Credo: Haltung zeigen

Jugendfeuerwehr Brandenburg setzt auf Vielfalt und Prävention

Potsdam (BB) – Inwiefern gehört das Thema Diskriminierung von Minderheiten auch in JF-Dienste? Was können JF-Verantwortliche und ihre Jugendlichen gegen Ausgrenzung und Benachteiligung tun? Wir haben mit der Landesjugendfeuerwehrwartin von Brandenburg, Anja Lehmann, dem Bildungsreferenten Tobias Schröder sowie mit Gerd Rademachener, Ehrenmitglied der LJF und ehemaliger Fachbereichsleiter Jugendpolitik, darüber gesprochen. Hier bekommt Ihr einen Auszug aus dem Interview in der Juni-Ausgabe des Feuerwehr-Magazins.

Zur Eröffnung der „Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026“ haben sich für ein Foto Gerd Rademacher (Ehrenmitglied LJF BB), Ron Bulgrin (Fachbereichsleiter Jugendpolitik LJF BB) sowie sitzend von links: Alexander Krause (stellvertretender Landesjugendfeuerwehrwart LJF BB), Anja Lehmann (Landesjugendfeuerwehrwartin LJF BB) und Frank Kliem (Vizepräsident LFV BB) zusammengefunden. Foto: LJF Brandenburg

FM: Wie vielfältig sind Brandenburgs JF aktuell? Spiegelt sich die gesellschaftliche Vielfalt ausreichend in den JF wider?

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Schröder: Zu uns kommen Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, aus unterschiedlichen Regionen, mit unterschiedlichen Hintergründen. Es gibt JF in der Peripherie wie auch in der Stadt, Kinder sowohl mit Migrationshintergrund als auch ohne. Es kommen Kinder mit Handicap sowie Jugendliche aller Geschlechter. Wir müssen aber festhalten, dass die gesamtgesellschaftliche Situation in Brandenburg mit etwa 10 Prozent Migrationsanteil und 51 Prozent Frauenanteil sich nicht in der JF widerspiegelt.

Rademacher: Bezogen auf den Migrationshintergrund könnten es gemessen am prozentualen Bevölkerungsanteil mehr sein. Die Diversität in Sachen geschlechtlicher Orientierung und Identität ist da wesentlich mehr an der Realität angepasst. Insbesondere im südlichen Brandenburg besteht die Herausforderung, dass vermehrt rechtsextreme Gruppierungen im Umkreis von Schulen aktiv sind und die Kinder und Jugendlichen gezielt für ihre Ideologie anwerben.

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FM: Was braucht es strukturell, um JF langfristig diskriminierungsfrei aufzustellen?

Lehmann: Wir brauchen klare, verlässliche Strukturen, die unsere Werte nicht nur benennen, sondern auch einfordern. Demokratie, Respekt und Vielfalt müssen verbindlich gelebt werden – nicht nur auf dem Papier. Dafür braucht es Haltung, klare Regeln und die Bereitschaft, im Zweifel auch konsequent zu handeln. Ein Erlebnis hat mich besonders geprägt: Auf einem Messestand kam ein junges Mädchen zu mir. Ich fragte sie, woher sie komme, und meinte ihren Wohnort in Brandenburg. Sie antwortete mit ihrem Herkunftsland. Das hat mich tief getroffen. Es zeigt, dass sich manche Menschen selbst hier nicht selbstverständlich zugehörig fühlen – und genau das dürfen wir nicht akzeptieren.

Rademacher: Eine Erweiterung der Werte, für die die Deutsche Jugendfeuerwehr steht – darunter Hilfsbereitschaft, Kameradschaft, individuelle Vielfalt, Wertschätzung –, ist überfällig. Mir fehlen da Weltoffenheit, Solidarität, Diversität als eindeutiger Begriff und Humanismus. Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion zwar langsam, aber immerhin voranschreitet.

Anlässlich des DJF-Fotowettbewerbs zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ sendete die JF Märkische Heide (BB) dieses kreative Bild ein. Aussage: „100 Prozent Menschenwürde. 100 Prozent Team. 0 Prozent Rassismus.“ Foto: JF Märkische Heide

FM: Wie sehen die Bemühungen, Fortbildung, Aufklärung, Aufarbeitung, Prävention beispielsweise, bei der Landes-JF Brandenburg aus?

Schröder: Wir haben ein diskriminierungsfreies und vorurteilsfreies Leitbild beziehungsweise Selbstverständnis, das derzeit noch einmal überarbeitet wird. Darüber hinaus organisieren wir Geschichts- und Gedenkveranstaltungen und ermutigen unsere Mitglieder, dies ebenfalls zu tun. Wir geben Handreichungen und Hilfestellungen aus und beteiligen uns an deutschlandweiten Informationstagen und -kampagnen. Auch unser Landesjugendforum beschäftigt sich regelmäßig mit der Thematik.

Rademacher: Erst vor kurzem haben wir im Fachbereich Bildung im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ ein Onlineseminar zum Thema „Rassismus und Diskriminierung in der JF“ abgehalten. Da beschreiten wir einen guten Weg. Allerdings haben durch den Rückgang internationaler Begegnungen in den vergangenen Jahren jahrelang erfolgreiche Projekte und partnerschaftliche Beziehungen in ihrer Intensität doch gelitten. Es ist nicht mehr so einfach mit den Jugendaustauschen, wie es einmal war.

Lehmann: Wir bieten Fortbildungen an und positionieren uns als Vorstand klar. Aber auch hier gilt: Das allein reicht nicht! Es ist wichtig, dass wir unsere Werte nicht nur kommunizieren, sondern aktiv im Alltag leben und immer wieder sichtbar machen – auch über Social Media und in der direkten Arbeit vor Ort.

Das ganze Interview unter dem Titel „Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt vermitteln“ lest Ihr auf 4 Seiten im aktuellen Feuerwehr-Magazin. Das Heft ist seit dem 29 Mai im Handel erhältlich. Ihr könnt es auch online bei uns im Shop bestellen.

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