

Auch die Tierrechtsorganisation Peta griff den Brand auf. Nach eigenen Angaben wurden seit Jahresbeginn 2026 bundesweit bereits 25 Stallbrände öffentlich bekannt, bei denen Tiere ums Leben kamen. Die Organisation kündigte an, wegen des Brandes in Düben Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten.

Eine zentrale amtliche Statistik zu Bränden in Tierhaltungsanlagen existiert in Deutschland übrigens nicht. Das stellten die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages in einer im März 2026 abgeschlossenen Ausarbeitung fest. Verfügbare Zahlen stammen demnach vor allem von Tierschutzorganisationen, Versicherungsverbänden, aus Studien und aus Medienberichten.

Als mögliche strukturelle Risiken nennen die Wissenschaftlichen Dienste unter anderem fehlende Evakuierungswege, unzureichende Brandfrüherkennung, fehlende Sprinkler sowie nicht ausreichend dimensionierte Fluchtöffnungen. In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gebe es keine konkreten Vorgaben zum Brandschutz. Ob solche Defizite in der Anlage in Düben bestanden, ist nicht bekannt.

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