Ein multifunktionales Feuerwehr-Hilfsmittel

Rettungsplattform: Tipps für die Beschaffung und den Einsatz

Im Jahr 2017  kamen laut statistischem Bundesamt 24 Prozent mehr Lkw-Insassen bei Unfällen ums Leben als 2016. Die Statistik zeigt auch: Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Sommer am höchsten. Zeit also, mal wieder mit der Rettungsplattform zu üben. 

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Bei Verkehrsunfällen mit Transportern und Lkw ermöglichen oft nur Rettungsplattformen den Einsatzkräften ein sicheres Arbeiten an den Wracks. Foto: Bauer

Die Technische Hilfeleistung nach Unfällen von Lkw, Bussen oder Schienenfahrzeugen macht es regelmäßig notwendig, dass Einsatzkräfte mit hydraulischem Rettungsgerät auf bis zu 3 Meter Höhe arbeiten müssen. Die mittlerweile als Normbeladung auf Rüstwagen (RW) oder optional auf Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeugen (HLF) 20 vorgesehenen Rettungsplattformen ermöglichen dann einen sicheren Stand. Wir erklären, worauf bei der Beschaffung einer Rettungsplattform geachtet werden sollte und geben Tipps für den Einsatz.

Inhalt

Plattform nach Norm
Beschaffung der geeigneten Rettungsplattform
Nicht nur für die Technische Hilfeleistung
Rettungsplattform sicher aufstellen
Nach dem Einsatz der Rettungsplattform

Heutzutage gehören Rettungsplattformen zur Standardausstattung der Feuerwehr. Doch keine 20 Jahre zuvor gab es diese Hilfsmittel in Deutschland nur vereinzelt. Damals setzten die Kräfte in der Regel tragbare Leitern ein, um an höher gelegenen Stellen an verunfallten Fahrzeugen arbeiten zu können. “Für ein schnelles und sicheres Arbeiten mit schweren Rettungsgeräten war dies aber keine wirkliche Option”, sagt Frank Bohm, Brandamtsrat bei der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. “Rettungsplattformen sind insbesondere bei Lkw-Unfällen unbedingt notwendiges Equipment, um eingeklemmte Fahrer innerhalb der goldenen Stunde aus dem Fahrerhaus zu befreien.” Bohm beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Lkw-Rettung und hat in unzähligen Versuchen mit unterschiedlichen Rettungsplattformen gearbeitet.

Plattform nach Norm

Rettungsplattformen sind schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Beladung von genormten Rüstwagen. Auch viele Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeuge (HLF) werden heute mit einer Rettungsplattform ausgeliefert. Sie sind mittlerweile in der DIN 14830 “Rettungsplattform für die Feuerwehr” genormt. Die DIN gibt vor, dass Rettungsplattformen für eine Arbeitshöhe von bis zu 3 Meter bestimmt sind. Die Plattformfläche soll etwa 1.700 Millimeter auf 800 Millimeter betragen und rutschhemmend ausgeführt sein.

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Auf einer der Längsseiten muss ein abklappbares, einschiebbares oder abnehmbares Geländer angebracht sein. Um Geländeunebenheiten auszugleichen, müssen außerdem alle Füße über einen Niveau-Ausgleich von mindestens 200 Millimetern verfügen. Bei der Auswahl einer Rettungsplattform sollte allerdings beachtet werden, dass längst nicht alle auf dem Markt befindlichen Modelle auch alle Vorgaben der Norm erfüllen.

Besonders wichtig: Die maximale Tragfähigkeit der Rettungsplattform (nach Norm 5 kN, entspricht ungefähr 500 kg) darf auf keinen Fall überschritten werden! In der Vergangenheit ist es durch Überlastung schon zu schweren Unfällen gekommen. Dabei muss beachtet werden, dass schon zwei Einsatzkräfte mit Schutzkleidung und entsprechendem Rettungsgerät schnell die 300-Kilogramm-Marke knacken können. Beim Einsatz kommt dann gegebenenfalls noch das Gewicht von Rettungsdienstmitarbeitern oder dem Unfallopfer hinzu. So ist es die Aufgabe des Einsatz- beziehungsweise Abschnittsleiters, die Belastung und Belastbarkeit der Rettungsplattform stets im Auge zu haben.

