Dienstag, 22. August 2017

So verschieden ist die Truppmannausbildung der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland

Bremen – Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 (FwDV 2) regelt in Deutschland die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehren. Die Truppmannausbildung gliedert sich in einen Teil 1 (Grundausbildungslehrgang) und eine Truppmannausbildung Teil 2. Die wird nach landesrechtlichen Regelungen beziehungsweise auf Gemeinde- oder Kreisebene durchgeführt. Daher kann die Ausbildung von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden sein. Wir stellen Euch einige Ausbildungskonzepte vor.

„Die Truppmannausbildung ist erst nach erfolgreicher Teilnahme an der Truppmannausbildung Teil 1 und Teil 2 abgeschlossen“, schreibt die FwDV 2 in Teil 1, Paragraph 2.1 vor. Teil 1 umfasst mindestens 70 Stunden. Für Teil 2 sind mindestens 80 Stunden innerhalb von 2 Jahren vorgesehen. Während Teil 1 vergleichbar mit dem ehemaligen Grundlehrgang ist, haben die Bundesländer in den vergangenen Jahren immer wieder die Richtlinien für die 2-jährige Truppmannausbildung Teil 2 geändert.

Beim Arbeiten mit dem Greifzug ist Kraft gefragt. Foto: Olaf Preuschoff

Neuer Lehrgang: Bayern setzt auf Modulare Truppausbildung

„Die bayerischen Feuerwehren bilden seit 2014 nach dem Konzept der Modularen Truppausbildung (MTA) aus“, sagt Dieter Püttner, Fachbereichsleiter Ausbildung des Landesfeuerwehrverbands (LFV) Bayern. „Mit der MTA hat Bayern Neuland betreten und ein aus unserer Sicht zukunftsweisendes Modell für die Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren entwickelt. Ziel der MTA ist eine Truppausbildung, die mit der Qualifikation Truppführer abschließt und modular aufgebaut ist, sodass sie jeder Feuerwehr, unabhängig von deren Ausstattung, gerecht wird. Die Ausbildung soll dabei einsatzbezogen, handlungsorientiert und praxisnah durchgeführt werden.“

„Die in den Ausbildungshilfen zu den einzelnen Themen angegebenen Stundenansätze sind daher Richtwerte und als Planungshilfen zu verstehen – sie können je nach örtlichen Gegebenheiten und insbesondere abhängig von Vorwissen und Lernfortschritt der Lerngruppe variieren“, erklärt Püttner. „Beispielsweise ist das Lernziel beim Leiter steigen dann erreicht, wenn der Teilnehmer gezeigt hat, dass er korrekt auf eine Leiter steigen kann und nicht, wenn die vorgeschriebene Zeit absolviert ist. Für die Feuerwehren wird zur MTA ein Musterausbildungsplan zur Verfügung gestellt, der von den Ausbildungsstandorten angepasst werden kann. Damit bleibt es dem Standort überlassen, ob er die MTA als Kompaktlehrgang oder mit Ausbildungsanteilen an Wochenenden durchführt. Beide Verfahren und auch Mischformen werden aktuell praktiziert. Die bisherige Ausbildung Truppmann (TM) 2 wurde durch die MTA ersetzt.“

Laut Bayerischem Feuerwehrgesetz liegt die Ausbildung in der Verantwortung des Kommandanten (Leiter der Feuerwehr). Zusammen mit der Kreisbrandinspektion legt er fest, ob eine Teilnehmergruppe von Feuerwehrmann-Anwärtern groß genug ist, um die MTA in der Ortsfeuerwehr durchzuführen ist. Falls nicht, wird die Ausbildung als Kooperation von mehreren Feuerwehren innerhalb einer Kreisbrandinspektion durchgeführt.

„In der MTA gibt es eine Zwischenprüfung nach dem Basismodul und eine Abschlussprüfung, die die Truppführer-Qualifikation nachweist, am Ende der MTA“, sagt Püttner. Die Teilnahme an der MTA setzt die Mitgliedschaft in einer bayerischen Feuerwehr voraus. Weitere Informationen und Unterlagen zur MTA gibt es auf der Homepage der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg

Eine Feuerwehrstaffel lässt eine Saugleitung zu Wasser. Foto: Sven Buchenau

In Berlin gehört der Atemschutz zur Grundausbildung für Freiwillige

Die Truppmannausbildung beginnt bei der FF in Berlin mit einem 120-Stunden-Lehrgang. Die Lehrgänge finden an Wochentagen (jeweils 2 bis 3) von 18 Uhr bis 21.15 Uhr sowie samstags und sonntags von 8 Uhr bis 15 Uhr statt. „Der Lehrgang wird von den Direktionen vor Ort durchgeführt und unter Teilnahme der Feuerwehrschule abgeprüft“, erklärt Branddirektor Matthias Pruß, Leiter der Feuerwehrschule. Es folgt ein zweiter Teil (ebenfalls in den Direktionen) mit zweimal 20 Stunden in 2 Jahren, in welchem die Ausbilder die Mitglieder nach FwDV auf den Einsatz in den Ortsfeuerwehren vorbereiten. 

