Dienstag, 6. Dezember 2016

Empörte Feuerwehrkameraden in Rheinland-Pfalz

14. März 2014 von  

Koblenz (RP) – Eine Aussage von RWE-Chef Peter Terium ließ bei vielen Feuerwehrangehörigen in Rheinland-Pfalz den Kragen platzen. In den Medien wurde RWE-Chef Terium zum Geschäftsbericht des Energiekonzerns zitiert. Es ging um seine Forderungen zu Zahlungen an die Energieversorger für das Vorhalten von Kohle- und Gasstrom. Terium erklärte dazu: „Die Feuerwehr wird ja auch nicht nur dann bezahlt, wenn sie den Brand löscht.“ Doch es gibt noch mehr unzufriedene Stimmen zu anderen Themen.

Rheinland-PfalzDer LFV erhielt aus dem ganzen Bundesland empörte Meldungen von Feuerwehrkameraden. „Solch eine Aussage offenbart eigentlich enttäuschende Defizite sogar bei führenden Persönlichkeiten, was das Wissen über die Feuerwehren angeht“, betont der LFV-Präsident. Er fügt hinzu, dass er sicher sei, dass nicht allen bewusst sei, dass der Großteil des Brandschutzes von Ehrenamtlichen gestellt würde. „Da wird schließlich niemand bezahlt!“, so Hachemer.

Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes nahm dazu Stellung. „Die jüngsten Ereignisse und Äußerungen bezüglich der Feuerwehr, auch von öffentlichen Persönlichkeiten, zeigen genau das gesellschaftliche Problem auf, welches das Feuerwehrwesen in unserem Land hat: Wir genießen zwar laut Umfragen höchstes Ansehen, aber eine Vorstellung davon, was zum Betrieb und Erhalt unseres Feuerwehrwesens wirklich notwendig ist, haben viele Menschen leider nicht“, sagte Hachemer gegenüber feuerwehrmagazin.de. „Das ist gerade jetzt fatal, wo wir die breite Unterstützung für das Ehrenamt in allen Ebenen der Gesellschaft dringend brauchen.“

Urteil nach tödlichem Unfall sorgt für Enttäuschung

Zur enttäuschten Grundstimmung der Feuerwehrkameraden habe auch das kürzlich erwirkte Gerichtsurteil zum tödlichen Unfall in Worms 2008 gesorgt. Bei einer Silo-Explosion war ein Feuerwehrmann getötet worden. Aufgrund einer falschen Anordnung wurde der Einsatzleiter vom Amtsgericht Mainz für den Unfall verantwortlich gemacht. „Die Botschaft einer solchen Entscheidung ist verheerend“, betont der LFV-Präsident.

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Hachemer fasst die Rückmeldungen seiner Kameraden zusammen: „Wenn nicht mehr derjenige die Hauptverantwortung für schlimme Folgen trägt, der eine Gefahr überhaupt erst schafft, etwa durch Betreiben von Anlagen oder durch Lagerung von Stoffen und Waren, sondern allein diejenigen, die zum Beispiel daraus entstandene Brände bekämpfen – wer wird sich da künftig noch engagieren wollen? Ein Einsatzleiter kann immer auch Fehler machen. Aber er wird immer nach bestem Wissen und auf Basis aller Informationen Einsatz-Entscheidungen treffen. Wenn er dann den Kopf hinhalten soll, falls dies aus ihm gar nicht erkennbaren Gründen schiefgeht, wird sich künftig jeder Verantwortliche überlegen, ob er überhaupt tätig werden kann. Ein Schlag ins Kontor fürs Ehrenamt.“

Freistellungen als Aufreger

Ein weiterer Aufreger seien unter den Feuerwehrangehörigen die Einstellungen mancher Arbeitgeber zu Freistellungen ihrer Mitarbeiter für Feuerwehr-Einsätze. „Solche Arbeitgeber haben nicht erkannt, dass die ehrenamtliche Feuerwehr auch ihren eigenen Betrieb schützt“, macht Hachemer deutlich. „Viele Menschen denken leider: Die Feuerwehr kommt ja sowieso – wieso sollte ich da einen Beitrag leisten?“

Der rheinland-pfälzische LFV-Präsident fordert: „Es muss sich grundsätzlich an der Wahrnehmung etwas ändern. Das Wissen um die Bedeutung des Feuerwehrdienstes für jeden Bürger im Land und die Wertschätzung dürfen nicht nur in Sonntagsreden eine Rolle spielen!“

LFV diskutiert mit einer Kampagne

Er erläutert die Stimmung unter den Kameraden: „Die Feuerwehrleute spüren: In ihrem Bereich wird stets über Knappheit von Geldern gesprochen – andere Bereiche der Gesellschaft werden aber ungleich stärker mit höheren Geldbeträgen gefördert. Das nehmen die Ehrenamtlichen natürlich deutlich wahr. Und sie sehen einen Unterschied: Unsere Gesellschaft wird im schlimmsten Falle zwar immer ohne bestimmte Freizeitaktivitäten funktionieren – jedoch kaum ohne die Feuerwehr.“ Der LFV diskutiert in seiner Kampagne „Deine Heimat – Deine Feuerwehr“ über Ehrenamt, Nachwuchs und Identifikation mit der Feuerwehr.

Kommentare

10 Kommentare zu “Empörte Feuerwehrkameraden in Rheinland-Pfalz”
  1. Max Dickes sagt:

    Endlich ich habe nur auf solch einen Bericht gewartet….

  2. Mathias Fischer sagt:

    Kenne einen Kreishandwerksmeister , der sinngemäß sagt: „Ich bezahle Steuern, dann soll auch eine Berufsfeuerwehr kommen. Also brauchen wir keine freiwilligen Feuerwehren“ und “ Wenn Feuerwehrleute am Gerätehaus bauen, so ist das Schwarzarbeit“

  3. Lieber Bernd Swoboda,danke für die Meinung, unsere Initiative werde verhallen.
    Natürlich gibt es diese Erfahrung, dass man gegen Windmühlen angeht. Aber unser Landesfeuerwehrverband macht gleich dutzende Angebote, was man so alles tun kann! Wir sind außerdem dabei, unsere Aktiven überall einzubeziehen und mit dieser gemeinsamen Power hier Verbesserungen zu erreichen – denn das ist in meinen Augen als Präsident eines LFV der Sinn der Verbände.
    Und dann werden unsere Wort auch Gehör finden. Entschuldigung, dass ich da noch Zuversicht habe, aber ich sehe eben das gewaltige Potenzial, das wir haben.
    Feuerwehr betrifft jede(n) und ist eine bisher leider unerkannte (Wähler-) Macht!

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