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Einige Rettungsplattformen lassen sich mit wenigen Handgriffen zu Schienenrollwagen umbauen. Diese eignen sich dann optimal zum Material- oder Verletztentransport auf ebener Strecke. Foto: Haca

Beschaffung der geeigneten Rettungsplattform

Ein wesentlicher Faktor für die Auswahl einer geeigneten Rettungsplattform ist die Rüstzeit, die erforderlich ist, bis die Plattform einsatzbereit am Unfallfahrzeug steht. Dabei sollte unter anderem auf ein geringes Gesamtgewicht geachtet werden. Aus diesem Grund bestehen die meisten Rettungsplattformen auch entweder aus Aluminium oder Fiberglas. Die Entnahme aus dem Rüstwagen oder HLF, der Aufbau und das Instellungbringen am Unfallort sollte von maximal zwei Einsatzkräften durchführbar sein. Bei der Beurteilung der Rüstzeit dürfen auch Details, wie die einfache Bedienbarkeit der Niveauregulierung, die schnelle Anpassung der Arbeitshöhe oder der Aufbau ohne Werkzeug, nicht vergessen werden. “Je unkomplizierter der Aufbau der Rettungsplattform funktioniert, desto besser”, findet auch Frank Bohm.

Selbst wenn die Bedienung der Plattform sehr einfach erscheint, sollte die Handhabung dennoch regelmäßig trainiert werden. “Der Aufbau der Rettungsplattform muss sicher und schnell beherrscht werden, um an der Einsatzstelle keine wertvolle Zeit zu verlieren”, so Bohm.

Wie eine Übung aussehen kann, die gleichzeitig gute Werbung für die Feuerwehr ist, zeigt die Feuerwehr Heilbronn:

Auch die Lagerung auf dem Einsatzfahrzeug spielt für die Rüstzeit eine erhebliche Rolle. Ein geringes Packmaß ermöglicht die Unterbringung im Fahrzeugaufbau und damit eine Entnahme vom Boden aus. Wird die Plattform auf dem Aufbaudach mitgeführt, ist für die Entnahme mehr Personal notwendig. Es gibt sogar spezielle Einpersonenhaspeln, auf denen eine Rettungsplattform am Fahrzeugheck gelagert und zur Einsatzstelle gerollt werden kann. Besteht die Rettungsplattform aus mehreren Teilen, sollte sie in einer Transportbox untergebracht werden, damit keine für den Aufbau wichtigen Teile vergessen werden können.

Einige Rettungsplattformen (beispielsweise Trucksaver von Just) können nur in Kombination mit anderen tragbaren Leitern, zum Beispiel Steck- oder Multifunktionsleiter, aufgebaut werden. Dabei sollte aber unbedingt beachtet werden, dass hierdurch die tragbare Leiter selbst nicht mehr zur Verfügung steht und der Aufbau in der Regel etwas länger dauert.

Rettungsplattform: Nicht nur für die Technische Hilfeleistung

Rettungsplattformen bei der Feuerwehr sind insbesondere für den Einsatz an Lkw, Bussen und Schienenfahrzeugen zur Rettung gedacht. Allerdings können sie auch bei anderen Verkehrsunfällen ein wichtiges Hilfsmittel sein. Ein typisches Beispiel: Ein Pkw bleibt nach einem Crash auf der Beifahrerseite liegen und die Helfer müssen oben arbeiten, weil hier der beste Zugang zum eingeklemmten Fahrer besteht.

Auch fernab des Verkehrsunfalls gibt es Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel wenn bei der Brandbekämpfung ein erhöhter Standort erforderlich ist. Zum Überbrücken von Straßengräben, Leitplanken oder als Ausstiegshilfe aus Eisenbahnwagons sind manche Plattformen ebenfalls geeignet.

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Gerade für die Rettung und den Abtransport der Verletzten – beispielsweise auf einem Spineboard oder einer Trage – kann es erforderlich werden, das Geländer abzuklappen. Foto: Günzburger Steigtechnik

Einige Hersteller (Haca, AVV, Günzburger Steigtechnik) bieten sogar Zubehör an, das die Umrüstung zu einem Schienenrollwagen ermöglicht. Hierfür wird die Rettungsplattform mit Achsen und Rädern versehen und kann anschließen auf die Schienen gesetzt werden. Die Plattform kann dann zum Transport von Gerätschaften wie Rettungsschere und Spreizer oder Verletzten verwendet werden. Die Vorhaltung spezieller Schienenrollwagen kann man sich so unter Umständen sparen. Der Einsatz empfiehlt sich aber nur für wirklich ebene Strecken, da in der Regel keine Bremsen zur Verfügung stehen. Hier sollte die Feuerwehr vor dem ersten Einsatz eine Möglichkeit beschaffen, den abgestellten Rollwagen zu sichern.

Rettungsplattform sicher aufstellen

Um auf der Rettungsplattform sicher arbeiten zu können, muss diese unbedingt einen sicheren Stand haben. Es gilt: Alle Füße müssen den Boden berühren. Hierzu dient der Niveauausgleich an den Stützfüßen, der Geländeunebenheiten ausgleichen kann. Schnellbaugerüste aus dem Baumarkt verfügen häufig über keinen solchen Ausgleich und sind deshalb für Einsatzstellen abseits der ebenen Straße wenig geeignet.