Die Grundausbildung muss innerhalb von 2 Jahren nach Aufnahme in die Freiwillige Feuerwher abgeschlossen sein. Dazu gehören die Truppmannausbildung sowie die Lehrgänge Atemschutzgeräteträger (27 Stunden) und Rettungshelfer (84 Stunden), das Atemschutznotfalltraining und die Unterweisung im Umgang mit psychisch belastenden Einsätzen (8 Stunden).


Aktuelles Grundwissen für den Dienst in der Feuerwehr

Das ideale Nachschlagewerk für jeden Feuerwehrmann gibt praktische Tipps und erklärt dank Abbildungen und Tabellen auch komplexe Themen. Auch für Truppführer interessant.

>>Direkt hier bestellen<<<

In Bremen beginnt die Ausbildung mit einem Wochenlehrgang

„Die TM 1 Ausbildung erfolgt in einem Wochenlehrgang (Montag bis Sonntag) an der Feuerwehrschule der Feuerwehr Bremen“, sagt Brandrat Marcus Schleef, Bereichsführer der FF Bremen. Erklärung: In der Hansestadt wird sowohl für die Berufsfeuerwehr als auch für freiwillige Feuerwehren der gemeinschaftliche Terminus Feuerwehr Bremen verwendet. „Die TM 2 Ausbildung wird durch die FF selbst ausgebildet, wobei sich jeweils die Wehren aus einem Abschnitt, in der Regel 5 bis 6 freiwillige Wehren zusammenschließen und die Ausbildung gemeinsam durchführen. Diese Praktik wird jedoch erst seid 4 Jahren durchgeführt.“

Das Referat 52 (Freiwillige Feuerwehren) der Feuerwehr Bremen führt eine Truppmann 2-Prüfung durch. „Die Prüfung wird in der Regel an dem Standort einer FF beziehungsweise an der Feuerwehrschule an einem Samstag oder Sonntag abgenommen“, ergänzt Schleef. 

Ein Trupp übt die Wasserabgabe mit B-Rohr und Stützkrümmer. Foto: Olaf Preuschoff

Flexible Ausbildung im Freistaat Thüringen

Im Freistaat Thüringen gibt es keine landeseinheitliche Regelung zur Durchführung der Truppmannausbildung. „Es liegt in erster Linie in der Verantwortung der Landkreise und kreisfreien Städte beziehungsweise Gemeinden, wie diese die Vorgaben der FwDV 2 praktisch umsetzen“, erklärt Alexander Blasczyk, Geschäftsführer des Feuerwehrverbands Thüringen. „Es wird von Ort zu Ort unterschiedlich gehandhabt. So werden mancherorts die Ausbildungen grundsätzlich an Wochenenden durchgeführt, andernorts auch Module an Nachmittagen oder Abenden in der Woche angeboten. Teil 2 der Truppmannausbildung wird oft in die laufende Ausbildung integriert.“ 

Auch das Standrohr setzen will geübt sein. Foto: Sven Buchenau

„Im Freistaat Thüringen gibt es daher derzeit auch kein einheitliches Ausbildungskonzept und keine einheitlichen Ausbildungsunterlagen, wobei dies aus unserer Sicht wünschenswert wäre“, meint Blasczyk. „Jedoch ist derzeit unsere LFS noch nicht leistungsfähig genug, weil dort bisher alle Ressourcen für die Absicherung der Lehrgänge gebunden sind und zurzeit keine Freiräume für die Erarbeitung dieser Materialien bestehen. Es liegt also nicht am Willen, sondern an dem Problem, dass einfach nicht genügend Ausbilder hierfür vorhanden ist.“

Vier Module für Truppmann in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen wird die Truppmannausbildung in der Regel am Wochenende auf Gemeinde-Ebene durchgeführt. „Es gibt auch Gemeinden, die sich das Wochenende freihalten und den Lehrgang in der Woche durchführen“, sagt Stadtbrandinspektor Christoph Schönborn, Landesgeschäftsführer des LFV Nordrhein-Westfalen. „Es gibt keine Kompaktlehrgänge.“

Handbuch für die Feuerwehr

Das Buch liefert umfassende Informationen zum gesamten Feuerwehrwesen. Angesprochen sind die Fahrzeug- und Gerätekunde ebenso wie der Atemschutz, die Löschwasserversorgung und die Technische Hilfeleistung. Behandelt sind aber auch Gefahrstoff- und ABC-Einsätze, Messgeräte, Einsatztaktik oder die Fernmeldemittel der Feuerwehr.

