Berliner Feuerwehr: Über 1.500 Unwettereinsätze und Straßenbahnunfall

Berlin/Brandenburg/Niedersachsen/Bremen – Gestern Abend um 20:25 Uhr twitterte die Berliner Feuerwehr unter dem Hashtag #Unwetter: „Um 20.25 Uhr ist die 2.000-Einsätze-Grenze geknackt… so viel sind es typischerweise nur in der Silvesternacht. Wahnsinn!“ Darunter waren alleine 780 Alarme, die in direktem Zusammenhang mit dem Unwetter standen. Neben der Berufsfeuerwehr waren zu diesem Zeitpunkt auch 700 Kräfte der freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Die Leitstelle verhängte über die Feuerwehr den Ausnahmezustand. Der Deutsche Wetterdienst meldete für Berlin Mengen von über 50 Liter pro Quadratmeter, punktuell wie in Berlin-Tegel auch 93 Liter pro Quadratmeter in 12 Stunden (152 Liter je Quadratmeter in 24 Stunden).

Am Freitagmorgen waren es dann um 10:15 Uhr bereits 1.500 unwetterbedingte Einsätze. Der Ausnahmestand besteht weiterhin (Stand 12:00 Uhr). Zwei besondere Lagen waren ebenfalls darunter: Auf einer Sonderrechtsfahrt stieß ein Löschfahrzeug mit einem Pkw zusammen. Dieser war bei Grün in eine Kreuzung eingefahren, als das Einsatzfahrzeug diese gerade passieren wollte. Beide Fahrzeuge stießen zusammen. Der 55-jährige Pkw-Fahrer wurde verletzt, ebenso die Beifahrerin im Löschfahrzeug. Beide kamen in eine Klinik. Der 22-jährige Maschinist erlitt einen Schock.

2.536 Einsätze, die Hälfte davon durch den Starkregen bedingt, musste die Feuerwehr am Donnerstag abarbeiten. Dennoch hatte das Twitterteam Zeit, die Angehörigen der Einsatzkräfte zu beruhigen. Zur Nachahmung empfohlen.

MANV-Alarm ausgelöst: Straßenbahnunfall

In Prenzlauer Berg hatte die Feuerwehr bereits um 11:53 Uhr den MANV (Massenanfall Verletzter) ausgelöst. An der Kreuzung Danziger Straße/Prenzlauer Allee stießen zwei Straßenbahnen zusammen. 27 Menschen wurden dabei verletzt, davon drei mittelschwer. Zehn Patienten musste der Rettungsdienst in umliegende Krankenhäuser transportieren. Drei Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge, neun Rettungswagen, zwei Notarzt-Einsatzfahrzeuge, drei Führungs- sowie fünf Sonderfahrzeuge kamen zum Einsatz. Dazu Polizei sowie Mitarbeiter vom Notfallmanagement der BVG.

Land unter in Berlin: So wie hier standen zahlreiche Kreuzungen und Straßenzüge unter Wasser. Die Feuerwehr verhängte den Ausnahmezustand.

Doch nicht nur in Berlin gab es zahlreiche Unwettereinsätze. In Bremen rückte die Feuerwehr zu rund 45 Einsätzen aus. Hauptsächlich waren die Stadtteile Steintor, Schwachhausen, Borgfeld und Horn betroffen, dort konnte die Kanalisation scheinbar die plötzlich großen Mengen an Regenwasser nicht mehr aufnehmen, sodass etliche Keller und Wohnungen voll Wasser liefen. Das Einsatzspektrum umfasste hauptsächlich Keller auspumpen sowie vollgelaufene Wohnungen und mehrere Tiefgaragen. Einen außergewöhnlichen Einsatz gab es in dem Zeltlager einer Jugendfeuerwehr aus Wolfsburg am Stadtwaldsee. Kurz nach dem Durchzug der Regenfront meldeten die Jugendlichen und ihre Betreuer „Land unter“. Die FF Bremen-Neustadt rückte an und konnte mittels zweier Tauchpumpen den normalen Lagerbetrieb wiederherstellen.

Jugendfeuerwehr-Zeltlager abgebrochen

Durch den Starkregen musste das Bezirksjugendfeuerwehr-Zeltlager Lüneburg in Hermannsburg (Kreis Celle) abgebrochen werden. Die Bezirksjugendfeuerwehr schrieb bei Facebook: „Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht! Die hinteren Zeltplätze entlang der Örtze sind aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage so stark durchnässt, dass es leider überhaupt keinen Spaß mehr macht, dort zu zelten. Da das Wetter auch in den nächsten 24 Stunden nicht besser wird, haben wir uns dazu entschieden, unser Zeltlager morgen zu beenden.“ Dieses gab schweren Herzens die Lagerleitung an die Jugendwarte weiter. Einige Jugendfeuerwehren haben sich entschieden bereits Donnerstagabend abzureisen.

Trotz der Evakuierung ihres Zeltlagers in eine Turnhalle lassen sich die Jugendlichen ihre gute Laune nicht verderben. So geht Jugendfeuerwehr eben!

Warnung für den Nordosten Deutschlands

Zwischen Hannover und Oldenburg kam es zu kräftigen Gewittern mit lokal extrem heftigem Starkregen. An der Station Großenkneten südwestlich von Bremen fielen 60 Liter je Quadratmeter innerhalb von nur 3 Stunden. Verantwortlich für diese Mengen war das Tief Rasmund. Dieses zieht am heutigen Freitag allmählich auf die Ostsee. Damit verlagert sich der Schwerpunkt der anhaltenden Regenfälle immer weiter in den Norden Deutschlands, wo in einem 12-stündigen Zeitraum nochmals 30 bis 70 Liter pro Quadratmeter wahrscheinlich sind und somit auch tagsüber mit weiteren Unwetterwarnungen gerechnet werden muss. Allerdings schwächt sich die Intensität der Niederschläge immer weiter ab, womit die Unwetterwarnungen bis zum Abend auslaufen können. Während die Wetterwarnungen für Berlin herabgestuft wurden, besteht für das nördliche Brandenburg, für Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein Warnstufe Rot vor ergiebigem Dauerregen.

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