Fachpressekonferenz

Interschutz 2026: „Zeitenwende im Bevölkerungsschutz“

Hannover (NI) – Wenige Wochen vor dem Messebeginn haben Veranstalter und Partner die Schwerpunkte der Interschutz 2026 benannt: Zivil-militärische Zusammenarbeit, Künstliche Intelligenz sowie Klima- und Nachhaltigkeitsthemen sollen die Weltleitmesse prägen. Nach Angaben der Deutschen Messe deuten die Vorzeichen auf die größte Interschutz aller Zeiten hin.

Von links: Dr. Jochen Köckler (CEO der Deutschen Messe AG), Silke Gathmann (Pressesprecherin der Deutschen Messe), Oberst i.G. Armin Schaus (Operatives Führungskommando der Bundeswehr, Abteilung J9), Jürgen Christmann (Vizepräsident im DRK-Bundesverband) und Christoph Bahlmann (Direktor der Feuerwehr Hannover). (Bild: Feuerwehr-Magazin | Hendrich)

Vom 1. bis 6. Juni 2026 öffnet die Interschutz in Hannover unter dem Motto „Safeguarding tomorrow“. 1.525 Aussteller aus 51 Ländern präsentieren ihre Produkte auf 112.463 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Zum Vergleich: 2022 (noch mit Corona-Auswirkungen) kamen 1.296 Aussteller auf 84.052 Quadratmeter, die Rekordmesse 2015 zählte 1.453 Aussteller, 107.327 Quadratmeter und 156.844 Besucher. Eröffnet wird die Interschutz durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.

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„Mehr denn je auch eine politische Messe“

Auf der Fachpressekonferenz am 3. März 2026 am hannoverschen Flughafengelände setzte Deutsche-Messe-CEO Dr. Jochen Köckler den Rahmen: In zunehmend unsicheren Zeiten sei die Interschutz mehr als ein Branchentreffpunkt. Dort gab die Flughafenfeuerwehr zugleich einen Einblick in die Leistungsfähigkeit moderner Großlöschfahrzeuge. Als zentrales Thema benannte Köckler die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) – nicht als kurzfristige Katastrophenhilfe, sondern als strategisch und institutionell verankertes Element der nationalen und europäischen Sicherheitsarchitektur. Die Messe werde dadurch „mehr denn je auch eine politische Messe“, so Köckler. Neben der ZMZ zählen Künstliche Intelligenz, die Auswirkungen des Klimawandels und Nachhaltigkeit zu den Fokusthemen.

Dr. Jochen Köckler, CEO der Deutschen Messe AG, ordnete die Schwerpunkte der Interschutz 2026 auf der Fachpressekonferenz ein. (Bild: Feuerwehr-Magazin | Hendrich)

Bundeswehr: Hybride Bedrohungen als neue Realität

Oberst im Generalstabsdienst Armin Schaus vom Operativen Führungskommando der Bundeswehr (Abteilung J9) zeichnete ein klares Lagebild: Sabotage, Cyberangriffe, gezielte Falschnachrichten und Drohnensichtungen an kritischer Infrastruktur – hybride Bedrohungen seien längst allgegenwärtig. Für Deutschland bedeute das konkret: Im Rahmen von Verlegungsplanungen könnte der Transfer von bis zu 800.000 alliierten Soldaten durch Deutschland erforderlich werden, bereits in Friedenszeiten und ohne dass der Verteidigungsfall eintritt. Das Ziel sei keine reine Militärverteidigung, sondern Gesamtverteidigung. Schaus betonte: „Unsere Sicherheit können wir nur gemeinsam gewährleisten.“

Oberst i.G. Armin Schaus (Operatives Führungskommando der Bundeswehr, Abteilung J9) sprach bei der Fachpressekonferenz zur Interschutz 2026 über Zivil-militärische Zusammenarbeit und hybride Bedrohungen. (Bild: Feuerwehr-Magazin | Hendrich)

Feuerwehr Hannover: Echte Zeitenwende gefordert

Christoph Bahlmann, Direktor der Feuerwehr Hannover, brachte die kommunale Sicht ein. Bevölkerungsschutz treffe die Menschen vor allem zu Hause – bei Strom- und Trinkwasserausfällen oder Cyberangriffen. Daraus ergäben sich konkrete Anforderungen: Warnung der Bevölkerung auf digitalem und analogem Weg, Kriseninformation, Einrichtung von Schutzräumen, Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Wasser, Gesundheitsvorsorge – im Extremfall auch die Versorgung verwundeter Soldaten. Überregionale und langfristige Krisen seien besonders herausfordernd und erforderten erhebliche Ressourcen in Zeit, Geld und Personal. Bahlmann kritisierte das Fehlen bundeseinheitlicher Einsatzplanung und Konzepte. Kommunale Haushalte könnten umfangreiche Zusatzbelastungen nicht mehr tragen. Er forderte mehr Bundesmittel sowie eine stärkere Vereinheitlichung – verbunden mit dem Appell für eine „dringend nötige“ echte Zeitenwende im Bevölkerungsschutz.

