Leverkusen (NW) – 60 Sekunden lang liest Werkfeuerwehrfrau Siona Drebber mit aufgesetzter Atemschutzmaske einen Text laut vor; zwei Schläuche verbinden den Filteraufsatz mit einem Messgerät. Danach steht fest: Der Test ist bestanden, die Maske sitzt gut. Die Werkfeuerwehr Chempark hat am Standort Leverkusen ein Konzept entwickelt, mit dem sich der Dichtsitz von Atemschutzmasken quantitativ und mobil überprüfen lässt.
Dichtigkeitsprüfung einer Atemschutz-Vollmaske: Werkfeuerwehrfrau Siona Debber (l.) liest im Fit Testing Mobil der WF Chempark einen Text laut vor. Fabian Lüttecke (r.) beobachtet Zeit und Messdaten auf einem Laptopmonitor. Als Dienstleistung bietet die WF die Prüfungen auch externen Kunden in der Region an. (Bild: Rüffer)
Vom Handballentest zum Messwert
Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 „Atemschutz“ schreibt für Atemschutzgeräteträger (AGT) vor der Nutzung umluftunabhängiger Geräte eine Einsatzkurzprüfung der Maske vor. Beim sogenannten Handballentest verschließt der AGT die Anschlussstelle mit der Handfläche, atmet ein und hält die Luft an. Bleibt der dabei entstehende Unterdruck einige Sekunden bestehen, gilt die Maske als dicht.
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Die DGUV Regel 112-190 bezeichnet dieses Verfahren als qualitative Anpassungsüberprüfung: Das Ergebnis lautet „dicht“ oder „undicht“. Eine quantitative Anpassungsüberprüfung liefert dagegen Messwerte. Sie ist bei Feuerwehren nicht standardmäßig vorgeschrieben, sondern wird laut Marc Wilke, Leiter des Fachbereichs Betrieblicher Brandschutz der Werkfeuerwehr Chempark, bei wiederholten Undichtigkeiten als zusätzliche Maßnahme empfohlen.
Für die Messung nutzt die Werkfeuerwehr ein tragbares Atemschutzmasken-Dichtsitzprüfgerät. Es vergleicht die Zahl von Partikeln in der Umgebungsluft mit der Partikelzahl innerhalb der getragenen Maske. Aus diesem Verhältnis berechnet die Software den sogenannten Fit-Faktor. Er beschreibt die individuelle Schutzwirkung des Atemanschlusses; bei einer Vollmaske muss der Wert laut DGUV Regel 2.000 betragen.
Studie zeigt Schwächen beim Maskensitz
2025 untersuchten Wilke und sein Team den Sitz von Atemschutzmasken in einer betrieblichen Studie. Die Probanden kamen aus allen Bereichen der Chempark-Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Über ein halbes Jahr wurden ihre Daten anonym erfasst. Jeder Teilnehmer trug seine persönliche Maske und legte sie selbst an.
Die Hardware für das Fit Testing (v. l.): Partikel-Generator, Atemschutzmasken-Dichtsitzprüfgerät und Laptop mit Auswertungssoftware. (Bild: Rüffer)
Das Ergebnis fiel deutlich aus. „Fast ein Viertel der Masken saß anfangs schlecht und gefährdete somit die Gesundheit und Sicherheit der Träger“, sagt Wilke. Besonders stark wirkten sich nach seinen Angaben die Sprechanteile des Testprogramms aus.
Für die Werkfeuerwehr hat das Thema hohe praktische Bedeutung. „90 Prozent unserer Einsätze sind Gefahrstofflagen, dementsprechend hoch ist das Risiko für unsere Atemschutzgeräteträger“, erklärt Wilke. Auch Beschäftigte und Handwerker an den Chempark-Standorten nutzen Filter- und umluftunabhängige Atemschutzgeräte.
Inzwischen bietet die Werkfeuerwehr die quantitative Anpassungsüberprüfung auch extern als Dienstleistung an und berät zum richtigen Anlegen und Tragen der Maske. Nach Wilkes Angaben stimmen dabei häufig die Maskengröße oder das Anziehen der Bebänderung nicht. Das Konzept stellte er auch dem Werkfeuerwehrverband und dem Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen vor. Sein Ziel ist ein bundesweit einheitliches Modell für quantitative Anpassungsüberprüfungen.
Der vollständige Fachbeitrag von Michael Rüffer in Feuerwehr-Magazin 9/2026 zeigt unter anderem, wie der genaue Testaufbau mit Partikelgenerator und Kochsalzlösung funktioniert, welche Auswirkungen Bartwuchs auf den Dichtsitz hat, wie die Werkfeuerwehr einen ausgemusterten RTW zum mobilen Prüflabor umgebaut hat und welche Pläne es für ein bundesweit einheitliches Modell gibt.