>>>Jetzt hier bestellen<<< 

Größter Unterschied: Die gesamte Truppmannausbildung ist in vier Module eingeteilt. In Modul 1 werden Grundlagen gelehrt, die Module 2 und 3 befassen sich mit Einheiten im Löscheinsatz. Modul 4 umfasst die Technische Hilfe. Die Module beziehungsweise die Ausbildung sind im gesamten Bundesland identisch. „Jeder Lehrgangsteil der vier Module ist mit einer Prüfung (theoretisch/praktisch) verbunden“, meint Schönborn. 

Ist eine länderübergreifende Ausbildung für Freiwillige möglich?

Die Antwort darauf fällt von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus. „Im Rahmen einer Doppelmitgliedschaft können unabhängig vom Wohnort auch FF-Teilnehmer über die Wehr in Rheinland-Pfalz gemeldet werden“, erklärt Landesfeuerwehrinspektor Hans-Peter Plattner, Referatsleiter Einsatz- und Grundsatzfragen des Brand- und Katastrophenschutzes. „In Spezialbereichen , zum Beispiel dem Tauchen ist RLP Schwerpunktausbildungsstätte, sodass Teilnehmer auch aus anderen Bundesländern regulär einberufen werden können. Darüber hinaus werden Gastteilnehmer in Form von Hospitanten zugelassen.“ 

„Feuerwehr-Kameraden eines andere Bundeslandes müssen die Ausbildungsstätten ihres Bundeslandes besuchen (Problem der Freistellung und der Lohnfortzahlung)“, sagt Branddirektor Matthias Pruß aus Berlin. „Sofern diese eine Laufbahnausbildung (B1) bei der Berliner Feuerwehr absolviert haben, können sie dies bei ihrer Wehr für die FF anerkennen lassen.“

„Grundsätzlich erfolgt die Vergabe der Lehrgangsplätze an Angehörige einer hessischen freiwilligen Feuerwehr“, meint Harald Uschek, Referatsleiter Brandschutz, Einsatz, Förderwesen des Ministeriums des Innern und für Sport Hessen. „Lediglich mit der Zustimmung der Landesfeuerwehrschule (LFS) des anderen Bundeslandes ist eine kostenpflichtige Teilnahme an der LFS möglich. Die Teilnehmerin oder der Teilnehmer muss dabei die Voraussetzung erfüllen, die in ihrem/seinem Bundesland bestehen. Dieses zu prüfen, obliegt dem jeweiligen Bundesland.“

Feuerwehrleute üben das korrekte Entnehmen einer dreiteiligen Schiebleiter vom Fahrzeugdach. Foto: Olaf Preuschoff

Drei Prüfungs-Varianten für TM 2 in Sachsen

„Der Lehrgang zum Truppmann erfolgt in Sachsen überwiegend als Wochenendlehrgang“, sagt Branddirektor René Kraus, Leiter der Landesfeuerwehr und Katastrophenschutzschule Sachsen. „In welcher Form der Lehrgang durchgeführt wird, entscheidet der jeweilige Ausbilder in Absprache mit dem Landkreis bei Gemeinde übergreifenden Lehrgängen.“ Teil 2 erfolgt bei der jeweiligen freiwilligen Feuerwehr am Standort. 

„Die Umsetzung der FwDV 2 erfolgt in den Landkreisen unterschiedlich“, erklärt Kraus weiter. „Da wir an der Landesfeuerwehrschule meist nur den Lehrgangsnachweis für den Truppführer kontrollieren, als Zugangsvoraussetzung für den Lehrgang Gruppenführer, können wir keine hundertprozentige Aussage dazu treffen. Unsere Erfahrungen und Gespräche mit den Wehrleitern haben aber gezeigt, dass größtenteils der Leistungsnachweis für die praktischen Elemente im Truppmann Teil 2 während der Ausbildung am Standort geprüft werden und vom jeweiligen Ausbilder oder Wehrleiter einzeln bestätigt werden.“ Für die schriftliche Prüfung gibt es hauptsächlich 3 Varianten:

Variante 1: Schriftliche Prüfung nach den 80 Stunden beim Ausbilder des Truppmanns Teil 2.
Variante 2: Schriftliche Prüfung am Standort.
Variante 3: Keine schriftliche Prüfung.

[137]

Kommentare

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit...
Falls Sie ein Bild von sich beim Beitrag möchten: Gibts hier: Gravatar!

'; } ?>