Vorführung am hannoverschen Flughafengelände: Die Flughafenfeuerwehr gibt einen Einblick in die Leistungsfähigkeit moderner Großlöschfahrzeuge. (Bild: Feuerwehr-Magazin | Hendrich)

DFV: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) als ideeller Partner der Interschutz bringt es auf einen Satz: „Feuerwehr ist Mensch plus Technik.“ DFV-Vizepräsident Frank Hachemer mahnte beim Fachpressetag, bei aller Innovationsfreude den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Der DFV ist in Halle 27, Stand D46, vertreten und stellt dort Fragen rund um Mitgliedergewinnung, zeitgemäße Ausbildung und langfristiges Engagement in den Mittelpunkt. Zugleich soll die Bevölkerung über persönliche Vorsorge und richtiges Verhalten im Notfall informiert werden, um die Belastung der Feuerwehren auf ein bewältigbares Maß zu reduzieren. Am Stand sind neben Landesfeuerwehrverbänden auch die Deutsche Jugendfeuerwehr und der Weltfeuerwehrverband CTIF vertreten; auf der „Plaza“ sind praxisorientierte Fachvorträge geplant.

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DRK zeigt erstmals mobiles Krankenhaus

Das Deutsche Rote Kreuz nutzt die Interschutz für eine Premiere: In Halle 23 zeigt der Verband erstmals ein großes mobiles Krankenhaus. DRK-Vizepräsident Jürgen Christmann beschrieb das Vorhaben als „Krankenhaus aus der Kiste“, ein System, das moderne Technik und komplexe Logistik in transportabler Form bündelt. Am Stand präsentiert das DRK außerdem Themen wie Rettungsdienst und Krankentransport, Berg- und Wasserwacht, Luftrettung, Drohnenaufklärung sowie Projekte zur Stromversorgung an abgelegenen Stellen (resultierend aus dem Ahrtal-Einsatz). Christmann verwies auf 450.000 DRK-Ehrenamtliche und 40 Auslandsbüros. Für den Bevölkerungsschutz forderte er unter anderem, 0,5 Prozent des Bundeshaushalts zu investieren, sowie eine bundesweite „Rettergleichstellung“ als Standard. Mit Blick auf das Betreuungsmodul 5000 verwies Christmann darauf, dass 2019 zehn Module in Aussicht gestellt wurden, aktuell aber nur 1,5 Module finanziert und beschafft seien – die Finanzierung des Unterhalts nach 2026 sei unklar.

Jürgen Christmann (Vizepräsident im DRK-Bundesverband) stellte bei der Fachpressekonferenz zur Interschutz 2026 den DRK-Auftritt vor – unter anderem mit einem großen mobilen Krankenhaus in Halle 23. (Bild: Feuerwehr-Magazin | Hendrich)

Rahmenprogramm: Wettkampf, Technik und Führung

Neben der Ausstellung bietet die Interschutz ein umfangreiches Rahmenprogramm. Ein Smart Public Safety Hub widmet sich der Zukunft der Einsatzleitung. Sportlich messen sich Feuerwehrfrauen und -männer aus aller Welt bei den FireFit European Championships. Praktische Rettungsszenarien stehen bei der Holmatro Rescue Challenge im Fokus: Teams treten an, um einen eingeklemmten Patienten mit modernsten Rettungsgeräten innerhalb von 20 Minuten aus einem Fahrzeug zu befreien. Weitere Aktionsformate sind die Lukas Crash Days und die S-Gard Safetytour. Als Premiere öffnet der Höhenretter-Pavillon 34. Am Samstag, 6. Juni 2026, findet dort ein nationaler Leistungsvergleich statt. Für Führungskräfte richtet die Föderation der European Fire Officers (FEU) am 3. und 4. Juni 2026 ihre Leadership-Konferenz aus, zu der rund 300 Teilnehmende erwartet werden.

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