Donnerstag, 19. Januar 2017

Schlauchpakete und Schlauchmanagement – Einsatz-Taktik

16. September 2016 von  

Bietet das Schlauchpaket einen Vorteil im Innenangriff und kann so das Schlauchmanagement erleichtert werden? Beim Vorgehen des Angriffstrupps mit einer Schlauchleitung im Innenangriff gibt es zahlreiche Hindernisse, die einen effizienten Einsatz verzögern – oder sogar unmöglich machen können. Mit dem Schlauchpaket gibt es eine Alternative, um Schläuche in Gebäuden besser handhaben zu können und so das Schlauchmanagement zu verbessern.

Grundsätzlich muss das Schlauchmanagement mit dem Aufbau der Einsatzstelle harmonieren. Die Einsatzstelle muss daher so ordentlich und strukturiert wie möglich aufgebaut werden, um so auch das Schlauchmanagement zu erleichtern. Dazu gehören:

  • Aufstellfläche für Drehleiter
  • Aufstellfläche für Lüfter
  • Reduzierung von Stolpergefahren
  • freie Fluchtwege für Bewohner
  • freier Angriffsweg, auch für folgende Trupps, beziehungsweise Rückzugsweg
Schlauchpakete_Schlauchmanagement_Einsatz_Feuerwehr_III

Die Schlauchreserve sollte auch unter Nullsicht und Stress sicher funktionieren. Ansonsten gibt es wie hier Kuddelmuddel.

Der Angriffstrupp sollte seine Leitung alleine verlegen können und ein Einsatzerfolg tatsächlich gewährleistet werden. Nicht zu verachten sind dabei Sicherheitsreserven in Bezug auf den Volumenstrom.

Schlauchpakete packen

Nachdem die Freiwillige Feuerwehr Bramsche-Achmer (NI) im Jahr 2000 standardisiert Schlauchtragekörbe eingeführt hatte, fiel als Hauptproblem die Herstellung der Schlauchreserve auf. Zudem wurde das Hohlstrahlrohr im Mannschaftsraum gelagert, es konnte vergessen werden und belegte eine Hand des Trupps. Eine Mitnahme des Rohres im Korb war aus Platzgründen nicht zu realisieren. Erste Ideen zur Verbesserung brachten Versuche mit einem Schlauchpaket „Reserve in Buchten“, das im Sommer 2006 getestet und im April 2007 durch ein Schlauchpaket „Reserve in Kreisen“ ersetzt wurde.

Zur Herstellung eines Schlauchpaket kann jeder genormte C-Schlauch verwendet werden. Sinnvoll sind C-Schläuche in 15 oder 20 Meter Länge, aber auch 30 Meter sind noch zu handhaben. Ein C 52 (52 Millimeter Innendurchmesser) kann ebenso verwendet werden wie ein C 42 oder C 38. Der Gewichtsunterschied zwischen C 42 und C 52 liegt im gefüllten Zustand bei zirka zwölf Kilogramm auf 15 Meter.

Die Länge des Schlauchpakets sollte aus praktischen Gründen zwischen 1,5 und zwei Metern liegen. Zur Fixierung des Schlauchpakets sind zwei bis vier Schlauchbänder nötig. Das Hohlstrahlrohr ist direkt angeschlossen, wird mit eingebunden und kann somit nicht vergessen werden.

Schlauchpakete_Schlauchmanagement_Einsatz_Feuerwehr_II

Schlauchpaket Kreis (oben) und Schlauchpaket in Buchten (unten). Nach Möglichkeit sollte immer auch das Rohr fixiert werden (Klett 1 für Rohr, Klett 2 für Paketmitte, Klett 3 für Kupplung).

Unabhängig von der Verwendung als Schlauchreserve machen Schlauchpakete vor allem bei der Bekämpfung von Bränden in mehrgeschossigen Häusern und Hochhäusern ohne funktionsfähige Steigleitung Sinn. Die Gewichtsersparnis sowie die ergonomischen Vorteile bieten überzeugende Argumente gegenüber einem Schlauchtragekorb.

