Hamburg – Als Hamburg am 3. Mai 1945 kapitulierte und wenige Tage später der Zweite Weltkrieg vorbei war, ahnte wohl niemand, welche Gefahr aus den Luftangriffen der Alliierten vor allem auf den Hafen und die Werften noch Jahrzehnte später für Gefahr sorgen würden: Bombenblindgänger. Nach Schätzung der Experten des Kampfmittelräumdienstes der Feuerwehr Hamburg liegen noch etwa 2.500 Bomben und weitere Kampfmittel in den Gewässern und im Boden der Stadt verborgen. Zum Großteil im Hafengebiet, aber auch in dessen weiterem Umfeld.
Auch 80 Jahre nach Kriegsende gehört die Beseitigung solcher Kampfmittel weiterhin zum Alltag des Kampfmittelräumdienstes. (Bild: Jann)
Diese Zahl wurde jetzt anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Kampfmittelräumdienstes (KRD) veröffentlicht. In der Zeit wurden bereits mehr als 11.000 Blindgänger beseitigt. „Nur weil die Menge gefundener Kampfmittel in einem Jahr abnimmt, heißt es nicht, dass die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes bald vorbei ist“, mahnte Oberbranddirektor Jörg Sauermann weiter zur Vorsicht. Die Gefahr ist allgegenwärtig – vor allem, wenn im Hafen gebaut wird. Wie aktuell auf dem Areal der Holborn Raffinerie, wo schon mehrere Blindgänger gefunden und entschärft wurden.
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Seit 1949 wird anhand von Luftbildern, die die Alliierten während der Angriffe gefertigt hatten, systematisch nach Blindgängern gesucht. Ab 1971 kam dazu auch das Magnetschiff „Wilhelm Westermann“ zum Einsatz, das vor allem die Wasserflächen sondierte. Dennoch: auch heute stecken noch Bomben im Schlamm, sorgen dann bei Verdacht immer wieder für Aufsehen und Beeinträchtigungen, wenn sie entschärft werden müssen. „Niemand stellt uns die Frage, wie viele Menschenleben durch den KRD gerettet wurden, welche Vermögensschäden an der Infrastruktur wir verhindert haben“, sagt Andre Kowalzik, Leiter der Einheit. Über eigene „Highlights“ der gefährlichen Arbeit würde man tatsächlich hanseatisch schwiegen, berichtet er.
Mit immer neuen Innovationen, wie einem Hochdruckwasserschneidgerät, einem Laserschneidgerät oder einem Roboter, versuchen die Sprengmeister, ihre Arbeit weiter zu optimieren und sich besser zu schützen. Denn gerade Langzeitzünder, die in vielen Blindgängern stecken, bergen ein extremes Risiko. Kowalzik: „Wir arbeiten daran, dass Hamburg eine sichere Stadt bleibt.“ Und trotzdem gehen die Experten jeden Tag zur Arbeit und wissen nicht, ob sie heimkehren werden. Entsprechend dankte Kowalzik den Familien und Angehörigen für deren Unterstützung.
Bei Verdachtsstellen operieren die Experten des KRD oft mit der Wasserschutzpolizei (WSP) und der Hamburg Port Authority (HPA). „In der Schifffahrt haben alle Verständnis, wenn es zu Beeinträchtigungen kommt. Aber man ahnt nicht, was alles organisiert werden muss, bis hin zu Ersatzliegeplätzen oder der Notwendigkeit, dass Schiffe in der Deutschen Bucht abwarten müssen“, sagt Heike Masuch, Leiterin des Hafenamtes West der HPA. Und für Heiko Vierling von der WSP ist klar: „Wir haben mit den Kollegen eine hervorragende Zusammenarbeit.“
Vom 29. September bis zum 23. Oktober soll es eine Ausstellung „80 Jahre Kampfmittelräumdienst – Vom Bombenräumkommando zum modernen KRD Hamburg“ in der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität (Holstenhofweg 85) geben. Wer die Schau montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr oder freitags von 9 bis 14 Uhr besuchen möchte, muss einen Lichtbildausweis mitbringen. „80 Jahre Verantwortung für unsere Stadt“, fasst Sauermann zusammen. Für den Job beim KRD brauche es Mut, Teamgeist und Entschlossenheit, so Hamburgs Feuerwehrchef.