Montag, 29. Mai 2017

7 Schritte: Richtiges Vorgehen für Ersthelfer bei Verkehrsunfällen

Stell Dir vor, Du fährst mit Deinem Pkw an einem warmen Sommerabend auf einer Landstraße entlang. Hinter einer Kurve entdeckst Du plötzlich ein Fahrzeug, welches gegen einen Baum gefahren ist und die Straße versperrt. Eine Person liegt am Boden und bewegt sich nicht. Eine zweite Person schreit um Hilfe, sie scheint im Fahrzeug eingeklemmt zu sein. Was tust Du? Erst den Notruf absetzen und dann aussteigen? Oder doch lieber erst das Warndreieck aufstellen? Vielleicht sogar einfach weiterfahren? Wir haben zusammengefasst, wie jeder an einer Unfallstelle vorgehen muss.

Verkehrsunfall

Alleine auf einer Landstraße unterwegs: direkt vor Dir ein verunfalltes Fahrzeug. Was tust Du? Wir erläutern das richtige Vorgehen bei einem Verkehrsunfall. Symbolfoto: ADAC

1.) Anhalten! Hauptsache Anhalten.

Das Allerwichtigste, wenn man an einer Unfallstelle vorbeikommt, ist: ANHALTEN. Nichts ist schlimmer, als an einem Unfallort vorbeizufahren. Das sieht auch der Gesetzgeber so. Unterlassene Hilfeleistung kann mit Geldstrafe oder mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Auch wenn bereits ein anderes Fahrzeug zum Stehen gekommen ist, halte auch Du an. Gemeinsam kann man besser helfen. Nicht vergessen: Das Vorbeifahren an der Unfallstelle führt immer zu extremen Gewissenskonflikten mit sich selbst.

2.) Absichern. Blinker, Weste, Dreieck.

Der Notruf wird abgesetzt

Bei jedem Notfall geht der Eigenschutz immer vor, deshalb: Blinker, Weste, Dreieck.

An erster Stelle muss immer die Eigensicherung stehen, daher solltest Du  immer die Unfallstelle richtig absichern. Durch das richtige Absichern verhinderst Du zudem weitere Unfälle aufgrund des unerwarteten Hindernisses auf der Straße. Zudem schützt Du Dich selbst. Direkt nach dem Anhalten Warnblinker anschalten, danach am besten noch im Auto die Warnweste anlegen. Zu guter Letzt sollte im Abstand von mindestens 100 Metern auf der Landstraße das Warndreieck aufgestellt werden. Beachte, dass wie in unserem Fall das Warndreieck hinter einer Kurve aufgestellt werden muss. Blinker, Weste, Dreieck also nie vergessen.

3.) Verschaffe Dir ein Bild der Lage.

Stopp: Bevor Du jetzt direkt zum Handy greifst, um den Notruf abzusetzen, solltest Du einen Moment innehalten und die Lage betrachten. Sind die verletzten Personen ansprechbar? Wie viele Personen sind überhaupt verletzt? Welche Verletzungen liegen vor? Das kannst Du nicht beurteilen, denkst Du? Keine Angst, du sollst keine umfangreiche medizinische Diagnose stellen. Oft reicht schon ein kurzer Blick über die Unfallstelle. Besteht unmittelbare Gefahr für die Verunfallten zum Beispiel durch ein Feuer am Auto und/oder durch auslaufende Kraftstoffe, müssen die Personen zuerst aus dem Fahrzeug befreit werden. Personen, die nicht ansprechbar sind, sollten ebenfalls direkt aus dem Fahrzeug befreit und je nach Situation in die stabile Seitenlage gebracht werden. Erst jetzt greifst Du zum Telefon.

Warndreieck

Warndreieck, Warnweste und Verbandskasten gehören in jedes Fahrzeug. Nur mit diesen Mitteln kannst Du an der Unfallstelle schnelle und effektive Hilfe leisten. Symbolfoto: ADAC

4.) Notruf absetzen.

Jedes Kind kennt sie, Erwachsene scheitern oft an ihr: die Notrufnummer 112. In ganz Europa gilt, ob Festnetz oder Mobil, unter der 112 erreicht man fachkundige Hilfe. In Deutschland können unter dieser Nummer die Feuerwehr und
auch der Rettungsdienst kontaktiert werden. Über die Nummer 110 erreicht man die Polizei.

Notrufsaeule_Strasse_HerbstWer, Was, Wo, Wieviel? Du kennst sie noch, die so genannten W-Fragen aus dem letzten Erste-Hilfe-Kurs? Sehr gut! Jedoch ist es auch nicht schlimm, wenn man einzelne Punkte beim Absetzen des Notrufes vergisst. Einfach anrufen, der Leistellendisponent leitet dich durch das Gespräch. Das Wichtigste ist, in jedem Fall, beim Anruf nicht vorschnell aufzulegen. Das Disponent fragt Dich nach den nötigen Informationen die, er für die Verständigung der Feuerwehr benötigt. Er beendet in jedem Fall das Gespräch.