Schlauchpaket – Reserve in Buchten

Für die Testphase wurde in Achmer ein Schlauch C 42-15 (Innendurchmesser 42 Millimeter, 15 Meter lang) mit angeschlossenem Hohlstrahlrohr benutzt, um das Schlauchpaket paacken. Durch zwei Klettbänder wurde das Schlauchpaket aus sechs Buchten fixiert. Sollte der Schlauch mehr als 15 Meter nachgezogen werden müssen, sollen Klemmgleitringe ein Festhängen verhindern. Das Rohr und die Kupplung liegen auf einer Seite. Auf der anderen Seite sind die 2. und 5. Bucht deutlich länger, um die Schlauchreserve einfacher herstellen zu können. Das Schlauchpaket wird vom Angriffstruppmann auf einer Schulter getragen, das Rohr zeigt dabei nach vorne und wird eng am Körper getragen.

Mit Schlauchtragekörben wird vom Verteiler bis zum Brandherd beziehungsweise bis zu einer heißen Tür vorgegangen. Unterwegs kann der vordere Klettgurt entfernt werden. Am Brandherd/vor der heißen Tür werden das Schlauchpaket abgelegt und die hintere Fixierung ebenfalls gelöst. Der Angriffstruppmann schließt die Kupplung an den bereitliegenden Schlauch an und bereitet das Hohlstrahlrohr vor. Der Angriffstruppführer zieht an den beiden Schlaufen und stellt die Schlauchreserve her, möglichst ohne den (Flucht-)Weg zu blockieren. In Treppenräumen empfiehlt sich die Verlegung nach oben, um das Eigengewicht des Schlauches beim Nachziehen auszunutzen.

Vorteile:

  • Das Paket ist leicht zu tragen, zum Beispiel auf einer Schulter oder auf dem Atemschutzgerät.
  • Vorgehen in engen Treppenhäusern/Fluren einfacher.
  • Kein Tragesystem mit unnötigem Eigengewicht, welches später „im Weg herumliegt“.
  • Hände sind im Gegensatz zum Schlauchtragekorb frei.
  • „Spaghetti“-Bildung vor der Brandraumtür wird vermindert.
  • Strahlrohr kann nicht vergessen werden, da es bereits mit eingebunden ist.

Zu beachten:

  • Schlauchpakete sind etwas umständlicher herzurichten.
  • Schlauchreserve erfordert fast vier Meter Platz.

Schlauchpaket – Reserve im Kreis

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Loop hochkant: Statt des schwierigen Nachziehens eines langgezogenen Schlauches zum Beispiel aus dem Tragekorb wird er gerollt. Stört die Schlauchreserve, kann sie „an die Wand gestellt“ werden.

Zur noch einfacheren Handhabung der Schlauchreserve wurde nach einer nordamerikanischen Idee ein Schlauchpaket als kreisförmige Reserve gepackt. Hierzu wurde ein herkömmlicher Schlauch C 52-15 mit angeschlossenem Hohlstrahlrohr mit zwei Klettbändern eingebunden. Das Strahlrohr ist hierbei innen liegend, eine Kupplung außen.

Der Trupp geht vom Verteiler mit einem Schlauchtragekorb vor (falls keine Steigleitung vorhanden ist) und schließt an der Brandraumtür das Schlauchpaket an. Während der Truppmann das Paket ankuppelt und die Klettbänder löst, fordert der Truppführer „Wasser marsch“. Nachdem das Hohlstrahlrohr gecheckt und entlüftet wurde, erfolgt das weitere Vorgehen.

Sollte im weiteren Einsatzverlauf die Schlauchreserve stören, so können die nicht genutzten Kreise hochkant an der Wand platziert werden. Stolpergefahren sind mit dieser Variante auf ein Minimum reduziert. Neben den allgemeinen Vorteilen des Schlauchpakets bietet die kreisförmige Schlauchreserve folgende Besonderheiten:

  • Schlauchreserve ist sehr schnell und einfach zu legen.
  • Paket kann direkt vor der heißen Tür platziert werden, minimaler Platzbedarf.
  • Nicht genutzte Schlauchreserve kann hochkant an eine Wand gelehnt werden, dadurch wird der Weg nahezu frei.
  • Aus der Reserve heraus kann der Schlauch nachgerollt werden (Loop).
  • Nachteile sind noch nicht bekannt.

(Text: Björn Lüssenheide, FF Bramsche-Achmer, Dr.-Ing. Holger de Vries, FF Hamburg-Stellingen)

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