Produkt: Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei der Wasserrettung
Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei der Wasserrettung
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Verstöße gegen den Brandschutz

Brandschutzsünde des Monats

Immer wieder kommt es zu haarsträubenden Verstößen gegen den Brandschutz. Hier haben wir Euch einige zusammengestellt. Wenn Ihr eine neue Brandschutzsünde entdeckt, könnt Ihr mir gerne direkt schreiben (buchenau@feuerwehrmagazin.de).

Budapest (Ungarn) – Ich befinde mich gerade beruflich in der Innenstadt von Budapest“, schreibt Philipp Haun aus Welver (NW). „In einem Wohn- und Geschäftshaus dürfen nur noch Personen löschen, welche den passenden Schlüssel haben. In der Firma, wo ich tätig war, hat diesen niemand.“ Es bleibt die Frage, ob die Feuerwehr den passenden Schlüssel für das Vorhängeschloss hat, das den Zugang zum Wandhydranten verwehrt. Sonst hilft im Brandfall nur ein Bolzenschneider. Das kostet allerdings wertvolle Zeit.
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Dieser Wandhydrant ist durch ein Vorhängeschloss verriegelt. Foto: Haun

Berlin – Die Einspeisung dürfte im gegenwärtigen Zustand zur Herausforderung werden“, schreibt uns Philip Kögler. Es geht um die Löschwassereinspeisung am S-Bahnhof Alexanderplatz in Berlin. Die rechte der beiden Leitungen ist offenbar verdreht worden, sodass die beiden Schlauchanschlüsse nach innen zeigen. Im Einsatzfall könnte die Feuerwehr zunächst nur die Hälfte der vorhandenen Anlage nutzen. Ob sich das rechte Rohr einfach zurückdrehen lässt, ist fraglich.

Die rechte Leitung ist verdreht worden, sodass die Anschlüsse nach innen zeigen und nicht genutzt werden können. Foto: Kögler

Grado (Italien) – Helmut Hausmann aus dem österreichischen Villach-Landskron hat uns eine Brandschutzsünde aus seinem Urlaub zugeschickt. Der Wandhydrant eines Hotels in Grado (Ita-lien) ist vom Personal im wahrsten Sinn des Wortes zugebaut worden. Der Zugriff zum Hydranten ist durch einen Tisch versperrt, auf dem zahlreiche Tassen und Untertassen stehen. Zu allem Überfluss ist der Hydranten mit einem weißen Tuch abgehängt worden. Obendrauf wurden außerdem drei Stapel Untertassen gestellt.

In einem italienischen Hotel verschwindet ein Hydrant kurzerhand unter einem weißen Tuch sowie Tassen und Untertassen. Foto: Hausmann

Parchim (MV) – Als sich Jonas Lutzke auf dem Musikfestival “Airbeat One” auf einem Flugplatz in Neustadt-Glewe (Kreis Ludwigslust-Parchim) den Notausgang genauer besah, staunte er nicht schlecht: Die Doppeltür aus mit Rollen versehenen Bauzäunen war verrammelt. Jemand hatte den Notausgang mit einem Band zugeknotet und zusätzlich mit einem Kabelbinder versperrt. Was das für schlimme Folgen bei dem Festival mit rund 55.000 Besuchern haben könnte, ist kaum auszumalen.

Brandschutzsünde
Der Notausgang eines Musikfestivals mit 55.000 Besuchern ist durch ein verknotetes Band und einen Kabelbinder zugesperrt. Foto: Jonas Lutzke

Regensburg (BY) – Auf einer Baustelle in Regensburg (BY) hat Dominik Graf diese leicht zu vermeidende Brandschutzsünde entdeckt. Ein Dixi-Klo wurde direkt neben einen Überflurhydranten gestellt. Ein B-Abgang ist zwar noch frei, aber spätestens beim Öffnen des Hydranten würde die Feuerwehr Probleme bekommen. Hätte die Firma das Häuschen einen halben Meter weiter links aufgestellt, wäre alles in Ordnung gewesen. “Ich find’ das echt dreist”, sagt Graf.

Brandschutzsünde
Dieses Dixi-Klo wurde zu nah an einem Überflurhydranten aufgestellt. Foto: Dominik Graf

Lübeck (SH) – “In einem Spielzeuggeschäft in Lübeck habe ich meinen Augen nicht getraut”, schreibt Heiko Bergfelder, stellvertretender Gemeindewehrführer der FF Pronstorf. Ein Feuerlöscher ist durch Spielzeug vom Feuerwehrmann Sam verdeckt. “Der Feuerlöscher ist zudem noch an einer Wandhalterung montiert, aus der er nach oben hin herausgehoben wird. Das ist hier nicht möglich, da das Regal so tief angebracht ist. Auf meinen Hinweis an die Geschäftsinhaber wurde mir nur gesagt, dass es ja noch weitere Feuerlöscher im Geschäft gibt und für den verdeckten Löscher ja die Hausverwaltung zuständig ist.” Der Brandschutzbeauftragte der Verwaltung sei erst da gewesen und alles war ok. “Unglaubliche Sache, aber wahr”, resümiert der Oberbrandmeister.

Brandschutzsünde
Erst auf den zweiten Blick ist der echte Feuer-löscher hinter Spielzeuglöschern unten rechts zu erkennen. Das einzig Positive: Das Hinweis-schild ist klar sichtbar aufgehängt. Foto: Heiko Bergfelder

Kleinblittersdorf (SL) – Als Gast einer Hochzeit in Kleinblittersdorf (Regionalverband Saarbrücken) hat Niko Pawendenat eine Fluchttür entdeckt, die den Feiernden im Notfall aber nicht viel helfen würde. “Der komplette Fluchtweg war mit Stühlen und Tischen zugestellt”, erklärt Pawendenat. Im Brandfall wäre hier Endstation für die Fliehenden. Neben der Fluchttür sind ein Erste Hilfe-Kasten und ein Feuerlöscher samt Beschilderung vorschriftsmäßig und frei zugänglich aufgehängt. Allerdings nutzt jemand den Feuerlöscher als Kleiderständer und hat seine Jacke darüber gehängt. Besonders kurios bei dieser zweiten Brandschutzsünde wirkt der Kleiderhaken an der Wand direkt darüber.

Brandschutzsünde
Tische und Stühle versperren komplett diesen Fluchtweg. Im Brandfall wäre hier Endstation für die Fliehenden. Foto: Niko Pawendenat

Süderstapel (SH) – Bei der jährlichen Sicht- und Funktionsprüfung der Hydranten im Gemeindegebiet von Süderstapel trauen die Feuerwehrleute ihren Augen nicht. “Ein Löschwassersauganschluss war vom Grundstückseigentümer mit Maschendrahtzaun eingefasst worden und somit für die Einsatzkräfte schwer zugänglich”, erklärt Gemeindewehrführer Björn Baumann. Während der Überprüfung entfernten die Kameraden den Zaun, sodass die Wasserentnahmestelle wieder frei zugänglich ist. “Von weiteren Schritten gegen den Eigentümer haben wir abgesehen”, sagt Baumann.

Ein Grundstückseigentümer hatte einen Hydranten mit Maschendrahtzaun eingefasst. Foto: Björn Baumann

Rhodos (Griechenland) – Im Speisesaal eines Hotels auf der griechischen Insel Rhodos hat Florian Roth von der Freiwilligen Feuerwehr Mainz-Weisenau diesen Notausgang entdeckt. Doch dieser war sowohl von innen als auch von außen mit einem Tisch zugestellt. “Der zur Verfügung gestellte Feuerlöscher war zudem leider auch schwer zugänglich, sobald der Tisch besetzt war”, erklärt Roth. “Die Bediensteten sahen das eher gelassen und nahmen es mit der griechischen Gelassenheit so hin.”

Dieser Notausgang in einem Hotel auf Rhodos ist von innen und außen mit Tischen zugestellt. Foto: Florian Roth

Rheinhausen (BW) – Andreas Lang, stellvertretender Kommandant der FF Rheinhausen und Fachberater Bau des THW, hat diese Brandschutzsünde in einem Industriebetrieb entdeckt. “Die Metallblech- Coils (Spulen) wiegen mehrere hundert Kilogramm und lassen sich nicht von Hand bewegen”, erklärt Lang. “Auch der Feuerlösch- und Schlauchschrank links davon hat schon bessere Zeiten gesehen und ist aktuell ohne Funktion. Wenn auch die Halle als Lagerhalle genutzt wird und sich relativ wenig Mitarbeiter in ihr aufhalten sollte doch gelten: Wehret den Anfängen.” Sicheres Arbeiten sieht anders aus.

Diese vor einer Fluchttür abgestellte Palette mit einer großen Metallblech-Spule ist von Hand nicht zu bewegen. Foto: Andreas Lang

Bad Schwalbach (HE) – In einer Reha-Klinik in Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) hat Bernhard Kleespies folgende Brandschutzsünde entdeckt: “In einem Verbindungsgang zwischen drei Gebäuden waren sämtliche Rauchmelder (8 Stück) sorgfältig zugeklebt”, sagt Kleespies. In dem Gang hängen lose Kabel von der Decke. Brandschotts zu Nachbarräumen und Brandschutzkanäle sind geöffnet beziehungsweise nicht vorhanden.

In diesem Gang einer Reha-Klinik sind acht Rauchmelder zugeklebt. Brandschotts stehen offen oder sind nicht vorhanden. Foto: Bernhard Kleespies

Die automatischen Feuerschutztüren sind alle geöffnet. “Hier schließt sicher keine Tür automatisch, wenn im Gang Rauch entsteht. Eine Ausbreitung in alle Gebäude ist die Folge”, schlussfolgert Kleespies. 2 Wochen später hat sich nichts geändert und er spricht die Verwaltung an. Der Zustand sei bekannt und die Melderlinien aus der Brandmeldeanlage herausgenommen. “Die Melder blieben weiterhin zugeklebt, obwohl ich dem stellvertretenden Verwaltungsleiter nach weiteren 4 Tagen nochmals auf die Brisanz angesprochen habe.”

Berlin – Tobias Holz hat bei einem Besuch in einem Berliner Elektronik-Markt eine Brandschutzsünde für uns entdeckt. Im Schließradius einer Brandschutztür sind eine Euro-Palette mit eingeschweißten Trittleitern darauf sowie eine aufgeklappte Leiter daneben abgestellt. “Das Schild weist deutlich auf eine Brandschutztür hin, welche nicht verstellt werden darf”, sagt Holz. Die Tür würde im Fall eines Feuers nicht schließen, sodass sich die Flammen ungehindert weiter verbreiten. Deshalb sollte dieser Bereich der letzte sein, um ihn als Verkaufsfläche zu nutzen.

Diese Palette mit Trittleitern steht direkt im Schließradius einer Brandschutztür eines Berliner Elektronik-Marktes. Foto: Tobias Holz

Frankfurt am Main (HE) – Dieser Wandhydrant ist zwar noch zu erkennen, aber ein bisschen weniger “Dekoration” wäre wünschenswert. Stefan Rampfel hat diese Brandschutzsünde in einem Büchershop am Frankfurter Hauptbahnhof entdeckt. Kunststoffkrebse zieren die Tür und Tragetaschen verdecken teilweise die Ränder des Hydranten. Wegen der in fast derselben Farbe gestrichenen Wand ist im Ernstfall wahrscheinlich ein zweiter Blick nötig, um die “getarnte” Tür zu finden. Der Riegel zum Öffnen des Hydranten ist aus der fotografierten Perspektive nicht sichtbar.

Dieser Wandhydrant wurde so “getarnt”, dass er im Brandfall schwer zu finden sein dürfte. Foto: Stefan Rampfel

