Schon wieder ein Absturz

Warum der Einsatz von Löschflugzeugen so gefährlich ist

Bremen – Ein Löschflugzeug vom Typ Canadair 415 ist Ende Oktober bei einem Waldbrand nahe des Ätna in der Provinz Catania auf Sizilien (Italien) abgestürzt. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben. Die Maschine war eine von insgesamt 19 Löschflugzeugen des Typs Canadair der italienischen Dipartimento dei Vigili del Fuoco. Das ist das Departement für Feuerwehr, öffentliche Rettung und Zivilschutz. Augenzeugen hatten gesehen, dass die Maschine nach dem Löschmittelabwurf nahe einer Bergflanke eine scharfe Kurve flog. Dabei kollidierte sie mit dem Gelände und zerschellte.

Wie gefährlich der Einsatz von Löschflugzeugen ist, zeigte sich Ende Oktober: Auf Sizilien stürzte eine Maschine nach dem Wasserabwurf ab. Foto: Hegemann

Die jetzt verunglückte Maschine zählt zu den meistgebauten Löschflugzeugen der Welt. Die zweimotorigen Canadair 415 und ihre Vorgängerversion 215 wurden fast 50 Jahre lang vom kanadischen Hersteller Bombardier gebaut. Seit 2016 werden diese Spezialflugzeuge vom Unternehmen Viking Air in Kanada produziert. Die Flugboote werden von zwei je 2380 PS starken Propellerturbinen angetrieben. Die Canadair 415 hat vier Löschtanks mit insgesamt 6.100 Liter Fassungsvermögen, die einzeln oder zusammen abgelassen werden können.

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Sie ist das einzige Flugzeug der westlichen Welt, das speziell auf die Feuerbekämpfung aus der Luft hin konstruiert wurde. Durch ihr Amphibienfahrgestell kann sie sowohl auf Land als auch auf Wasser starten und landen. Und sie kann beim Überflug über ein Gewässer Löschmittel aufnehmen.

Im Mittelmeerraum sind Löschflugzeuge oft die einzige Chance, in den oft unzugänglichen Regionen im Hinterland der Küsten einen großflächigen Brandherd einzudämmen und die Feuerwehren am Boden effektiv zu unterstützen. Deshalb sind in Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Portugal und der Türkei Löschflugzeuge ein üblicher Anblick am Himmel.

Von dem Absturz der Maschine auf Sizilien gibt es ein Video eines Augenzeugen:

Anfang September flogen zwei Flugzeuge vom gleichen Typ (wie die nun in Sizilien abgestürzte Maschine) auch in Deutschland Löscheinsätze. Denn nahe des Brocken im Harz, der zu Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gehört, drohte ein Waldbrand in schwierigem Terrain außer Kontrolle zu geraten. Zwei italienische Canadair 415 samt Crews halfen deshalb beim Löschen aus der Luft. Es war der erste Einsatz ausländischer Löschflugzeuge in Deutschland seit 1975, als französische Canadair 215 bei einem Heidebrand in Niedersachsen unterstützten.

Mehrere Abstürze in den letzten Jahren

Egal, welches Löschflugzeug bei Waldbränden zum Einsatz kommt, das Risiko ist immer hoch. Im Juli ist eine AT-802 Fire Boss aus noch unbekannten Gründen im Waldbrandeinsatz in Portugal abgestürzt. In der Türkei crashte vor mehr als einem Jahr ein gechartertes russisches Löschflugzeug vom Typ Berijew Be-200 bei der Feuerbekämpfung. Und in Australien stürzte 2020 eine nachträglich zum Löschflugzeug umgebaute Lockheed Hercules ab. Allein bei diesen Unfällen starben 12 Menschen.

Warum sind diese Einsätze so gefährlich? Für Piloten sind Löschflüge extrem herausfordernd. So schütteln heftige Turbulenzen den Flugzeugführer in seiner Maschine über dem Brandgebiet durch. Die Sicht über dem Feuer ist durch Rauch und Qualm extrem schlecht. Dazu kommt eine hohe Anspannung über Stunden hinweg, die der Crew im Cockpit zu schaffen macht. Die Piloten steuern sowohl in der Canadair 215/415 als auch den einmotorigen Löschflugzeugen rein nach Sicht und haben deshalb kaum Zeit zum Entspannen. Diese Löscheinsätze werden alle manuell geflogen, also ohne Unterstützung eines Autopiloten. Nur so kann die Besatzung im Tiefflug das Löschmittel zielgenau über dem Brandherd abwerfen.

Anders als bei Piloten von bodengebundenen Löschflugzeugen, die auf einem Flugplatz landen, ist der Pilot einer AT-802 Fire Boss auf Schwimmern oder eine Canadair-Crew bis zur Landung zum Kraftstoff tanken im Dauereinsatz. Denn sofort nach dem Abwurf von mehreren tausend Litern Wasser über dem Feuer wird wieder auf dem nächsten geeigneten See oder im Meer aufgesetzt, erneut Löschwasser aufgenommen und zum Brandherd geflogen.

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Text: Jürgen Schelling

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