Schwäbisch Gmünd (BW) – In der Stadtteilabteilung Herlikofen der FF Schwäbisch Gmünd gibt es eine Fachgruppe, die bei Hornissen- und Wespennestern ausrückt. Speziell ausgebildete Feuerwehrangehörige beraten Betroffene, sichern Gefahrenstellen und siedeln Völker um, wenn es nötig ist.
In etwas anderer PSA rücken die Kräfte der „Fachgruppe Artenschutz Hornissen“ zum Einsatz aus – in Imkerbekleidung mit Hüten und Gesichtsnetzen. (Bild: Schütte)
Wenn sich Hornissen im Kamin eines Mehrfamilienhauses niederlassen oder Wespen einen Rollladenkasten besetzen, geht es nicht nur um unangenehme Nachbarschaft im Sommer. Für die Feuerwehr Herlikofen ist daraus ein eigenes Fachthema entstanden: die „Fachgruppe Artenschutz Hornissen“. Sie verbindet Gefahrenabwehr mit Naturschutz – und zeigt, wie vielseitig Feuerwehrarbeit abseits klassischer Einsatzlagen sein kann.
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Den Anstoß gab vor rund zehn Jahren eine wachsende Zahl von Anfragen bei Verwaltung und Behörden. Peter Weber, Abteilungskommandant in Herlikofen und Hobbyimker, wurde vom Ordnungsamt der Stadt Schwäbisch Gmünd angesprochen. Daraus entwickelte sich ein Team aus Feuerwehrangehörigen, das sich fachlich weiterbildete und heute bei Hornissen- und Wespenfragen unterstützt.
Zur Ausbildung gehören Kenntnisse über staatenbildende Insekten, Schutzstatus und den richtigen Umgang mit Nestern. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen heimischen und invasiven Arten: Während die Europäische Hornisse streng geschützt ist, ist die Asiatische Hornisse nach einem Rundschreiben des Umweltministeriums als Schädling eingestuft und zur Bekämpfung freigegeben.
Im Einsatz beginnt die Arbeit der Fachgruppe meist mit einer Begutachtung und Beratung vor Ort. Nicht jedes Nest muss entfernt werden. Häufig reicht Aufklärung, denn Hornissen und Wespen stechen in der Regel nur, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen. Anders sieht es aus, wenn ein Nest an einem Kindergarten, an einem Altenheim oder in einem Schornstein eine akute Gefahr verursacht.
Wenn eine Umsiedlung notwendig wird, arbeitet das Team mit spezieller Schutzausrüstung und eigens entwickelten Hilfsmitteln. Zum Einsatz kommen unter anderem Boxen, Filterlösungen und Umsiedlungskisten. Als Fahrzeug nutzt die Fachgruppe den MTW der Abteilung Herlikofen; bei schwer zugänglichen Nestern kann auch eine Drehleiter aus anderen Abteilungen der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd erforderlich werden.
Hier zeigen Dennis Wabersich (links) und Manuel Stegmaier (rechts) ein inzwischen verlassenes Hornissennest. (Bild: Schütte)
Die Fachgruppe nennt 22 Einsätze im vergangenen Jahr: Zehn betrafen Hornissen, zwölf Wespen. Die Anforderungen laufen nicht immer über die klassische Alarmierung, sondern häufig per Telefon, E-Mail oder Nachricht. Soweit keine unmittelbare Gefahr besteht, erledigen die Freiwilligen diese Termine nach dem regulären Dienst oder nach Feierabend.
Die Vernichtung eines Hornissen- oder Wespennestes bleibt nach Angaben der Fachberater die letzte Möglichkeit. Ein solcher Schritt muss bei der zuständigen Naturschutzbehörde beantragt und begründet werden. Peter Weber weist in der Reportage darauf hin, dass Verstöße mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden können.
In der Reportage in Feuerwehr-Magazin 7/2026 zeigt Heino Schütte, wie die Herlikofener Fachgruppe arbeitet, welche Ausrüstung sie nutzt und warum Artenschutz im Feuerwehrhaus längst mehr ist als ein Sonderthema für den Sommer.
Praxis-Hinweis: Wer ein Hornissen- oder Wespennest entdeckt, sollte nicht danach schlagen, den Nesteingang nicht verstellen und keine eigenen Manipulationen vornehmen. Speisen und Getränke sollten abgedeckt werden. Zu Nestern empfiehlt der NABU einen Sicherheitsabstand von 4 bis 5 Metern.