Service-Artikel in FM 9/2026

Innenangriff: So bleibt die Erkundung unter Nullsicht strukturiert

Im Innenangriff ist Erkundung kein einmaliger Schritt, sondern begleitet den Trupp während des gesamten Vorgehens. Rauchentwicklung, Temperatur, Ventilation und Veränderungen im Raum müssen kontinuierlich neu bewertet werden.

Unter Nullsicht und in glühender Hitze muss der Trupp die Lage im Objekt jederzeit lesen und gezielt handeln können. Foto: Wentzel

Unter Nullsicht verlagert sich die Wahrnehmung: Tastsinn und Raumgefühl gewinnen an Bedeutung. Auch innerhalb des Trupps können die Aufgaben geteilt werden. Während ein Truppmitglied beispielsweise Weg, Hindernisse und Schlauchleitung im Blick behält, beobachtet das andere verstärkt Rauchschicht, Öffnungen und Veränderungen im Raum. Entscheidend ist der gegenseitige Austausch der Wahrnehmungen.

Anzeige

Sonderheft: Verhalten im Innenangriff

Aktualisierte Neuauflage +++ das begehrte Ausbildungs-Sonderhefte „Verhalten im Innengriff“

8,80 €
9,80 €
Lieferzeit: 2-3 Werktage
AGB

Ein Hilfsmittel für die strukturierte Orientierung ist der Würfelblick. Dabei betrachtet der Trupp nicht nur den Bereich vor sich, sondern bewusst auch die Seiten, den Boden, den Bereich oberhalb und den Rückweg. Die Wärmebildkamera (WBK) kann diesen Blick ergänzen, etwa indem sie Raumkonturen, Temperaturunterschiede, Hindernisse oder Personen sichtbar macht. Sie ersetzt die systematische Erkundung jedoch nicht. Wer sich dauerhaft auf das Display konzentriert, kann zudem einen Tunnelblick entwickeln.

Besondere Aufmerksamkeit verlangen Türöffnungen. Sie verändern Luft- und Strömungsverhältnisse und können einem Brand Sauerstoff zuführen. Rauch im Türspalt, Druckverhältnisse und Strömungsrichtungen liefern deshalb wichtige Hinweise für die weitere Beurteilung.

Zur Strukturierung dient das GLUT-Schema:

G – Gebäude
Wie ist das Gebäude konstruiert? Bauweise, Baustoffe, Dämmung, Brandlast, Größe und mögliche verdeckte Ausbreitungswege beeinflussen die Brandentwicklung.

L – Lies den Rauch
Wie verhält sich der Rauch – und wie verändert er sich? Dichte, Strömung, Rauchschicht und Verwirbelungen liefern Hinweise auf die Entwicklung des Brandes.

U – Unterventiliert?
Steht dem Brand ausreichend Sauerstoff zur Verfügung? Wenige Ventilationsöffnungen können auf einen unterventilierten Brand hindeuten. Das Öffnen von Türen oder Fenstern kann die Bedingungen schlagartig verändern.

T – Temperaturentwicklung
Wie entwickelt sich die thermische Belastung? Besonders wichtig ist die Reaktion auf eingeleitete Maßnahmen: Wird es besser, bleibt die Situation unverändert oder verschärft sie sich?

Das GLUT-Schema ist kein Punktesystem für die Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch des Innenangriffs. Vielmehr soll es helfen, Beobachtungen zusammenzuführen und Veränderungen frühzeitig in das taktische Vorgehen einzubeziehen.

Mehr im Heft: In Feuerwehr-Magazin 9/2026 könnt Ihr im Service-Artikel „Lage erkennen, bevor sie sie kippt“ mehr zum strukturierten Vorgehen, zum GLUT-Schema und zu No-gos lesen. Unser Autor Philipp Wentzel hat darin das Wichtigste auf 6 Seiten zusammengetragen.

Feuerwehr-Magazin 2026-09
5,50 €
6,50 €
Lieferzeit: 3 - 5 Werktage
AGB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert