Es ist ein normaler Mittwoch – eigentlich. Doch wer heute seinen Newsfeed öffnet, reibt sich die Augen. Aus dem ganzen Bundesgebiet trudeln Meldungen ein, die man so noch nicht gesehen hat. Neue Fahrzeugkonzepte, ungewöhnliche Beschaffungen, mutige Innovationen. Wir wissen uns das nicht zu erklären, berichten aber der Vollständigkeit halber, was die deutschen Feuerwehren heute so umtreibt.
München (BY) stellt Kleintiere ein
Den ausführlichsten Beitrag des Tages liefert die Branddirektion München. Per offizieller Pressemitteilung sucht die Berufsfeuerwehr ab sofort ein „Kleintier im Einsatzdienst (w/m/d)“ – unbefristet, Vollzeit, Besoldungsgruppe A17. Hamster, Frettchen, Ratten oder Degus kommen infrage, sofern sie einen einwandfreien Zahnstatus, gepflegte Krallen und nachgewiesenen Geruchssinn mitbringen. Kurzhaarfell ist von Vorteil. Das sogenannte KvD (Kleintier vom Dienst) soll künftig bei Erkundungen in schwer zugänglichen Räumlichkeiten eingesetzt werden und in der einsatzfreien Zeit die psychosoziale Betreuung der Kollegen unterstützen. Bewerbungsschluss ist der 30. Mai 2026. Eine Verbeamtung auf Lebenszeit sei nach eingehender Prüfung leider nicht möglich.
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Die Branddirektion München richtet sich mit ihrer Stellenausschreibung ausdrücklich an alle geeigneten Kandidaten. Kurzhaarfell von Vorteil. (Bild: Feuerwehr München)
Wendelsheim (RP) schickt Kräfte in den Orbit
Ebenfalls bemerkenswert: Die Feuerwehr Wendelsheim hat heute ihren ersten „Raumgleiter“ in Dienst gestellt. Die „Gunnar 1“ soll künftig Vegetationsbrände aus dem All per thermografischer Echtzeitanalyse erkennen. Erfahrene Einsatzkräfte wurden eigens zu Astronauten weiterqualifiziert. Erststart ist für morgen, 11 Uhr Zulu-Zeit, geplant. Mission Control befindet sich am „Weltraumbahnhof Karlenberg“.
Die „Gunnar 1″ der Feuerwehr Wendelsheim wartet auf ihren Einsatz im Orbit. Erststart ist für morgen, 11 Uhr Zulu-Zeit, geplant. (Bild: Feuerwehr Wendelsheim)
Dortmund (NW) bekommt ein Löschflugzeug
Die Feuerwehr Dortmund wird im kommenden Jahr ein Löschflugzeug erhalten, das am Flughafen stationiert und durch die Flughafenfeuerwehr besetzt wird. Zur Vorbereitung reisen Kräfte nach Kalifornien, um dort den Pilotenschein zu machen. Löschwasser soll künftig aus dem Möhnesee aufgenommen werden, der zu diesem Zweck mit entsprechender Infrastruktur ausgestattet wird. Waldbrände im Sauer- und Siegerland dürften damit künftig erheblich schneller bekämpft werden können.
Die Crew der Feuerwehr Dortmund hält bereits die ersten Entwürfe in Händen – die Vorfreude auf Kalifornien und den Pilotenschein ist ihnen deutlich anzusehen. (Bild: Feuerwehr Dortmund)
Lingen (NI) rüstet sich für Kreuzfahrtschiffe
Weniger in die Luft, dafür aufs Wasser setzt die Feuerwehr Lingen: In rund zwei Wochen wird das neue Löschboot „Bürgermeister 1″ in Dienst gestellt, gebaut von der Meyer Werft in Papenburg. Mit einer Förderleistung von über 30.000 Litern Wasser pro Minute ist es speziell für die Brandbekämpfung auf großen Schiffen ausgelegt – oder, wie die Wehr selbst formuliert, auch für Kreuzfahrtschiffe, „falls sich diese einmal nach Lingen verirren sollten.” Die maritime Gefahrenabwehr der Stadt Lingen ist damit jedenfalls für alle Eventualitäten gerüstet.
Imposanter Neuzugang: Das Löschboot „Bürgermeister 1″ liegt einsatzbereit im Hafen. (Bild: Feuerwehr Lingen)
Achim (NI) versorgt Hamburg per Drohne mit Bratwurst
Innovativ auch die Ortsfeuerwehr Achim-Baden: Die Verpflegungsgruppe hat eine eigene Einsatzdrohne in Dienst gestellt, intern auf den Namen „Bratwurstdrohne“ getauft. Alternativ kursieren die Bezeichnungen „Grill-Air One“ und „Snack-Copter“. Bei einer ersten Testlieferung soll bereits der Arbeitsplatz des Ortsbrandmeisters in Hamburg versorgt worden sein – mit frischen Bratwürsten aus Baden.
Bergkamen (NW) führt Abo-Modell ein
Angesichts angespannter Haushaltslage stellt die Feuerwehr Bergkamen ihren Einsatzdienst auf ein „nutzerorientiertes Abo-System“ um. Drei Tarife stehen zur Wahl: „Der Funke“ (9,99 € / Monat, Erdgeschoss-Einsätze, Martinshorn kostet extra), „Brandstifter-Flat“ (29,99 €, inkl. Schlauchmitsprache und Selfie mit dem Angriffstrupp) sowie „Der Feuergott“ (99,00 €, mit rotem Teppich vor der Haustür und Live-Übertragung in die Instagram-Story). Nicht-Abonnenten werden laut Feuerwehr „selbstverständlich weiterhin gerettet“, müssen jedoch mit Werbeunterbrechungen über die Außenlautsprecher rechnen.
Huntlosen (NI) forscht an neuer Atemluft
Besondere Erwähnung verdient die Feuerwehr Huntlosen: In einem aufwendig produzierten Reel berichtet sie von ihrer Beteiligung an der „Europäischen Studie O2He Atemluft im Feuerwehreinsatz“ – einem Forschungsprojekt der Organisation SPOOF aus Rotterdam. Der normalen Atemluft wird dabei ein kleiner Anteil Helium beigemischt, um die Leistungsfähigkeit von Atemschutzgeräteträgern zu verbessern. Die Ergebnisse klingen vielversprechend. Einen kleinen Haken gibt es allerdings: Die Helium-Beimischung verändert die Schwingungseigenschaften der Stimmbänder. Über Funk werde man schlechter verstanden, berichten manche Einsatzkräfte. Dass die Beteiligten selbst offenbar gar nichts davon bemerken, macht die Sache nicht weniger interessant.
Uplengen-Mitte (NI) blitzt jetzt selbst
Einen besonders pragmatischen Ansatz wählt die Freiwillige Feuerwehr Uplengen-Mitte: Auf dem HLF 20 ist ab sofort ein mobiler Blitzer verlastet. Das Gerät soll Einsatzstellen überwachen und Temposünder rechtssicher erfassen – auch bei geringen Geschwindigkeiten. Besonders im Visier: Gaffer, die abbremsen, um zu schauen oder gar Fotos zu machen. Praktischer Nebeneffekt: Außerhalb von Einsätzen kann der Blitzer flexibel eingesetzt werden, die Einnahmen fließen direkt in die Kameradschaftskasse. Ob das Innenministerium dieses Geschäftsmodell teilt, war bis Redaktionsschluss nicht zu klären.
Herne (NW) veröffentlicht Debütalbum
Kulturell tätig wird die Feuerwehr Herne: Das Album „Das Ruhrgebiet im Herzen“ ist ab sofort erhältlich – zehn Songs, packende Beats, ehrliche Texte. Bestellungen nimmt die Wehr telefonisch entgegen. Welcher Track sich als Einsatzleitstellen-Klingelton eignet, bleibt der persönlichen Präferenz überlassen.
Engelskirchen (NW) kommt ins Panini-Album
Sammelfieber im Oberbergischen Kreis: Der Löschzug Engelskirchen bringt ab Mitte April ein eigenes Panini-Sammelalbum mit Stickern zu Mannschaft, Fahrzeugen und Einsatzbildern sowie Wissenswertem rund um die Feuerwehr heraus. In den ersten 50 Heften liegt als Zugabe ein Papierbastelbogen des Kommandowagens bei. Schnelligkeit lohnt sich also.
Fahrzeugweihe, Einsatzübung, Jugendfeuerwehr – das Panini-Album des Löschzugs Engelskirchen lässt keine Kategorie aus. Achtung: Der KdoW-Bastelbogen des Wehrführers ist nur in den ersten 50 Heften enthalten! (Bild: Feuerwehr Engelskirchen)
Im Zuge des Umbaus einer Kreuzung in Waltenhofen wird auch das dortige Feuerwehrhaus umgestaltet. Auf dem Dach der Fahrzeughalle entsteht laut Planung ein Wohnraumkomplex mit Ruheräumen für eine 24-Stunden-Wache, ein Fitnessstudio, mehrere Homeoffice-Büros sowie als Herzstück eine großzügige Dachterrasse mit Außenküche. Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Die Ausrückzeiten sollen sich dadurch erheblich verkürzen.
Auf dem Gerätehaus Waltenhofen thront ein großzügiger Aufenthaltsbereich mit Glasfront. Die Dachterrasse mit Außenküche folgt noch bis Ende 2026. (Bild: Feuerwehr Waltenhofen)
Rohrbach (BY) fährt emissionsfrei
Auf Nachhaltigkeit setzt die Feuerwehr Rohrbach: Das neue HLF 9 ist ein Fahrrad. Das „Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrrad“ ist leise, wendig und kommt laut Wehr durch jede Gasse, in die das alte Fahrzeug nur mit Rangierkunst gepasst hätte. Die integrierte Sirene sei „nicht zu schrill – auffallen ohne Panik“. Wer die Einsatzkräfte unterwegs sieht: bitte nicht überholen. Und an Steigungen wäre ein kleiner Schubs willkommen.
Volle Mannschaftsstärke, ein Fahrrad: Die Freiwillige Feuerwehr Rohrbach präsentiert ihr neues HLF 9 (Bild: Feuerwehr Rohrbach)
Meerbusch (NW) fährt jetzt Straßenbahn
Die Feuerwehr Meerbusch hat eine neue Lösung für das ewige Stauproblem gefunden: eine speziell ausgestattete Straßenbahn. Auf der Schiene lassen sich Staus elegant umfahren. Die Bahn kommt, wie das Bild zeigt, bereits im vollen Feuerwehr-Look daher, inklusive Blaulicht auf dem Dach. Zieleinfahrt: Einsatzort. Nächster Halt: brennendes Gebäude.
Nächster Halt: Einsatzort. Die Feuerwehr Meerbusch setzt künftig auf Schienenverkehr – Staus inklusive Gegenverkehr gehören damit der Vergangenheit an. (Bild: Feuerwehr Meerbusch)
Niederorschel (TH) fährt jetzt Violett
Die Feuerwehr Niederorschel möchte mit violett beklebten Einsatzfahrzeugen mehr Frauen für das Ehrenamt gewinnen. Ein Gedanke, der zwar gut gemeint ist, über den man aber auch diskutieren darf. Denn Frauen bei der Feuerwehr brauchen eigentlich kein andersfarbiges Fahrzeug. Sie brauchen Anerkennung, passende Ausrüstung und eine Wehr, die sie willkommen heißt.
Und das ist längst nicht alles
Die BF Hildesheim erweitert ihr Aufgabenspektrum um die „digitale Gefahrenabwehr“ – Erste Hilfe bei Kommentarspalten inklusive. Das THW Rotenburg taut eingefrorene Dieselblöcke aus dem Jahr 2021 auf, um trotz fehlender Haushaltsmittel einsatzbereit zu bleiben. Die Feuerwehr Mannheim verlastet auf jedem neuen HLF eine Drohne – geflogen zunächst von der Tauchergruppe, die Nullsicht ja gewohnt ist. Warum ausgerechnet heute so viele bemerkenswerte Entwicklungen auf einmal durch die Feuerwehr-Welt rauschen, bleibt vorerst ungeklärt.
Ja, sehr mysteriös. Ausgerechnet heute…