Info: Die W-Fragen (Wer, Was, Wo, Wieviele) sind zwar beim Absetzen eine Notrufes von Vorteil, jedoch nicht zwingend erforderlich. Mittlerweile sind Leitstellen von Rettungsdienst und Feuerwehr dazu übergegangen eine systematisierte Notruf-Abfrage durchzuführen. Dabei führt Dich der Leitstellendisponent durch das Gespräch und befragt Dich zu alle Informationen die er benötigt, um die richten Rettungsmittel zu alarmieren.

5.) Erste Hilfe leisten.

Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte kann oft wertvolle Zeit vergehen – Zeit, die man nutzen sollte. Denn mit nur wenigen Handgriffen kannst Du oft schon Leben retten.

Spreche den Patienten an. Ist er bewusstlos, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Prüfe, ob die Person atmet. Kleiner Tipp: Um die Atmung zu kontrollieren, beobachtet man den Brustkorb der Person und/oder beugt sich über den Kopf der Person. Prüfe, ob Du einen Luftstrom an deiner Wange spürst. Kannst Du keine Atmung feststellen, muss die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden. Als Faustregel gilt: 30 Mal kräftig auf den Brustkorb drücken, 2 Mal beatmen.

Dies machst Du so lange bis der Rettungsdienst vor Ort eintrifft. Knie Dich dazu neben den Betroffenen. Platziere Deine beiden Hände übereinander auf dem unteren Drittel des Brustbeins und drücke mit durchgestreckten Armen vier bis fünf Zentimeter tief in den Brustkorb der Person. Wichtig: Bloß nicht aufhören. Wenn Du einmal mit der Wiederbelebung angefangen bist, musst Du weitermachen bis der angerückte Rettungsdienst dich ablöst. Deshalb ist es bei einem Herzstillstand wichtig, erst den Notruf abzusetzen und dann mit der Wiederbelebung zu beginnen.

Grundlegende Erste Hilfe-Kenntnisse wie die stabile Seitenlage, die Wiederbelebung, aber auch das Versorgen von stark blutenden Wunden sollte jeder können. Aber auch wenn das Wissen vom letzten Erste-Hilfe-Kurs schon etwas eingerostet ist, gibt es Basismaßnahmen, die immer richtig sind.

Bleibe bei dem Verunfallten. Zeige ihm, dass er nicht allein ist und dass etwas passiert. Schütze den Betroffenen vor Wärmeverlust. Das Einhüllen in eine Rettungsdecke hat neben der Wärmeerhaltung auch eine beschützende Wirkung – auch bei einem Bewusstlosen.

Bedenke: Du kannst nichts falsch machen. Wenn Du nach besten Wissen und Gewissen handelst, kannst Du für keinen Fehler (rechtlich) belangt werden.

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Besonders Kameraden der Feuerwehr sollten im Bezug auf Erste Hilfe besonders fit sein, schließlich sind sie nach dem Ersthelfer oft die Zweiten die direkt an der Unfallstelle ankommen. Lebensrettende Sofortmaßnahmen sollte deshalb jede Einsatzkraft beherrschen. Wir stellen in unserem eDossier zum Thema die wichtigsten Handgriffe vor.

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6.) Auch bei mehreren Verletzten einen kühlen Kopf bewahren!

Grundsätzlich gilt: Mit mehreren Personen kann man mehreren Personen helfen. Wenn andere Autofahrer an der Unfallstelle vorbeifahren, mache auf Dich aufmerksam und dränge diese gegebenenfalls zum Anhalten. Aber auch wenn Du auf dich alleine gestellt sein solltest, helfe der Person, die Deiner Meinung nach am dringendsten Hilfe benötigt. Als Faustregel gilt hier: Helfe nicht-ansprechbaren Personen, bevor Du dich um ansprechbare Personen kümmerst. Mitunter ist es möglich, dass leicht Verletzte Dich bei Deinen Maßnahmen unterstützen können. Bemerkst Du die anrückenden Rettungskräfte, versuche diese einzuweisen, oder bitte andere Personen; dies für Dich zu tun.

First aid training detail

Ein Erste Hilfe-Kurs ist durch Nichts zu ersetzten. Spätestens nach fünf Jahren solltest Du Deine Kenntnisse auf den neusten Stand bringen. Symbolfoto: ADAC

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7.) Sei vorbereitet.

Es gibt nichts Schlimmeres, als unvorbereitet an eine Unfallstelle zu kommen. Ein Erste Hilfe-Kurs kann die Horrorvorstellung von einem Verkehrsunfall zumindest im Ansatz nehmen. Regelmäßig sollte man deshalb einen entsprechenden Kurs besuchen. Auch wenn die meisten Menschen nur einmal in ihrem Leben einen Erst Hilfe-Kurs mitmachen, – beim Führerschein – empfehlen alle Hilfsorganisationen einen Auffrischungskurs nach allerspätestens fünf Jahren. Bei einem Kurs kannst Du Handlungsabläufe vertiefen und eingerostetes Wissen auffrischen, sodass Du bei einem Unfall richtig helfen kannst. Und ganz nebenbei: Wer helfen kann, fährt auch nicht vorbei.

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Alles verstanden? Das Video des ADAC erklärt noch einmal die wichtigsten Schritte.

 

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