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das hier sind nur “Mini-Brandschutzsünden”, somit leider nur die Spitze eines riesigen Eisberges. Wenn allerdings in einem 6-stöckigen Bürogebäudekomplex mit 10 Gebäudeteilen mehrere Druckerhöhungsanlagen wegen nicht durchgeführter Wartung defekt sind und einfach abgeschaltet werden, obwohl an deren Funktion die Zulassung des gesamten Gebäudes gekoppelt ist. Das ist hierbei der Fall, weil die Wandhydranten “Typ F” in allen Stockwerken an die normale Trinkwasserversorgung (Versorgung Teeküchen und Toiletten) angeschlossen sind. Der vom örtlichen Wasserversorger gelieferte Wasserdruck reicht völlig aus, um in einem etwa 20m hohem Gebäude die Spülmaschinen in den Teeküchen und die Spülkästen in den Toiletten zu versorgen, somit fällt es niemanden auf, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Wenn man am Wasserübergabepunkt Keller, von einem Druck von 5bar ausgeht, muß im Brandfall ein Löschangriff im 6. Stock, bei abgeschalteter Druckerhöhung mit max. 2,5 bar durchgeführt werden und das von einem Büroangestellten mit Schlips und Kragen ohne Feuerschutzkleidung!
    Hierbei stellt sich doch die Frage, wieso in einem Bürogebäude in einer Großstadt mitten in Deutschland, einem Land, dass für eines der höchsten Sicherheitsstandards der Welt gilt, so etwas unentdeckt bleibt?
    Die Antwort liegt im System:
    1. Die beauftragte Feuerschutzfirma überprüft die Schläuche, Schieber, tauscht sie gegebenenfalls aus, macht eine Spritzprobe (mit nur leicht aufgedrehtem Schieber, sonst ist der Teppich im Flur naß) in einen Eimer und klebt die Prüfplakette auf den Kasten. Da die vorgeschaltete umrichtergesteuerte Druckerhöhungsanlage zur Trinkwasserversorgung gehört, taucht sie somit nicht in einem Wartungsvertrag der Feuerschutzfirma auf und wird deswegen auch nicht von dieser überprüft. Sie gehört somit zur normalen Haustechnik hinzu.

    2. Der mit Hauseigentümer unter Vertrag stehende Haustechnik-Dienstleister wird die defekte Anlage, ohne Druck von Außen (den es nicht gibt) auch nicht Warten und gegebenenfalls reparieren,da alle Wartungen und Reparaturen zum Festpreis angeboten wurden einschließlich Material und die Wasserversorgung der Büroetagen schließlich funktioniert. Eine mit der Wartung und Reparatur beauftragte Spezialfirma, würde den Gewinn schmälern und somit den Interessen des Dienstleisters entgegen stehen. Der Hauseigentümer bekommt von den hierbei sicherheitsrelevanten Mängeln nichts mit, da der Haustechnik-Dienstleister dem Hauseigentümer bei Vertragsabschluß “wöchentliche Kontrollgänge mit der schriftlichen Dokumentierung, des technischen Zustandes sämtlicher Anlagen” anbietet, so das er glaubt, dass sein Gebäude in gutem Zustand und bei dem Haustechnik-Unternehmen in besten Händen ist.

    Und das läuft folgendermaßen ab:
    Man nehme einen jungen Mitarbeiter Anfang 20, naiv, meist aus einem handwerklichen Beruf, aber ohne gewerkübergreifende, brandschutztechnische oder gar rechtliche Kenntnisse. Man gebe ihm ein Klemmbrett mit Kontrollzetteln, auf dem alle technischen Anlagen
    im Gebäude mit “OK” oder “NICHT OK” oder “Mangelbeschreibung” angekreuzt werden können. Selbstverständlich werden solche Mitarbeiter dazu angehalten, immer alles mit “OK” anzukreuzen und mit Datum und Unterschrift zu versehen. Da ich einige Wochen in einem solchen Unternehmen vertretungsweise gearbeitet habe und von einem solchen Mitarbeiter “eingewiesen” wurde, weiß ich, dass das von den Mitarbeitern so verlangt wird.
    Bei den jährlich stattfindenden Brandschutzbegehungen der Feuerwehr, werden zwar Mängel, wie nicht schließende Brandschutztüren entlarvt, um aber alle Brandschutzmängel zu entdecken, muß man vor allem unangemeldet auftauchen, wissen wo man hingucken muss und die Tricks der Haustechniker kennen. Ähnlich verhält es sich in der Hotelbranche, “unbequeme”Haustechniker die sich mit Brandschutz auskennen und denen diverse Brandschutzmängel im Haus bekannt sind, werden niemals mit der Feuerwehr den Rundgang durchführen.

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  2. @St. Böhm: Auf dem Schild steht “ständig frei halten” und nicht “meistens frei halten”.

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  3. Auch wenn es die Sache nicht wirklich besser macht:
    In dem “Berliner Elektronik-Markt” finden gerade umfangreiche Umbauarbeiten statt.
    Und da wird manches Teil hin und her geschoben und steht auch mal im Weg.
    An “normalen” Tagen sind die Fluchtwege dort frei und die Brandschutzanlagen in Ordnung.

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