Anteil soll weiter gesteigert werden

Frauen im THW

Bonn (NW) – In 668 Ortsverbänden des THW sind mittlerweile rund 80.000 Personen in Deutschland ehrenamtlich für den Zivil- und Katastrophenschutz aktiv. Die Frauenquote ist allerdings ähnlich schlecht wie bei der Feuerwehr. Bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften betrug der Frauenanteil 2021 nur rund 16%. Aber es werden langsam mehr, wie Christoph Mahle für uns festgestellt hat. Und das THW will den Anstieg durch gezielte Maßnahmen weiter beschleunigen.

Der Helferinnentag 2022 in Hoya. Foto: THW

In der Anfangszeit des THW war es Frauen verboten, mit zum Einsatz zu kommen. Dem damaligen Bild der häuslichen, schwachen Frau entsprechend, konnten sie auf Anfrage beim Landesbeauftragten maximal in der Küche oder der Verwaltung tätig sein. Das war in den 1950er und 1960er Jahren.

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“Frauen interessierten sich lange auch gar nicht für den technischen Part”, sagt Helga Honsell vom THW Radolfzell am Bodensee – dafür wären ja die Männer da gewesen. Honsell beschreibt sich in einer vom THW erstellten YouTube-Reihe vor allem als die „Mutter der Kompanie“. Bei Sorgen der Männer sei sie für sie da gewesen.

Weibliche Tätigkeiten im Einsatz erlaubt

1959 wurde das Engagement von Frauen im THW offiziell erlaubt – jedoch zum Beispiel nur als Sanitätshelferin oder in der Verwaltung. 1968 waren sie dann zwar endlich offizieller Teil der Einsätze, durften aber nur typisch weibliche Tätigkeiten wahrnehmen, die keine körperliche Beanspruchung nach sich zogen. Die ersten ausgebildeten Frauen im THW seien dann in den 1970er-Jahren vor allem Ehefrauen von THW-Mitgliedern gewesen, so Helga Honsell.

Die Wehrpflicht brachte bis 2011, mit der Möglichkeit des ersatzweisen Dienstes beim THW, aber weiter insbesondere Männer zum THW. Erst danach startet das THW aktiv mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen – diese richteten sich nun an Männer und Frauen.

Im THW lernen auch Frauen, mit technischem Gerät umzugehen. Foto: THW Friedberg/Thomas Schmid

Sabine Lackner war die erste weibliche Landesbeauftragte und Referatsleiterin in der THW-Leitung. Seit 2020 ist sie Vizepräsidentin und damit die erste Frau in diesem Amt. „Ein gutes Signal“, nennt es die THW-Pressestelle und hofft, dass der Funken auf weitere Frauen überspringt. „Von alleine ändert sich gar nichts“, sagt sie. Bei Parität und Diversität sieht die Vizepräsidentin noch „Luft nach oben“. Außerdem sieht sie hierin eine gewisse Vorbildfunktion des THW als Bundesbehörde, die demokratische Werte und Pflichten vertritt. 

Generell müsse aber auch das Bewusstsein für Frauen weiter ausgebaut werden, so Lackner weiter. Mädchen und Frauen empfiehlt Sabine Lackner ihre „eigenen Anwältinnen“ zu sein, sich an Vorbilder zu wenden und ihre Rechte einzufordern. „Lasst euch beraten“ – und kommt raus aus einer eventuell passiven Haltung, so die Vizepräsidentin. “Und blickt optimistisch in die Zukunft.”

Strukturelle Hindernisse beseitigen

Gemeinsam mit Präsident Gerd Friedmann will sie die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und THW durch bessere Rahmenbedingungen fördern. Zudem sollen bei Neubauten oder Sanierungen immer die Bedürfnisse von Frauen und Eltern mit Kind berücksichtigt werden. Laut der THW-Pressestelle sollen vor allem „strukturelle Hindernisse“ beseitigt werden.

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Aktionstage wie regelmäßige „Helferinnentage“ sollen für alle Mädchen und Frauen Austausch und Erfahrungsgewinn ermöglichen. In einem geplanten Mentoring-Programm sollen erfahrene Kräfte weiblichem Nachwuchs beratend zur Seite stehen. Zudem sind sogenannte „Helferinnenbeauftragte“ in den Landesverbänden und eine online-Plattform für Mädchen und Frauen vorgesehen. Ebenso richtet sich die „Deine Zeit ist jetzt“-Kampagnen besonders an weibliche Interessierte. Jedes Jahr im April öffnen am „Girls‘ Day“ viele THW-Ortsgruppen einen Tag lang ihre Pforten für Mädchen und erläutern ihnen den vermeintlichen Männerbereich „Technik“. Vorkenntnisse braucht frau beim THW nämlich nicht.

Um es abschließend mit den Worten von THW-Ehrenpräsident Albrecht Broemme zu sagen: „Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil eigentlich für jeden Menschen“ – und das gilt somit auch für Frauen. Nach ihm haben Klischees und starre Rollenbilder im THW keinen Platz mehr. Denn alle wollen sie ja im Kern nur eines: Menschen in Not professionelle Hilfe leisten! „Ohne das THW würde Vieles in Deutschland nicht funktionieren“, deswegen bleibt das THW weiterhin aktiv, Frauen für den Einsatz bei sich zu begeistern.

Ein Gastbeitrag von Christoph Mahle. 

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