Der Rettungsplattform-Hersteller Just zeigt in einem Video, wie eine Rettungsplattform optimal aufgestellt wird:

Auch das Einstellen der richtigen Arbeitshöhe ist ein wichtiger Punkt. Dies kann im Regelfall nur erfolgen, wenn sich niemand auf der Plattform befindet. Gleich das richtige Maß zu finden, spart deshalb gegebenenfalls wertvolle Zeit. “Tendenziell werden Rettungsplattformen gerne zu hoch eingestellt”, gibt Bohm zu bedenken. Um einen eingeklemmten Lkw-Fahrer befreien zu können, muss häufig die Fahrertür entfernt oder geöffnet werden. Außerdem ist unter Umständen das Setzen von Entlastungsschnitten im unteren Bereich des Schwellers oder der A-Säule notwendig. “Die Arbeitsfläche der Rettungsplattform sollte sich deshalb unterhalb des Schwellers des Unfallfahrzeugs befinden. So können die Einsatzkräfte die Tür noch öffnen und die Rettungsplattform behindert nicht das Ansetzen der Rettungsschere am Schweller”, erklärt Bohm weiter.

“Noch vor dem Instellungbringen der Rettungsplattform kann es außerdem erforderlich sein, Verkleidungsteile des Lkw, zum Beispiel die Abdeckung der Stufen zum Fahrerhaus, zu entfernen, da die Plattform sonst beim Arbeiten an der Tür weggeschoben werden könnte”, ergänzt der Ludwigshafener Feuerwehrmann. Sind an einer Einsatzstelle zwei Rettungsplattformen verfügbar, besteht die Möglichkeit, diese “über Eck” anzusetzen, um von vorne und von der Seite arbeiten zu können.

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Vorbildlich: Eine Rettungsplattform liegt etwas außerhalb des Einsatzbereiches der Kräfte aufgebaut bereit. Wird sie für die Rettung des eingeklemmten Lkw-Fahrers benötigt, kann sie sofort eingesetzt werden. Foto: Bludau

Außerdem sollte beim Anstellen der Plattform am Objekt darauf geachtet werden, dass ein ausreichender Abstand eingehalten wird. So erweitert sich der Aktionsradius des Rettungsgerätes auch auf Bereiche außerhalb der Rettungsplattform und es bleibt mehr Bewegungsspielraum für die Geräteführer. Außerdem verhindert ein zu geringer Abstand von Plattform und Lkw das Ablassen entfernter Fahrzeugteile, zum Beispiel einer Lkw-Fahrertür, auf den Boden.

Spätestens wenn die Feuerwehr den Fahrzeuginsassen aus dem Fahrzeug heraushebt ist es häufig erforderlich, das Geländer der Plattform umzulegen oder zu entfernen. Dies ermöglicht ein einfacheres Hantieren mit Rettungsbrett oder Schaufeltrage. Das Geländer sollte deshalb mit wenigen Handgriffen an- oder abgebaut beziehungsweise umgelegt werden können. “Bei der Entnahme des Patienten aus dem Fahrzeug ist es wichtig, möglichst in alle Richtungen beweglich zu sein. Hierbei würde das Geländer nur stören”, erklärt Bohm.

Nach dem Einsatz der Rettungsplattform

Rettungsplattformen sind nach den “Prüfgrundsätzen für Ausrüstung und Geräte der Feuerwehr” (GUV-G 9102) nach jeder Benutzung einer Sichtprüfung auf Anzeichen von Verschleiß oder Beschädigung zu unterziehen und entsprechend der Herstellervorgaben zu reinigen. Mindestens einmal jährlich ist eine Sicht- und Funktionsprüfung von einem Sachkundigen durchzuführen.

(Text: Jörg Heck)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo, in dem Bericht ist die Rede von einer Einpersonenhaspel, die mit einer Rettungsplattform beladen werden kann. Diese wäre bestimmt eine hervoragende Sache, gerade auf Autobahnen, wo die Unfallstelle nicht immer mit einem Großfahrzeug erreicht werden kann.
    Würden sie mir auch den Hersteller dieser Haspel angeben – unser Feuerwehrausstatter hat hier keinen Erfog von den gewöhnlichen Lieferanten.

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  2. Oft wird diese Rettungsplatform auf einen GW – L Zum einsatz gebracht.

    Frage inwiefern kann eine Plattform zur Personenrettung bei einen Hausbrand erhöhtes Ergeschoss eingesetzt werden Höhe Unterkante Fenster 2m straßenseitig?

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Die im Übungsvideo benützte Plattform entspricht der o.g. DIN 14830 – daher finde ich den Einsatz und die Demonstration einer nicht normkonformen Pattform suboptimal…

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