Mittwoch, 26. Juli 2017

Feuerwehr NRW testet neue Einsatzfahrzeuge

Ratingen (NW) – Bis Mitte 2017 testen 20 freiwillige Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen ein neues Einsatzfahrzeugkonzept. Innenminister Ralf Jäger präsentierte die vier Erprobungsfahrzeuge in Ratingen der Öffentlichkeit. „Wir wollen mit diesem Pilotprojekt neue Impulse für eine fortschrittliche und bedarfsgerechte Technik bei den nordrhein-westfälischen Feuerwehren setzen“, sagte Jäger. „Der Schutz der Menschen bei alltäglichen Einsätzen und bei Katastrophen kann nur durch eine handlungsfähige Feuerwehr vor Ort sichergestellt werden.“

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Die drei MLF aus der Reihe der Erprobungsfahrzeuge wurden nun bei der Feuerwehr Ratingen vorgestellt. Foto: MIK NRW

Bei den jetzt übergebenen Testfahrzeugen handelt es sich um drei Mittlere Löschfahrzeuge (MLF) sowie ein Vorauslöschfahrzeug (VLF) im Gesamtwert von rund 850.000 Euro. Das VLF verfügt über das COBRA-System (Lösch-Schneid-Technik). Mit einem Hochdruckstrahl (250 bar), dem einSchneidmittel (Eisen-Abrasiv) beigegeben wird, fräst der Voraustrupp damit ein kleines Loch zum Beispiel in eine Hauswand. Ist der Kopf der Löschlanze in den Brandraum eingedrungen, wird auf Wassernebel umgeschaltet. Der Brandraum wird so rasch aus einem sicheren Bereich heraus abgekühlt. Anschließend kann das Feuer sicher von innen gelöscht werden. „Dieses System hat sich in Skandinavien zum Beispiel bei Silo- oder Containerbränden bewährt“, erklärte Jäger. Mit dem VLF soll das bisher nur bei wenigen Feuerwehren eingesetzte COBRA-System in der Fläche erprobt werden.

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Das VLF ist mit einem COBRA-Schneidlöschsystem ausgerüstet. Mit diesem Fahrzeug soll das in Deutschland noch nicht so verbreitete System in der Fläche erprobt werden. Foto: MIK NRW

Modifizierte MLF als Erstangriffsfahrzeuge

Die MLF sollen sich als Erstangriffsfahrzeuge bei kleineren Brandeinsätzen, Unwetterlagen, Hilfeleistungen oder als erstes Fahrzeug an Unfallstellen bewähren. Ihre Grundausstattung entspricht dem in der DIN 14530-25 genormten MLF. Darüber hinaus hält die Projektgruppe aber folgende Ausstattungsmerkmale für erforderlich:

  • automatisches Getriebe,
  • zulässige Gesamtmasse 8.500 kg,
  • Pumpe FPN 10-2000 (statt FPN 10-1000),
  • Löschwassertank 1.000 Liter (statt mindestens 600 Liter),
  • Sprungpolster und Verkehrsunfallkasten,
  • Stromerzeuger und Beleuchtungsgerät,
  • Motorkettensäge und Tauchpumpe,
  • hydraulisches Kombirettungsgerät,
  • Automatisierter Externer Defibrillator (AED),
  • mobiler Rauchverschluss,
  • Wärmebildkamera,
  • Hochleistungslüfter mit Elektromotor,
  • Fach für örtliche AUsstattung (AGT-Notfalltasche, Türöffnungswerkzeug).

Jedes der drei Fahrzeuge ist zudem mit einer anderen Art der Schaumzumischung ausgestattet: Druckluftschaum-System (CAFS), Druckzumischanlage (als derzeitiger Stand der Technik) sowie konventionelle Zumischung (Kanister und Zumischer Z 4 R). Aufgebaut hat die Fahrzeuge die Firma Ziegler. Die MLF basieren auf MAN TGL 10.220 4×2 BB mit MAN TipMatic, das VLF auf einem Icevo Daily 50 C 21 mit Sechs-Gang-Schaltgetriebe.

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Innenminister Ralf Jäger ließ es sich nicht mehmen, auch mal selbst zum Hohlstrahlrohr zu greifen. Foto: MIK NRW

Der Innenminister hatte im Sommer 2013 gemeinsam mit dem Verband der Feuerwehren in NRW e.V. die Projektgruppe zur „Förderung des Ehrenamtes in den Feuerwehren“ eingesetzt. Darin arbeiten Experten der freiwilligen Feuerwehren, Berufs- und Jugendfeuerwehren mit Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände, verschiedener Arbeitsgemeinschaften und Feuerwehrverbände und Wissenschaftler der Universitäten Witten/Herdecke beziehungsweise Eichstätt/Ingolstadt, Siegen und Wuppertal zusammen.

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