Vor 40 Jahren kam das weiße Chaos

Die Schneekatastrophe in Norddeutschland

Vor 40 Jahren zum Jahreswechsel 1978/79 rollte eine ungewöhnliche Kältewelle auf Norddeutschland zu. In der Folge kam es zu einer Schneekatastrophe, die das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend lahmlegte und von Feuerwehren, THW und dem Katastrophenschutz alles abverlangte. Diese ungewöhnliche Wetterphase recihte bis weit in den Februar 1979 hinein. In unserem Rückblick wollen wir darüber berichten. Wenn Ihr also Erinnerungen an besondere Einsätze, Bilder oder Videos davon habt, die wir auf dieser Seite veröffentlichen dürfen, meldet Euch bei unserem Redakteur Olaf Preuschoff (preuschoff@feuerwehrmagazin.de).

Ein Einsatzfahrzeug des Technischen Hilfswerkes schleppt einen Versorgungslastkraftwagen durch die Schneemassen. Foto: THW Landesverband Schleswig-Holstein

Bereits zum 28. Dezember 1978 lag bei hohem Luftdruck über Skandinavien und tiefem Druck über dem Rheinland eine scharfe Luftmassengrenze mehrere Tage lang über der Ostsee. Die Grenze trennte sehr milde, feuchte Luft im Süden von arktischer Polarluft mit Temperaturen von teilweise unter minus 40 Grad Celsius (°C). Nach anhaltenden heftigen Schneefällen kam schließlich am 30. Dezember die Polarluft Richtung Alpen voran.

Quelle: YouTube/City Trucker

Während in Baden-Württemberg und Bayern anfangs noch Biergartenwetter herrschte, gab es nur 100 Kilometer nördlich der Luftmassengrenze Glatteisregen und heftige Schneefälle bei tiefem Frost. In Hof und Weiden fiel die Temperatur innerhalb 24 Stunden um 28 °C. Die Küstenbereiche an Nord- und Ostsee litten tagelang unter Nordoststurm, Hochwasser und weiteren Schneefällen. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze kam es zu Schneeverwehungen bis zu sechs Metern Höhe.

Originalwetterkarte des Deutschen Wetterdienstes, 31. Dezember 1978, 07.00 Uhr.

Die Auswirkungen der Kälte und insbesondere der andauernden Schneefälle waren vor allem in Nord- und Ostdeutschland gravierend. Der Straßen- und Eisenbahnverkehr kam zum Erliegen. Rund 150 Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Versorgung aus der Luft war wegen des starken Sturmes zunächst nicht möglich. Strom- und Telefonnetze fielen aus. Räumfahrzeuge blieben stecken – Panzer von Bundeswehr bzw. Nationaler Volksarmee versuchten steckengebliebene Züge und Hilfesuchende zu erreichen. Viele der Inseln waren auf sich selbst gestellt. In der Bundesrepublik starben in der Kälte 17 Menschen. Zahllose Rinder, Schweine und Hühner verendeten. Die Schäden überstiegen 140 Millionen D-Mark. In der damaligen DDR starben mindestens fünf Menschen.

Feuerwehr-Magazin-Redakteur Olaf Preuschoff mit 9 Jahren im Winter 1978/79 vor seinem Elternhaus in Westerstede (NI). Foto: Günter Preuschoff

Einordnung des Winters 1978/1979

Für große Teile Europas leitete die Wetterlage zum Jahreswechsel 1978/79 einen langen, kalten und schneereichen Winter ein. Die geschlossene Schneedecke hatte großen Anteil an weiteren Kältewellen über Nord- und Nordosteuropa, beispielsweise Mitte Februar 1979 mit neuen Schneefällen von 60 bis 80 cm Höhe in Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Vergleichbar harte Winter gab es  1928/29, 1962/63 sowie 1984/85 und zuletzt 1986/87. Mit 67 Tagen geschlossener Schneedecke, nämlich vom 28.  Dezember 1978 bis 4. März 1979, ist dieser Winter nur mit dem Nachkriegs-Hungerwinter 1946/47 vergleichbar.

(Quelle: Deutscher Wetterdienst)

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